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Die Geschichtsschreibung in den Händen der Macht

Die Geschichtsschreibung in den Händen der Macht

Wie lernen wir aus der Geschichte, was es zu lernen gilt?

Doch die Berichterstattung der Medien legt auch die Grundsteine für die Geschichtssicht der Menschen. Und so wirken die Berichte nicht nur heute, sondern auch in der Zukunft. Es sei denn, die Menschen begreifen, dass seit jeher das Establishment die Geschichte schrieb, um die eigenen Taten zu rechtfertigen.

Aus Massenmördern werden Helden

An den Beispielen von Karl dem Großen, Henry Kissinger, Mutter Teresa und dem Dalai Lama wird aufgezeigt, wie in der offiziellen Geschichtsschreibung systematisch die Aktionen der herrschenden Mächte gerechtfertigt werden. Aus Massenmördern, Folterern und Protagonisten der Interessen kleiner Gruppen werden plötzlich Genies, Helden und „Große Staatsmänner“ und das prägt dann unsere Geschichtssicht. Die Indoktrination durch Schule, Studium und Gesellschaft ist so allumfassend, dass selbst die Verbreitung der Wahrheit beziehungsweise der gegensätzlichen Sichtweise ohne Einfluss auf die Geschichtssicht der Gesellschaft bleibt. War der völkerrechtswidrige Krieg gegen Jugoslawien doch eine Aneinanderreihung von Kriegsverbrechen der NATO, veröffentlicht sogar das Öffentlich Rechtliche Fernsehen eine Dokumentation über die Kriegslügen. So wird uns dieser Krieg als das Gegenteil dessen präsentiert, was er in seinem Kern war: Er wird zum hehren Kampf gegen drohende Massenmorde hochstilisiert.

Nie werden die Protagonisten der Kriege und Massenmorde, der Verseuchung ganzer Landstriche, zum Beispiel mit Agent Orange, oder in neuerer Zeit mit Uranmunition (Deadly Dust), zur Rechenschaft gezogen. Die Mächtigen selbst handeln als Terroristen und schaffen Terrorismus, verkaufen uns den Krieg dagegen als ihre „Errungenschaft“, als notwendige Einmischung gegen diktatorische, menschenrechtsverachtende Zustände, finanziert natürlich, wie vorher die Waffen der Terroristen, mit den Steuergeldern der Beherrschten. Manchmal blitzt diese Wahrheit auf, verpufft aber in aller Regel sofort wieder wirkungslos, wie etwa im Fall der Zerstörung von unterirdischen Anlagen der Taliban in Afghanista, die vorher von der CIA finanziert worden war, mit der US-amerikanischen „Mutter aller Bomben“.

Das Beispiel Thailand verdeutlicht, wie Geschichtsschreibung entstand und durch wen sie bestimmt wurde (und wird). Und was mit Menschen und Meinungen geschieht, die diesem Geschichtsbild entgegenstehen. In Thailand beherrscht noch heute die Geschichtssicht des Aristokraten Prinz Damrong das Bild, auch des Westens. Hingegen ist die Sicht der Beherrschten, realisiert durch Jit Phumisak, weitgehend unbekannt bei uns, und verboten in Thailand.

Wer dann glaubt, die „westliche Geschichtsschreibung“ wäre die der Aufklärung, wird durch Beispiele über die „Korrektur“ der Geschichte hoffentlich ins Grübeln gebracht.

Dringend erforderlich: eine Geschichtsschreibung „von unten“

Wer die Geschichtssicht der Unterdrückten und Ausgebeuteten verbreitet, wird vom Mainstream ausgespuckt, angefeindet, verleumdet. Nicht die Tatsachen werden widerlegt, sondern die Personen denunziert, die den Menschen die kritische Sicht der Geschichte oder Politik bewusst machen. Sie werden mit propagandistischen Mitteln verunglimpft, mit Schmutz beworfen, als indiskutabel dargestellt. Und so sollen wir das Weltbild der Eliten als unser eigenes annehmen. Uns werden die größten Verbrecher als Helden dargestellt, die im Interesse der Menschen gehandelt hätten: Von Karl dem Großen bis George Bush, mit seinem Angriffskrieg gegen Afghanistan und den Irak, und zuletzt Obama, einem Friedensnobelpreisträger, der den schmutzigen Krieg der USA in einem bis dahin ungekannten Ausmaß ausgedehnt und quasi legalisiert hatte.

In der Konsequenz müssen nicht nur die Medien reformiert, sondern auch das Geschichtsbild muss neu definiert werden – und zwar aus der Sicht der „einfachen“ Menschen und nicht aus der Sicht der Elite. Das was wir derzeit an „Korrekturen“ sehen, damit selbst Literatur und Kinderbücher „politisch korrekt“ werden, ist die lächerliche Veranstaltung einer Begriffsinquisition, die glaubt, über die Sprache die wahren Probleme übertünchen zu können.

Als Kind war ich „sehr katholisch“, bis ich als Jugendlicher begann, Kirchengeschichte und Geschichte allgemein kritisch zu hinterfragen. Aber was mir von damals in Erinnerung blieb, ist die Tatsache, dass Bezeichnungen für farbige Menschen, die heute als rassistisch gelten, damals von uns Kindern in keiner Weise so empfunden, und auch von den katholischen Lehrern nicht rassistisch belegt wurden. Das „Gendern“ von Texten und das Ersetzen von „diskriminierenden“ Begriffen ist eine vom Establishment geförderte Scheinegalisierung, die die wahren Diskriminierungen erfolgreich in den Hintergrund rückt. Statt die durch Bomben und Waffen vernichteten Leben und Infrastrukturen in „Kriegen für Demokratie und gegen Terror“ zu thematisieren, wird diskutiert, ob der Mond nicht auch weiblich sein könnte. Statt tausende von Verhungerten bei gleichzeitig immer weiter ins Wahnwitzige steigenden Rüstungsausgaben zu thematisieren, wird die politisch korrekt bezeichnete Toilette in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Dieses Beispiel soll nur anreißen, wie geschickt Medien und Eliten uns mit Themen beschäftigen, um die Diskussion zu bestimmen.

Die Deutungshoheit über unsere Worte, egal wie sie gemeint sind, wird ein anderer Essay in den Fokus nehmen.


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Redaktionelle Anmerkung: Ein ausführliches Essay zur Gestaltung und Wirkung der Geschichtsschreibung vom Autor ist hier zu finden.


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