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Die Infantilisierung der Bürger

Die Infantilisierung der Bürger

Etliche Bürger wurden in der Coronakrise durch einen bevormundenden Staat in einen frühkindlichen Zustand zurückversetzt, der bis heute anhält. Exklusivabdruck aus „Schwerer Verlauf“.

„‚Sie sind alle verrückt geworden. Die Welt ist krank.‘
‚Nicht wir werden sie heilen.‘
‚Man kann sich mit niemandem mehr verständigen. Verstehst du sie denn ?‘
‚Wir müssten versuchen, ihre Psychologie zu deuten, ihre Sprache zu erlernen.‘
‚Sie haben keine Sprache‘“
(Eugène Ionescu, Die Nashörner).

Infantilisierung und Regression in der Coronakrise (1) 

Seltsame Dinge sind in Deutschland und manchen anderen Ländern der Erde geschehen seit Februar 2020. Es waren dies in einer Hinsicht ungewöhnliche und einzigartige Vorkommnisse und in anderer Hinsicht zugleich doch wieder nur Wiederholungen altbekannter Muster und Mechanismen.

Im Zusammenhang mit dem Auftreten eines „neuartigen Coronavirus“ kam es jedenfalls zu einer umfassenden Störung, von den allerprivatesten individuellen bis hin zu grundlegenden gesamtgesellschaftlichen Abläufen : In allen möglichen Bereichen funktionierte mit einem Mal nichts mehr so wie zuvor. Aufgrund von Aussagen und Behauptungen einer Gruppe von Menschen — Virologen, Gesundheitspolitiker, Behördenvertreter — kam es zu einer massiven Medienkampagne, zu Gesetzesänderungen, Verordnungen und zu der Durchsetzung von Maßnahmen, die die grundgesetzlich verbrieften Rechte der Bevölkerung in erheblichem Maße einschränkten, gewissermaßen zu einer biopolitisch begründeten Verhängung des Ausnahmezustands.

Von Anfang an stand infrage, ob die sogenannten Schutzmaßnahmen nicht mehr Gefahren mit sich bringen und möglicherweise auch Opfer fordern würden als die Infektionskrankheit, vor der sie schützen sollten. Die tatsächlichen Kollateralschäden durch Abschottung des medizinischen Versorgungssystems und Einschränkung sozialer Versorgungseinrichtungen, durch Verhinderung des Kontaktes Angehöriger zu Kranken und Sterbenden, durch empfindliche Störung und Pervertierung der Sozialisations- und Bildungsbedingungen von Millionen Kindern und Jugendlichen über immerhin mindestens zwei Jahre hin, durch Neurotisierung und Einschüchterung der Bevölkerung als Gesamtheit sind einige Monate nach Ende des Hauptspuks noch längst nicht abzusehen.

Zu erkennen ist indessen, dass es zum Beispiel in Schweden im Vergleich mit der BRD nur einen Bruchteil der Pandemie-Maßnahmen gab, dass diese unter Respektierung der bürgerlichen Eigenverantwortlichkeit und Mündigkeit mit Behutsamkeit und ohne jede Tendenz zur Infantilisierung der Bevölkerung durchgeführt wurden und dass die gesamte Pandemie in Schweden in keiner Hinsicht schwerere, sondern in vieler Hinsicht leichtere Effekte hatte. Exklusivabdruck aus „Schwerer Verlauf“.

Merkwürdig bei all dem ist vielleicht weniger, dass es zu zweifelhaften, möglicherweise falschen oder auf die eine oder andere Weise interpretierbaren politischen Entscheidungen kam. Merkwürdig ist, was es hier für Entscheidungen und Maßnahmen gab, was hier durchgesetzt wurde, merkwürdig ist aber ganz besonders, wie diese Entscheidungen durchgesetzt wurden und wie sie und ihre Durchsetzung auf die Bevölkerung wirkten.

Wie war es überhaupt möglich, alles auf den Kopf zu stellen, Massen von Menschen zu entrechten, wesentlichste menschliche Bedürfnisse wie die Begleitung kranker und sterbender Angehöriger, das Zusammentreffen mit nahestehenden Menschen, das basale Kontaktverhalten, die Bewegungsfreiheit, das Bedürfnis, frei zu atmen, das Bedürfnis, andere anzusehen, das Bedürfnis in einer Meinungspluralität zu leben und so weiter zu unterdrücken — Dinge durchzusetzen, von denen die allermeisten zuvor gedacht hätten, sie wären in einer Gesellschaft wie unserer niemals durchsetzbar.

Versucht man, derartige Rätsel zu lösen, sollte man sich dem Problem von verschiedenen Seiten nähern. Eine der Perspektiven, aus der zwar nicht das Rätsel gelöst, so doch immerhin ein Weniges zu des Rätsels Lösung beigetragen werden könnte, ist die psychologische Perspektive.

Regression

In verschiedenen psychologischen Theorien ist immer wieder beschrieben worden, dass es unterschiedliche Funktionsniveaus des Psychischen gibt : eine Ebene des entwickelten, erwachsenen Denkens und Erlebens und eine Ebene des archaischen, kindlichen Denkens und Erlebens. In Sigmund Freuds Schriften finden sich schon früh (2)  Ansätze zu dieser Differenzierung, die er im Laufe seiner Entwicklung der Psychoanalyse immer wieder aufgegriffen und weitergeführt hat.

Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass der „Primärvorgang“ eine Funktionsweise des Psychischen darstellt, gemäß der in der Psycho-Logik des Unbewussten ungehemmte Assoziationsströme, bildhaftes Denken und Mechanismen der Verschiebung, der Verkehrung, der Verdichtung, der Symbolisierung und so weiter wirken. Die Psyche des Kleinkinds, des Träumers, des Psychotikers und möglicherweise auch die Psyche des Urzeitmenschen sind so organisiert.

Mit dem fortschreitenden Alter des Menschen und der Menschheit kommt es zur Entwicklung des „Ich“, einer kontrollierenden und strukturierenden Instanz, unter deren Herrschaft die psychischen Vorgänge in Einklang mit der den Menschen umgebenden Realität gebracht werden. Zu diesem Zweck werden Energien kanalisiert und Bedürfnisbefriedigungen aufgeschoben. Begriffliches Denken, Logik und Vernunft gelangen zur Anwendung. Diese Funktionsweise heißt „Sekundärvorgang“.

In der Dynamik des psychischen Geschehens kommt es beim erwachsenen Menschen mitunter zu Situationen, in denen er von der bereits entwickelten Funktionsebene des Sekundärvorgangs zurückfällt auf die Funktionsebene des Primärvorgangs. In diesem Zusammenhang kann dann von einer Regression gesprochen werden, von einem Zurückschreiten auf ein früheres Funktionsniveau.

Zu solchen Situationen zählen regelmäßig der Schlaf und das im Schlafe stattfindende Traumerleben, auch andere in einer Weise hypnoide Zustände wie besonders die Hypnose sowie bestimmte Arten von psychischen Erkrankungen. Aber auch in einer ganzen Reihe weiterer, zum Teil durchaus alltäglicher Situationen kann es zu einer solchen Regression kommen : zum Beispiel bei schockierenden oder traumatisierenden Erfahrungen, unter Einfluss von Rauschmitteln — eigentlich auch eine Art von Erkrankung, nämlich eine Vergiftung —, in anderweitig induzierten Formen von Ekstase, in Deprivationszuständen, in hypnagogen, also Vor-Schlaf-Verfassungen, im vorbewussten fantasierenden Denken, auch in Momenten künstlerischer Kreativität und Inspiration lassen sich zumindest bestimmte Andeutungen einer Regression erkennen.

Schließlich sind dem psychotherapeutischen Praktiker auch zahlreiche Fälle bekannt, in denen Regressionen im Zusammenhang mit persönlichen Entwicklungssituationen, beim Übergang in eine neue Lebensphase auftreten. In Übergangskrisen also, in denen, wie in einer Art von Zurückschrecken vor dem nächsten großen Entwicklungsschritt, zunächst einmal die umgekehrte Bewegung in Richtung auf frühere Entwicklungsabschnitte geschieht.

Vorübergehende Regressionen, Wechsel zwischen den psychischen Funktionsebenen gehören also durchaus auch zur Dynamik des psychischen Geschehens des gesunden Menschen. Mitunter sind sie aber Symptom einer Störung. Die Funktion des Primärvorgangs ist für das Kind und den Träumer beispielsweise die vollkommen angemessene Funktion, nicht aber für den wachen, gesunden Erwachsenen, der in seiner Realität bestehen und Verantwortung tragen soll. Im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen verweisen Symptome wie Regression, Angst, Zwänge und so weiter darauf, dass schwere ungelöste Konflikte, unerledigte Entwicklungsaufgaben oder auch frühere Traumatisierungen aus dem Unbewussten heraus wirksam sind und in der Symptombildung Ausdruck finden.

Im Verlauf der Coronakrise konnten eine ganze Reihe regressionsauslösender und -fördernder Aktivitäten und auch eine ganze Reihe von Anzeichen tatsächlich stattfindender Regressionen, und zwar unangemessener, pathologischer Regressionen, beobachtet werden. Beispielsweise wurden medial von Beginn an in auffallender Weise mit endlosen Wiederholungen bestimmte Bilder präsentiert. Zweifellos steht das Denken in Bildern in der Entwicklung des Individuums wie auch in der Stammesgeschichte der Menschheit vor dem Denken in Begriffen :

„Das Denken in Bildern ist also ein nur sehr unvollkommenes Bewusstwerden. Es steht auch irgendwie den unbewussten Vorgängen näher als das Denken in Worten und ist unzweifelhaft onto- wie phylogenetisch älter als dieses“ (3). 

Die fortwährend präsentierten Bilder sollten zur Beängstigung dienen : mehr oder weniger fantastische Darstellungen des Virus, als Ursache des Übels präsentierte gebratene Fledermäuse auf chinesischen Märkten, nächtliche Leichentransport-Konvois in Italien, turbulente Szenen aus Intensivstationen. Wie an anderer Stelle ausgeführt, wurden mit diesen Bildern archaische Ängste und Gefühle des Unheimlichen ausgelöst (4). Das Gefühl des Unheimlichen hängt zusammen mit einer regressiven Reaktivierung verdrängter infantiler Komplexe oder überwunden geglaubter primitiver Überzeugungen. Primärprozesshafte Funktionen wie der Kontrolle entzogene Assoziationsketten, Symbolisierungen, Panikreaktionen kommen in Gang.

Die Erfahrungen der Coronakrise weisen aber außer der fortwährenden Konfrontation mit einschlägigen Bildern noch eine ganze Reihe weiterer Vorgänge auf, durch die derartige regressive Reaktionen ausgelöst wurden. An einem zunächst vertraulichen, nach seinem Bekanntwerden jedoch auf der Homepage des Bundesministeriums des Inneren (BMI) veröffentlichten Strategiepapier aus dem April 2020 wirkten neben dem BMI „Experten aus den einschlägigen Bereichen, unter anderem Gesundheitswesen, Krisenmanagement, Verwaltung und Wirtschaft, mit“ (5). 

In diesem Papier werden verschiedene Szenarien der Pandemie diskutiert und unter anderem Empfehlungen gegeben, wie die Subordinationsbereitschaft der Bevölkerung erhöht werden könnte. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Annahme, dass mit einer Welle von Infektionen mit dem „neuartigen Coronavirus“ möglicherweise eine nicht mehr beherrschbare pandemische Entwicklung in Gang kommen könnte. Zu Beginn des Papiers wird folgende Voraussetzung formuliert :

„Die meisten Virologen, Epidemiologen, Mediziner, Wirtschafts- und Politikwissenschaftler beantworten die Frage ‚was passiert, wenn nichts getan wird‘ mit einem Worst-Case-Szenario von über einer Million Toten im Jahr 2020 —für Deutschland allein“ (6). 

Dieses Worst-Case-Szenario wurde, wie es dann weiter heißt, von einem internationalen Expertenteam durch Modellrechnungen bestätigt. Die dadurch ausgelöste Sorge mag einiges erklären. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass bereits in der zitierten Angabe  „Die meisten Virologen …“ offenkundig eine äußerst fragwürdige Aussage steckt : Wie soll denn erhoben worden sein, wie die meisten dieser Wissenschaftler jene Frage beantworten ? Die meisten von welcher Stichprobe von Befragten ? Hat man etwa alle Vertreter der genannten Disziplinen befragt, um dann angeben zu können, was die meisten sagen ? Hat man nicht vielmehr von Anfang an, seit Februar 2020, Wissenschaftler, die anderer Meinung waren, darunter solche mit internationalem Renommee und unzweifelhafter Kompetenz, systematisch von der Diskussion ausgeschlossen ?

Schon an diesem kleinen Beispiel der unbelegbaren Berufung auf „die meisten“ wird deutlich, dass auch im Kreis der das Strategiepapier formulierenden „Experten“ Einbußen an der Fähigkeit zu logischem Denken und exaktem Ausdruck zu beobachten sind : „Die Kartoffeln kosten bereits das Doppelte“ (Canetti), „Die meisten Menschen haben einen Schnupfen“ (Hoddis) — eine Regression vom wissenschaftlich-exakten auf ein prä-logisches, anmutungsgeleitetes Denken, bestenfalls ausgelöst durch einen schock- und angstbedingten emotionalen Überflutungszustand.

Für die Betrachtung der Regression als eines der psychologisch auffälligen Phänomene in der Coronakrise sind jedoch andere Elemente des Strategiepapiers von noch größerer Bedeutung. Unter Punkt 4 „Schlussfolgerungen für Maßnahmen und offene Kommunikation“ heißt es :

„Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden :

1) Viele Schwerkranke werden von ihren Angehörigen ins Krankenhaus gebracht, aber abgewiesen, und sterben qualvoll um Luft ringend zu Hause. Das Ersticken oder nicht genug Luft kriegen ist für jeden Menschen eine Urangst (Hervorhebung im Strategiepapier, D. C.). Die Situation, in der man nichts tun kann, um in Lebensgefahr schwebenden Angehörigen zu helfen, ebenfalls. Die Bilder aus Italien sind verstörend.
2) ‚Kinder werden kaum unter der Epidemie leiden‘ : Falsch. Kinder werden sich leicht anstecken, selbst bei Ausgangsbeschränkungen, zum Beispiel bei den Nachbarskindern. Wenn sie dann ihre Eltern anstecken und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie zum Beispiel vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.
3) Folgeschäden : …“
(7). 

In diesen Empfehlungen zur Erzielung der „gewünschten Schockwirkung“ wird sehr ausdrücklich zur Förderung der Regression der Menschen aufgerufen.

Zunächst ist schon der offenbar gewünschte Schock selbst eine ideale Bedingung für Reaktionen, in denen Menschen das in ihrer Entwicklung erreichte Funktionsniveau eines erwachsenen, verantwortlichen, autonomen Wesens leicht zugunsten des Niveaus einer infantilen, hilflosen, der Realität nicht gewachsenen Kreatur aufgeben.

Im Weiteren werden dann Vorstellungskomplexe genannt, die zur Beeinflussung der Bevölkerung eingesetzt werden sollten. So wird unter Punkt 1 zugunsten jener Schockwirkung empfohlen, Urängste zu aktivieren, zunächst die vor dem Ersticken. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine Urangst, möglicherweise sogar um die Grunderfahrung der Angst überhaupt :

„Beim Angstaffekt glauben wir zu wissen, welchen frühzeitigen Eindruck er als Wiederholung wiederbringt. Wir sagen uns, es ist der Geburtsakt, bei welchem jene Gruppierung von Unlustempfindung, Abfuhrregungen und Körpersensationen zustande kommt, die das Vorbild für die Wirkung einer Lebensgefahr geworden ist und seither als Angstzustand von uns wiederholt wird. Die enorme Reizsteigerung durch die Unterbrechung der Bluterneuerung (der inneren Atmung) war damals die Ursache des Angsterlebnisses, die erste Angst also eine toxische. Der Name Angst — angustia, Enge — betont den Charakter der Beengung im Atmen, die damals als Folge der realen Situation vorhanden war und heute im Affekt fast regelmäßig wiederhergestellt wird. Wir werden es auch als beziehungsreich erkennen, dass jener erste Angstzustand aus der Trennung von der Mutter hervorging“ (8). 

Die Empfehlung der Experten zielt demnach darauf, durch die Aktivierung jener Urangst vor dem Ersticken gerade keine situationsangemessene „Realangst“ vor einer beschreibbaren Gefahr zu erzeugen.

Vielmehr soll — zumindest in der Vorstellung und ausdrücklich auf dem Wege der Regression — erreicht werden, dass sich die Menschen in den vollkommen ausgelieferten, machtlosen und existenziell aufs Höchste verunsicherten Zustand zurückversetzen, den sie während ihrer eigenen Geburt beziehungsweise kurz danach erlebt haben.

Das erinnert an Orwells Darstellungen der höchsten Stufe der Folter, auf der die Konfrontation mit den persönlichsten Urängsten — im Zimmer 101 des Ministeriums für Liebe — dazu genutzt wird, Menschen in ihrer Individualität dauerhaft und endgültig zu brechen (9).

Der zweite zur Beeinflussung empfohlene Vorstellungsbereich zielt zunächst ausdrücklich auf eine Einschüchterung von Kindern durch die Vorstellung furchtbarer Schuld und die Suggestion entsprechender Schuldgefühle. Bereits im Frühjahr 2020 wurden Menschen im Rentenalter als Hauptrisikogruppe beschrieben. Man kann daher annehmen, dass mit den Kindern auch und gerade erwachsene Kinder von Angehörigen dieser Hauptrisikogruppe gemeint sind. Wiederum wird die Bereitschaft zu regressiven Reaktionen geweckt : in diesem Fall durch den Bezug auf psychische Inhalte, die mit den schwerwiegenden, oft ungelösten Konflikten aus den ambivalenten Beziehungen des Menschen zu seinen Eltern zusammenhängen und die in psychoanalytischer Sicht einen Kernkomplex bilden.

In der medialen Aufbereitung des Themas Corona war und ist die Verwirklichung dieser Empfehlungen immer wieder zu erkennen. Mit ihrem Einsatz, der kontinuierlichen Präsentation der Bilder sowie durch weitere Maßnahmen wird der Rückgriff auf primitivere Funktionsebenen systematisch gefördert.

Auch vordergründig erkennbar findet eine Infantilisierung, eine Verkindlichung, des erwachsenen Menschen statt, wenn ihm allenthalben befohlen wird, sich die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu niesen, sich, wenn überhaupt, zur Begrüßung mit den Ellenbogen oder den Schuhen zu berühren. Vertreter der unteren Exekutive und letztlich die verordnenden Regierungen der Länder und des Bundes geraten damit in die Rolle von Eltern, die über die Kinder bestimmen, sie kontrollieren und maßregeln.

Das ist eine regressive Dynamik, in der ein Mechanismus eingesetzt wird, der in der Psychotherapie als Übertragung bekannt ist : Ein Interaktionspartner des erwachsenen Menschen wird in die Rolle einer wichtigen Bezugsperson aus der Vergangenheit dieses Menschen gebracht, in der Regel in die Rolle eines Elternteils; zumeist geht diese Dynamik von dem Betreffenden aus, aber solche Übertragungsangebote gibt es auch sonst im gesellschaftlichen Leben, zum Beispiel in Gerichtsritualen, im Verhalten von Polizeibeamten, Vorgesetzten und so weiter. Allerdings wird bei diesen Übertragungsabläufen der Mensch kaum in der beschriebenen Weise gezielt infantilisiert und entmündigt.


Dieser Text ist ein Auszug aus dem Sammelwerk „Schwerer Verlauf: Corona als Krisensymptom“ von Andreas Urban (Hg.).



Quellen und Anmerkungen:

(1) Dieser Beitrag übernimmt einige Teile des Aufsatzes : Dietmar Czycholl, Leviathan, verschnupft, in : Maaz et alii, Corona-Angst : Was mit unserer Psyche geschieht, Berlin 2020
(2) Sigmund Freud, Aus den Anfängen der Psychoanalyse (1895), London 1950, Seiten 409 folgende
(3) Sigmund Freud, Das Ich und das Es (1923), in : Gesammelte Werke, Band 13, Frankfurt/Main 1969, Seite 248
(4) Czycholl, Leviathan, verschnupft
(5) BMI, Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen, 2020, online abrufbar unter : https://web.archive.org/web/20201125120708/https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/
corona/szenarienpapier-covid19.pdf?__blob=publicationFile&v=6
(6) Ebenda, Seite 1
(7) Ebenda, Seite 13
(8) Sigmund Freud, Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1917), Gesammelte Werke, Band 11, Frankfurt/Main 1969, Seite 411
(9) George Orwell, 1984, Zürich 1950, Teil 3, Kapitel V


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