Die künstliche Intelligenz (KI) ist und bleibt ein großes Thema. Seit OpenAI sein erstes Modell von ChatGPT veröffentlicht hat, gibt es geradezu ein Rennen im KI-Sektor um die besten, schnellsten und effizientesten Modelle. Die großen Treiber dieser Entwicklungen sind dabei OpenAI, xAI, Nvidia, Apple, Micsrosoft, Amazon und Meta. KI-Modelle und Anwendungen dringen in jeden Bereich vor und werden in immer mehr auch bestehende Systeme integriert. Dabei ist KI verbunden mit großen Ängsten. KI, so heißt es, werde den Arbeitsmarkt drastisch umwälzen und die meisten Jobs überflüssig machen. Große Entlassungswellen finden bereits statt, weitere kündigen sich an.
Auch gibt es dystopische Vorstellungen von der Übernahme der KI, die sich in einer Art Matrix-Szenario gegen die Menschheit wenden und diese auslöschen oder zum Sklavendasein degradieren wird.
Während „Jubelmeldungen“ gerne als Warnungen verpackt werden, betonen sie doch die Umwälzungen durch KI und das Potenzial der KI-Modelle. Dabei sei der Clou der Entwicklung der, dass der KI zunächst beigebracht worden sei, zu programmieren — was dazu führte, dass KI sich nun im Wesentlichen selbst programmiert und dabei große Sprünge im Fortschritt und den Fähigkeiten der KI immer häufiger aufeinander folgen. KI sei nun, so die Aussage, dazu in der Lage, eigenständige Entscheidungen zu treffen, programmierte Anwendungen selbstständig zu testen, und weise sogar so etwas wie Geschmack und Vorlieben auf, die über rein technische Entscheidungen hinausgingen. Dies habe zur Folge, dass sich die Arbeitswelt, insbesondere für alle Arbeiten, die am Computer stattfinden, in den kommenden Jahren drastisch ändern werde. So sehr, dass die Welt schon bald kaum noch wiederzuerkennen sei. Auch der Tech-Investor Frank Thelen ist der Ansicht, dass die KI in zwei Jahren übernehme.
Auffällig ist, dass derlei als Katastrophenwarnung verkleidete Jubelmeldungen stets nur aus dem Sektor der KI-Entwicklung selbst kommen. Klar, könnte man argumentieren, denn diese Menschen sind am nächsten dran und können daher die Entwicklungen absehen. Allerdings befeuert auch jede dieser Meldungen und Aussagen insbesondere aus der Branche Investitionen in den KI-Sektor. Und dies scheint notwendig zu sein, denn der KI-Sektor ist schon heute zu einer gigantischen Blase aufgebläht, von der man nicht weiß, wann sie platzt. So sind seit 2013 schätzungsweise 1,6 Billionen US-Dollar in die KI-Entwicklung geflossen. Allein 2025 sollen 400 Milliarden in diesen Bereich geflossen sein, und im laufenden Jahr werden noch höhere Ausgaben erwartet.
In der ersten Hälfte des Jahres 2025 machte Schätzungen zufolge der KI-Sektor 92 Prozent des US-amerikanischen BIP-Wachstums aus. Über 1300 Unternehmen in der KI-Branche werden mit über 100 Millionen US-Dollar bewertet, unter ihnen 498, die einen Wert von über eine Milliarde Dollar haben.
Einige Analysten erklären, die KI-Blase überschreite die Dotcom-Blase um das 17-Fache, die Blase von 2008 um das Vierfache.
Der Hype führt dazu, dass auch kleine Startups ohne jedes Geschäftskonzept mit Milliarden an US-Dollar überhäuft werden, wobei selbst bei den großen Anbietern bislang unklar ist, wie die KI jemals Profite abwerfen soll.
Die 20 US-Dollar monatlich, die man als Nutzer für beispielsweise ChatGPT zahlt, bringen die Ausgaben jedenfalls nicht wieder ein. Ein Bericht führt aus, dass gut 95 Prozent der KI-Unternehmen keinerlei Einnahmen aus ihren Modellen generieren.
Gleichzeitig zeigen sich aber immer mehr Investoren und Nutzer enttäuscht von jedem neuen KI-Modell. Die Erwartungen und Hoffnungen, die viele im Zusammenhang mit der KI hatten, erfüllen sich bislang offenbar nicht. So kommt eine Studie, die in einem Tech-Unternehmen in den USA durchgeführt wurde, zu dem Ergebnis, dass KI zu Mehrarbeit führt. Zwar würden, so die Studie, die Mitarbeiter produktiver, weiteten ihre Arbeitszeit aber teils freiwillig aus, was so zu höherer Belastung führt. Zudem wird die durch KI gewonnene Zeit gleich wieder in die Arbeit investiert. Das bedeutet: Zwar werden einige Arbeiten schneller erledigt, doch das führt nur dazu, dass die Mitarbeiter noch mehr Arbeit erledigen müssen. Die Mitarbeiter werden also nicht entlastet, ganz im Gegenteil.
Das Produktivitätswachstum scheint darüber hinaus sehr begrenzt zu sein. In einer weltweiten Umfrage des Beratungsinstituts PwC gaben gerade einmal 11 Prozent der deutschen Firmen an, einen Gewinnzuwachs durch KI zu verzeichnen. Global seien es 29 Prozent. Die Mehrheit der Unternehmen sieht in ihren Firmen keinen erkennbaren Nutzen der KI. Auch gesunkene Kosten hat nur eine Minderheit zu verzeichnen. Und Fälle, in denen sowohl eine Senkung der Kosten als auch gestiegene Einnahmen zu verzeichnen seien, beschränken sich auf zwölf Prozent. Eine Studie von Boston Consulting kam im vergangenen Jahr bereits zu ähnlichen Ergebnissen.
Auch bei den großen Konzernen ist die Lage durchwachsen. Microsoft und Apple etwa entließen 2025 über 15.000 Mitarbeiter, um die Programmierarbeit durch KI erledigen zu lassen. In diesem Jahr allerdings stellen sie wieder Programmierer ein, hauptsächlich mit dem Fokus auf KI-Entwicklung.
123.000 Angestellte im Tech-Bereich wurden in den USA insgesamt im Jahr 2025 von 257 Unternehmen entlassen. Der Grund war stets: KI macht die Arbeit effizienter. Dabei war 2025 noch das Jahr mit den geringsten Entlassungen seit 2022. Unternehmen wie Pinterest, Dow Chemical und Amazon entlassen auch 2026 weiter Mitarbeiter aufgrund von KI. Allerdings bereuen nun 55 Prozent der Unternehmen, die Mitarbeiter entlassen haben, um deren Arbeit durch KI effizienter ausführen zu lassen, und geben in einer Umfrage an, Mitarbeiter erneut einzustellen.
Es mag durchaus sein, dass KI sich in den kommenden Monaten und Jahren so sehr verbessert, dass sie alle Erwartungen erfüllt, die auf sie projiziert werden. Am Ende könnte künstliche Intelligenz wirklich, wie viele behaupten, alle Aufgaben vom Anwalt über den Programmierer und den Journalisten bis hin zum Musiker oder Schriftsteller übernehmen. Diese Tech-Euphorie scheint den Markt bislang weiter anzutreiben, und derartige Hoffnungen ermöglichen noch große Investitionen in den Sektor.
Die Unterstützer und Entwickler des KI-Hypes vergessen dabei aber eines: Künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Anwendungen müssen letztlich auch genutzt werden. Und hier scheint die Bereitschaft noch auf sich warten zu lassen.
Insbesondere was kreative Prozesse wie Schreiben und Musik angeht, nimmt die KI den Menschen nicht einfach eine „Last“, eine Arbeit ab — sie droht vielmehr, den Menschen das Elementare ihrer Arbeit zu nehmen: den Selbstausdruck in Form der Kunst, der für viele Menschen den Antrieb darstellt, etwas Einzigartiges zu schaffen. Gerade der Arbeitsprozess ist das Wesen künstlerischer Kreativität und künstlerischen Schaffens. Wenn die KI dies nun übernimmt, was tun dann all die Menschen noch? Wohin mit ihrer Kreativität, ihrem Potenzial?
KI ist daher in vielen Branchen relativ unbeliebt. Sie kommt aber auch bei den Konsumenten nicht gut an. So erlebte die weltbekannte Musikerin Taylor Swift im Zuge ihres aktuellen Albums „The Life of a Showgirl“ einen Shitstorm vonseiten ihrer Fans. Grund dafür war, dass sie ihre Promovideos für das Album KI-generiert waren. Das goutierten selbst ihre eingefleischten Fans nicht. Denn zuvor hatte sich Taylor Swift noch lautstark gegen KI-Deepfakes positioniert und davor gewarnt, dass KI kreative Jobs vernichten würde. Ihr werden deshalb Doppelstandards vorgeworfen. Das Album wird selbst von Swifts Fans teilweise als mittelmäßig und leblos bewertet. Und tatsächlich klingt es selbst, als habe eine KI einfach Erfolgsrezepte der Vergangenheit zusammengerührt und daraus einen undefinierbaren Einheitsbrei kreiert.
Auch in der Tech-Branche selbst wird der flächendeckende und ausufernde Einsatz von KI mittlerweile zu einem Risiko. Seit Microsoft den Support für Windows 10 eingestellt hat und die Nutzer zum Umstieg auf Windows 11 zwingt, laufen diese dem Konzern in Scharen davon. Das liegt nicht allein daran, dass Windows 11 ein fehlerhaftes und funktionsuntüchtiges System ist: Der Konzern hatte zuvor angekündigt, das Betriebssystem mit KI-Tools zu versehen, die den Nutzer lückenlos und ununterbrochen ausspionieren. Microsoft integriert KI in alle seine Anwendungen, was ihm dem Spitznamen „Microslop“ gegeben hat.
Unternehmen wie McDonalds setzen KI bereits für Werbung ein und ernten dafür Kritik. So wurde die McDonalds-Weihnachtswerbung im Dezember 2025 als „schrecklich“ und „unheimlich“ kritisiert. Der Filmemacher Darren Aronofsky produzierte gar eine TV-Serie über den US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu einem großen Teil mit KI, die aber wegen schlechter Qualität und Glitches sowie seltsamer Figuren kritisiert wurde. Die Ankündigung von Disney-CEO Bob Iger, auf Disney+ auch KI-Inhalte zuzulassen, führte zu Kritik und Boykottaufrufen seitens der Nutzer. Disney-Fans befürchten nicht nur den Jobverlust in der Kreativbranche, sondern auch schlechte Qualität der Inhalte. Auch eine ganze Reihe anderer KI-Anwendungen, sei es zur Rekrutierung für Jobs oder für militärische Anwendungen, haben immer wieder zu Skandalen geführt.
Das zeigt: So hoffnungsfroh die Entwickler und Investoren auch sind — die Mehrheit der Menschen hat kein Interesse an einem flächendeckenden Einsatz der KI. Vor allem im Bereich von Kunst und Kultur stößt KI auf breite Ablehnung, und zwar sowohl bei Künstlern als auch bei Konsumenten.
KI-generierte Filme, Serien, Bücher und Musik werden abgelehnt. Sie werden als leblos, als seltsam und mittelmäßig erlebt. Das zeigt, dass der KI und ihren Erzeugnissen die wichtigste Komponente fehlt: der menschliche Geist, das originär Menschliche, das all diese Dinge erst zu dem macht, was sie sind.
Ob sich daran durch die Weiterentwicklung der KI etwas ändern wird, ist schwer zu sagen. Einerseits prophezeien Entwickler und Investoren genau das; doch das müssen sie vielleicht auch, um die Investitionen am Laufen zu halten. Andererseits wird KI eben nur mit jenen Dingen trainiert, die es schon gibt, oder mit ihrem eigenen Output. Etwas wirklich Neues, Individuelles oder Einzigartiges durch KI zu schaffen, scheint damit bislang unmöglich. Durch die Verschlechterung des Trainingsmaterials in Form von KI-Output könnte es sogar sein, dass zukünftige Modelle an Qualität einbüßen. KI-Produktion, insbesondere in der Kunst, ist stets nur die Wiederkehr des ewig Gleichen, wobei jene Konzepte kopiert werden, die kommerziell erfolgreich waren.
Es ist unwahrscheinlich, dass Künstler ihre Arbeit an die KI auslagern. Denn dadurch berauben sie sich ihres Daseinsbezugs und verdammen sich zur Untätigkeit. Auch Produktionsfirmen und Label können KI-generierte Kunst nur dann gebrauchen, wenn diese sich auch verkauft. Und danach sieht es derzeit nicht aus. So könnte es sein, dass all die Horrormeldungen und Ängste letztlich nichts weiter sind als unrealistische Erwartungen, geschürt, um den Investitionsstrom am Laufen zu halten.
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