Viren, Gas, Benzin und Bomben. Unaufhörlich, unaufhaltsam, Leid nach Leid nach Leid nach Leid und hier, bei mir, zwitschern die Vögel in den Bäumen und die Sonne ist fein warm.
Aber dort, immer dort, nie hier, herrscht der ganz normale Ausnahmezustand. Ein Tag nach dem anderen, ohne Unterlass, geht irgendwas den Bach runter und der Fluss des Lebens fließt doch stetig weiter.
Aber die Welt ist weniger das Problem als die Angst, die das tägliche Vergehen verursacht. Das Vergehen des Bekannten und das Kommen des Unbekannten, Moment um Moment.
Die Angst, die Ungewissheit verursacht, ist so alt wie die Menschheit und vollkommen natürlich. Angst vor dem Tod und die Angst vor der Dunkelheit, welche die zitternde Flamme des Wissens gelegentlich lichtet.
Aber zu viel Licht kann blenden und Informationen sind heute so allgegenwärtig, dass man immer öfter das Gefühl hat, in die Sonne zu starren und orientierungslos nach Halt sucht, sich verzweifelt an etwas zu klammern versucht, an was auch immer.
Man teilt, kommentiert, macht aufmerksam auf dies und das, doch die Angst und Ungewissheit bleiben, da man bloß die blendenden Flammen füttert, anstatt zu handeln. Denn Handeln beruhigt, der Geist ist auf einen Punkt gerichtet, anstatt durch die Welt zu huschen wie ein Gespenst auf Koks.
Manchmal beruhigen auch Zahlen, die wohl weniger Erfindungen der Menschen als von ihnen entdeckte platonische Archetypen sind, ewige Formen, die unserer Realität zugrunde liegen, jenseits und unabhängig vom Bewusstsein laut mathematischer Metaphysik.
Also, ein bisschen Mathematik, zum Veranschaulichen, zur Beruhigung:
Im deutschsprachigen Raum — Deutschland, Österreich, Schweiz — leben knapp 100 Millionen Menschen.
Angenommen 10 Prozent davon interessieren sich dafür, was in der Welt passiert, da sie zu den besorgten Informierten gehören. Das sind 10 Millionen Menschen.
Wenn nun jeder von ihnen 20 Euro monatlich spenden würde — ein Abo für eine Tageszeitung kostet 40 bis 50 Euro monatlich — wären wir bei 200 Millionen Euro monatlich. Das entspricht 2,4 Milliarden Euro jährlich.
Nehmen wir an, 20 Prozent gehen für Organisation und Bürokratie jener Organisation drauf, die diese Spenden erhält, und es bleiben immer noch 2 Milliarden Euro jährlich übrig, um welchen anderen auch immer zu helfen. Und das, wenn allein 10 Prozent der Bevölkerung in deutschsprachigen Gebieten monatlich auf eine Pizza mit Getränk und Trinkgeld verzichtet.
Aber stattdessen fürchten wir uns lieber und informieren uns in Angst und Schrecken, wie Rehe in dunkelster Nacht, mit weit aufgerissenen Augen, im Scheinwerferlicht unserer Bildschirme erstarrt.
Wenn Sie für unabhängige Artikel wie diesen etwas übrig haben, können Sie uns zum Beispiel mit einem kleinen Dauerauftrag oder einer Einzelspende unterstützen.
Oder unterstützen Sie uns durch den Kauf eines Artikels aus unserer Manova-Kollektion .
Quellen und Anmerkungen:
Anmerkung der Literatur-Salon-Redaktion:
Es gibt Zeitungen, die aufs Peitschen zu verzichten versuchen und stattdessen da und dort in die Tiefe gehen. Gar zum Verweilen einladen. Die nicht in eine Form bringen, sondern Denken in Gang setzen wollen. Nicht Angst ist ihr Ziel, sondern Erweckung. Spenden an solche Zeitungen hülfen der Welt ebenso weiter. Im Grunde sind es Entwicklungsorganisationen, mehr gar also die meisten, die sich so anschreiben. Wir wissen, wovon wir sprechen ...



