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Empört Euch!

Empört Euch!

Den Argumenten von Rainer Mausfeld im Rubikoninterview mit dem Titel „Der autoritäre Planet“ muss widersprochen werden.

Das Interview beginnt mit wieder beeindruckenden Kritiken und Anklagen, zum Beispiel über den Verfall der Demokratie, die — nach Mausfelds Meinung — ohnehin im Widerstreit mit dem Kapitalismus steht. Zudem klagt er die „neoliberale Gegen-Revolution“ an, die die zivilisatorischen Errungenschaften beseitigt habe. Auch äußert er, dass Macht nur durch Gegenmacht begrenzt werden kann, an der es gerade derzeit mangelt und wodurch die Manipulationstechniken leicht gegen die Bevölkerung eingesetzt werden können. Und ganz stark ist er davon überzeugt, dass der bürgerlich-kapitalistische Staat nie primär dem Allgemeinwohl — an anderer Stelle: der Gesundheit — gedient hat.

Dann aber reibt man sich die Augen, wie stark und vehement Mausfeld „Empörung“ und Protest, gerade affektiv getönte Empörung, zurückweist als unpolitisch, antiemanzipatorisch. Er unterstellt einfach, dass derartige Energie sich — vom Eigentlichen? — ablenken lässt, oder „sich in einem gedanklichen Niemandsland affektiv verzehren“ oder sich sogar in ein antiemanzipatorisches Narrativ einbinden lässt. Zur Bekräftigung wird Empörung noch als meist „begriffslos“ denunziert.

Macht Mausfeld als Intellektueller einen Bogen um „Affekt“ als Schmuddelecke? Wie denn sonst als mit Empörung kann man eine Gegenmacht aufbauen? Ist das Leiden unter Ungerechtigkeit, Elend, Unrecht, Manipulation und Betrug keine Legitimation zum Affekt und zum Kampf?

„Empört Euch“ hatte Stéphane Hessel ausgerufen, ähnlich ist der Tenor bei Noam Chomsky oder bei Jean Ziegler. Empörung ist der legitime Anfang des Protests und der Gesellschaftskritik, so wie Staunen und Zweifel der Anfang aller Philosophie sind. Und Empörung wird auch beide weiter begleiten. Freilich, es reicht nicht aus, wie Mausfeld auch sagt, es muss weiter gehen, meinetwegen „begrifflich“. Wozu reicht’s nicht? zur Stabilisierung einer Gegenmacht, zur Revolution? Sicher, aber das steht gerade jetzt nicht an, ist kein Argument gegen Empörung, Affekt. Die Wurzel wird ausgerissen, noch bevor das Pflänzlein durch die Erde nach oben kommen kann.

Bis dahin bleibt im Interview auch völlig offen oder nebulös, wen Mausfeld meint. Er meint das doch nicht so ganz allgemein, ohne Objekt der Kritik. Wer ist zurzeit „bloß“ empört? Ein paar Sätze später aber lässt Mausfeld die Katze aus dem Sack, allerdings auch da nur andeutungsweise, aber es ist deutlich genug: Es geht ihm um den Umgang mit der staatlichen Coronapolitik, natürlich.

Aber: Was ist an der jetzigen Protestbewegung gegen die Coronapolitik, Demos oder Alternativmedien, eine „bloße“, affektive Empörung?

Wieso findet Mausfeld, der Kritiker der Manipulation, es besser, sich mit dem abzufinden, was man uns erzählt, bei uns Panik schürt, einen Bären aufbindet, statt sehr konkret und genau nachzufragen? Die Alternativmedien, in erster Reihe Rubikon — neben vielen anderen wie Rationalgalerie, NachDenkSeiten, Neue Rheinische Zeitung — sind es doch, die unermüdlich recherchieren, andere Meinungen, wissenschaftliche Ergebnisse ans Licht bringen — wenn auch nicht affektlos.

Die Lämmer haben ihr Schweigen gebrochen und verlassen die Herde.

Die Fragen nach dem Virus, nach den Statistiken und nach seinem Charakter, zum Beispiel „Grippe-ähnlich oder nicht?“, und die Frage nach der Rolle von Bill Gates seien Fragen, die ablenken, den Blick verengen würden, durch Konkretion und Personalisierung. Inwiefern lenken diese Frage ab und wovon?

Das sind doch die Fragen, die von Seiten der Herrschenden genau nicht gestellt werden sollen. Die Fakten und Zusammenhänge sollen verdeckt bleiben. Hier genau wird manipuliert, wird Macht in den Händen der Herrschenden verteidigt. Und „Personalisierung“? Politik kommt nicht ohne Subjekte aus, Geschichte wird von Menschen, nicht vom abstrakten Kapitalverhältnis, gemacht. Es geht hier auch nicht um simple Charaktermasken des Kapitals, es geht um eine Person oder Personenkreise mit sehr großer Machtfülle, gerade zu diesem Thema, mit zudem bedrohlichen Absichten. Mausfeld liefert mit diesem Einlass der Keule „Verschwörungstheorie“ Material und Vorschub, ohne dies selbst so zu nennen.

Im Gegenteil weiß er, dass die Denunziation „Verschwörungstheorie“ „im Ausgrenzungssinne“ „sich in den Dienst der Stabilisierung der herrschenden Machtverhältnisse stellen“. Ähnlich geht es um Fake News, um die Denunzierung abweichender Meinung als Falschnachricht, was Mausfeld richtig auch als Propagandakonzept der Mächtigen sieht.

Und schließlich wirft Mausfeld denen, die die Coronapolitik infrage stellen und die die Menschenrechte des Grundgesetzes einfordern, einen individualistischen neoliberalen Freiheitsbegriff vor. Woher nimmt er das, wenn sich Menschen aufs Grundgesetz beziehen, wenn sich Menschen gegen die Notstandsgesetzgebung richten — gegen die wir einst so, vielleicht auch affektiv, gekämpft haben?

Sollen wir etwa einfach das Feld räumen und Platz machen? Affektlos?



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