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Das Ende von Big Pharma

Das Ende von Big Pharma

Ein besseres Gesundheitssystem, bessere Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Pfleger sowie bessere Medikamente zum halben Preis sind zum Greifen nah. Wir müssen nur endlich die Pharmaindustrie verbieten.

Die Marketingabteilungen der Pharmaindustrie haben fraglos viel Bewundernswertes geleistet – Unmengen Krankheiten mit originellen Namen erfunden, allerlei Grenzwerte so verschieben lassen, dass Millionen Gesunde über Nacht als behandlungsbedürftig krank galten, zudem gekonnt verschleiert, dass „verschreibungsgemäß eingenommene Medikamente“ im zivilisierten Westen (USA und Europa) hinter Krebs und Herz-Kreislauf-Kasperln in den Killer-Charts auf Platz 3 stehen - mit etwa 200.000 Todesopfern pro Jahr.

Dennoch wird die größte Leistung von Big Pharma so gut wie nie gebührend gewürdigt, nämlich die porentiefe Säuberung unseres kollektiven moralischen Bewusstseins betreffend die Branche an sich. Gelangen wir doch allenfalls noch zur kritischen Erkenntnis, dass man der Pharma-Industrie eigentlich ein paar strengere Regeln auferlegen sollte, um Mord und Verschreibungstotschlag wenigstens einzudämmen; aber dass es dieses alljährliche Eine-Billion-Dollar-Geschäft gar nicht geben darf, dieses sichere Wissen befindet sich seit Urzeiten schlicht außerhalb unseres Blickfeldes. Es dorthin zu verschieben, ins off, verdient möglicherweise unseren finalen Applaus, aber danach schütteln wir uns bitte nur noch kurz kollektiv und verlassen diesen beschämenden Irrweg rasch und endgültig.

Das macht man nämlich nicht. Das gehört sich nicht. Das ist wahlweise unanständig, unmoralisch, Sünde oder superfies. Das: Sich am Leid Kranker bereichern. Und genau das nicken wir alle seit Jahrzehnten ab, meist stillschweigend, gelegentlich per Wahlkreuz.

Wohl werden die meisten von uns zu diesem Imperativ „Man bereichert sich nicht am Leid Kranker“ energisch nicken, denn wir stellen uns ja reflexartig vor, wir selbst würden einem Verunfallten erst mal ein Kreditkartenlesegerät hinhalten, bevor wir ihn in die stabile Seitenlage drehen – aber merkwürdigerweise sehen wir dabei nicht den „Elefant im Zimmer“, nämlich die Pharma-Industrie, die sich exakt so verhält.

Die menschlichen Grundbedürfnisse „Gesundheit“ oder wenigstens „Schmerzlinderung“, die unter Nichtpsychopathen kein Wirtschaftsgut sein können, setzt die Pharmaindustrie gleich mit dem Wunsch nach einem neuen Auto oder iPhone: Kann man haben wollen, muss man aber zum Vorteil des Produzenten bezahlen können. Und wir haben uns genau das bis heute als zulässig verkaufen lassen. Ist es aber nicht. Sondern absolut verwerflich. Weshalb wir es ab heute verbieten. Die persönliche Bereicherung an der Notlage anderer ist ab heute untersagt, die Pharmaindustrie hiermit verboten.

Unsere von den Marketing-Abteilungen sauber gewaschenen Gehirne feuern bei einem solchen nie gehörten, unerhörten Verbot natürlich spontan aus allen Rohren – denn die Pharma-Industrie schafft doch Arbeitsplätze! Und Steuereinnahmen! Und ohne sie hätten wir keine so guten Medikamente! Selbst wenn es so wäre (was es nicht ist, siehe gleich) hieße das, dass wir für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sogar die Würde und das Leben unserer Kranken zu opfern bereit sind, und das kann ja nun wirklich nicht unser Ernst sein.

Mit der gleichen Begründung („schafft Arbeitsplätze!“) könnten wir ja auch die Profession des Massenmörders zum Ausbildungsberuf machen, und das fiele uns nun wirklich nicht ein, jedenfalls nicht als „kann man schon machen, ist moralisch ok.“

Eben nicht. Und deshalb bleibt es dabei: Die Pharmaindustrie ist verboten, weil man das nicht macht: Sich am Leid Kranker persönlich bereichern. Geht nicht. Ist nicht. Ende der Durchsage. No Go. Kein Verhandlungsspielraum, Schicht im Schacht, Feierabend, Basta.

Post Pharma

Nachdem wir uns nun wegen Unanfechtbarkeit dieses Arguments unumstößlich darauf geeinigt haben, Big Pharma zu eliminieren, könnten wir schweigen und den rechtlichen Rest der raschen Umsetzung durch den Gesetzgeber überlassen, wollen aber sicherheitshalber doch noch einen beruhigenden Blick auf das Danach werfen – auf das, was bleibt und entsteht, wenn die Pharmaindustrie und die mit ihr zusammengewobenen Legenden aus unserem Leben und Blickfeld verschwunden sind. Denn wir werden post Pharma nicht nur 200.000 Tote pro Jahr weniger zu beklagen haben, wir werden auch über bessere Medikamente zum halben Preis verfügen und den Rest des bislang aufgewandten Budgets in die Verbesserung unserer Gesundheitssysteme investieren.

Machen wir uns bewusst, dass vor Verbot und Ächtung der todbringenden Branche lediglich 15-20% des Gesamtbudgets unserer Pharmafirmen in Forschung und Entwicklung investiert wurden, der Rest vorwiegend in Verwaltung, Marketing und Vertrieb. Machen wir uns überdies bewusst, dass die Innovationskraft der Branche längst nahe Null lag (La Revue Precrire verleiht jedes Jahr einen Preis für den wichtigsten Durchbruch (die „Goldene Tablette“), fand jedoch keinen würdigen Kandidaten für 2012. Oder für 2011. Oder 2010), die Industrie zuletzt kaum mehr neue Medikamente entwickelte, kaum mehr auf eigene Kosten forschte (mehr als 80% aller Investitionen für die Grundlagenforschung, die nach neuen Medikamenten und Impfstoffen sucht, stammen aus öffentlichen Mitteln), alle ökonomisch uninteressanten Forschungsanstrengungen unterließ und nicht einmal mehr auf öffentliche Anfrage die statistischen Rohdaten ihrer selbstbezahlten Studienergebnisse vorlegte (so dass Patienten wie Ärzte absolut nicht einmal überprüfen konnten, ob die von ihnen eingesetzten Medikamente nützlich, nutzlos oder lebensgefährlich waren).

Machen wir uns bewusst, dass grandiose Raubzüge zum Geschäft von Big Pharma gehörten (nicht zuletzt der „größte Diebstahl aller Zeiten“ (Peter Goetzsche), Roches von der WHO unterstützter Marketing-Milliarden-Coup mittels des Grippemittels Tamiflu), und dass kraft dubios durchgesetzter Grenzwertsenkungen Millionen Menschen krankverordnet wurden – exemplarisch sei hier lediglich die von medizinischen Experten verabschiedete Senkung der als gesund geltenden Blutcholesterinwerte genannt, die gleich doppelt segensreich für die Pharmaindustrie war.

Denn die gegen das „böse Cholesterin“ eingesetzten Statine entwickelten sich nicht nur zu stabilen Milliarden-Umsatz-Blockbustern, sondern sorgten obendrein für einen hoch lukrativen Nachfolgemarkt, da die Bekämpfung des eben nicht bösen, sondern für unsere zu 20% aus Cholesterin bestehenden Gehirne so überlebenswichtigen Stoffes die Zunahme von Demenzerkrankungen zur Folge hatte – mithin schön viel neues Leid und einen schönen neuen Milliardenmarkt.

Mob & Kosten & Legenden

Machen wir uns bewusst: Was die Industrie veranstaltete, war nicht nur ineffektiv (denn trotz steigender Lebenserwartung sank de facto die Zahl unserer „krankheitsfreien Jahre“, es war auch überaus tödlich.

Dritthäufigste Todesursache nach Krebs und Herzerkrankungen waren zu Zeiten von Big Pharma in den USA und Europa: sachgerecht verabreichte Arzneimittel - mit etwa 200.000 Todesopfern im Jahr.

Zwar wurden die Täter gelegentlich doch mal überführt, längst von den Gefahren gewusst und diese verschwiegen zu haben, zwar wurden sie immer wieder verurteilt, atemberaubende Milliardenstrafen zu zahlen, gerieten aber hierdurch weder ins Schwitzen noch an den Weltbörsen wenigstens temporär ins Wanken, eben weil die Täter alle Milliardenstrafsummen bereits in ihren absurden Preiskalkulationen berücksichtigt hatten. Zahlen, bitte!? Gern, in gebotener Kürze, die Strafzahlungs-Top-of-the-Pops der letzten Jahre: Novartis 2010= 423.000.000 USD, AstraSeneca 2009 = 523.000.000 USD, Johnson & Johnson 2012 =1.100.000.000 USD, Eli Lilly 2009 = 1.400.000.000 USD, Abbott 2012 = 1.500.000.000 USD, Pfizer 2009 = 2.300.000.000 USD, GlaxoSmithKline 2011 = 3.000.000.000 USD.

Machen wir uns bewusst: Bis zu unserem jetzt final gesetzten Stoppschild bei Erreichen der 1-Billion-Dollar-Umsatzgrenze (2015, nach überaus rasantem Anstieg seit 2001 (390 Milliarden) waren die Medikamenten-Kosten für unsere Kassen um etwa 10% pro Jahr gestiegen, obwohl wir immer weniger Medikamente geschluckt hatten.

Machen wir uns bewusst, dass die Pharmaindustrie (in Deutschland) vor ihrer Zerschlagung lediglich 105.000 Arbeitsplätze geschaffen hatte, davon bis zu 80% in Verwaltung, Marketing und Vertrieb. Und machen wir uns erst recht bewusst: Alle bisher von der Pharmaindustrie beschäftigten klugen Forscher werden weiterhin reichlich Arbeit haben. Und sie werden zukünftig von uns sogar besser dafür bezahlt als je zuvor. Denn wir verfügen ja plötzlich, nach dem Verbot der kriminellen Vereinigungen, über Unmengen Mittel, mit denen wir vorher das Marketing vorwiegend nutzloser oder gefährlicher Medikamente bezahlen mussten – sowie den Shareholder-Gewinn der Big-Pharma-Anteilseigner.

Machen wir uns bewusst, dass Menschen, insbesondere Mediziner und Forscher, nicht per se so unmoralisch, geldgeil und gemein sind, wie die Pharmaindustrie, von sich auf andere schließend, insinuierte. Machen wir uns klar, dass es lupenreiner Unsinn ist, ohne finanzielle Anreize würde niemand versuchen, Mittel gegen Krebs oder Kopfschmerzen zu erfinden. Die meisten Menschen kennen auch ganz andere Anreize als „persönliche Bereicherung“, und dies gilt in besonderem Maße gilt für angehende Helfer (z. B. Ärzte) und Neugierige (z. B. Wissenschaftler), die bei geeigneter Sozialisation auch gern nach jahrzehntelanger Forschung ihre lebensrettenden Wirkstoffe einfach hergeben und das für selbstverständlich halten. Oder wie sagte noch Jonas Salk, der Erfinder des Polio-Impfstoffes?:

„Das Patent gehört den Menschen. Es gibt kein Patent. Könnte man die Sonne patentieren?“

Machen wir uns bewusst: Die Erforschung und Herstellung neuer Medikamente wird nicht mit Big Pharma enden, im Gegenteil. Denn erinnern wir uns: Auch schon zu Zeiten von Big Pharma haben wir die Ausbildung unserer fähigsten Köpfe solidarisch finanziert, von der Kita bis zum Diplom bis zum Professorentitel; die Ausbildung unserer Wissenschaftler und Forscher tragen wir daher wie gehabt weiterhin als Gemeinschaft, indem wir Hochschulen und Universitäten bauen, nur dass zukünftig nicht mehr nur die Kosten von der Gemeinschaft getragen werden, sondern auch die Gewinne ihr zugute kommen.

Keine Gefahr ohne den Mob

Zu Risiken und Nebenwirkungen unseres moralisch zwingend gebotenen Verbots des Medikamenten-Mob fragen wir garantiert nicht unseren Arzt oder Apotheker. Sondern machen uns bewusst, dass keine Gefahr droht, unsere Kranken und Hilfsbedürftigen könnten zukünftig an Medikamente nicht mehr herankommen, die fremde andere (ohne Moral) entwickeln. Denn schon in der Vergangenheit haben klarer als wir denkende Menschen in kapitalistisch unterentwickelten Systemen sich diesbezüglich erfrischend unempfänglich für die Marketingverwirrungen der Industrie gezeigt – und mit klaren Vorstellungen von Menschenwürde gekontert.

Als beispielsweise 2014 von US-Forschern tatsächlich ausnahmsweise etwas Nützliches entwickelt wurde, nämlich ein wirksames Hepatitis-C-Medikament (auf dem Markt unter den Handelsnamen Harvoni und Sovaldi), stellte die indische Regierung sich auf den Standpunkt, der enthaltene Wirkstoff sei nicht originell genug, um einen Patentschutz zu rechtfertigen, was zur Folge hatte, dass Generika-Hersteller das lebensrettende Mittel seither für umgerechnet 300 US-Dollar an kranke Inder verkaufen können.

In den USA lag der Preis, festgesetzt von den Anbietern, marginal höher, nämlich bei 84.000 Dollar. Kluge, aber ungehörte Kostenrechner bemerkten daraufhin, die Kosten für die Behandlung aller US-amerikanischen Hepatitis-C-Kranken würden sich somit auf 227 Milliarden Dollar belaufen, also fast so hoch wie die Kosten für alle im Lauf eines Jahres in den USA verkauften Medikamente - 260 Milliarden Dollar. (In Deutschland lag der Verkaufspreis übrigens anfangs bei 60.000 Euro, konnte dann aber Anfang 2015 dank fähig kämpfender Politiker und Verbände gewaltig gesenkt werden auf spottbillige 45.000 Euro).

Machen wir uns bewusst: Verbot und Ächtung der Pharmaindustrie bedeuten tatsächlich den Wegfall von etwa 80.000 Arbeitsplätzen und den damit verbundenen Verlust an Steuereinnahmen. Allerdings sind die zukünftig Erwerbslosen nur Werber, Vertreter und Manager, die sich entweder in einer weniger gefährlichen Produktnische selbst auffangen oder in unseren dank des Verbots üppig neu gepolsterten sozialen Netzen. Wieso „üppig neu gepolstert?“ Na, wir wollen ja nicht unterschlagen, dass unsere Medikamente plötzlich nur noch 20% von dem kosten, was sie vor dem Verbot kosteten – wir also bummelig 30 Milliarden im Jahr zukünftig sinnvoller verwenden können als für Vertreter und Zettelsortierer.

Machen wir uns aber auch bewusst, rückblickend selbstkritisch:

Dass die Marktteilnehmer alles getan haben, was gesetzlich erlaubt war, können wir ihnen nicht vorwerfen. Wohl aber uns, als Gesellschaft, und unseren gewählten Vertretern. Nicht die Pharmaindustrie war „verdorben“: Wir waren es.

Paradies günstig abzugeben, mit reinem Gewissen

Aber das ist ja jetzt vorbei. Denn mit dem kategorischen Verbot der Pharmaindustrie haben wir eine echte Win-Win-Win-Situation geschaffen. Wir verfügen nun über bessere Medikamente, die uns nur noch 20-30% des früheren Preises kosten, wir verfügen über ein bezahlbares Gesundheitssystem mit unabhängigen Ärzte und unabhängiger Forschung im Sinn der Patienten. Und vor allem müssen wir uns nicht mehr Tag für Tag in Grund und Boden schämen.

Denn die Pharmaindustrie haben wir gesprengt, weil uns endlich klar geworden ist, dass unsere Erlaubnis, sich am Leid Kranker und Schwacher zu bereichern, unvereinbar war mit zwei unserer Grundüberzeugungen: mit der in unserem Grundgesetz festgeschriebenen Achtung der Würde des Menschen, aber auch mit jeder wenigstens am Rande moralisch oder gar christlich geprägten Gesinnung. Daher begrüßen 95% von uns das sofortige Verbot von Big Pharma von ganzem Herzen.


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