Was haben Begriffe wie „Aufwuchsfähigkeit“ und „Reifemoment“ gemeinsam? Vielleicht hat der erste Begriff etwas damit zu tun, wie eine bebaute Fläche renaturiert werden kann? Und beschreibt der zweite Ausdruck ausschließlich, bis zu welchem Grad einige Lebensmittel nach der Ernte weiterreifen? Leider nicht! Denn mit den Wörtern „Aufwuchsfähigkeit“ und „Reifemoment“ können sich die Sprecher durchaus auch im rhetorischen Gebiet des Krieges bewegen. Die Begriffe sind zwar nicht eindeutig militärischer Natur, wurden aber in diesem Kontext bereits verwendet.
Neue Wörter, altes Thema
Hier die Auflösung: Hinter dem Begriff Aufwuchsfähigkeit steht laut dem Sprecher eine deutlich höhere „Reserve“ für die Bundeswehr. Also Personal. Mit Reifemoment ist Aufrüstung gemeint. Erst wenn diese erfolgt ist, kann es laut der Person, die diesen Begriff verwendet hat, zu Verhandlungen kommen.
Der Konfliktforscher Leo Ensel hat diese feinen sprachlichen Nuancen bemerkt und aufgeschrieben. Es handelt sich hierbei um Wörter, die mal mehr, mal weniger klar militärisch konnotiert sind, aber in ebendiesem Kontext bereits gebraucht werden. Sein „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit“ erschien vor einigen Wochen im Promedia Verlag.
In alphabetischer Reihenfolge werden auf 166 Seiten einzelne Begriffe wie die beiden genannten oder kurze Aussagen wie „Generation Waschlappen“, „noch nicht Krieg, aber auch nicht Frieden“ oder „Gefühl falscher Sicherheit“ von Ensel näher betrachtet. Immer alles streng mit Quellen belegt, 575 an der Zahl.
Mit Witz und Ernst
Viele dieser Einträge sind von einem gewissen Charakter geprägt. Irgendwo zwischen Komik und Schlagfertigkeit, ohne jedoch den Ernst der Lage zu verkennen. Denn für Ensel ist klar: „Krieg heißt töten.“ So steht es im Untertitel des Buchs.
Bei nicht wenigen Begriffen dürften die Leser überrascht sein: Dieses Wort wird im militärischen Kontext gebraucht? Doch wer sich mit den Aussagen beschäftigt, der schärft das eigene Ohr und somit auch die eigene Sprache. Das ist die Stärke dieses Buchs. Und der Schreibstil des Autors hilft dabei, trotz des ernsten Themas beim Lesen nicht sofort in Depressionen zu versinken.
Hier können Sie das Buch bestellen: „ProMedia“
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