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Die Welt in Schwarz und Weiß

Die Welt in Schwarz und Weiß

Die Kriegsberichterstattung seit dem Ende des Kalten Krieges unterteilt die Welt weiterhin in Freund und Feind.

Anfänge kritischer Konfliktberichterstattung

Bereits die Anfänge moderner kritischer Konflikt- und Kriegsberichterstattung im 19. Jahrhundert zeigten das Spannungsfeld, in welchem Journalismus bis heute steckt. Als William Howard Russell von der Time, obwohl nationalistisch gesinnt (2), 1854 über die Grausamkeit des Krimkrieges berichtete, wünschte ihm der britische Kriegsminister Sidney Herbert dafür den Tod (3). Um die Öffentlichkeit zu beruhigen und ihre Zustimmung aufrecht zu erhalten, wurde auf Anweisung von Prinz Albert schließlich der Fotograf Robert Fenton auf die Krim geschickt, der den Krieg „als Variante eines vergnüglichen Jagdausflugs und nicht als grausames Unternehmen“ (4) inszenierte.

Seit damals ist der Kampf um Bilder und Berichte Teil einer jeden militärischen Konfrontation. Fotos von Massakern an Zivilisten, begangen von US-Soldaten, führten dazu, dass die US-Regierung schließlich die öffentliche Unterstützung für den Vietnam-Krieg verlor. Auch einige Jahrzehnte später hat sich, man denke an die Berichte von Massakern im Irak-Krieg, nichts an der Macht der Bilder geändert. Es ist daher nachvollziehbar, dass Zensur, Neudeutsch „Informationshandhabe“ oder „Information-handling“ genannt, aus Sicht der Kriegsbefürworter notwendig ist. Zu groß ist das Risiko, dem Journalismus das Feld zu überlassen, denn „Krieg wird in den Medien kolportiert, personifiziert, legitimiert und entlegitimiert, die Darstellung von Krieg gerät zum Bestandteil seiner selbst oder zu seiner Anklage“ (5). Bis heute werden kritische Kriegsberichterstatter deshalb von Militärs als „enemy within the gates“ (6) und „natürliche Feinde“ betrachtet.

Friedensjournalismus

Mit kritischen Kriegsberichterstattern sind allerdings nur jene Journalisten gemeint, die sich an der pazifistischen UNO-Vorgabe und nicht an den Interessen der Militärs oder an den ökonomischen Überlegungen des eigenen Mediums orientieren. Fakt ist: Frieden zu stärken, ist nach Artikel 1 der UNESCO-Mediendeklaration von 1978 eine zentrale Aufgabe von Massenmedien:

„The strengthening of peace and international understanding, the promotion of human rights and the countering of racialism, apartheid and incitement to war demand a free flow and a wider and better balanced dissemination of information. To this end, the mass media have a leading contribution to make“ (7).

Tatsächlich besitzen Massenmedien nicht bloß eine „passiv zu duldende Friedenspflicht“, sondern eine „politisch aktivierende Pflicht“ (8). Medienforscher Jörg Becker, wissenschaftlicher Beirat von Rubikon, erinnerte in einem Telepolis-Interview im Januar 2016 noch einmal eindringlich daran:

„Weder unsere Verfassung noch die UN-Charta sind bezüglich Krieg neutral und zwar weder historisch noch normativ. Die UN-Charta nennt im ersten Satz ihrer Präambel Krieg eine ‚Geißel‘, verpflichtet alle UN-Mitglieder ‚in Frieden miteinander zu leben‘, dekretiert ein allgemeines Gewaltverbot und verbietet in den internationalen Beziehungen die Anwendung militärischer Gewalt“ (9).

Deutschland hat in seinem Strafgesetzbuch einen Artikel verankert, der die Vorbereitung eines Angriffskrieges mit einer Freiheitsstrafe belegt. „Daraus folgt, dass sich auch deutsche Medien einem solchen Friedensgebot beugen müssen“ (10). In diesem Kontext sei, so Becker, auch das Konzept des Friedensjournalismus zu sehen:

„Friedensjournalismus – um ein jüngeres Konzept von Johan Galtung aufzugreifen – ist eigentlich nichts Neues, entspricht viel mehr und seit langem dem juristischen und ethnischen Selbstverständnis von Journalismus und Massenmedien“ (11).

Die Theorie des Friedensjournalismus vergleicht (unkritische) Kriegsberichterstattung mit der Sportberichterstattung: Geht es zwischen zwei Parteien um Sieg oder Niederlage, wird Krieg als unvermeidlich dargestellt und die Sprache des Militärs übernommen, werden Friedensinitiativen weit weniger thematisiert als Gewalt, so bezeichnet Galtung dies als Kriegsjournalismus. Friedensjournalismus soll im Gegensatz dazu Hintergründe eines Konflikts herausarbeiten, mögliche friedliche Lösungen aufzeigen und auf diese abzielen. So sollen vor allem die Opfer beider Seiten gezeigt werden, nicht die Militärs. Medien und Journalisten übernehmen eine Vermittlerrolle, die Berichterstattung soll deeskalierende Funktion haben. Sie basiert im Kern auf vier Forderungen an Medien und Kriegsberichterstatter:

  1. Friedensjournalismus untersucht die Entstehung des Konflikts und stellt Lösungsansätze dar.
  2. Alle Seiten kommen ausgewogen zu Wort, es gibt keine Einteilung in ‚gut‘ und ‚böse‘. Die Lügen aller Beteiligten werden aufgedeckt.
  3. Aggressoren werden benannt, es wird über die Opfer auf allen Seiten gleichermaßen berichtet.
  4. Konfliktberichterstattung muss früh einsetzen und versuchen, einen Standpunkt einzunehmen, der zwischen den Parteien vermittelt.

Während des Kalten Krieges überwog im West- wie im Ostblock eine Berichterstattung, die nach klar erkennbarem Freund-Feind-Schema funktionierte. Mit dem scheinbaren Ende der bipolaren Welt und der vermeintlichen Etablierung des Unilateralismus unter US-amerikanischer Hegemonie schien es, als ob diese Kriegszeiten immanente Schwarz-Weiß-Berichterstattung überwunden werden könnte.

Letzten Endes änderte sich aber nur die Linse, während die Gut-Böse-Optik, das Prinzip der Kriegserzählung mittels Feindbildkonstruktion, dasselbe blieb. In zahlreichen internationalen Krisen und Kriegen seit dem Ende des Kalten Krieges überwog folglich der Kriegsjournalismus deutlich. So wurde der erste Irak-Krieg von 1991 als Weiterentwicklung des Kampfes gegen den Faschismus interpretiert, indem auch in westeuropäischen Leitmedien an die Hussein = Hitler-Vergleiche der großen US-amerikanischen Medienstationen angeknüpft wurde.

Die von verschiedenen innen- wie außenpolitischen Faktoren begünstigte Desintegration Jugoslawiens, die auf ethno-religiösen Spannungen, auf unbewältigter Geschichte, aber vor allem auf sozioökonomischen Problemen basierte (u.a. war das Land beim IWF hoch verschuldet, wodurch Belgrad die Transferzahlungen an die Republiken nicht mehr aufrecht erhalten konnte, was deren Nationalismus stärkte, weil man Serbien für die Wirtschaftskrise verantwortlich machte), wurde in der bewährten Freund-Feind-Logik folgerichtig als Versuch Serbiens dargestellt, mittels der jugoslawischen Institutionen den „Freiheitswillen“ der anderen „Völker“ zu unterdrücken.

Das Titelblatt des Spiegel vom 8. Juli 1991 war hier durchaus stellvertretend für das Gros der deutschen Leitmedien: „Terror der Serben. Völkergefängnis Jugoslawien“. So mutierte nach Saddam Hussein auch der serbische Präsident Slobodan Milošević zu einem neuen Hitler, die propagandistische Gleichsetzung Serben = Nazis aus den frühen 1990er Jahren ist bei manchen bis heute fester Bestandteil ihres Jugoslawien-Bildes.

Die NATO knüpfte 1998/99 in der Kosovo-Krise und später im Angriff auf Jugoslawien erfolgreich an dieses negative Serbien- und Serbenbild an. Dadurch gelang es ihr, tatkräftig unterstützt vom Gros der Massenmedien aus dem Bündnisraum, ihren Angriffskrieg als „humanitäre Intervention“ zum angeblichen Schutz der Kosovo-Albaner vor serbischer Repression zu verbrämen und sich im April 1999 anlässlich ihres fünfzigsten Geburtstags vom Verteidigungs- zum Interventionsbündnis zu wandeln. Damit wurden auch formal die Weichen für die Kriege der folgenden Jahre gestellt.

Während die Invasion Afghanistans 2001 massenmedial als Selbstverteidigung und angeblich nachvollziehbare Reaktion auf die Terrorangriffe vom 11. September dargestellt wurde, knüpften viele westliche Leitmedien beim Überfall auf den Irak 2003 an das alte Hussein = Hitler-Bild an und rechtfertigten das Vorgehen der USA mit den Massenvernichtungswaffen des irakischen Regimes – eine Behauptung, die bereits vor Kriegsbeginn vielerorts, auch in Medien aus dem NATO-Raum, angezweifelt worden war und die sich später als glatte Lüge erwies. 2011 wiederum griffen viele westliche Leitmedien zur bewährten Kriegserzählung der 1990er Jahre, zur Geschichte der humanitären Intervention. Mancherorts wurde der Kosovo-Krieg sogar expressis verbis als Begründung für die neuerliche Einmischung verwendet, die nun in Libyen erfolgte – formal, um den Diktator Gaddafi daran zu hindern, im Zuge des arabischen Frühlings „seine eigenen Bürger“ zu bombardieren.

Die Kriege der 1990er Jahre waren (und man kann dies auch für das neue Jahrtausend konstatieren), so der kanadische Historiker Michael Ignatieff, für die Bürger der NATO-Staaten virtuell und damit irreal geworden. Sie fungierten darin aufgrund der Berichterstattung als Zuschauer, in denen oberflächliche und zugleich heftige Emotionen wie durch Sportereignisse geweckt wurden. Dadurch minimierte sich ihr Interesse daran, die in ihrem Namen ausgeübte Gewalt einzuschränken und zu kontrollieren (12).

Dies nützt in erster Linie den kriegführenden Eliten. Doch selbst wenn der Aufforderung nachgekommen wird, sich aktiv am Frieden zu beteiligen, können sich Problemfelder auftun: Viele Berichterstatter, vor allem jene, die in der Tradition der Weltverbesserer (13) stehen, nahmen und nehmen die Friedensverpflichtung in abgewandelter Form nämlich durchaus ernst. Als Hauptaufgabe fassen sie jedoch nicht das Prinzip der Ausgewogenheit auf, sondern die Identifizierung der „Guten“ vs. den „Bösen“ und das Parteiergreifen für erstere. Dies erleichtert es der als Opfer identifizierten Kriegsseite wesentlich, eine den Eigeninteressen dienliche Berichterstattung zu fördern.

Kriegsjournalismus

Galtungs Theorie des Friedensjournalismus steht in der Praxis der Kriegsjournalismus gegenüber. Medien wirken sich dabei aufgrund folgender Merkmale unterstützend auf die Vorbereitung eines Krieges und die Aufrechterhaltung der Zustimmung der Öffentlichkeit aus (14):

  • Massenmedien übernehmen oft ungeprüft an sie weitergegebene Informationen staatlicher Stellen
  • in vielen Massenmedien wird gelogen
  • Massenmedien spiegeln grundsätzlich den parlamentarischen Konsens wider
  • sie zeigen Beharrungs- und Verstärkungstendenz, sind meist affirmativ, nicht kritisch
  • sie konstruieren eine ihnen eigene Realität
  • sie tendieren dazu, Meinung/Nachricht, Politik/Unterhaltung, Aufklärung/Kommerz zu vermischen
  • besonders im Bereich internationale Beziehungen sind sie ein Substitut für persönliche Erfahrung

Der Grund für diese Haltung ist in erster Linie struktureller Natur. Es ist die Wandlung des öffentlichen Guts Information in eine Ware,

„die ungeheuere Dynamik von Internationalisierung und Privatisierung, von Deregulierung, Liberalisierung und Kommerzialisierung, von selbstverordnetem staatlichen Rückzug; der ‚Terror der Ökonomie’ (Viviane Forrester) [...] die fehlende Zivilisierung des Kapitalismus“ (15).

Die Ökonomisierung befördert die Informationsunterdrückung (16), weil durch weltweite Fusionen eine Medienkonzentration in den Händen weniger entsteht (man denke beispielsweise an die internationalen Presseagenturen), während sich gleichzeitig das Primat von Information durch Gewinnorientierung auf Unterhaltung verschiebt. Die Vereinheitlichung der Sender bei Radio und Fernsehen führt zu steigendem Konkurrenzkampf und zunehmendem Druck (17).

Erschwerend kommt hinzu, dass sich in den letzten Jahren „der grundlegende Begriff des Wahrheitsgehalts der Information“ (18) verändert hat. So werden Informationen, vor allem in Massenmedien, aber teilweise sogar in der wissenschaftlichen Forschung, zunehmend weniger durch offen gelegte Kriterien der Quellenkritik überprüft, sondern durch wechselseitige Bezugnahme abgesichert: „Repetition tritt an die Stelle von Beweisführung; Information wird durch Bestätigung ersetzt“ (19).

Information ist zur Ware geworden und hat ihren spezifischen Wert wie in Bezug auf die Wahrheit oder auf staatsbürgerliche Wirksamkeit verloren (20). Sie ist den Gesetzen des Marktes von Angebot und Nachfrage unterworfen, „und andere Grundsätze, namentlich staatsbürgerliche und ethische, kommen erst an zweiter Stelle, obschon dies doch ihre ureigensten Prinzipien sein müssten“ (21).

Doch wo anstelle des besseren Arguments der Gewinn zählt, ist eine kritische Öffentlichkeit nicht mehr möglich. Vielmehr wird sie durch das System verhindert und stattdessen eine Scheinöffentlichkeit produziert, in der Probleme und Lösungen nicht ernsthaft verhandelt, sondern nur noch inszeniert werden (22).

Um den Umgang mit Krieg zu verstehen, müsse man Massenmedien konsequent aus dem Blickwinkel von struktureller Gewalt analysieren, meint der Konfliktforscher Jörg Becker. Es sei „eine intellektuelle Fehlleistung“ (23), den Schwerpunkt einer Medienanalyse auf die Semantik zu legen, anstatt auf Verfügungsgewalt, Zugang, Technologie, Nutzung, Rezeption, Wirkung und Funktion, also die Produktionsbedingungen der Massenmedien. Denn

„wo die Pressefreiheit die Meinungsfreiheit ersetzt und aus dem Zeitung lesenden Bürger ein Rezipient, ein Kunde, eine Klientel und eine Zielgruppe geworden ist, da kann ein demokratietaugliches Konzept von Öffentlichkeit kaum gedeihen“ (24).

Im Kontext der Kriegsberichterstattung ist die Verflechtung zwischen Medien und Militärs von nicht zu unterschätzender Bedeutung. So bestehen die global agierenden Massenmedien aus wenigen transnationalen Konzernen, die alle über intensive Verbindungen zur (v.a. US-amerikanischen) Rüstungsindustrie verfügen (25). Der US-Fernsehsender NBC z.B. gehört zum Konzern General Electronic, einem der weltweit größten Hersteller militärischer Elektronik und Hauptlieferanten der US-Armee (26).

Es ist eine Tatsache, dass sich Krieg massenmedial um ein Vielfaches besser verkaufen lässt als Frieden. Konflikte, Auseinandersetzungen und Krieg sind durch das Lockmittel der Gewalt weit spannender als der oft als langweilig empfundene, mühsame Verhandlungsweg in Form zäher Kompromisse und oft kaum sichtbarer ziviler Fortschritte. Krisen, Kriege und Katastrophen sind also Katalysatoren für nach neoliberalen kapitalistischen Überlegungen arbeitende Medienkonzerne. Nicht vergessen werden dürfen zudem gerade bei privaten Medien die Interessen des jeweiligen Eigentümers, wie das folgende Beispiel belegt.

Zensur durch die Chefredaktion – Zensur im Kopf

Zu Beginn der Proteste in Syrien anfangs 2011 hatte Al Jazeera kaum darüber berichtet. Dies vermutlich deshalb, weil Katars Herrscherhaus damals noch über enge Beziehungen zur Familie der Assads verfügte. Erst als es im Frühjahr 2011 zum Bruch zwischen den beiden Regimes kam (27), begann der Sender nicht nur vermehrt aus Syrien zu berichten, sondern positionierte sich auch einseitig gegen die Regierung. Die geänderte Haltung Al Jazeeras und sein Parteiergreifen für die syrische Opposition steht dabei in auffallendem Verhältnis zur Außenpolitik Katars.

Als einer der wichtigsten Verbündeten der USA in der Region – Katar ist seit 1998 Sitz des Hauptquartiers der US-Truppen im Nahen Osten und war im Irak-Krieg 2003 auch Kommandozentrale – orientiert sich die Herrscherfamilie sowohl an der Weltmacht als auch an der regionalen Großmacht Saudi Arabien. Gemeinsam setzen sich diese Staaten für einen Machtwechsel in Syrien ein und unterstützen die Aufständischen.

Dem lange recht unabhängig berichtenden Sender Al Jazeera erging es ab 2011 nun wie zahlreichen Medienunternehmen weltweit: Solange kein vitales Interesse der Medieneigentümer betroffen ist, können die Journalisten relativ frei und kritisch berichten – aber sobald übergeordnete politische Interessen ins Spiel kommen, fällt die Pressefreiheit den ökonomischen Abhängigkeiten der Journalisten zum Opfer. Der Deutschland-Korrespondent von Al Jazeera, Aktham Suliman, sagte im Januar 2012 dazu der FAZ:

„Al Dschazira ist finanziell abhängig von Qatar. Und auch wenn sich die Regierung in der Regel nicht in redaktionelle Belange einmischt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass der einzelne Journalist sehr genau weiß, welche politischen Interessen sein Arbeitgeber verfolgt – und wo er die Schere im Kopf anzusetzen hat“ (28).

Suliman machte keinen Hehl daraus, dass die Außenpolitik Katars Einfluss auf die Berichterstattung von Al Jazeera hatte und hat:

„Hier stoßen wir an unsere Grenzen. Denn auch wenn man unabhängig ist, senden wir natürlich aus einem arabischen Land, und dieses Land hat eine Politik, eine Tatsache, die am Sender und dessen Journalisten nicht spurlos vorbeigeht“ (29).

Man könne, so Aktham Suliman, Qualitätsjournalismus mitunter daran messen, ob es sich ein Journalist leisten könne, seinen eigenen Chefredakteur zu kritisieren. Mitverantwortlich für den Wandel von Information, wie er nicht zuletzt in der Syrien-Berichterstattung von Al Jazeera sichtbar wurde, machte Suliman auch die den neuen Informationstechnologien geschuldete Medienrevolution: Der als Folge der Überflutung durch Handyvideos erstarkte „Bürgerjournalismus“ erzeuge durch seine „punktuelle Berichterstattung“ eben auch „punktuell denkende Menschen“ und erhöhe die Gefahr, dass Zusammenhänge verloren gingen (30).

Scharfe Kritik an der Wandlung Al Jazeeras vom relativ neutralen Nachrichtensender zu einem Machtfaktor internationaler Interventionspolitik kam im März 2012 vom ehemaligen Kriegsreporter Ali Hashem, der u.a. auch für die BBC gearbeitet hatte. Hashem hatte im Mai 2011 vom Libanon aus über den „Arabischen Frühling“ berichtet, als er an der Grenze zahlreiche bewaffnete Kämpfer filmte, die auf dem Weg nach Syrien waren. Zu diesem Zeitpunkt sprach man noch von der „friedlichen Revolution“ in Syrien. Eine großartige Story also, möchte man meinen, doch sein Arbeitgeber Al Jazeera verweigerte die Ausstrahlung der Bilder (31).

Ähnlich reagierte der Sender auch auf eine Kollegin Hashems in Doha, die ihre Arbeit als Nachrichtensprecherin aufgeben musste, weil sie aus Sicht der Eigentümer den von Katar unterstützten Mitgliedern der syrischen Opposition zu sehr auf den Zahn gefühlt hatte (32).

Während also die Militarisierung der ursprünglich friedlichen Proteste in Syrien durch Waffenschmuggel aus dem Ausland bereits im Mai 2011 dokumentiert war, hielt Al Jazeera am einseitigen Bild einer angeblich friedlichen Revolution, welche von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen werde, fest. Indem man kritisches Nachfragen an die Adresse eben dieser syrischen Auslandsopposition unterband, entstand der Eindruck, dass die Sicherheitskräfte ohne Anlass gegen friedliche Demonstranten vorgingen. Und weil man die Militarisierung von Teilen der Opposition verschwieg, konnte die Verantwortung für jegliche Eskalation in Syrien Baschar al Assad zugeschrieben werden. Mit welchen Motiven?

„Emir Hamad bin Khalifa al-Thani nutzt den in der islamischen Welt populären Sender, um Politik zu machen. Und die besteht derzeit in der Unterstützung der Aufstände in den arabischen Staaten. […] Beim libyschen Aufstand gegen Muammar al-Gaddafi flogen Katari-Jets Seite an Seite mit französischen und britischen Maschinen. Hinter den Frontlinien unterstützte der Emir die Rebellen mit Geld, Treibstoff, Waffen und Ausbildern“ (33).

Ali Hashem teilt die Einschätzung, dass die katarische Herrscherfamilie Al Jazeera für ihre politische Agenda missbrauchte (34). Nach dem Bruch zwischen den Regimes in Doha und Damaskus avancierte die Syrische Revolution, zuvor vom Sender nahezu ignoriert, plötzlich nämlich zu einem Hauptthema. In ihrer Opferzentriertheit und der Forderung nach einer internationalen Militärintervention in Syrien ähnelte sie dabei großen deutschen Massenmedien, welche wie ARD oder ZDF, FAZ und vor allem ZEIT über Monate hinweg die Verantwortung für die Eskalation im syrischen Bürgerkrieg einseitig dem Assad-Regime zuschrieben.

Embedded Journalism, Nachrichteninszenierungen und Emotainment

„Natural Enemys“ des Friedensjournalismus sind neben Marktüberlegungen und Geopolitik aber auch gezielte Propaganda und „Embedded Journalism“. Propaganda kann von Journalisten entweder bewusst oder unbewusst übernommen oder dechiffriert und abgelehnt werden. Weil die menschliche Sprache einen manipulativen Einsatz von Worten, Begriffen und Schlagwörtern erlaubt und die Bildsprache durch Symbole Suggestivkraft entwickelt, geht es „um den Einsatz aller zur Verfügung stehenden ‚Kommunikationswaffen’“ (35).

Beim Embedded Journalism wiederum berichten Reporter mit Einverständnis der Militärs einer Seite über den Krieg. Durch das Militär wird Zensur ausgeübt, indem man Reporter Verhaltensregeln unterschreiben lässt (z.B. keine Bilder toter eigener Soldaten zu zeigen), sie im „Media-Boot-Camp“ einem Training unterzieht und die Identifizierung mit der Truppe im direkten Kampfeinsatz an der Front fördert (36). Gleichzeitig werden Journalisten, die sich diesem Druck nicht beugen wollen, verbal bedroht, als Feinde in den Krieg miteinbezogen und bisweilen sogar getötet (37).

Auch wenn der Embedded Journalism mit allen Facetten zusammen betrachtet eine Erscheinung des 21. Jahrhunderts ist, so lassen sich Ansätze dazu schon in der Antike finden. So führte bereits Alexander der Große auf seinen Feldzügen Schreiber mit sich, die Erfolgsberichte abfassen und möglichst schnell in Umlauf bringen mussten. Christliche Berichte aus Palästina identifizierten sich im Mittelalter mit den Kreuzfahrern und diffamierten muslimische Heere durch erfundene oder übertriebene Gräuelberichte, die in Europa wiederum meist als Tatsachen aufgenommen wurden.

Die Entstehung der Massenmedien im 19. Jahrhundert wirkte sich auch die Verbreitung von Kriegspropaganda aus. Die Politik reagierte in Form der im Ersten Weltkrieg berühmt gewordenen behördlichen Propagandaapparate und schränkte die Pressefreiheit ein. Im Zweiten Weltkrieg stachen die USA mit dem „Office of War Information“ hervor, übertroffen noch von der Leistung des von Joseph Goebbels geführten „Ministerium für Volksaufklärung“. Auf dem Prinzip journalistischer Gleichschaltung, erzwungener wie freiwilliger, wurden im „Dritten Reich“ 2.244 Mann in elf Propagandakompanien an die Fronten entsandt. Dabei handelte es sich zwar nicht um zivile, sondern militärische Berichterstatter, sie wurden jedoch von damaligen Zeitungswissenschaftlern positiv interpretiert (38).

Die eingebetteten Journalisten von heute stehen damit in einer jahrhundertealten Tradition, „auch wenn sie jetzt nicht mehr direkt auf der Gehaltsliste des Heeres stehen und über die künstlichen Himmelskörper ihre Botschaft deutlich schneller verbreiten können“ (39).

Nicht weniger bedeutend für die Bedrohung der Demokratie ist die Haltung jener Massenmedien, die wie CNN den Journalismus rigoros dem wirtschaftlichen Erfolg unterordnen (40). Cable Network News exerzierte vor, wie aus Information und Entertainment Infotainment wurde. Dieses löste spätestens mit dem Krieg gegen den Irak 1991 (41) die informative Berichterstattung in weiten Teilen der vor allem audiovisuellen Medien ab. Die neue Mischung, selektive, meist zusammenhangslos live übertragene Information ohne Interpretation und ohne Hintergrundberichte, gepaart mit der Spannung des unmittelbaren Geschehens, setzte als Unterhaltung neue Maßstäbe im Nachrichtensektor.

Der Preis ging zu Lasten der informativen journalistischen Berichterstattung. Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg, zwischen 1999 und 2001 Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), kritisiert die Auswirkungen des „‚Reality TV Senders’“ (42) CNN, „Symbol journalistischer Dummheit“ (43), vehement. Ein Journalismus, der sich auf Dabeisein, Draufhalten und Dauerinformation anstelle von Interpretation, auf technischen Transport statt Erklärung von Ereignissen stütze, führe sich selbst ad absurdum und sei nicht nur impotent, sondern auch überflüssig. Etymologisch bedeutet Journalist ja „Analytiker des Tages“ (44).

Live-Bilder, die im Sinne des noch zu erörternden „Gemeinmachenden Journalismus“ anstelle von Dokumentation Anteilnahme durch Gefühlsregungen erzielen wollen, bergen die Gefahr, Relationen zu verzerren oder zu Fehlschlüssen zu verleiten.

Zusätzlich führen sie zu informationsarmer Empörung und dem Wunsch, das dabei entstandene Gefühl von Unbehagen und Ohnmacht durch Aktionismus zu befriedigen. Auf Emotainment fußende Berichterstattung verselbständigt sich von historischen Tatsachen oder der politischen Realität und spielt damit jenen in die Hände, denen an einer durch verkürzte, vereinfachte und stereotype Darstellung eines Konflikts legitimierten Militäraktion, also an Krieg, gelegen ist – unabhängig davon, ob dies dem jeweiligen Journalisten bewusst ist oder nicht. Dabei stilisiert die Berichterstattung nach Vorbild der Unterhaltungsbranche auch Krieg immer mehr zur Show. Die Inszenierungen, denen Medienkonsumenten ausgesetzt sind, laufen auf folgenden Ebenen ab (45):

  1. Inszenierung der Politik: Durch Betonung von Mimik, Gestik und Pose soll der Eindruck einer vertrauenswürdigen und starken Persönlichkeit vermittelt werden (46).
  2. Inszenierung der Militärs: Eigene Erfolge und Niederlagen der Gegenseite werden in Medienkonferenzen und selbst produzierten News mit eloquenten „Moderatoren“ (Ex-NATO-Sprecher Jamie Shea) in hoher Frequenz veröffentlicht; Fehler werden bestritten und die Durchführung einer Untersuchung angekündigt mit dem Verweis, dass es mehrere mögliche Erklärungen gebe; Die Wahrheit wird erst nach ein oder zwei Wochen zugegeben, wenn sich kaum jemand mehr dafür interessiert.
  3. Selbstinszenierung der Medien: Aktionismus, „Draufhalten“ und Dauer-live-Reportage täuschen über fehlende Analysen und Hintergrundforschung hinweg; Weil Live-Bilder einer lasergesteuerten Bombe im Moment der Explosion erlöschen, bleiben dem Zuschauer die Folgen vorenthalten, er nimmt Krieg dadurch virtuell und ähnlich wie ein Computerspiel auf; Die Ablehnung des Krieges wird kleiner, Kriegsbegeisterung kann leichter entfacht und instrumentalisiert werden.
  4. Selbstinszenierung einzelner Reporter: Journalisten stellen sich teilweise als selbstlose Helden dar, die wegen der exklusiven Nachricht hohe Risiken eingehen, verschweigen dabei jedoch die Unausweichlichkeit von Selbstzensur und Instrumentalisierung durch eine Kriegspartei ebenso wie die schlichte ökonomische Verlockung (47) oder Notwendigkeit ihrer Arbeit.

Weil Medien konkurrierende Interpretationen von Wirklichkeit liefern können, beeinflussen sie dadurch das Handeln politischer Entscheidungsträger oft mehr als den Prozess der öffentlichen Meinungsbildung selbst, wodurch, wie der Historiker Andreas Schulz zu bedenken gibt, angesichts einer konsumierenden Massenöffentlichkeit der Zwang wachse, „Politik zu inszenieren und zu medialisieren“ (48).

Eine besondere Art der Nachrichteninszenierung ist VICE Guide to Travel des kanadischen Journalisten und Web-Unternehmers Shane Smith (49). Dabei handelt es sich um eine Nachrichtenserie, die in bisher 56 Folgen in fünf Staffeln aus verschiedenen Krisengebieten der Erde berichtet, von „pakistanischen Waffenmärkten“ über „Wodka-Kriege“ bis zu „radioaktiven Tieren Chernobyls“, von Beirut über Sophia bis zu den Slums von Rio, aus Polen, Nordkorea oder Liberia. Die auf dem US-Fernsehkanal HBO laufende Sendung, in der ZEIT als „eine Art politisches Abenteuer-Fernsehen“ (50) bezeichnet, versteht sich als eine Mischung aus Nachrichten, Entertainment und Abenteuer.

Ein wesentliches Charakteristikum besteht darin, dass es sich nicht um Journalismus handelt, sondern der Berichterstatter mit seiner Story verschmilzt, was VICE als „immersionism“ bezeichnet (51) Wie Shane Smith, der Chef des Unternehmens, verstehen sich auch die Mitarbeiter nicht als neutraler Beobachter, sondern als Teil des Berichteten. VICE ist mit dieser Art distanzloser Abenteuernachrichten jedenfalls ziemlich erfolgreich: Das Unternehmen betreibt neben der Nachrichtenserie schon seit Jahren ein Magazin mit 1,2 Mio. Auflage und inzwischen nebst eigenem Platten- und Modelabel auch eine Agentur. Der Gesamtumsatz pro Jahr wird auf rund 200 Mio. Dollar, der Wert auf weit über eine Milliarde geschätzt.

Vorreiter und nach wie vor integrativer Bestandteil des Erfolgs der VICE-Berichterstattung war und ist das Emotainment. Sein Aufstieg begann, als die Medienkonsumenten vom Infotainment abgestumpft waren (52). Ein Beispiel dafür, wie Gefühle und Unterhaltung unter dem Mantel der Information präsentiert wurden, war die in nahezu allen westlichen Sendern ähnlich anzutreffende Fernsehberichterstattung über die Terroranschläge auf New York und Washington im September 2001.

Während man Hintergrundberichte nahezu vergeblich suchte, wurde die US-amerikanische Reaktion in Form des vorbereiteten Angriffs auf Afghanistan als logische Konsequenz dargestellt und ein Infragestellen als Sakrileg aufgefasst und mit moralischer Empörung zurückgewiesen. Kritiker wurden bisweilen persönlich abgestraft (53). Welche Folgen lassen sich aus all diesen Überlegungen ableiten? Die 1995 getroffene Äußerung Kurt Imhofs vom Soziologischen Institut der Universität Zürich liest sich rückblickend wie eine Prophezeiung:

„Ebenfalls mit schwindender Distanz der Kriegskommunikation zu den kriegsführenden Parteien zeigt sich eine starke Tendenz zur Historisierung der Gegenwart und zur Politisierung der Geschichte, d.h. der Verwendung von Geschichtsbildern zur Legitimierung oder Illegitimierung eines aktuellen Krieges oder zur Vorwegnahme zukünftiger Entwicklungen“ (54).

Da objektive Berichterstattung im Krieg nicht zu erwarten ist, ist das Entscheidende für eine Demokratie somit die Aufarbeitung in der Nachkriegszeit. „Objektive Kriegsberichterstattung ist nicht Aufgabe der Journalisten, sondern ganz eindeutig Aufgabe der Historiker“ (55).

Journalisten als Weltverbesserer – der Gemeinmachende Journalismus (GJ)

Informationsbeschaffung stößt nicht nur dort an Grenzen, wo Militärs beeinflussen oder PR-Agenturen absichtsvoll auf falsche Fährten locken. Erhebliches Problempotential besteht im beruflichen Selbstverständnis des Kriegsberichterstatters, das sich mit dem Ende des Kalten Krieges veränderte. „Save the world“ (56) lautete nun das Credo, und dieses Ziel sollte nicht mehr als neutraler Beobachter erreicht werden, sondern indem man als Weltverbesserer für die Opfer Partei ergriff.

Damit stieg zugleich die Forderung nach sogenannten „humanitären Interventionen“ sprunghaft an. Dazu wurden Krisen und Bürgerkriege den Nachrichtenkonsumenten häufig durch ein manichäisches Bild von Tätern und Opfern im Sinne des Kampfes von Gut gegen Böse à la Herr der Ringe dargestellt.

Die Dichotomie der Wahrnehmung wird dabei oft redaktionell befördert, wobei Ressentiments und Vorurteile eine maßgebliche Rolle spielen. Ist eine Zuordnung erst einmal getroffen, können Kriegsberichterstatter mit einem differenzierteren Bild gar nicht mehr durchdringen.

Dass durch die simplifizierte Darstellung auch höhere Einschaltquoten und Auflagen erzielt werden, ist ein zentraler Effekt, welcher diese Form der Konfliktberichterstattung, den „Journalism of Attachment“, beförderte.

Der britische Journalist Mick Hume erklärte dies schon 1997 damit, dass Berichte über Kriegsgefangene oder Flüchtlingslager aufgrund der Häufigkeit in den 1990er Jahren kaum mehr Aufmerksamkeit erzielen konnten. Wer aber Konzentrationslager „entdeckte“ und über „Genozide“ anstelle von „ethnischen Konflikten“ berichtete, war weltweit erfolgreich (57).

Der Journalist Martin Bell wiederum begründete den Wandel vom neutralen Kriegsreporter zum Partei ergreifenden Weltverbesserer mit der Erfahrung des Bosnien-Krieges. „Journalism of Attachment“ kümmere sich aufgrund seines Wissens um die Opfer, nehme seine Verantwortung wahr und stehe nicht neutral zwischen Gut und Böse, richtig und falsch, Opfer und Unterdrücker (58). Damit unterstellte Bell neutralem Krisenjournalismus Verantwortungsindifferenz und erklärte gleichzeitig ein manichäisches Weltbild zur Grundlage verantwortungsvoller Berichte. Diese Ansicht steht im Gegensatz zur Definition des deutschen Fernsehjournalisten Hanns Joachim Friedrichs:

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört“ (59).

Problematisch ist der „Journalism of Attachment“, der „Gemeinmachende Journalismus“ (GJ), vor allem deshalb, weil er die Wirklichkeit weniger abbildet denn neue Realitäten erschafft. Erst die Übertragung der Wahrnehmungsmuster aus dem Zweiten Weltkrieg auf den zeitgenössischen Konflikt, die Überzeugung also, in Bosnien Nazi-KZs finden und bekämpfen zu müssen, verhalf dieser Behauptung zur Realität (60).

Friedensjournalismus hätte eine sachliche Beschreibung der schlimmen Zustände ohne das übermächtige Bild NS-Analogie erfordert inklusive der Frage nach den Gründen (nicht nur, aber auch Gefangenenaustausch) sowie nach der Proportionalität (ihrer militärischen Stärke mehr oder weniger entsprechend führten alle Kriegsparteien – bosnische Serben, bosnische Muslime, Kroaten – Lager).

Geliefert wurden aber hauptsächlich Berichte und Bilder, welche erstens nur serbische Lager in den Mittelpunkt stellten, zweitens kaum nach rationalen Gründen dafür forschten (was die Brutalität, die in vielen Lagern herrschte, nicht relativiert) und drittens aus einigen wenigen Übereinstimmungen zwischen den beiden Lagertypen aus Gefangenenlager nationalsozialistische Konzentrationslager machten. Erst dadurch konnte der deutsche Verteidigungsminister Scharping im Frühjahr 1999 ein „serbisches KZ“ in Pristina erfinden und damit, anstatt zurücktreten zu müssen, breite Zustimmung zu ernten.

Wichtig und dem Gemeinmachenden Journalismus dienlich waren dabei immer Bilder, die wirkungsvoll genug waren, „um die Explikation dem Mechanismus des ‚Wiedererkennens’ bei den LeserInnen zu überlassen“ (61). Das berühmte, von Penny Marshall und ITN inszenierte KZ-Bild aus dem Bosnien-Krieg vom August 1992 aus dem Lager Trnopolje setzten, so Hermann Mitterhofer, die spontane Erinnerung an ein dominantes Kollektivsymbol (die NS-Lager), in Gang (62).

Dieses diskursive Ereignis sei jedoch gerade nicht im Sinn von Manipulation zu verstehen. Auf den Bildern sei schlicht „mehr“ zu sehen als das Abgebildete (63). Man kann angesichts der herrschaftslegitimierenden Funktion von Diskursen auch den GJ als ein geschlossenes Diskurssystem interpretieren, innerhalb dessen Definitionsmacht, Kollektivsymbolik und Sprache die Wirklichkeit bilden und nicht umgekehrt. Mit anderen Worten, der Attachment-Journalist beschreibt keine Fakten, sondern erschafft sie. Dies geschieht nicht im Sinne einer medialen Verschwörung, sondern aus der Kombination von subjektiver Voreingenommenheit, moralischem Imperativ des Handelns und großteils unbewusstem Gebrauch von Kollektivsymbolik, Analogien, Parallelismen und dichotomen Mustern (64).

Die Konstruktion von Realität geht einher mit fehlender Erklärung eines Konflikts, weil durch den Fokus auf Empörung und Aktionismus die vielleicht ethisch abzulehnenden, aber meist durchaus rationalen Interessen der Kriegsparteien vernachlässigt werden. An die Stelle von Differenzierung tritt Reduktion von Komplexität (65), womit als Grund für das Verhalten einer als „böse“ identifizierten Seite nur noch archaische Zuschreibungen zur Verfügung stehen wie „bösartige, gemeine, durchgeknallte, teuflische Bastarde“ (66).

Anstatt sachlicher Erläuterungen und kritischer Hintergrundanalysen wird eine mit pathetischen Formulierungen gespickte Reportage, ein militärisches Eingreifen fordernder Leitartikel oder ein Pamphlet verfasst. Dies ist die moralische Komponente des GJ, der in seinem „one-size-fits-all-wars framework of Good and Evil“ (67) auf Analyse verzichtet und komplexe Zustände auf handlungsfähig machende Vereinfachungen von richtig und falsch reduziert. Fakten, die nicht in das Interpretationsschema passen, werden negiert und die eigene Voreingenommenheit unterstützende in den Fokus gerückt oder konstruiert (68).

Zusätzlich zur Erschaffung von Realität und dem Verhindern rationalen Verstehens verschärft der GJ internationale Konflikte und Krisen durch seine Forderung nach Aktionismus, „to demand of governments and international agencies that ‚something-must-be-done’“ (69), indem er in die Hände der Kriegstreiber spielt. Durch einseitige Sichtweise und monokausale Erklärungsmuster evoziert er das Bedürfnis, etwas gegen angeblich offenkundige Ungerechtigkeit zu unternehmen. Indem er auf Erregung der Öffentlichkeit setzt, drängt er selbst moderate Politiker zu übereilten und radikalen Handlungen, die den Konflikt eskalieren, am Ende die Situation verschlimmern und sogar denen schaden können, denen durch ein Eingreifen geholfen werden sollte (70).

Die Voraussetzungen des Gemeinmachenden Journalismus

Folgt man dem kanadischen Historiker Michael Ignatieff, so rührt die Basis des GJ daher, dass viele Menschen angesichts der starken Überzeugungskraft der „Ideologien des Tötens“ der großen Versuchung erliegen, in moralischer Empörung Zuflucht zu suchen. Gerade Fernsehnachrichten zeigten, so Ignatieff, viel zu oft eine „allgemeine Misanthropie“, die im Gefühl kulminiere, „die Welt sei viel zu verrückt geworden, als dass es sich noch lohne, ernsthaft über sie nachzudenken“ (71).

So schöpfte der GJ seine Kraft aus dem moralischen Vakuum, welches angesichts wachsender Verunsicherung über erodierende Werte in den westlichen Gesellschaften im Zuge neoliberaler Wirtschaftskrisen und angeblicher postmoderner Beliebigkeit in den frühen 1990er Jahren entstand. Mick Hume beschreibt den Journalism of Attachment als moralische Mission im Interesse einer demoralisierten Gesellschaft: Wo ethische Dilemmata aufgrund sozialer und wissenschaftlicher Veränderungen rätselhaft und verunsichernd wirkten, seien die Sicherheiten des GJ umso beruhigender und deshalb willkommen (72).

Dabei diene der Journalism of Attachment angesichts gesellschaftlicher Umbrüche als Therapie gegen ethische Nivellierungen tradierter Werte. Je größer die Verunsicherung über vermeintliche oder tatsächliche moralische Beliebigkeit im eigenen Land werde, desto dankbarer griffen die Bürger nach Pseudofakten, die ihnen Sicherheit in ihrem Weltbild versprächen, indem sie die Komplexität der Wirklichkeit auf Gut und Böse reduzierten. Dass dies hauptsächlich mit außenpolitischen Konflikten geschieht, lasse sich damit erklären, dass die meisten Menschen von dieser Thematik, anders als bei ihnen näher liegenden, innenpolitischen Themen, so gut wie keine Ahnung, aber stattdessen jede Menge Vorurteile hätten. Die Welt wissen zu lassen, dass man sich als Medien um sie kümmert, ging und geht einher mit der Attitüde des modernen Journalismus, Schuldige zu suchen um zu bestrafen und zu informieren um zu rächen (73).

Die Fixierung auf Verbrechen und Bestrafung bei gleichzeitiger Anmaßung der Rolle von Ankläger und Richter erhöht jedoch die Instrumentalisierungsgefahr. Da die Außenpolitik von Demokratien von der innenpolitischen Öffentlichkeit beeinflusst wird, können im Umkehrmechanismus Massenmedien von Staaten, Nationalitäten oder Kriegsparteien durch die Fokussierung auf Berichte über Menschenrechtsverletzungen für politische oder militärische Ziele missbraucht werden. Angesichts der weltweiten Medienkonzentration kann damit im Extremfall ein kleiner Kreis von Leuten über Krieg und Frieden entscheiden (74).

Das von Mick Hume 1997 konstatierte moralische Vakuum, welches der GJ füllt, kann die moralische Aufladung der Kriegsdiskurse der 1990er Jahre und den omnipräsenten Bezug auf Auschwitz erklären. Durch unsachgemäße Verwendung der Shoa sowie die Bereitschaft, emotionale Aufnahme vor rationales Verstehen zu stellen, erwiesen sich zahlreiche Journalisten, obwohl in der Regel „keineswegs Verschwörungspraktiker oder gar bezahlte Lakaien von Kriegstreibern“ (75), schließlich als beinahe immun gegen Fakten.

Obwohl sich der GJ, der in erster Linie dem Selbstverständnis der Berichterstatter dient (76), nicht den Interessen von Regierenden verpflichtet fühlt, wurde er durch seinen moralischen Impetus, gepaart mit der Forderung nach Aktion, instrumentalisierbar. So profitierten und profitieren herrschende Eliten durchaus von der Bereitschaft zahlreicher Journalisten zu humanitären Interventionen.

Fazit

Die Kriegsberichterstattung, die sowohl im Westen wie auch im Osten jahrzehntelang einer teilweise recht simplen Feindbild-Konstruktion entsprochen hatte, veränderte sich mit dem Ende des Kalten Krieges. Der idealistischen Konzeption des Weltverbesserers folgend, entwickelte sich nun aus der dualistischen Unterscheidung zwischen Tätern und Opfern von Kriegen der Gemeinmachende Journalismus. Er stellte sich auf die Seite der als Opfer wahrgenommenen Partei und dämonisierte die Gegenseite (z.B. im Bosnienkrieg).

Daraus entwickelte sich Anfang des 21. Jahrhunderts der Embedded journalism, bei dem Berichterstatter unter Einverständnis und Schutz einer Kriegsseite über den Konflikt berichten (z.B. im Irakkrieg). Die Berichterstattung zahlreicher Leitmedien über die NATO-Intervention in Libyen 2011 orientierte sich wiederum am Konzept des Gemeinmachenden Journalismus der 1990er Jahre (insbesondere an der Darstellung des Kosovo-Krieges), indem dem „bösen Diktator Gaddafi“ die „guten Rebellen“ gegenübergestellt wurden. Allerdings bröckelte die Eindeutigkeit der Erzählung, das Kriegsnarrativ von den frieden- und freiheitsliebenden Kämpfern, die sich zu einem beträchtlichen Teil als Islamisten entpuppten, verlor dadurch an Überzeugungskraft.

Ähnlich verhielt es sich auch mit dem veröffentlichten Syrien-Bild in den NATO-Staaten ab 2011, das dichotomisch aufgebaut war und ist (Diktator Assad = schlecht, Rebellen = gut). Dabei wurde an der sich wandelnden Berichterstattung von Al Jazeera deutlich, dass sich nicht nur westliche Massen- und Leitmedien bestimmter Narrative bedienen, die häufig weniger die Realität abbilden als sie (teilweise grob) verzerren. Und mit der Eskalation der Ukraine-Krise hin zu einem offenen Krieg im Osten des Landes setzte sich auf beiden Seiten erneut ein auf Feindbildern und Stereotypen basierendes Bild durch, das an Versatzstücke westlicher und östlicher Propaganda des Kalten Kriegs anknüpfte.

Dahinter stehen Medienmanipulationen durch PR-Agenturen, die für Politiker arbeiten, redaktioneller Einfluss durch Alpha-Journalisten sowie strukturelle Veränderungen des Journalismus durch ökonomische Zwänge, welche insbesondere zu einer Krise des investigativen Journalismus geführt haben. So ist es wenig verwunderlich, dass die historische Entwicklung der Kriegsberichterstattung im Wechselspiel zwischen Öffentlichkeit, Militär und Journalismus insgesamt kritisch zu hinterfragen ist. Es gibt Alpha-Journalisten, die wie z.B. ZEIT-Herausgeber Josef Joffe, in transatlantischen Think-Tanks verankert sind und deshalb NATO-Militäreinsätze befürworten und eine redaktionelle Linie beeinflussen (77).

Ebenso lassen sich in vielen Leitmedien beim Thema Kriegsberichterstattung Einseitigkeiten, Verzerrungen, Auslassungen und Unwahrheiten nachweisen, die sowohl durch persönliche Einstellung der Journalisten (Stichwort Rudeljournalismus) als auch durch bestimmte strukturelle Gegebenheiten moderner Massenmedien, die eine Manipulation durch verschiedene Seiten ermöglichen, begründet sind.

Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass die westliche Berichterstattung über die Kolonialkriege im 19. Jahrhundert oder die Darstellung des Ersten und Zweiten Weltkriegs auf allen Seiten von einer durchgängigen Feindbildkonstruktion geprägt war. Diese Tradition setzte sich im Kalten Krieg sowohl im Osten wie auch im Westen fort und ist, mit einzelnen Gegenbeispielen, bis heute die dominierende Herangehensweise an Konflikte. Was bei Medienrezipienten vielerorts als Phänomen einer „Lügenpresse“ verschrien ist, scheint ein konstitutionelles Element von Kriegsberichterstattung in der zumindest jüngeren Geschichte zu sein: der Versuch, die Welt in richtig und falsch einzuteilen, sie dadurch greifbar zu machen.

Dass dies die in einen Konflikt involvierten Gruppen tun, scheint nachvollziehbar. Dass auch vermeintlich Neutrale wie z.B. die Neue Zürcher Zeitung sich mitunter dieser Kriegslogik bedienen, wirft hingegen die Frage nach der Reflexion der eigenen Berichterstattung auf – ergänzt um jene der Interessen eines Mediums. Der Begriff der „Lügenpresse“ hingegen suggeriert, dass so etwas wie Wahrheit oder Lüge bei einer bestimmten Seite verortet werden könne. Dabei ist auch die Kriegsberichterstattung von ökonomischen Überlegungen, Einschaltquoten, Auflagen bestimmt. Und dieses Nachrichtengeschäft ist unterwandert von PR-Aktivitäten von den verschiedenen Konfliktseiten (78).

Es geht also meist um Interessen, nicht um Wahrheit oder Wahrhaftigkeit. Journalisten sind dabei selbst oft Opfer von Täuschungen und Manipulationen. Dieses Phänomen ist zudem auch nicht auf westliche Massenmedien beschränkt. So war und ist beispielswiese die Syrien-Berichterstattung in Russia Today keineswegs sachlicher oder neutraler als in deutschen Leitmedien. Dort wurde und wird im Interesse der russischen Regierung eine Art Gegen-Bild dargestellt (Böse Rebellen, böses Ausland, Assad verteidigt sich nur), eine Sichtweise, die ebenfalls zu kurz greift und allenfalls als Korrektiv zur Darstellung der westlichen Leitmedien brauchbar ist.

Dass auch Russia Today oder Al Jazeera konzeptionell Kriegsjournalismus betreiben, ist indes nicht verwunderlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es sich hier ebenfalls um Leitmedien, einzig nicht um westliche, handelt. Friedensjournalismus hingegen ist ein anderes Konzept und ein komplett anderer Ansatz, der nicht nur Konflikte und Kriege realistischer abbildet, sondern durch seine differenzierte Sichtweise auch eine Antwort auf die nachvollziehbare Legitimationskrise von Leitmedien geben kann.

Quellen:

(1) Florian Flade, US-Soldaten töten Reuters-Journalisten in Irak, in: Welt-online, 6.4.2010, zit. nach http://www.welt.de/politik/ausland/article7069862/US-Soldaten-toeten-Reuters-Journalisten-in-Irak.html, 18.5.2017.
(2) Stefan Krempl, Krieg und Internet: Ausweg aus der Propaganda?, Hannover 2004, S. 31.
(3) Michael Kunczik, Kriegsberichterstattung und Öffentlichkeitsarbeit in Kriegszeiten, in: Kurt Imhof/Peter Schulz (Hrsg.), Medien und Krieg – Krieg in den Medien (Mediensymposium Luzern 1), S. 87-104, S. 91.
(4) Ebd.
(5) Kurt Imhof, Kriegskommunikation im sozialen Wandel, in: Kurt Imhof/Peter Schulz (Hg.), Medien und Krieg – Krieg in den Medien (Mediensymposium Luzern 1), Zürich 1995, S. 123-135, S. 123f. Zur Kritik affirmativer Kriegsberichterstattung vgl. Eckart Spoo, Gewehr bei Fuß. Wie die Medien (uns) in den Krieg ziehen, in: Rainer Butenschön/Eckart Spoo (Hg.), Töten – Plündern – Herrschen. Wege zu neuen Kriegen, Hamburg 2003, S. 172-186.
(6) So bezeichnete Winston Churchill die BBC. Vgl. Kunczik, Kriegsberichterstattung, S. 90.
(7) UNESCO, Declaration on Fundamental Principles concerning the Contribution of the Mass Media to Strengthening Peace and International Understanding, to the Promotion of Human Rights and to Countering Racialism, apartheid and incitement to war, 28 November 1978, zit. nach http://portal.unesco.org/en/ev.php-URL_ID=13176&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html, 17.5.2017.
(8) Jörg Becker, Medien im Krieg, in: Albrecht/Becker (Hg.), Medien zwischen Krieg und Frieden, S. 13-26, S. 14.
(9) Reinhard Jellen, „Weder unsere Verfassung noch die UN-Carta sind bezüglich Krieg neutral“. Interview mit Jörg Becker, in: telepolis, 21.1.2016, zit. nach http://www.heise.de/tp/artikel/47/47171/2.html, 18.5.2017.
(10) Ebd.
(11) Becker, Medien im Krieg, S. 14.
(12) Michael Ignatieff, Virtueller Krieg. Kosovo und die Folgen, Hamburg 2001, S. 7.
(13) Michael Haller, Im Kampf um die Aufmerksamkeit, in: Tages-Anzeiger, 3.10.2002.
(14) Zu den folgenden Aufzählungspunkten vgl. Becker, Medien im Krieg, S. 15f.
(15) Ebd., S. 16.
(16) Zu Manipulationen durch Informationsunterdrückung am Beispiel der Tabakkonzerne oder des Bananen-Giganten Chiquita vgl. Ignacio Ramonet, Die Kommunikationsfalle. Macht und Mythen der Medien, Zürich 1999, S. 168-170.
(17) Zum Konkurrenzdruck der Medien bzw. Fusionen und Monopol-Bestrebungen vgl. Ramonet, die Kommunikationsfalle, bes. das Kapitel ‚Neue Imperien’ S. 153-170.
(18) Ramonet, Die Kommunikationsfalle, S. 173.
(19) Ebd., S. 174.
(20) Ebd., S. 96.
(21) Ebd., S. 76. Vgl. dazu auch Gustav A. Lang, Der Krieg als journalistisches Thema, in: Kurt Imhof/Peter Schulz (Hg.), Medien und Krieg – Krieg in den Medien (Mediensymposium Luzern 1), Zürich 1995, S. 151-156, S. 153.
(22) Becker, Medien im Krieg, S. 16.
(23) Ebd., S. 17.
(24) Ebd., S. 18.
(25) Ebd.
(26) Ramonet, Die Kommunikationsfalle, S. 168. Vgl. auch Jean Ziegler, Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung, München 2005, S. 39.
(27) Markus Bickel, Al Dschazira-Korrespondent Aktham Suliman im Gespräch: Wir erleben eine gesellschaftliche Explosion, in: FAZ, 4.1.2012.
(28) Ebd.
(29) Ebd.
(30) Ebd.
(31) The Real News Network, Al Jazeera Journalist Explains Resignation over Syria and Bahrain Coverage. Ali Hashem: Al Jazeera has become a “media war machine” and is “committing journalistic suicide”, 20.3.2012, http://therealnews.com/t2/index.php?option=com_content&task=view&id=767&Itemid=74&jumival=8106, 18.5.2017.
(32) Ebd.
(33) Thomas Avenarius, Al-Dschasira und der Emir von Katar: Politik mit Fernsehbildern, in: Süddeutsche Zeitung, 13.9.2011.
(34) The Real News Network, 20.3.2012.
(35) Krempl, Krieg und Internet, S. 33.
(36) Ebd., S. 27.
(37) Ebd., S. 26. Vgl. Flade, Welt-online, 6.4.2010.
(38) Krempl, Krieg und Internet, S. 32.
(39) Ebd., S. 31.
(40) Ramonet, Die Kommunikationsfalle, S. 59f.
(41) Peter Arnetts Live-Bericht aus Bagdad, stilistisch-dramaturgisch eher Abenteuerroman denn Sachbuch, wurde zum Synonym einer neuen Berichterstattung, die oberflächliche Information mit Unterhaltung mixt, gewürzt mit der Spannung der Direktübertragung. Vgl. Martin Löffelholz, Beobachtung ohne Reflexion? Strukturen und Konzepte der Selbstbeobachtung des modernen Krisenjournalismus, in: Kurt Imhof/Peter Schulz (Hg.), Medien und Krieg – Krieg in den Medien (Mediensymposium Luzern 1), Zürich 1995, S. 171-191, S. 172.
(42) Siegfried Weischenberg, Legitimation als Gegengeschäft. Warum CNN zum Symbol journalistischer Dummheit geworden ist, in: Kurt Imhof/Peter Schulz (Hg.), Medien und Krieg – Krieg in den Medien (Mediensymposium Luzern 1), Zürich 1995, S. 163-168, S. 164.
(43) Weischenberg, Legitimation als Gegengeschäft, S. 164.
(44) Ramonet, Die Kommunikationsfalle, S. 95.
(45) Daniel Süss, (Selbst-)Inszenierungen im Krieg als Fallstrick für Qualitätsjournalismus, in: Zeitschrift für Friedenspolitik 5/2000, S. 11-12, S. 11.
(46) So forderte NATO-Sprecher Jamie Shea mediale Omnipräsenz der Regierungschefs der NATO-Staaten während des Kosovo-Krieges. Jamie Shea, Die Kosovo-Krise und die Medien: Reflexionen eines NATO-Sprechers, in: Vierteljahresschrift für Sicherheit und Frieden 3/2000, S. 208-217, S. 214.
(47) Martin Lettmayer von ‚stern-tv’: „‚Im Fall Bosnien habe ich erkannt, daß gerade in Deutschland und in Europa eine große Nachfrage nach Reportagen aus diesem Gebiet besteht. Deswegen bin ich hingefahren. Ich muß zugeben, ich habe sehr viel damit verdient. Andere, die das besser vermarkten konnten, wahrscheinlich noch mehr.’“ Zit. nach Mira Beham, Kriegstrommeln, München 1996, S. 232.
(48) Andreas Schulz, Der Aufstieg der ‚vierten Gewalt’. Medien, Politik und Öffentlichkeit im Zeitalter der Massenkommunikation, in: Historische Zeitschrift 270, Heft 1, Februar 2000, S. 65-97, S. 96.
(49) http://www.vice.com/the-vice-guide-to-travel, 26.5.2013.
(50) Mariam Lau, Hipster im Krieg, in: Die ZEIT 17, 18.4.2013.
(51) Ebd.
(52) Haller, Tages-Anzeiger, 3.10.2002.
(53) Spoo, Gewehr bei Fuß, S. 175ff.
(54) Imhof, Kriegskommunikation im sozialen Wandel, S. 124.
(55) Kunczik, Kriegsberichterstattung, S. 101.
(56) Mick Hume, Whose War is it anyway? The Dangers of the Journalism of Attachment, London 1997, S. 27.
(57) Ebd., S. 20.
(58) Martin Bell, ‚TV news: how far should we go?’, in: British Journalism Review, Vol. 8 Nr. 1, 1997, zit. nach Hume, Whose War is it anyway?, S. 6.
(59) http://de.wikiquote.org/wiki/Hanns_Joachim_Friedrichs, 18.5.2017.
(60) Zur Analyse der hauptsächlich auf Anspielungen, Wiedererkennen, Kollektivsymbolik und Diskurssystemen beruhenden ‚Fakten’ Ed Vulliamys, Roy Gutmans oder beispielsweise der antiserbischen Kriegshetze des deutschen Magazins Der Spiegel vgl. die diskurstheoretische Arbeit von Hermann Mitterhofer, Die deutschsprachige Presse und der Krieg in Bosnien. Eine Analyse journalistischer Kollektivsymbolik und elementar ideologischer Analogien anhand ausgewählter Texte unter Anwendung der Diskurstheorie Jürgen Links, Univ., Diss., Innsbruck 1999.
(61) Ebd., S. 82.
(62) Ebd., S. 9.
(63) Ebd., S. 10.
(64) Ebd., S. 66 bzw. S. 88.
(65) Vgl. Peter Glotz, Vorwort, in: Misha Glenny, Jugoslawien – Der Krieg, der nach Europa kam, München 1993, S. 9-17, S. 9.
(66) ‚stark, raving, mad, vicious, mean bastards’. Vgl. Hume, Whose War is it anyway?, S. 14.
(67) Ebd., S. 8.
(68) Z.B. Erich Rathfelder, Massengräber jetzt auch im Kosovo entdeckt, in: taz, 5.8.1998, Der Bericht brachte Rathfelder eine Rüge des österreichischen Presserats ein, file:///C:/Desktop/Presserat1998.pdf, 18.5.2017, S. 14f.
(69) Hume, Whose War is it anyway?, S. 6.
(70) Thomas Deichmann, ‚Es war dieses Bild, das die Welt in Alarmbereitschaft versetzte.’ Ein Bild ging um die Welt, und es war ein falsches Bild vom Bosnienkrieg, in: Ders. (Hrsg.), Noch einmal für Jugoslawien: Peter Handke, Frankfurt a. M. 1999, S. 228-259, S. 253.
(71) Michael Ignatieff, Die Zivilisierung des Krieges. Ethnische Konflikte, Menschenrechte, Medien, Hamburg 2000, S. 35.
(72) Hume, Whose War is it anyway, S. 18.
(73) Thomas Fleiner, Minderheiten und Nationalismus, in: Klaus Bittermann (Hg.), Serbien muß sterbien. Wahrheit und Lüge im jugoslawischen Bürgerkrieg, Berlin 41999, S. 50-74, S. 64.
(74) Ebd., S. 51f.
(75) Lang, Der Krieg als journalistisches Thema, S. 154.
(76) Hume, Whose War is it anyway?, S. 4 bzw. S. 18.
(77) Vgl. Uwe Krüger, Meinungmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse, Köln 2013.
(78) Vgl. Marcus Klöckner, „Im Nachrichtengeschäft geht es um Interessen, nicht um Wahrheit“. Der Zeithistoriker Kurt Gritsch zum Krieg in Syrien und über die Rolle der Medien, in: telepolis, 10.1.2016, zit. nach https://www.heise.de/tp/features/Im-Nachrichtengeschaeft-geht-es-um-Interessen-nicht-um-Wahrheit-3377615.html, 18.5.2017.


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