Schon mit dem Beginn menschlicher Zivilisationen in Jäger- und Sammlerkulturen haben die Menschen ein kulturelles Gedächtnis entwickelt. Dieses tradierten sie über die Kunst, die sie schufen, und die Rituale, die sie pflegten. Auf diese Weise wurde Geschichte weitergegeben und wurde zu Mythen von Gesellschaften. Was mit einfachen Tänzen, Höhlenmalerei und Schnitzereien begann, perfektionierten die Menschen im Laufe der Jahrtausende. So wurde die Schrift erfunden, wodurch die Literatur und das Theater entstehen konnten. Auf diese Weise formt sich auch ein kulturelles Gedächtnis. Hier entscheidet sich, woran sich nachfolgende Generationen später erinnern sollen, und auf welche Weise. Das führt zu transgenerationalen Überlieferungen und fließt ein in das kulturelle Selbstverständnis. Moderne Technologien haben das kulturelle Gedächtnis auf Leinwände und in Bildschirme gebracht. Auffällig ist gerade hier jedoch seit einigen Jahren eine Leerstelle.
Denn wo Kunst und Kultur die jeweiligen geschichtlichen Gegebenheiten einer Gesellschaft verarbeiten, sie in Mythen überführen und zu einer kulturellen Verarbeitung beitragen sollten, wird ein historisches Ereignis von enormer Tragweite überhaupt nicht thematisiert. Gemeint ist hier die sogenannte Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Menschen.
Diese liegt nun schon wieder lange genug zurück, sodass Filme und Serien entstehen konnten, die in dieser Zeit spielen. Hier ist jedoch auffällig, dass sich das inszenierte Pandemie-Theater überhaupt nicht in diesen Werken widerspiegelt. Denn es fehlt auch nur der leiseste Hinweis auf die verordneten Maßnahmen — etwa durch das sichtbare Tragen von Masken, durch Tests oder Quarantänen — noch findet dieses Ereignis überhaupt irgendeine Erwähnung.
Stattdessen verbreiten die entsprechenden Filme und Serien, deren Handlung in den Jahren der vermeintlichen, globalen Krise angesiedelt ist, den Eindruck, als hätte es diese Krise überhaupt nicht gegeben. Es wird ein Leben ohne dieses einschneidende Ereignis simuliert, das es in dieser Form zu dieser Zeit nicht gegeben hat. Alle dargestellten Personen leben ihr ganz normales Leben und nehmen an einer Handlung teil, in der der schwerwiegendste Einschnitt in Leben und Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg merkwürdig abwesend ist. Vielmehr wird eine Zeit dargestellt, die an die Jahre vor 2020 erinnert — mit moderner Technologie, sozialen Netzwerken und den Trends, die auch heute eine Rolle spielen, lediglich entkernt von der größten Katastrophe der letzten Jahre.
Mancher mag das schulterzuckend abtun und einwenden, dass die Menschen jetzt, da diese Zeit überstanden ist, nicht an sie erinnert werden wollen. Ohnehin war schon während dieser Jahre davon auszugehen, dass es sich bei dieser „Pandemie“ um eine vorübergehende Erscheinung handelt. Warum also temporäre Einschränkungen mit in die Handlungen aufnehmen? Warum die Menschen erneut traumatisieren? Gerade jetzt sehnen sich die Menschen nach einem Stück Normalität, nach Sicherheit und zurück in eine Zeit, in der alles noch vermeintlich besser war.
Das ist eine nachvollziehbare Sicht und Vorgehensweise. Dennoch birgt dieses Ausklammern der tatsächlichen Geschichte ein großes Risiko.
Denn wenn die kulturellen Erzeugnisse das kollektive Gedächtnis schreiben, und damit die Geschichte, wie sie erinnert und an zukünftige Generationen weitergegeben werden soll, dann beraubt man dieser Überlieferung einen wesentlichen, prägenden Faktor, wenn man die Corona-Zeit einfach weglässt.
Denn diese hat die Menschen nachhaltig traumatisiert. Sie wurden zu „gehorsamen Nutztieren“ degradiert, wurden rigorosen, totalitären Zwangsmaßnahmen unterworfen, haben sich diesen zu einem großen Teil ganz freiwillig selbst unterworfen und sie außerdem ihren Mitmenschen aufgezwungen. Dabei ist ein großer Riss durch die Gesellschaften gegangen — nicht nur in Deutschland — und Regierungen haben zu diktatorischen Mitteln gegriffen, um die Erzählung einer Pandemie mit Zwang in die Wirklichkeit zu überführen. Zudem wurden in großem Umfang experimentelle Stoffe verabreicht, die ein massenhaftes Sterben ebenso ausgelöst haben wie eine ganze Reihe schwerwiegender Erkrankungen. Hunderttausende Menschen wurden dadurch getötet und dauerhaft geschädigt, und das auf Anordnung ihrer eigenen Regierung, teilweise unter Zwang.
Klammert man all dies in Filmen aus, wird dieses Ereignis aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht. Das geschieht nicht sofort — denn die Menschen, die heute leben und sich erinnern können, haben diese Zeit ja noch miterlebt. Aber im Laufe der Jahre und neuen Generationen verblasst die Erinnerung. Das erhöht die Gefahr einer Wiederholung ähnlicher Verhältnisse — zumal eine tatsächliche, umfassende Aufarbeitung bis heute nicht stattgefunden hat. Sind die Ereignisse nicht im Gedächtnis verankert, können auf ähnlicher Grundlage vergleichbare Verhältnisse erneut erzwungen werden — somit bleibt die Anfälligkeit der Gesellschaften, die nicht aufarbeiten und sich nicht erinnern wollen, hoch. Das war schon während der Corona-Zeit in Deutschland zu beobachten, das die Zeiten des 20. Jahrhunderts auch nie richtig aufgearbeitet hat und sich nur unter moralischen Gesichtspunkten einseitig an diese erinnert.
Die mangelnde Thematisierung in der Kultur zementiert zudem die Deutung der Regierungen zu der Corona-Zeit. Aus ihrer Sicht fand eine Pandemie statt, deren dramatischen Folgen durch die drastischen Maßnahmen bis hin zur Zwangsimpfung abgewendet wurden. Opfer gab es dabei in zu vernachlässigender Zahl, und diese sind ohnehin dem höheren Wohl der Volksgesundheit unterzuordnen. Künstler und Kulturschaffende könnten dem eine andere Sichtweise entgegenstellen, welche die Einschränkungen und das Leid der Menschen gegenüber einer technokratischen, utilitaristischen Deutung der Regierungen in den Vordergrund rückt. Auf diese Weise würde Verständnis für das Leid der Menschen in dieser Zeit erzeugt, was eine Wiederholung erschweren könnte. Jeder verbindet schließlich mit dem dargestellten Leid eigene Erfahrungen — denn fast jeder hatte unter den verhängten Maßnahmen gelitten und kann dieses Leid daher nachvollziehen. Eine solche Thematisierung könnte daher eine Wiederholung solcher Maßnahmen erschweren.
Auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage nach der realen Gefahr, dem Nutzen der Maßnahmen und der politischen Machtergreifung — oft auch durch das Militär — findet nicht statt. Eine solche Auseinandersetzung in die breite Gesellschaft zu tragen, ist gerade über den Weg der Kunst und der Kultur möglich — während sich die Mehrheit dafür nicht interessiert oder sie sogar aktiv abwehrt.
Findet eine solche aber in den kulturellen Werken der Gesellschaft nicht statt, implementiert sich eine Sichtweise im kollektiven Gedächtnis, die von einem gesamtgesellschaftlichen Konsens ausgeht. In der Folge verblasst die Erinnerung an den Widerstand im Laufe der Zeit, bis sich schließlich nur noch einige Wenige daran erinnern — die dann von der Mehrheit der Gesellschaft als „Spinner“ abgetan werden. Denn vom kollektiven Gedächtnis geht eine große Macht aus. Was in dieses nicht eingeschrieben ist, das hat in der Denkweise der meisten Menschen auch nicht stattgefunden — sodass alle, die etwas anderes behaupten, verrückte Verschwörungstheoretiker sein müssen.
Die seltsame Leere in der Erinnerung dient damit den Machtinteressen. Sie zementiert die Deutung der Machtzentren und löscht sowohl Widerstand als auch die verheerenden Folgen, das Leid der Menschen und die unzähligen Toten und lebenslang durch die Maßnahmen Geschädigten einfach aus dem Gedächtnis. Damit wird technokratischer Totalitarismus zelebriert, der den Einzelnen und sein Empfinden, sein Leid und sein Wohlergehen dem kollektiven Wohl unterordnet. Zudem ist das nur eine vorgeschobene Begründung, hinter der sich eigentlich Machtinteressen und finanzielle Umverteilung verbergen. Dass Regierungen und Militär Einfluss auf die Kulturbranche ausüben, ist keine Neuigkeit. Sie gewähren oder versagen nicht nur Fördergelder — auch Drehbücher und Ausrüstung werden zum Teil von ihnen bereitgestellt. Damit nehmen sie gezielt Einfluss auf das kollektive Gedächtnis und auf die Erzählungen, die kulturell überliefert werden. Dass die Kulturbranche diese Zeit nicht thematisiert, kann daher auf schlichte Einflussnahme der staatlichen Propagandabehörden zurückzuführen sein.
Denkbar wäre auch, dass viele Kulturschaffende diese Zeit aus einem anderen Grund nicht thematisieren. Denn viele von ihnen haben sich durch die strikte Umsetzung der Maßnahmen, durch Anfeindungen gegenüber Abweichlern und durch ihre eigene Unterwerfung unter die Maßnahmen bis hin zur Impfung mitschuldig gemacht. Sie sind schuldig geworden gegenüber anderen, die sie beschimpft, ausgeschlossen und genötigt haben. Sie sind aber auch schuldig gegenüber sich selbst geworden, da sie sich mit den Maßnahmen schweren Schaden zugefügt haben. Es ist ein Trauma entstanden, dessen Ursache noch nicht weit genug zurückliegt, um es aufarbeiten zu können. Eine solche Aufarbeitung ist mit Schmerz und dem Eingeständnis der eigenen Schuld, aber auch der eigenen Ohnmacht verbunden. Wie bei jeder Traumaarbeit sind das Gefühle, die die Betroffenen lieber unterdrücken, anstatt sich ihnen zu stellen. Eine Thematisierung dieser Zeit in der Kultur und der Kunst würde diese Traumata wieder an die Oberfläche zurückholen, und die Menschen geradewegs zu einer Auseinandersetzung zwingen.
Doch wenn das schon das Publikum in der Regel nicht will, dann wollen es die Schauspieler und Regisseure, die Autoren und Kameraleute noch viel weniger. Sie wären dann noch viel dichter dran an dieser Aufarbeitung und würden vielleicht noch intensiver in diese hineingezogen als das spätere Publikum.
Vielleicht scheuen sich die entsprechenden Akteure einfach vor dieser Aufarbeitung, die zwangsweise mit einer Behandlung dieses Themas einherginge. Daher meiden sie das Thema, gaukeln eine heile Welt auch für die Jahre ab 2020 vor und knüpfen an eine Zeit davor an, die es heute längst nicht mehr gibt. Die Betroffenen wollen damit vielleicht schlicht nicht mit ihrer eigenen Täterschaft gegenüber sich selbst und gegenüber ihren Mitmenschen konfrontiert werden. Sie verdrängen diese Zeit und ihren Anteil an ihren Schrecken in das Unbewusste. Erkennbar wird das daran, wie krampfhaft diese Zeit generell in öffentlichen Debatten ausgeblendet und ausgeklammert wird. Eine Debatte findet schlicht nicht mehr statt. Die inszenierte Corona-Pandemie, so scheint es, hat es nie gegeben, ebenso wenig die drastischen Maßnahmen bis hin zur Zwangsspritze. Lediglich im Privaten und hinter vorgehaltener Hand geben einzelne Menschen heute zu, dass die Impfung ein Fehler war. Öffentlich wird das nie kommuniziert — auch nicht von Kunst- und Medienschaffenden, die tatsächlich von anhaltenden Schäden betroffen sind.
Dadurch schreiben sie nicht nur die Geschichte im Sinne der Herrschenden, sie berauben die Gesellschaft auch ihres Verständnisses. Denn diese Zeit zeitigt schwere Folgen bis heute — angefangen von Impfschäden bis hin zum kollektiven Trauma, das in alle Individuen ebenso hineinwirkt wie in zwischenmenschliche Beziehungen. Werden die Ursachen dieser Erscheinungen aber nicht verstanden, können sie auch nicht behoben werden. Wie bei einer Krankheit, deren Ursachen nicht erkannt werden, doktert die Gesellschaft dann an Symptomen herum und verschlimmert die dadurch hervorgerufenen Folgen möglicherweise wiederum nur. Das lässt sich derzeit gut an dem vermeintlichen Kampf für die Demokratie und gegen die AfD beobachten.
Dadurch, dass viele der Akteure tatsächlich glauben, für die Demokratie und gegen die Diktatur einzustehen, zementieren sie die reale Diktatur, die längst besteht.
Dabei greifen sie zu Mitteln des Ausschlusses Einzelner oder ganzer Gruppen aus dem Diskurs und damit aus der öffentlichen Gesellschaftsillusion oder gar zu direkter, offener Gewalt. So entstehen auf der Grundlage eines Traumas — das ja wiederum nur auf der Grundlage früherer Traumata gedeihen konnte — weitere. Die ganze Gesellschaft befindet sich dabei in einer Abwärtsspirale der ständigen Traumatisierungen — was zu Unzufriedenheit, Gewalt, Krieg und anderen Formen des Elends führt. Irgendwann verschwinden dann die Ursachen der Zustände im Nebel des historischen Vergessens, was eine sinnvolle Bearbeitung erschwert.
Daher ist die kulturelle Leerstelle der Corona-Zeit nicht einfach nur irritierend — sie birgt die Gefahr, das Verständnis für deren Zusammenhänge und Ursachen gänzlich zu verlieren.
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