Zum Inhalt:
Das Poetikon

Das Poetikon

Dichtung für eine (R)evolution aus Geist und Liebe. Teil 3.

Rainer Maria Rilke
Über die Geduld
Aus den Briefen an einen jungen Dichter (Franz Xaver Kappus)

Auch wenn die Emotionen hochkochen und das Entsetzen über die diktatorischen Maßnahmen zu Recht groß ist, ist es für den Aufwachprozess der Bevölkerung wichtig, dass jeder von uns es schafft, immer wieder in seine Mitte zu kommen. Ganz besonders für diejenigen, die schon hinter die Kulissen blicken.

Jetzt ist wichtig, mutig und klar für das Menschenrecht einzustehen, Sand im Getriebe zu sein, die Manipulationsquellen im eigenen Umfeld zu erkennen, abzustellen und selbst zu denken. Dies geht besser im Stillen als im Lauten. Sich zur Wehr zu setzen, muss nicht immer gleich aussehen. Oft sind es kleine und sanftere Formen, die unsere Mitmenschen zum Nachdenken bringen, sie einladen, die Dinge zu hinterfragen. Bei alldem brauchen wir Geduld — Geduld mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen.

Mit dieser inneren Ruhe, die uns durch die Geduld — und das Urvertrauen geschenkt ist, sehen wir klar, sehen hinter die Dinge, erkennen die größeren Zusammenhänge und auch, dass dieses Aufbäumen des Systems ein zur Fratze verzerrter Agonieschrei ist.

Wir sind die, auf die wir gewartet haben. Wir gehen mit der Schöpfung und werden uns unseres schöpferischen Potenzials wieder bewusst. Es gilt das Gesetz der Anziehung. Wollen wir uns aus den Fängen falscher Identifikationen und utilitaristischer Zwänge befreien, geben wir ihnen keinen Raum mehr in unserem Inneren. Geduldig und beharrlich pflegen wir das Pflänzchen des Friedens, der Freiheit, der Selbstverantwortung und Selbstermächtigung in uns, gießen es, reden ihm gut zu und helfen so, dass aus ihm eine aufrechte, kraftvolle und wunderschöne Blume und Pflanze wird. Das, was wir abschaffen wollen, lassen wir einfach links liegen.

Rainer Maria Rilke findet hier sehr wohltuende Worte für diesen Prozess der Rückverbindung zum schöpferischen Potenzial eines jeden im Schoss der gewaltigen kosmischen Rhythmen, denen wir gerade ausgesetzt sind. Er hilft uns, den Blick fürs Ganze zu öffnen, über den Rand dessen hinaus, in das wir medial gehalten werden.


Hans Kremer liest „Über die Geduld“ von Rainer Maria Rilke


Finden Sie Artikel wie diesen wichtig?
Dann unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

Wenn Sie für unabhängige Artikel wie diesen etwas übrig haben, können Sie uns zum Beispiel mit einem kleinen Dauerauftrag oder einer Einzelspende unterstützen.

Oder unterstützen Sie uns durch den Kauf eines Artikels aus unserer Manova-Kollektion .

VG-Wort Zählpixel
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Weiterlesen

Am Rande und im Herzen Europas
Thematisch verwandter Artikel

Am Rande und im Herzen Europas

Belarus ist mehr als eine geopolitische Pufferzone zwischen Russland und dem Westen. Eine Reise in das Land offenbart kulturelle Eigenheiten, ein starkes nationales Selbstverständnis und eine traumatische Vergangenheit. Teil 1 von 4.

Der Sarkophag der US-Weltherrschaft
Aktueller Artikel

Der Sarkophag der US-Weltherrschaft

Ein China-Besuch Donald Trumps bewies: Global-Leadership-Gehabe ist gegenüber dem „Reich der Mitte“ nicht mehr angemessen — eher kann der Westen froh sein, wenn er als Wirtschaftspartner akzeptiert wird.

Nein!
Aus dem Archiv

Nein!

Es ist Zeit, Nein zu sagen. Nein zu Sondervermögen. Nein zu Aufrüstung. Nein zu Massenvernichtungswaffen. Und Nein zu Kriegen, die stets von jenen angezettelt werden, die darin nicht sterben werden.