Dass Deutschland das letzte Mal in einen größeren Krieg verwickelt war, ist nun schon eine Weile her. Über 80 Jahre liegen zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der heutigen Zeit und damit beinahe drei Generationen. Hieß es nach 1945, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen solle, wird dieser Grundsatz bereits seit Jahren aufgeweicht. Schon weit vor 2022 wurde Russland als Feindbild etabliert, auf dem als Grundlage die Kriegspropaganda ab der Eskalation des Konflikts in der Ukraine aufbauen konnte. Heute spricht man in Deutschland ganz offen von Kriegstüchtigkeit. Eine Wehrpflicht wird parallel zu der massiven Aufrüstung eingeführt. Schleichend militarisiert sich die gesamte Gesellschaft. Ganz vorne mit dabei sind erstaunlicherweise die gutbürgerlich-spießigen Kräfte aus dem Umfeld der Grünen und aus den Reihen der FDP, die sich als oberste Kriegshetzer hervortun.
Doch die Logik des Krieges metastasiert parteiübergreifend durch die Gesellschaft und befällt Politik und Gesellschaft von ganz links bis ganz rechts. Auch die AfD ist in dieser Angelegenheit zerstritten, befürwortet eine Aufrüstung und Militarisierung, auch wenn sie den Krieg gegen Russland noch ablehnt. Auf allen Ebenen wird die Kriegspropaganda vorangetrieben, allen voran durch die Medien, ob öffentlich-rechtlich oder privat. Journalistische Standards missachtend, wird eine Bedrohung durch „den Russen“ inszeniert, die es bei genauerer Betrachtung nicht gibt. Die Bundeswehr engagiert sich im Baltikum, und Deutschland unterstützt die Ukraine in ihrem Kampf, um, wie es oft hieß und heißt, Russland in die Knie zu zwingen, zu zerschlagen oder zu balkanisieren.
Dass elitäre Kreise die ihnen unterworfenen Menschen immer gerne in Kriegen verheizen, um ihre Interessen von Macht und Reichtum durchzusetzen, überrascht nicht. Erstaunlich ist aber, wie auch eine deutsche Bevölkerung, die sich einst schwor, nie wieder Krieg führen zu wollen, in diesen Chor des Militarismus einstimmt.
Das ist nur möglich, weil die heute lebenden Menschen Krieg nie wirklich erlebt haben. Sie leben ein vergleichsweise bequemes Leben, das die Vorstellung von Krieg und seinen Schrecken in weite Ferne oder in die Virtualität von Videospielen und Filmen verbannt. Hier erscheint Krieg maximal als Zeitvertreib, in dem man sich heroisch inszenieren kann und der eine gewisse Romantik ausstrahlt. Diese Kriegsromantik ist es, die in der Vergangenheit immer wieder Menschen in den Krieg gelockt hat. Das Erleben des Kriegs selbst kurierte sie allerdings nachhaltig von ihren Vorstellungen und brachte, wenngleich auch viel zu spät, realistische Erfahrungen.
Da die Kriegszeugen heutzutage beinahe alle ausgestorben sind, ist es dringend notwendig, an die Schrecken zu erinnern. Es fällt nicht schwer, sie sich vorzustellen, wenn man Berichte aus vergangenen Kriegen liest. Dabei ist es fast egal, welchen Krieg man als Beispiel heranzieht, denn die Schrecken sind immer dieselben. Insbesondere moderne Kriege mit ihren heftigen Materialschlachten sind als Betrachtungspunkt geeignet. Und hier kommt zuerst der Erste Weltkrieg in den Sinn, in dem diese Form der Kriegsführung ihre Premiere feierte.
Der Erste Weltkrieg war anfänglich von einer starken Euphorie geprägt, die viele junge Menschen in die Schlacht gelockt hat. Innerhalb weniger Wochen wollte man auf deutscher Seite Paris erreicht und den westlichen Nachbarn bezwungen haben. Diese Euphorie wich jedoch einer breiten Ernüchterung, nachdem sich der Krieg in den Schützengräben festgefahren hatte. Über Jahre lagen sich die verfeindeten Armeen wenige Meter voneinander entfernt gegenüber. Beide Seiten erlebten dabei dieselben Schrecken. Denn der Krieg war von einem bis dato unbekannten, enormen Artilleriefeuer geprägt. Über Stunden wurden feindliche Stellungen fast täglich unter ohrenbetäubenden und menschenzerfetzenden Beschuss genommen. Dieses „Stahlgewitter“, wie Ernst Jünger es in seinem gleichnamigen Buch als Bezeichnung für das gewaltigste Artilleriefeuer der Geschichte im Juli an der Somme bezeichnete, hat nicht nur Schützengräben und Stellungen, sondern auch die Psyche der Soldaten zermürbt und unzählige Menschenleben gekostet. Ein Augenzeuge, der gerade den britischen Angriff an der Somme miterlebt hatte, beschrieb es folgendermaßen:
„Ein Heulen und Zischen, ein Fauchen, ein Splittern und Krachen der schweren Einschläge, ein noch nie gekanntes Artilleriefeuer aus allen Kalibern und Geschossarten dröhnte um uns herum“ (1).
Ein deutscher Leutnant berichtet ergänzend:
„Wir lagen unter Dauerfeuer; Tag und Nacht regneten Geschosse auf uns herab, leichte und schwere. Unsere Unterstände brachen ein. Sie stürzten auf uns, und wir mussten uns und unsere Kameraden ausgraben. Manchmal waren sie erstickt, manchmal zu Brei zermalmt. Die Soldaten in den Bunkern drehten durch; sie wollten nur noch raus. Sogar die Ratten wurden hysterisch. Wir hatten nichts zu essen, nichts zu trinken, und ständig explodierten Granaten über uns.“
Ein anderer Soldat schrieb:
„Ein Trommelfeuer ging auf uns los, dass es einen vom einen Loch ins andere riss, dazu die Schmerzensrufe und das Gestöhne der Verwundeten, die elend zugrunde gehen mussten. Tag und Nacht Granatfeuer (…). Ihr könnt euch keine Vorstellung von dem Schrecken machen und niemand, der’s nicht mitgemacht hat.
Das Artilleriefeuer, auch Trommelfeuer genannt, hinterlässt eine Mondlandschaft, die mit Leichen übersät ist. Der französische Hauptmann Albert Garnier schreibt dazu: „Legionen von Kadavern“ und führt aus: „Man läuft über die Toten, Hände, Beine, abgerissene Oberschenkel ragen aus dem Schlamm hervor. Man ist gezwungen, da hineinzutreten.“
Das Artilleriefeuer ist jedoch immer nur die erste Stufe des Schreckens. Denn in der Regel folgt dem ausgiebigen Bombardement der Sturmangriff der feindlichen Soldaten. Dieser ist für keine der Seiten ein Grund zur Freude oder zum Frohlocken. Denn bei einem solchen stürmen Tausende Soldaten auf die feindlichen Linien zu, in der Hoffnung, die Artillerie habe die Fähigkeit der Gegenwehr ausgeschaltet. Gerade bei der großen Schlacht an der Somme war dies aber eine Fehleinschätzung seitens der britischen Militärführung unter der Leitung von General Douglas Haig. Dieser hatte gehofft, dass das Dauerfeuer von mehr als eineinhalb Millionen Artilleriegeschossen die feindlichen Linien restlos vernichtet hätte und den Angriff zu einem Spaziergang machen würde. Doch dem war nicht so: Die Pause zwischen Artilleriefeuer und Sturmangriff nutzten die deutschen Soldaten, um ihre schweren Maschinengewehre aus den Bunkern zu holen. Es folgte eine der blutigsten Schlachten des gesamten Krieges.
Die britischen Verbände stürmten zunächst rasch voran, bis sie in den ersten Stacheldrahtzäunen hängen blieben, welche beide Seiten zur Absicherung ihrer Stellungen verwendeten. Mühsam mussten sich die Soldaten mittels Drahtscheren herausschneiden — nur um im weiteren Verlauf in das deutsche Maschinengewehrfeuer zu laufen. Dieses mähte eine Einheit nach der anderen nieder.
„Meine Männer beginnen zu fallen. Aus allen Richtungen jämmerliches Stöhnen und Schmerzensschreie“, berichtet ein britischer Leutnant. Ein anderer Überlebender fügt hinzu: „Von meiner Einheit erreichte kein Einziger die deutschen Linien.“
Der Angriff war lange geplant und eingeübt worden, jedoch erwiesen sich die realen Bedingungen ganz anders als die Übungen:
„Der 1. Juli 1916 sieht an der Somme ein ebenso realistisches wie grausames Schauspiel: Ein britisches Bataillon nach dem anderen marschiert in einstudierter, disziplinierter Ordnung auf die deutschen Stellungen zu, bis die tödliche Salve trifft“ (1).
Die Nachricht der Auslöschung ganzer Regimenter bewegt Haig nicht zum Umdenken. Immer weitere Regimenter schickt er in das Gemetzel; die Logik der Abnutzungskriegs ordnet Menschenleben einer kalten, materialistischen Abwägung unter.
Vom Ende dieses Tages und der „Schlacht“ — die kaum mehr war als ein organisiertes Abschlachten — berichtet ein Überlebender: „Die ganze Nacht bargen wir unsere Verwundeten und Sterbenden und auch noch, als der Morgen dämmerte.“
Allein an diesem 1. Juli 1916 verlor die britische Armee etwa 57.470 Soldaten, darunter 19.240 Tote. Die Verluste der Deutschen beliefen sich für die gesamte Sommeschlacht auf 47.000; für den ersten Tag werden sie auf 12.000 geschätzt, darunter 6.000 Tote.
Der Erste Weltkrieg forderte unzählige Menschenleben in gigantischen Massenaufgeboten — und das alles für minimale Geländegewinne. Oft wurde die Eroberung weniger Meter Boden mit Zehntausenden Leben erkauft, Boden zudem, der nicht selten schnell wieder verloren wurde. Das Schlachtfeld selbst war oftmals ein von Granaten zerpflügter Acker, auf dem es keine Deckung für die Soldaten gab, außer den Granattrichtern, in denen die Soldaten oft stunden- oder tagelang ausharren mussten. Dazu schreibt Johann Joseph Männlein 1916 bei Verdun:
„Es gibt keine Schützengräben, sondern nur Granatlöcher, in denen man den ganzen Tag liegen muss, ohne sich blicken zu lassen.“
Verdun war eines der anderen grausamen Schlachtfelder. Nicht umsonst wurde dieser Frontabschnitt von den Deutschen als „Blutpumpe“ bezeichnet. Allein die Deutschen feuerten bis Ende 1916 in diesem Gebiet 26 Millionen Spreng- und 100.000 Giftgasgranaten ab.
Letztere bilden einen weiteren Schrecken dieses Kriegs, denn beide Seiten benutzten Phosgen, ein Gas, das die Lungen verätzt, wodurch die Soldaten qualvoll erstickten. Jeder Nebelschleier konnte in Wahrheit eine tödliche Chemiewaffe sein, weshalb die Soldaten oft lange in Gasmasken in ihren Stellungen ausharren mussten. Zudem war der Einsatz dieser Waffen äußerst riskant. Die Windrichtung musste stimmen und stabil bleiben, um die Giftgasgranaten zünden zu können, sonst vergasten die Soldaten sich selbst.
Auch Flammenwerfer kamen erstmals zum Einsatz, Waffen, mit denen Menschen in Brand gesetzt wurden — sie verbrannten qualvoll. Erreichten die Wellen der Angreifer schließlich doch die feindlichen Linien, begann der Kampf Mann gegen Mann. Hier wurde nicht nur geschossen, die Soldaten setzten Bajonette ein, also auf die Gewehrspitzen aufgepflanzte Messer, mit denen sie aufeinander einstachen.
Doch auch wenn gerade kein Artilleriefeuer auf die Soldaten einhämmerte und keine Welle feindlicher Soldaten auf sie einstürmte, war das Leben im Schützengraben eine Qual. Gerade auf der deutschen Seite verharrten die Soldaten wochenlang in den Gräben. Auf der französischen Seite wurde nach kurzer Zeit ein Rotationssystem eingeführt, das die Soldaten nach 15 bis 20 Tagen austauschte. Auf deutscher Seite gab es ein solches nicht. Hier hockten die Soldaten wochen- oder monatelang in den Stellungen und Schützengräben, die durch Beschuss dezimierten Kompanien wurden einfach durch Nachschub aufgefüllt.
Schützengräben waren ausgehobene Erdlöcher, die miteinander verbunden waren, und hier lebten die Soldaten Tag für Tag. Bei Regen standen sie oft knie- oder sogar hüfttief in Schlamm, es vergingen Wochen, bis die Kleidung trocknete. Ratten und Flöhe waren allgegenwärtig und übertrugen Krankheiten wie das gefürchtete Grabenfieber, an dem schätzungsweise eine Million Soldaten erkrankten.
Da niemand es wagte, die Toten und Leichenteile zu beseitigen, lagen sie oft jahrelang verwesend in der Landschaft. Der Leichengestank war allgegenwärtig. Der Schriftsteller Ernst Jünger schreibt später dazu: „Wir kochten Mittagessen auf Hartspiritus und aßen trotz Leichengestank und Schmeißfliegen.“
Nicht nur auf dem Feld lagen sie herum, die Leichen, auch in den umliegenden Gewässern, an denen die Soldaten ihre Feldflaschen auffüllten. Hier verfaulten sie und kontaminierten das Wasser. Der französische Infanterist Jean Vergne schreibt dazu:
„Am Abend gehen wir hinunter, um am Teich die Feldflaschen aufzufüllen. Im Wasser schwimmen Leichen, die darin verfaulen. Wenn man es trinkt, schmeckt es faulig, aber man trinkt und trinkt.“
Dass die Soldaten das Wasser trotzdem trinken, hat einen einfachen Grund: Es gibt schlicht keine Alternative. Auch die Lebensmittelrationen werden im Verlaufe des Krieges immer kleiner. Die Soldaten leiden an Hunger, da der Krieg die Versorgung zerstört. Es gibt kaum Kartoffeln, meist erfrorene Rüben, Brot ist in nur geringen Mengen vorhanden. Ernst Jünger notiert dazu: „Die Leute leiden oft wirklichen Hunger. Es gibt für den Tag 1/3 Brot und eine winzige Portion dazu.“ Andernorts heißt es: „Belag, selbst Schmalz oder Fettersatz, werden in so winzigen Mengen gereicht, dass sie in der täglichen Portion auf der Spitze eines kleinen Fingers Platz haben.“
Die Witterung setzt den Soldaten ebenfalls zu. Im Winter ist es kalt, im Sommer heiß. Regen und Schnee verstärken die Kälte, füllen auch die Granattrichter, in die Soldaten oft bei Dunkelheit stürzen und in denen sie dann ertrinken. Angesichts der Nähe des Feindes können die anderen Soldaten nichts tun, um Verletzte zu bergen oder Sterbende zumindest zu erlösen. Hilflos müssen sie mit anhören oder zusehen, wie ihre Kameraden sterben.
Ganze Landschaften und auch Städte wurden von dem andauernden Beschuss umgepflügt. Nicht selten zerstörten sich zurückziehende Soldaten gezielt Städte und Dörfer, vergifteten Brunnen und landwirtschaftliche Flächen — man wollte das Land in ein unbewohnbares Niemandsland verwandeln. Dies hatte langfristige Konsequenzen auch für die Zivilbevölkerung.
Der Krieg selbst forderte, sehr unsicheren Schätzungen zufolge, 17 Millionen Menschenleben — zivile Opfer, die durch Hunger und Krankheit starben, sind da noch nicht mit eingerechnet. Es war das größte Massaker der Geschichte bis dahin und wurde nur vom Zweiten Weltkrieg übertroffen.
Doch auch wer überlebte, war nachhaltig gezeichnet. Die Soldaten — viele von ihnen junge Männer, die sich freiwillig zum Krieg gemeldet hatten — gingen schwer traumatisiert und von jeder Kriegseuphorie befreit aus diesem Krieg hervor. Sie litten an schweren posttraumatischen Belastungsstörungen, die sich etwa in unkontrolliertem Zittern äußerten oder etwa in Flashbacks. Die Überlebenden, waren nachhaltig geschädigt, sowohl psychisch als auch physisch. Auch wenn genaue Zahlen fehlen, ist realistischerweise von mindestens 2,7 Millionen dauerhaft geschädigten Menschen auszugehen. Ihnen fehlten Gliedmaßen, ein oder mehrere Sinnesorgane, die Sprache, oder sie waren schwerst traumatisiert. Viele Gliedmaßen gingen durch Amputationen verloren, was in den Lazaretten oft die einzige Möglichkeit waren, schwere Infektionen zu verhindern. Der Anblick der Invaliden, die mit ihren Prothesen und ohne Gliedmaßen leben mussten, prägte das Straßenbild der Städte und Dörfer auf Jahrzehnte.
Der Erste Weltkrieg wirkt aus heutiger Sicht primitiv und brutal, doch gilt dies auch für heutige Konflikte. Das zeigt der Ukrainekrieg, der dem Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs sehr nahe kommt. Auch er ist geprägt von Schützengräben, Artilleriefeuer und enormen Verlusten. Im Laufe der Zeit hat sich hier die Kriegsführung gewandelt, indem vermehrt Drohnen zum Einsatz kamen. Seinen Schrecken verloren hat er dadurch aber nicht. Denn die Drohnen sind zwar kein Quell ohrenbetäubenden Lärms, sie erweisen sich aber dennoch als todbringend. Die tumbe Artillerie wurde durch intelligentere System ersetzt, die im Gegensatz zu den Artilleriegranaten im Ersten Weltkrieg ihre Opfer nun gezielt verfolgen können und nicht aufgeben, bis sie entweder ihr Ziel vernichtet haben oder ihrerseits zerstört werden.
Zudem hat sich die moderne Industrie ganz neue Technologien ausgedacht, Menschenleben zu vernichten. Die Panzer, welche im Ersten Weltkrieg gerade erst erfunden worden waren, haben eine tödliche Perfektion erreicht. Offiziell gibt es zwar keine Chemiewaffen, berichtet wird von ihrem Einsatz aber dennoch immer wieder. Hinzu kommt panzerbrechende Munition aus abgereichertem Uran, das ganze Landstriche auf Jahrzehnte verseucht.
Auch Hunger, Kälte, Hitze und psychischer Schrecken prägen heutige Kriege, vor allem dann, wenn sie zwischen gleichberechtigten Staaten ausgefochten werden. Die Kriegseuphorie, die einen schnellen Sieg verspricht, legte sich auch im Falle des Ukrainekriegs auf russischer Seite schnell, und ähnlich würde es den europäischen Staaten in einem großen Krieg gegen Russland ergehen.
Hier droht sich das Szenario eines Konflikts zu wiederholen, der den gesamten Kontinent umpflügt. Die Folgen wären auch hier nicht nur der Horror und das Gemetzel an der Front, sondern auch Hunger, Krankheit und Totalitarismus an der Heimatfront. Denn Kriege betreffen immer alle, unabhängig davon, ob sie selbst am Gemetzel teilnehmen oder nicht.
Die historischen Beispiele sollte man sich also gut vor Augen führen, bevor man in Begeisterung über die Aussicht auf Krieg verfällt. Denn das Erwachen aus der Euphorie ist nie ein sanftes, sondern ein harter Aufprall auf die nackte Mauer der Realität. Gerade die Latte-macchiato-Kriegshetzer in den Redaktionsstuben und den Universitäten sollten sich mit diesen Zeitzeugenberichten auseinandersetzen und sich klar machen, dass es am Ende auch sie selbst treffen wird.
Alle Kriege zeigen dabei: Die Menschen sind immer nur Verfügungsmasse der Eliten, um deren Machtinteressen umzusetzen. Es geht nie um Freiheit, Vaterland oder Demokratie, sondern um die Neuverteilung der Macht unter elitären Kreisen. Die Soldaten, die teils massenhaft in den Krieg gezwungen werden, sind nur das Werkzeug, um deren Interessen durchzusetzen — Werkzeuge zudem, deren Wohlergehen die Herrschenden ihrer eigenen Bereicherung unterordnen.
Einer Obrigkeit in den Krieg zu folgen, ist nur einer verblendeten Masse möglich, die sich den von der Propaganda geschaffenen Illusionen hingibt.
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Quellen und Anmerkungen:
(1) Alle Zitate sind der Zeitschrift G Geschichte, Ausgabe 2/2026, Herder Verlag GmbH entnommen.



