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Eine Skizze für Europa

Eine Skizze für Europa

Der Krieg in der Ukraine unterstützt Konzentrationsprozesse in der Landwirtschaft und fügt sich in einen größeren Plan, die bäuerliche Landwirtschaft zu zerschlagen.

Vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine war das osteuropäische Land der größte Produzent landwirtschaftlicher Güter in Europa. Mit 40 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verfügte die Ukraine über mehr Ackerland als Deutschland, Polen und Frankreich zusammengenommen. Hier spielt die besonders fruchtbare Schwarzerde eine entscheidende Rolle, für die das Land bekannt ist. Von diesen 40 Millionen Hektar wurde rund die Hälfte von landwirtschaftlichen Betrieben mit einer Größe von über 1.000 Hektar bewirtschaftet, wovon ein Drittel zudem noch in Agrar-Holdings eingegliedert waren. Zwölf große Agrarunternehmen kontrollierten bereits 4,3 Millionen Hektar Landes. 12 Millionen Hektar wurden von kleinen Betrieben, oft auf dem Subsistenzniveau, bewirtschaftet, und etwa 9,2 Millionen Hektar standen unter öffentlicher Verwaltung.

Der Krieg bedeutete auch für die Landwirtschaft erhebliche Einschnitte. So sank allein bis 2024 die bewirtschaftete Fläche um etwa 2,5 Millionen Hektar, etwa sieben Prozent der Ackerfläche war verlassen oder aufgegeben worden, und rund 1,7 Millionen Hektar gelten als dauerhaft für die Landwirtschaft verloren, aufgrund von Zerstörung.

11 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche fiel zwischen 2022 und 2024 für die Produktion aus. Ein wichtiger Faktor, der das Land unmöglich zu bewirtschaften macht, sind dabei Landminen. Die Ukraine gilt heute als eines der am stärksten verminten Länder der Welt. Dies betrifft vor allem landwirtschaftliche Flächen.

Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums waren bereits 2023 etwa 30 Prozent beziehungsweise 174.000 Quadratkilometer der Staatsfläche vom Konflikt betroffen und müssen daher auf Minen untersucht werden.

Dieser Anteil steigt, je länger der Konflikt dauert. Verschiedene Schätzungen beziffern das von Landminen betroffene Gebiet auf zwischen 470.000 und über 5 Millionen Hektar. Mitte 2025 schätzte die United Nations Mines Action Service (UNMAS) die durch Kampfmittelreste und Landminen verseuchte Fläche der Ukraine auf über 139.000 Quadratkilometer, was etwa 25 Prozent der Fläche des Landes entspricht. Das ist eine Fläche, welche die Größe Englands und Wales zusammengenommen übertrifft.

Eine unabhängige Organisation, das Mine Action Review, betont allerdings, dass eine zuverlässige Schätzung aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen unmöglich sei. Hinzu kommt das durch Artillerieeinschläge, Panzer und den Bau von Schützengräben umgepflügte, verdichtete und anderweitig zerstörte Land. Außerdem sind aufgrund von Flucht, Vertreibung und Zwangsrekrutierung viele Landwirte nicht mehr vor Ort — oder tot —, sodass die Arbeitskraft fehlt, das Land zu bewirtschaften.
Ein weiterer Faktor ist die Zerstörung von für die Landwirtschaft benötigter Infrastruktur. So hat die Sprengung des Kachowskaer-Staudamms durch ukrainische Soldaten 2023 die Bewässerung für etwa 250.000 Hektar Land in der Region von Cherson ausgeschaltet.

Da die Ukraine aufgrund des Kriegs wirtschaftlich am Boden liegt, ist sie auf ausländische Hilfen und Kredite des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und der Weltbank angewiesen. Diese knüpfen ihre Unterstützung aber an Bedingungen — unter anderem, einen Markt für Land zu schaffen, was Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits 2020 unter massivem Protest der Ukrainer begonnen hat. So wurde unter westlichem Druck ein seit 2001 geltendes Moratorium für den Verkauf von Land 2021 zunächst aufgeweicht und unter dem Eindruck des Kriegs 2024 weiter liberalisiert.

Der Markt, der zuvor nur ukrainischen Privatpersonen zugänglich war und der zudem den Erwerb von Land strikt auf 100 Hektar begrenzte, wurde für juristische Personen, also Firmen und Konzerne, geöffnet und die Grenze auf 10.000 Hektar angehoben. Auf diese Weise können internationale Konzerne nun — indirekt über ukrainische Oligarchen — große Flächen aufkaufen.

So haben sich hauptsächlich europäische, nordamerikanische und saudische Großinvestoren etwa neun Millionen Hektar Land angeeignet beziehungsweise 28 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche.

Einige große Agrarunternehmen, die formal noch von ukrainischen Oligarchen verwaltet werden, haben sich für westliche Investoren — darunter Kopernik, BNP oder Vanguard — geöffnet und sind an westlichen Börsen gelistet. Grund dafür ist unter anderem die massive Verschuldung der ukrainischen Agrarunternehmen bei ausländischen Investoren, vor allem der EBRD (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung), der Europäischen Investmentbank und der zur Weltbank gehörenden International Finance Corporation (IFC). Diese drei zusammen haben alleine 1,7 Milliarden US-Dollar an nur sechs Agrarunternehmen in der Ukraine verliehen.

Andere Schlüsselinvestoren sind verschiedene öffentliche und private Institutionen. Die Investitionen garantieren diesen Institutionen den Zugriff auf Entscheidungen und Unternehmensführung. Somit kontrollieren westliche Banken und Investmentfonds große Anteile an den formal ukrainischen Unternehmen. Die Firmen haben zudem ihren Sitz im Ausland — oft in Steueroasen wie Zypern oder Luxemburg. Diese großen Firmen werden von ausländischen Investoren massiv finanziert und wechseln dadurch faktisch den Eigentümer, während kleine ukrainische Bauern so gut wie keine Unterstützung erhalten, mit der Folge, dass nicht wenige an grassierender Armut leiden.

Die Realität des Kriegs hat Widerstand gegen die Öffnung des Landmarkts und gegen die Konzentration von Land in den Händen ausländischer Investoren erschwert. Das Kriegsrecht erlaubt die Einschränkung von Versammlungen und Meinungsfreiheit, und Versammlungen sind aufgrund möglichen Beschusses durch die russische Seite ohnehin gefährlicher geworden.

Protest gab es dennoch, allerdings ohne großen Einfluss auf die großen Entwicklungslinien.

Seit 2016 gilt in der Ukraine, dass Land Verstorbener ohne Erben automatisch an die Gemeinde übergeht. Zudem gilt bis 2028 eine Übergangsregelung für Land, das nach dem Untergang der Sowjetunion von Kolchosen in private Hand überführt wurde. Dieses wurde oft nie staatlich erfasst und kann bis 2028 noch registriert werden. Geschieht dies nicht, geht offiziell unbeanspruchtes Land automatisch an den Staat über. Soldaten an der Front, verstorbenen und geflohenen Menschen jedoch wird es einerseits schwerfallen, diese Registrierung vorzunehmen, andererseits stammen viele zwangsrekrutierte ukrainische Soldaten aus dem ländlichen Raum; manche Schätzungen gehen von 90 Prozent aus. Kleinbauern und Subsistenzbauern kämpfen und fallen also an der Front — mit der Folge, dass ihr Land unter Umständen an den Staat übergeht. Denn Erbschaftsverfahren können aufgrund des Todes, der Flucht oder des Verschwindens der Erben nicht eröffnet und die Registrierung dann nicht mehr durchgeführt werden. Dieses Land geht damit an den Staat über, der es über die neu geschaffene Institution der „Landbank“ zur Pacht für 14 bis 25 Jahren weitergibt.

Pächter können dabei sowohl ukrainische Privatpersonen als auch ukrainische Firmen sein. Im Regelfall werden jedoch Letztere den Zuschlag erhalten, da nur wenige Bauern oder andere Einzelpersonen sich die Pacht leisten können. Agrarunternehmen übernehmen zudem mitunter die Pachtanteile von Kleinbauern, indem sie diese schlicht durch höhere Pachtangebote ausstechen — die Kleinbauern können dabei mit den Unternehmen nicht konkurrieren. Da die Unternehmen aber unter starker Kontrolle westlicher Investoren stehen, ist ein tatsächlich bestehendes Verbot des Verpachtens an ausländische Unternehmen eher eine Formalität als Praxis, und die Übernahme ukrainischen Landes durch ukrainische Unternehmen stellt letztlich eine Übernahme durch westliche Finanzkonzerne dar. Eine Ausnahme für das Verbot gilt überdies, wenn Kredite nicht bedient werden können und Land in die Zwangsversteigerung gerät. Dann dürfen auch Banken mit ausländischem Kapital kaufen, müssen das Land allerdings nach zwei Jahren weiterverkaufen.

Der Krieg hat also zu einer Umstrukturierung der Landwirtschaft in der Ukraine geführt. Millionen von Hektar sind für die Produktion unbrauchbar geworden, verbunden mit dem Ausfall der Nahrungsmittelversorgung.

Land wechselt zudem den Besitzer, von Kleinbauern in die Hand des Staates, der es verpachtet, oder in die Hand von Agrarunternehmen, die wiederum von westlichen Investoren kontrolliert werden. Der Krieg macht also zweierlei: Er erschafft Engpässe in der Lebensmittelproduktion und er restrukturiert das Land.

Was in der Ukraine als Testgelände durchgeführt wird, das ist auch in anderen Teilen der Welt insbesondere in Europa möglich. Ein großer Krieg wird hier bereits intensiv vorbereitet. Die Folge eines solchen Konflikts wäre noch weitaus massiver. Denn der Krieg Europas gegen Russland soll — so ist zumindest der offenkundige Plan — große Teile des Kontinents betreffen. Damit würden weitere Dutzende Millionen Hektar Ackerfläche zerstört, was zu schwerwiegenden Engpässen in der Nahrungsmittelproduktion führen würde. Mittelständische Unternehmen und Kleinbauern würden ihre Existenz verlieren und eventuell ähnlich wie in der Ukraine zwangsrekrutiert. Die Folge wären herrenloses Land, das internationale Konzerne aufkaufen können, sowie ein erhöhter Bedarf anderer, „alternativer“ Lebensmittel, die von außen auf den europäischen Markt gebracht werden könnten und dann in der Folge zukünftig den Markt dominieren.

Doch schon jetzt hat der Krieg negative Auswirkungen auf die europäische Landwirtschaft. So gelangen im Rahmen der mit Beginn des Kriegs seitens der EU ausgesetzten Zölle auf ukrainische Agrarerzeugnisse diese auf den europäischen Markt, und der EU-Anteil an ukrainischen Exporten stieg bis 2024 auf 52 Prozent gegenüber 28 Prozent in 2021. Da sie oft billiger produziert sind als europäische und zudem aufgrund des Kriegs billiger exportiert werden, setzen sie die hiesige Landwirtschaft unter Druck. In der Folge sinken die Erzeugerpreise für viele Produkte nach einem kriegsbedingten Anstieg 2022 seit 2023 wieder. Damit und mit der Öffnung des EU-Markts für Agrargüter aus dem Mercosur-Raum Anfang 2026 — die ausschließlich große Agrarkonzerne begünstigt, hinter denen westliches Kapital steht — werden die mittelständischen Bauern unter starken Druck gesetzt. Dieser erfolgt auch durch Umweltauflagen und steigende Bürokratie. Das Ziel dahinter ist, Bauern zur Aufgabe ihrer Betriebe zu zwingen. Zur Not wird dies auch mit Zwangsenteignungen durchgesetzt, wie die Niederlande seit 2022 beweisen.

Hier hatte die Regierung eine drastische Reduktion der Ammoniakemissionen beschlossen, was viele Tierhalter in den Ruin zwang. Dabei arbeitete die Regierung mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche und stellte 30 Prozent der Tierhalter des Landes vor die Wahl: Entweder geben sie ihren Betrieb freiwillig gegen eine Entschädigung auf, oder sie werden zwangsenteignet.

Die Landwirtschaft wird bewusst durch eine Vielzahl von Maßnahmen und Entscheidungen sabotiert und ruiniert. Es geht darum, Land und Nahrungsmittelproduktion in der Hand weniger Oligarchen und Konzerne zu monopolisieren, die diese dann ersetzen wollen durch im Labor gezüchtetes Fleisch, Milch und Eier sowie durch Insekten und andere industrielle Produkte.

Die Ukraine zeigt bereits, worauf das hinauslaufen soll. Denn dort werden digitale Kontrollstrukturen unter dem Deckmantel des Kriegs eingeführt. Hier wurden Digitale ID, Digitale Zentralbankenwährung, Gesichtserkennung und Überwachungssoftware von Palantir vorangetrieben, wodurch ein digitalisierter Kontroll- und Überwachungsstaat entsteht. Dies vervollständigt das Bild und zeigt, dass Krieg einen brauchbaren Anlass liefert, die landwirtschaftliche Fläche und die Lebensmittelproduktion zu monopolisieren, zu zentralisieren und zu einem Instrument der Herrschaftsausübung umzufunktionieren. Der Krieg muss daher als das ultimative Mittel der Zentralisierung betrachtet werden und wird als solcher auch für ganz Europa erzwungen — mit der Folge, dass in seinem Schatten die kleinbäuerliche und mittelständische Landwirtschaft abgeschafft wird.

Das wiederum eröffnet die Möglichkeit der feindlichen Übernahme durch internationale Oligarchen und Konzerne. Die Monopolisierung der Landwirtschaft ist schließlich ein zentraler Bestandteil der anvisierten digitalen Feudalstruktur, denn wer die Lebensmittel kontrolliert, kann über diese die Menschen steuern. Der Krieg dient auf diese Weise dazu, dieses System einer digitalen Diktatur auszurollen — und die Ukraine ist das derzeitige Testgelände dafür.


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