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Ein glamouröses Bauernopfer

Ein glamouröses Bauernopfer

Die Tagebücher Anthony Faucis werfen der Corona-Opposition wieder ein paar Brocken hin, ohne dass die Zusammenhänge aufgeklärt werden und Geschädigte Genugtuung erhalten.

Wenn ein ziemlich normal aussehender Mann unversehens mit der berühmten Schauspielerin Julia Roberts zusammentrifft, dann stellen sich auf seiner Seite normaler Weise Verblüffung und Ergriffenheit ein. Man kann im Film „Notting Hill“ wunderbar sehen, wie unbeholfen das „normale Volk“ oft im Umgang mit einem Superstar agiert. Nicht so bei einer Begegnung zwischen Roberts und dem US-amerikanischen Immunologen Anthony Fauci. Dann sind die Rollen vertauscht, und es ist an der als „Pretty Woman“ berühmt gewordenen Actrice, zu staunen und anzuhimmeln. Sagt zumindest Fauci in seinen unlängst von US-Senator Rand Paul veröffentlichten Tagebüchern.

„Schon im Mai 2020 hatte Fauci an einem Instagram-Gespräch mit Julia Roberts teilgenommen“, fasst die Berliner Zeitung den Tagebucheintrag zusammen.

„Als sein Gesicht bei der Videoverbindung erschien, habe die Schauspielerin die Hände vor den Mund geschlagen und überrascht auf seine Anwesenheit reagiert. Roberts habe ihn als persönlichen Helden bezeichnet und erklärt, wie sehr sie sich über das Gespräch freue. Fauci schrieb, die Begrüßung habe ihn ein wenig verlegen gemacht.“

Man kann darüber lächeln, Fauci beneiden oder zu seiner „Eroberung“ beglückwünschen.

Sichtbar wird über weite Strecken seines Tagesbuches, dass er durch Glamour emotional bestechlich war und sich im Dunstkreis der Reichen und Schönen nur zu gern suhlte — ein Milieu, das einem unbekannten Funktionär im Gesundheitssystem vor Corona nicht zugänglich war.

Das Virus katapultierte ihn auf einen Schlag ins Rampenlicht und machte aus ihm eine nationale Berühmtheit — und einen Mann, dessen Machtwort für Millionen Menschen mehr Freiheit oder Unfreiheit, die volle Menschenwürde oder deren Einschränkung bedeuten konnte. Faucis Tagebücher zeigen den Lohn des Opportunismus.

Faucis Eitelkeit ist aber nur eine von vielen „Enthüllungen“ der über 1.000 Seiten seines Tagebuchs, die der republikanische Senator Rand Paul am 25. und 25. Juli 2026 öffentlich machte — und es ist keineswegs die wichtigste. Hier eine Zusammenfassung.

Thema 1: Die Wirksamkeit des Impfstoffs ist zweifelhaft

Laut seinem Tagebuch zweifelte Anthony Fauci in internen Gesprächen an der Notwendigkeit von Schulschließungen, riet der Politik aber trotzdem dazu. Nius Live vom 4. August 2026 hat dazu einen Informations- und Meinungsbeitrag mit folgendem Inhalt veröffentlicht: Öffentlich habe Fauci den „Impfungen“ einen verlässlichen Schutz bescheinigt, obwohl er gewusst habe, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. Nius wirft Fauci sogar vor, er habe Informationen unterdrückt. Fauci habe damit geprahlt, die US Gesundheitsbehörde CDS „davon abgebracht zu haben, zu erklären, dass die Impfstoffe überhaupt nicht wirksam seien, um Infektionen und Übertragung zu verhindern“.

Öffentlich geäußerte Zweifel, so Fauci, würden „den Bemühungen widersprechen, den Menschen […] die aktuelle bivalente BA.5-Impfung zu empfehlen. Darüber hinaus würde es die Bemühungen des Justizministeriums untergraben, […] Impfpflichten durchzusetzen“. Sagt das Nius-Zitat tatsächlich das aus, was suggeriert wird, so könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass nicht die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung Faucis Handeln leitete, sondern wirtschaftliche Interessen. „Intern waren die Zweifel groß, man ließ die Zweifel aber nicht nach außen dringen, denn sonst kommt unsere Impfkampagne nicht in die Gänge“ — so fasste Nius-Moderator Alexander Kissler die Vorgänge zusammen.

Die Argumentationsweise von Nius ist hier aber mit Vorsicht zu genießen, da das Portal seine Zitate mit so vielen Auslassungen veröffentlichte, dass man nicht genau sagen kann, ob diese im ursprünglichen Kontext überhaupt die aufgestellten Behauptungen stützen. Ich habe keinen anderen Beleg dafür gefunden, dass Anthony Fauci selbst starke Zweifel an der Wirksamkeit des Impfmittels hegte. Den Verdacht, dass das Corona-Establishment aus Opportunismus teilweise eine Position vertrat, an die es selbst nicht glaubte, kann man als Ergebnis der Tagebuch-Veröffentlichungen aber durchaus hegen. Dies liegt vor allem am nächsten Punkt, der Frage nach dem Ursprung des Virus.

Thema 2: Das Virus entstand eher im Labor

10 von 12 Wissenschaftler einer Virologen-Konferenz vom 1. Februar 2020, darunter Christian Drosten, vertraten laut Fauci die „Naturursprungsthese“, womit das Überspringen des Virus von Tieren auf Menschen — zum Beispiel auf dem Markt von Wuhan — gemeint ist. Anthony Fauci schreibt dazu in seinem Tagebuch:

„Ron Fouchier, sagte, er sei sich sicher, dass dies auf natürliche Weise geschehen könne. Auch Christian Drosten schloss sich Ron an. Die übrigen hielten eine gezielte Einfügung [der Furin-Spaltsteller] für möglich.“

Als Furin-Spaltstelle bezeichnet man eine molekulare Struktur im Spikeprotein bestimmter Viren, zum Beispiel Coronaviren, die durch ein Enzym, das Furin, gespalten werden kann. Es geht also um eine bewusst vom Menschen durchgeführte genetische Veränderung des Coronavirus, welches dann aus dem Labor „entkommen“ sein soll.

Wenig später, also noch 2020, wurde die Labortheorie in einem offenen Brief in The Lancet von demselben Personenkreise als „Verschwörungstheorie“ diffamiert.

Schon im Januar 2020 schrieb Anthony Fauci zudem: „Jetzt wissen wir, dass der Markt [von Wuhan] nicht der Ursprung, sondern der Verstärker war.“

Dennoch betonte er auch privat meist, dass er einen natürlichen Sprung von Tier zu Mensch für am wahrscheinlichsten halte. Wissenschaftler wie Fauci unterschieden also offenbar zwischen dem, was sie selbst wussten und glauben, und dem, was für sie öffentlich kommunizierbar war. Warum haben sie über Jahre daran mitgewirkt, Zweifler zu diffamieren, die eine Hypothese vertraten, die von Anfang an wohl die wahrscheinlichere gewesen war? Wollten sie verbergen, welches gefährliche Spiel Wissenschaftler — vielleicht US-amerikanische — mit dem Leben und der Gesundheit von Millionen Menschen in Form der sogenannten Gain-of-function-Forschung betrieben haben?

Die praktischen Auswirkungen von Faucis „Politik“ für Millionen Menschen waren jedenfalls enorm. So schrieb er in seinen Tagebüchern, dass er Schulschließungen in New York und Kalifornien maßgeblich beeinflusst habe. Später redete er sich in öffentlichen Statements gern heraus, er habe die Lockdowns nicht direkt gefordert. Weiter beschimpfte Fauci die Autoren der lockdownkritischen Great Barrington Declaration öffentlich als die „drei Stooges“ (Vollpfosten).

Thema 3: Der Einfluss von Bill Gates war unangemessen groß

In einer Zusammenfassung von Senator Rand Paul zu den veröffentlichten Fauci-Dokumenten heißt es: „Die ranghöchsten Gesundheitsbeamten des Landes behandelten einen der reichsten Männer der Welt wie einen Kollegen und Mitarbeiter.“ Von Juni 2014 bis Dezember 2021 besaß Bill Gates eine hochexklusive sogenannte Q-Sicherheitsfreigabe des Energieministeriums. Eine solche Freigabe ermöglichte ihm den Zugang zu Unterlagen der US-Regierung, die als „top secret“ eingestuft wurden, unter anderem betreffend die atomare „Verteidigungsstrategie“. Gates gehörte diesem erlauchten Club auch auf dem Höhepunkt der Corona-Krise an.

Galten und gelten übliche Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr, wenn jemand ultrareich war? Und welche Informationen zog Bill Gates aus seinem privilegierten Zugang zu Informationen — vielleicht auch zu seinem persönlichen wirtschaftlichen Vorteil, zum Beispiel als BioNTec-Aktionär?

Sicher ist: Gates empfahl auch gegenüber Anthony Fauci persönlich das „Durchimpfen“ der gesamten Weltbevölkerung — eine monströse Anmaßung für einen ungewählten Privatmann. Er schwärmte gegenüber Fauci von 7 Milliarden Impfdosen bei einer und 14 Milliarden Dosen bei zwei Gaben des Impfstoffs.

Auch deutsche Medien erwiesen dem hyperselbstbewussten Mogul während der Corona-Krise ihre Reverenz. Später stellte sich heraus, dass Bill Gates gute Kontakte zu Jeffrey Epstein unterhielt.

Thema 4: Fauci trank heimlich Wein und predigte öffentlich Wasser

Die Fauci-Tagebücher offenbaren eine auffällige Doppelmoral. Während Millionen Menschen auf Betreiben des US-amerikanischen Corona-Papstes ihr Haus nicht verlassen sollten, nahm der Top-Berater nicht selten ein Bad in der Menge, besuchte Gala-Diners und Buchpräsentationen — Pressekonferenzen sowieso. Ein Zitat Faucis vom November 2021 lautet:

„Ich war gestern Abend auf einer Buchparty […] im Café Milano. Der Laden war extrem voll und ich war fast zwei Drittel der Zeit gezwungen, meine Maske abzunehmen […], da Getränke serviert wurden und die Leute redeten und Selfies machten.“

Auch bei einer Galafeier im Haus von Jeff Bezos Ende 2022 war der Superstar der hygienebedingten Repression anwesend: „Die übliche Washingtoner A-Prominenz war da.“ Weiter gab er zu Protokoll: „Wir hatten ein Superspreader-Event im Weißen Haus, und zwar in einer Situation, in der die Leute zusammengedrängt waren und keine Masken trugen.“ Fand er das lustig? Glaubte er nie an das Narrativ eines hochgefährlichen Virus, welches er dem Fußvolk auf allen Kanälen aufzudrängen versuchte?

Wir kommen nun wieder zu einem Thema, auf das wir schon im Zusammenhang mit Faucis Begegnung mit Julia Roberts gestoßen waren: Prominente umschwirrten den eher spröden Gesundheitsfunktionär wie Motten das Licht. Die Berliner Zeitung zitiert die Washington Post wie folgt:

„Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass ich heute der berühmteste und meistdiskutierte Mensch im Land und einer der bekanntesten Menschen der Welt bin.“

Ausführlich berichtet Fauci auch von einem Telefonat mit der großen Sängerin Barbara Streisand, die ihn persönlich angerufen habe und um einen Impfstoff gebeten hatte. Fauci riet ihr dazu, sich die Spritze geben zu lassen. Das berühmte Modell Tyra Banks gestand Fauci, dass ihre Mutter in ihn verliebt sei. Jedes noch so lächerlich überzeichnete Lob dokumentierte Anthony Fauci wie ein Schuljunge, der sein plötzliches Glück gar nicht fassen konnte: „Ein Zuschauer schrieb, Tyra Banks sei sexy, ich aber noch sexier als sie.“

Dekadenz und Großmannssucht auch in Deutschland

Unwillkürlich denkt man dabei auch an deutsche Corona-Akteure, die als mackenbehaftet Normalos von einem Tag auf den anderen aus dem Schatten traten und „jemand“ waren. Auch wenn Karl Lauterbach kleinere Brötchen backen musste und statt Barbara Streisand nur Carolin Kebekus treffen durfte, die Sängerin von ein paar eher anspruchslosen, wokenesskonformen Couplets.

Das heutige Verhalten der ehemaligen Hauptakteure von Corona macht fassungslos, wenn man bedenkt, welche Macht diese ganz offensichtlich verpeilten Zeitgenossen damals über die öffentliche Meinung und faktisch über jeden von uns hatten.

So forderte Karl Lauterbach, bestückt mit Regenbogenhut und einer Regenbogenluftschlange um den Hals, beim CSD in Köln 2026 das Aufziehen einer Regenbogenfahne auf dem Dach des Bundestags. Corona-Zwingherr Jens Spahn, seinerzeit Bundesgesundheitsminister, scherte sich privat wenig um das Verbot von Leihmutterschaften, das er als Unions-Fraktionsvorsitzender noch vehement gefordert hatte, kaufte sich mit seinem Mann das Erbgut einer Frau und mietete den Bauch einer zweiten.

Hassliebe zu Donald Trump

Ein besonders reichhaltiges Presseecho erntete auch Anthony Faucis wechselhafte Beziehung zu Donald Trump in dessen erster und auch zweiter Amtszeit. Gern werden negative Aussagen Faucis über Trump zitiert, was den Vorurteilen deutscher Medien entspricht und es ihnen erleichtert, von ihrer eigenen Kumpanei mit den Verletzungen der Freiheitsrechte während der Corona-Jahre abzulenken. Auffällig ist auch in den Abschnitten über Donald Trump die Neigung Faucis zu peinlicher Selbstbeweihräucherung: Über sein erstes Treffen mit dem Präsidenen am 29. Januar 2020 schreibt Fauci:

„Der Präsident kam herein, und das Erste, was er sagte, als er mich ansah, war: ‚Anthony, Sie sind wirklich ein berühmter Mann. Mein guter Freund Lou Dobbs […] hat mir gesagt, dass Sie eine der klügsten, kenntnisreichsten und herausragendsten Personen sind, die er kennt.‘“

Später beklagte sich Fauci, Trump sei „abschweifend“ und agiere wie ein „unausstehlicher Jugendlicher“. Trump habe die Krankheit im Grunde noch gar nicht verstanden.

„POTUS [President of the United States] verhält sich noch erratischer. Besteht weiter darauf, dass höhere Fallzahlen nur auf mehr Tests zurückzuführen sind, und ignoriert die Anstiege bei Positivrate, Krankenhausaufnahmen und Todesfällen (>1000/Tag).“

Mit solchen Veröffentlichungen suggerieren deutsche Medien, dass Corona-Maßnahmen-Skeptiker ähnlich „verwirrt“ seien, wie man es von Donald Trump schon kennt.

Zum zweiten Mal „RKI Files“

Ist die Veröffentlichung der Fauci-Tagebücher also der große Game Changer, wie unter anderem Nius suggeriert? Nein, die Enthüllungen sind eher ein weiteres Teilchen in einem Puzzle, das ein für die Corona-Etablierten sehr ungünstiges Bild ergibt, von dem maßgebliche Kreise aber gar nicht wollen, dass es jemals fertiggestellt wird. Die RKI-Files, freigeklagt seinerzeit durch das Webmagazin Multipolar, waren ein anderes solches Teilchen. Im März 2020 stufte das RKI die Risikobewertung von „mäßig“ auf „hoch“. Kritiker vermuteten eine politische Weisung („externer Akteur“).

Die Medien spielen mit uns Bürgern ganz offensichtlich ein Spiel, bei dem uns immer ein Quäntchen Hoffnung präsentiert wird, dass es einmal zu einer großen Aufarbeitung und zur Rehabilitierung der Kritiker kommen könnte. Am Ende erweist es sich dann doch nur als Skandälchen, dessen Wirkung rasch verpufft und das folgenlos bleibt.

Wie im Fall der Epstein Files, die ein wahrhaft dramatisches Ausmaß hatten und die Öffentlichkeit eigentlich noch heute beschäftigen sollten. Wir erfahren die Wahrheit immer nur scheibchenweise und dann in eher vieldeutiger Form, sodass Kräfte, die gar nicht an wirklicher Aufklärung interessiert sind, immer Möglichkeiten haben, die Informationen wegzuinterpretieren. Die Opfer warten bis heute vergeblich auf Gerechtigkeit, die Täter bleiben in ihren Ämtern oder verlieren diese aus Gründen, die mit Corona nichts zu tun haben.

Fasche Narrative, unehrliche Akteure

Beide Enthüllungen — Fauci-Tagebücher wie RKI Files — lassen Zweifel daran aufkommen, ob die Hauptakteure bei Corona in den USA und Deutschland wirklich ehrlich an das Falsche glaubten. Hier kämen dann Begriffe wie Doppelmoral, Manipulation und Heuchelei ins Spiel, während im anderen Fall „nur“ drastische Fehleinschätzungen mit verheerenden Folgen für die Gesellschaft, die Demokratie und die psychosoziale Gesundheit von Millionen Menschen vorlägen. Die Fauci-Tagebuch beweisen nicht zweifelsfrei, dass alles, was die Corona-Opposition seit 2020 behauptet hat, richtig war; sie schüren aber sehr wohl Zweifel an der Integrität der Akteure und an den offiziellen Narrativen. Diese scheinen ganz auf Angst erzeugende Kommunikation nach außen gesetzt zu haben.

In vielen Bereichen ist die Falschheit von Mainstream-Narrativen eigentlich erwiesen, diese Tatsache scheint aber im allgemeinen „Volksbewusstsein“ nie richtig anzukommen. Vor allem betrifft dies die These von der alleinseligmachenden Wirkung der Impfung. Es hat sich herauskristallisiert, dass zwar grundsätzlich ein Erkrankungsrisiko für Ungeimpfte bestand sowie auch das Risiko, andere anzustecken —, dass dies aber ebenso auch auf Geimpfte zutraf. Besonders die These, die „Impfung“ leiste einen umfassenden Fremdschutz, ist widerlegt. Der erzeugte Impfdruck war also nicht sachgemäß, zumal empfindliche Einschränkungen der Freiheitsrechte damit einhergingen und Nebenwirkungen in einem Umfang auftraten, die im Vergleich zu anderen gängigen Impfungen frappierend waren. Entschuldigungen der Täterseite — mögen diese nur „mit bestem Wissen und Gewissen“ oder bösartig falsch gehandelt haben — bleiben bis heute aus.

Fehlende politische Kultur der Reue

Das gilt für die große Politik, deren Akteure sich wegducken und konsequent an den notwendigen Einsichten vorbeiargumentieren; es gilt aber auch für unzählige private Familien-, Freundes- und Kollegenkreise, in denen zuvor für verrückt erklärte, jedoch in Wahrheit ziemlich hellsichtige „Schwurbler“ bis heute vergebens auf eine Wort der Einsicht seitens derer warten, die sich damals obenauf wähnten und sich an verbalen Hetzjagden auf Abweichler beteiligten. „Sorry seems to be the hardest word.“ Über dem Land liegt der Gestank verweigerter Entschuldigungen und unterbliebener Versöhnungsversuche.

Fast symbolhaft für die Selbstgerechtigkeit der damaligen Corona-„Elite“ steht die Begnadigung Anthony Faucis durch den früheren US-Präsidenten Joe Biden im Januar 2025. Der Gnadenakt hatte vorsorglichen Charakter, es lag noch nicht einmal eine Anklage vor. Biden befürchtete aber wohl, zu dieser könne es unter seinem Amtsnachfolger kommen. Sah sich der Altpräsident, der in seinen letzten aktiven Monaten erkennbar nicht mehr Herr seiner Sinne war, etwa in der Tradition der Jungfrau Maria, die bekanntlich „voll der Gnade“ ist? Das Ganze riecht nach einem Machtklüngel, nach einer sehr freien Rechtsauslegung von Mitgliedern elitärer Zirkel, die sich über das Gesetz stellen, das für den dummen Normalbürger gilt.

Trotz der präventiven Begnadigung versuchen Kräfte innerhalb der Republikanischen Partei weiterhin, Fauci gerichtlich zu belangen. Bei einer Anhörung vor dem US-Senat Ende Juli 2026 berief sich der 85-jährige immer wieder auf den 5. Verfassungszusatz — das Recht, zu schweigen, um sich nicht selbst zu belasten. Seine Anwälte befürchteten offenbar, dass sich der ehemalige Berater des Präsidenten bei seinen Aussagen in Widersprüche verwickeln und wegen Meineids belangt werden könnte. Sein Schweigen scheint denen Recht zu geben, die glauben, Fauci habe etwas zu verbergen. Am 6. August 2026 stimmte der republikanisch geführte Heimatschutzausschuss des Senats dafür, Fauci wegen „Missachtung des Kongresses“ anzuzeigen. Der Vorgang liegt derzeit zur Prüfung beim Justizministerium. Vielleicht wird man Fauci auch als Bauernopfer darbringen, während andere, mindestens ebenso Schuldige, ihre Hände in Unschuld waschen.

Die Unfähigkeit, sich zu schämen

Im Rückblick erscheint der unter dem Stichwort Corona erfolgte Überfall auf die zuvor noch leidlich freien Gesellschaften vieler Länder nicht zur abstoßend, sondern auch in hohem Maße peinlich.

Die Verantwortlichen leiden aber durchweg an einem erheblichen Defizit betreffend ihrer Fähigkeit, sich für klägliches Verhalten angemessen zu schämen. Sie stellen sich auf den Standpunkt: „Solange wir in der Mehrheit sind, können die uns nichts anhaben.“

Und bis jetzt kommen sie tatsächlich damit durch. So wird vermutlich auch wieder ungehört verhallen, was Gunnar Schupelius bei Nius sagte:

„Diese Zeit muss aufgearbeitet werden. Und ich glaube, dass sie deshalb nicht aufgearbeitet wird, weil zu viele beteiligt waren. […] Wir waren doch in einer so kleinen Minderheit und hatten so viele gegen uns, dass die vielen jetzt natürlich auf keinen Fall wollen, dass sie irgendwie sich den falschen angeschlossen haben.“

Viele hatten ja zum Beispiel dem Einsatz der Wasserwerfer gegen Impfgegner zugestimmt, so Schupelius. „Soll man jetzt im Nachhinein sagen: Das war alles nicht richtig?“ Auch die Medien sind an wirklicher Aufarbeitung nicht interessiert. Grund: Sie haben ebenfalls mitgemacht. Wenn Mittätern die Aufgabe übertragen wird, über Mittäter zu richten, kann das Urteil nur „Freispruch“ lauten.

Teil-Enthüllungen — unbefriedigend und folgenlos

Teil-Enthüllungen in der Presse ähneln insofern eher der Karotte, die man einem Esel vor die Nase hält, damit der — in der Meinung, er könne davon satt werden — den Karren immer weiter zieht, ohne je an sein Ziel zu kommen. Partielle Hoffnungsschimmer sollen eine Verzweiflung erträglich machen, die anderenfalls in eine für die Mächtigen durchaus unbequeme Gegenwehr münden könnte. Der massive Vertrauensverlust der Bürger in ihren Staat ist längst da. Er wird nur in den meisten politischen Kommentaren nicht auf die Corona-Jahre zurückgeführt. Der Aufstieg der AfD hat ebenso damit zu tun wie der rapide Bedeutungsverlust der Altparteien. Ebenso gibt es auch einen massiven Vertrauensverlust in die Unabhängigkeit der Wissenschaft. Weiter auch in die Integrität der Hauptmedien und diverser „Experten“, des Ethikrats sowie einiger Prominenter, die sich selbst als das Fleisch gewordene demokratische Immunsystem ihres Landes inszeniert hatten.

Dieser Vertrauensverlust bewirkt politische Heimatlosigkeit für all jene, die sich mit rechtspopulistischen „Alternativen“ nicht so recht anfreunden können, da sie in diesen nur abweichende Nuancen ein und desselben Symptomkomplexes sehen.

Dieses Gefühl der Heimatlosigkeit ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Eine „Enttäuschung“ — das meint die Beendigung einer Täuschung, die es gar nicht erst hätte geben dürfen. Die naive Annahme, dass „die da oben“ — die Damen und Herren in Kostüm, Anzug und Weißkittel — es irgendwie gut mit uns meinen und dass wir ihnen ohne lästiges Selberdenken unsere Geschicke vertrauensvoll überlassen könnten. Das dies spätestens jetzt nicht mehr möglich ist, wäre eigentlich eine gute Nachricht. Nur fragt sich, wen oder was wir nun an die Stelle unserer einstigen Idole setzen können. Die pauschale Aufforderung, „wir alle“ sollten es nun gemeinsam richten, ist grundsätzlich richtig, aber unpräzise und nicht leicht in die Praxis umzusetzen. So kann ich an dieser Stelle leider keine Fundstücke präsentieren, sondern muss mich darauf beschränken, eine Suchbewegung anzudeuten. Wir gehen in eine Zukunft, die einem steilen, ungesicherten Bergpfad gleicht — ohne Bergführer.


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