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Das missachtete Nazi-Opfer

Das missachtete Nazi-Opfer

In Berlin soll ein Denkmal für Ernst Thälmann entfernt werden — die Logik dahinter erschließt sich wohl nur historisch unterbelichteten westdeutschen Moralisten.

Vor 78 Jahren, am 18. August 1944, wurde Ernst Thälmann im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Im bitterbösen deutschen „Unrechtsstaat“ wurde er verehrt, dort nannten wir ihn „Teddy“. Im Westen Deutschlands, in dem nach 1945 dieselben Kader regierten wie vor Kriegsende, wurde der ermordete Führer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zur Persona non grata.

Als sich nun diese kommunistische Partei nach dem „Sieg über den Faschismus“ in der trügerischen Freiheit der besetzten Bundesrepublik Deutschland (BRD) in die Politik stürzen wollte, wurde sie erneut verboten. Von denselben Richtern und der gleichen Justiz, die sie bereits 1933 verboten hatten. Die Zahl der gegen Kommunisten gefällten 6.688 Urteile war im Zeitraum 1951 bis 1968 (nach Josef Foschepoth, Professor für Zeitgeschichte) fast siebenmal so hoch wie die 999 Urteile gegen NS-Täter. Die KPD unter Ernst Thälmann war übrigens die einzige gesellschaftliche Gruppe, die nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler zum Generalstreik und zu aktivem Widerstand aufrief.

Thälmann war ein Mann des Volkes. Heute wäre er einer von denen, die oft verleumdet, diffamiert und als Querfront bezeichnet werden. Die, auf die man herabsieht.

Die, denen man keine politische Stimme zugesteht; die, die der gewöhnliche, SPD und Grüne wählende Mittelstandsbürger verachtet und auch so behandelt. Kurz: Ernst Thälmann wäre heute eines von den Schmuddelkindern.

Er stammte aus einfachsten Verhältnissen, wurde 1886 in Hamburg geboren, schlug sich als ungelernter Hilfsarbeiter durch, erlebte die Schrecken des Krieges 1914 im Schützengraben. Thälmann nahm an den großen Schlachten der Westfront teil, wurde mehrfach verwundet. Er war ganz sicher kein Feigling — das belegen seine Tapferkeitsauszeichnungen. Die Sinnlosigkeit des Schlachtens leid, desertierte er 1918.

Desillusioniert von der pseudolinken Partei SPD, die schon damals nur ihre eigenen sowie bürgerliche Interessen vertrat, schuf er wenig später die Kommunistische Partei Deutschlands und wurde deren Leitfigur. Sein politisches Engagement führte nicht nur zu Mordanschlägen auf seine Familie – auch der Staat strafte ihn. Aus seiner Arbeitsstelle auf dem Hamburger Arbeitsamt, zu der er es durch harte Arbeit als Inspektor gebracht hatte, wurde er fristlos entlassen. Es folgten Jahre des Kampfes, der Straßenschlachten, der Streiks und Aufstände.

Thälmann war nicht irgendwer und nicht nur ein Unruhestifter: Er war ein begnadeter Redner und ein beliebter, echter linker Politiker, der schon 1932 klar propagierte: „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“

Die (west)deutsche Geschichtsschreibung unterschlägt konsequent, dass dieser Mann der härteste und vielversprechendste Gegner der Nazis war.

Mehr noch wurde vor nicht allzu langer Zeit in diesem Land offiziell Thälmanns KPD mit den Faschisten gleichgesetzt. Aber selbstverständlich bekamen das nur Interessierte mit: Schulkinder erfahren heute grundsätzlich nichts von Thälmann. Sein Name steht auf keinem Lehrplan.

Bei den letzten demokratischen Wahlen vor der Nazizeit, 1932, errang Ernst Thälmann immerhin 13,2 Prozent der Stimmen für das Amt des Reichspräsidenten. Der alte und senile Paul von Hindenburg gewann die Wahl; wenig später ernannte er Adolf Hitler zum Reichskanzler. Zu einem von Thälmann geplanten Generalstreik gegen diese Hinterzimmerpolitik der Eliten kam es nicht mehr: Er wurde am 31. März 1933 verhaftet und erlitt jahrelange Folter und Misshandlung durch die Gestapo. Am 17. August 1944 wurde Thälmann auf persönlichen Befehl Hitlers in das KZ Buchenwald gebracht, dort ermordet und sofort verbrannt. Einer der Täter – SS-Mann Wolfgang Otto – wurde erst in den 1980er-Jahren in der BRD vor Gericht gestellt, dort aber, wie so viele, freigesprochen.

FREIGESPROCHEN.

Wie Thälmann über die passive Zuschauerdemokratie dachte, in der brave Bürger alle paar Jahre ein Kreuzchen machen und ihr Schicksal in die Hände dubioser Politmarionetten legen, äußerte er einmal treffend: „Wir sagen nicht: Wählt Thälmann, dann habt ihr Brot und Freiheit. Wir sagen: Um Brot und Freiheit müsst ihr KÄMPFEN!“

Ernst Thälmann, der größte und gefährlichste Gegner Adolf Hitlers, wurde und wird in der BRD totgeschwiegen. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) hingegen benannte sich eine komplette Jugendorganisation nach ihm. Deren Werte sind übrigens immer noch ein wenig im Bewusstsein von Millionen Ostdeutschen verankert. Werte wie internationale Solidarität, Völkerfreundschaft, Friede. Auch will „der Ossi“ irgendwie einfach nicht mobilmachen — gegen den Russen.

So weit zur Person Thälmann. Warum erzähle ich euch die Geschichte? Weil die Zerstörung des Andenkens an diesen Mann nicht zu Ende ist, sondern aktuell in einer geisteskranken Farce gipfelt. So fordert nun die CDU in Berlin — beklatscht vom deutschen Mainstream —, das Thälmann-Denkmal in Berlin-Prenzlauer Berg zu entfernen. Warum? Wegen Putin! Wegen „Putins Krieg gegen die Ukraine“ fordert die CDU allen Ernstes, das Thälmann-Denkmal abzureißen. Und die Grünen halten das für eine echt gute Forderung.

Vielleicht kann irgendjemand diesen unwissenden Schwachköpfen mal erklären, dass Putin kein Kommunist ist und dass Thälmann kein Russe war?

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ScreenShot: Morgenpost.de von 21. März 2022

Das von einem jüdischen (!) Künstler geschaffene Denkmal in Berlin zeigt den bedeutendsten deutschen Antifaschisten, der auf persönlichen Befehl des Faschisten Hitler umgebracht wurde. Es soll nun eingeschmolzen werden, um den Erlös in die Ukraine zu überweisen. Am besten direkt an das Regiment Asow, oder?


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