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Kollektivistischer Kapitalismus

Kollektivistischer Kapitalismus

Der individualistische Kapitalismus wird dem kollektivistischen Kommunismus fälschlicherweise als Antithese gegenübergestellt.

Nach dem Untergang der Sowjetunion und der gewaltsamen Zerschlagung Jugoslawiens durch die NATO habe, so die allgemeine Meinung, der Kapitalismus gezeigt, dass er das überlegene System sei. Dabei wird Kapitalismus in der Regel verkürzt auf den Austausch von Waren und das mittelständische Unternehmertum, wobei die Herrschaft der Finanzoligarchie über das Geld — oder besser über die Währungen — und dessen Verwaltung durch die Zentralbanken in der Regel ignoriert werden. Das Geldsystem als FIAT-Geld findet in der kapitalistischen Ideologie keine Berücksichtigung, ebenso wenig wie auch die Möglichkeit der Banken, dieses Geld aus dem Nichts zu schaffen. Dass dabei diese Institutionen nur das Spielfeld abstecken, dies aber jederzeit auch wieder verändern können und damit „der Kapitalismus“ nur ein Schlagwort für eine Verkürzung der Realität ist, hören weder Sozialisten noch überzeugte Pro-Kapitalisten gern.

Mit dem vermeintlichen Triumph des Kapitalismus über den Sozialismus hat sich auch eine Ideologie durchgesetzt, die untrennbar mit diesem Kapitalismus verbunden ist: der Individualismus. Dieser wird als westliche Errungenschaft den kollektivistischen Systemen des Sozialismus, aber auch des Faschismus und Nationalsozialismus gegenübergestellt. Dieser Ideologien fordern die Unterordnung aller Menschen, die sie beherrschen, unter eine gemeinsame Ideologie, verlangen von ihnen, dass sie sich für die Ziele dieser Ideologie aufopfern und sich selbst hintanstellen. „Du bist nichts, das Volk ist alles“ hieß es zum Beispiel im Nationalsozialismus, der das „Volk“ als Kollektiv konstituierte und zu dessen vermeintlicher Veredelung aufforderte. Dies implizierte die gewaltsame Entfernung sogenannter Volksschädlinge aus dem Volkskörper, der somit als eine große Einheit dargestellt wurde, die von unreinen Elementen gesäubert werden müsse. Dieser Prozess forderte Millionen von Toten.

Nicht viel anders sieht es im kollektivistischen Sozialismus aus. Hier musste sich eine sich ihrer Klasse bewusste Arbeiterschicht dem Ziel der Diktatur des Proletariats unterwerfen und diesem dienen. Dies ging einher mit der Unterdrückung aller anderen Klassen und deren gewaltsamer Entfernung aus der Gesellschaft. Opfer wurden dabei nicht nur Bankiers und Kapitalisten, sondern auch Bauern, die ein wenig zu erfolgreich gewirtschaftet hatten, Handwerker und alle möglichen einfachen Menschen, die auf die ein oder andere Weise erfolgreiche Geschäfte betrieben. Bauern wurden in den Kolchosen zwangskollektiviert, und immer wieder kam es auch hier zu Säuberungen, bei denen angebliche Klassenfeinde in Lager gesperrt oder gleich ermordet wurden.

Beide Kollektivismen gingen einher mit Bemühungen, das unterworfene Volk umzuerziehen. Mit großem propagandistischen und indoktrinierenden Aufwand wurde den Menschen eine Ideologie eingepflanzt, die sie mit Inbrunst zu verteidigen und zu verbreiten hatten.

Dabei zielte diese Umerziehung vor allem auf Kinder und Jugendliche ab, die in Kinder- und Jugendorganisationen, den Schulen, dem Militär und den Universitäten auf diese kollektivistische Ideologie eingeschworen wurden. Eine jahrelange Gehirnwäsche sollte die Kinder zu verlässlichen Kämpfern der jeweiligen Ideologie machen. Beispielhaft wird dies in einer Rede Hitlers erklärt, in der er sagt:

„Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn diese Knaben mit zehn Jahren in unsere Organisation hineinkommen und dort oft zum ersten Mal überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre. Und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unsrer alten Klassen-und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei, in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK und so weiter. Und wenn sie dort zwei Jahre oder anderthalb Jahre sind und noch nicht ganze Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs und sieben Monate geschliffen, alles mit einem Symbol, dem deutschen Spaten. Und was dann nach sechs oder sieben Monaten noch an Klassen- und Standesdünkel da oder da noch vorhanden sein sollte, das übernimmt die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre, und wenn sie nach zwei, drei oder vier Jahren zurückkehren, dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden, sofort wieder in die SA, SS und so weiter, und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben, und sie sind glücklich dabei.“

Hier wird auch deutlich, dass Kollektivismus Unfreiheit bedeutet. Der Einzelne soll sein ganzes Leben in den Dienst der herrschenden Ideologie stellen und dabei auf seine eigene, freie Entfaltung verzichten. Der persönliche Bewegungsspielraum ist ganz genau vorgegeben und eng umgrenzt. Die Bildung, die Arbeit, die Medien, sogar Kunst und Kultur sind genau reglementiert. In allen kollektivistischen Systemen gibt es verbotene Kunst, verbotene Bücher, verbotene Musik, sogar verbotene Meinungen und Verhaltensweisen. Wer gegen diese Verbote verstößt, wird oft schwer bestraft, gerne auch härter als der herkömmliche Verbrecher. Denn politische Straftaten, als welche diese gelten, sind ein schwereres Verbrechen als jene, die das gewöhnliche Strafgesetzbuch beschreibt.

Kollektivismen gibt es auch in religiöser Form. So war das Christentum im Westen lange Zeit eine Art Kollektivismus, welches den Glauben und auf diese Weise die Art zu leben strikt vorgab. Vom Glauben abzufallen wurde mit Folter und Tod bestraft, ebenso wie angeblich teuflisches Handeln, das oftmals als Hexerei verfolgt wurde, wobei doch eigentlich nur Volksmedizin zur Heilung, Schwangerschaftsprävention oder Geburtshilfe zur Anwendung kam. Das ganze Weltbild wurde von religiösen Institutionen vorgegeben, und wer eine geringfügige Abweichung behauptete, wie Giordano Bruno, der sich gegen die Ansicht aussprach, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums liege, wurde mit dem Tode bestraft.

Solche religiösen Kollektivismen gibt es auch heute noch in anderen Gegenden der Welt. Insbesondere in muslimisch geprägten Gesellschaften ist der Glaube ein zentraler Bestandteil des Lebens und diktiert dieses. Eine Abweichung von den rigorosen Vorgaben ist oftmals nicht möglich und wird schwer bestraft. Die religiösen Institutionen geben Leben und Weltbild weitgehend vor und bestimmen über den Alltag der Menschen. Auch hier wird die kollektivistische Ideologie in Bildungseinrichtungen vermittelt, insbesondere in den Koranschulen, und die Menschen werden auf diese Weise indoktriniert. In westlichen Vorstellungen herrschen in diesen Gesellschaften Barbarei, Frauenverachtung, Unfreiheit und Gewalt.

Daher ist man im Westen froh, dass sich derartig totalitäre Kollektivismen nicht durchgesetzt haben, dass der individualistische Kapitalismus über sie triumphiert hat. Denn dieser bringt dem Einzelnen die Freiheit. Hier kann jeder entscheiden, wie er sein Leben gestalten, welche Kunst und Kultur er konsumieren, welche Meinungen er sich bilden, woran er glauben will. Die Medien sind vielfältig und dürfen frei arbeiten, jeder darf einen Beruf ergreifen, der ihm entspricht, und kollektivistische Jugendorganisationen gibt es hier nicht.

Bildung erfolgt ohne Ideologie und frei von Indoktrinierung. Es gibt keine politischen Straftaten, die schwerer bestraft werden als die üblichen Verbrechen. Denn die Justiz ist vollkommen unpolitisch. So die gerne geglaubte Selbsteinschätzung des freien Westens.

Indes, die Wirklichkeit zeichnet ein anderes Bild. Die Meinung ist schon lange nicht mehr frei. Meinungsdelikte werden derzeit zum Teil akribischer verfolgt und im Verhältnis schwerer bestraft als Vergewaltigung und Gewalttaten. Politische Oppositionelle werden — siehe Michael Ballweg und Rainer Fuellmich — anhand fingierter und an den Haaren herbeigezogener Vorwürfe monatelang eingesperrt und dann mit absurden Prozessen überzogen. Ärzte, die ihre Patienten vor den totalitären Übergriffen des Staates während des Corona-Faschismus geschützt haben, werden verfolgt und eingesperrt; immer wieder gibt es Hausdurchsuchungen bei einfachen Menschen wegen eines X-Postings, in Arztpraxen aufgrund von Maskenattesten oder bei oppositionellen Medien, die verboten werden. Ebenso finden Kontokündigungen bei Medien und Einzelpersonen statt; freie Journalisten wie Thomas Röper und Alina Lipp landen auf der Sanktionsliste der EU, und wenn sie sich juristisch dagegen zur Wehr setzen wollen, wird das Treuhandkonto, das eingerichtet werden musste, um die juristische Gegenwehr überhaupt zu ermöglichen, von der Bank gekündigt.

Schon wird wieder auf eine allgemeine Wehrpflicht hingearbeitet, mit der Kinder und Jugendliche auf den Krieg vorbereitet werden sollen, und in den Schulen werden Ideologien von LGBTQ bis Klimawandel verbreitet. Die Institutionen machten sich mitschuldig an dem Corona-Gewaltverbrechen gegen Kinder und Jugendliche, zwangen ihnen Maßnahmen und Giftspritzen auf, mit denen überdies die ganze Bevölkerung traktiert wurde. Die EU beschließt Überwachungs- und Zensurgesetze, fördert, ebenso wie die nationalen Regierungen, ein breit angelegtes Netzwerk aus Vorfeldorganisationen, welche die Herrschaftsideologie verbreiten und Opposition bekämpfen. Damit verbunden ist auch ein rigoroses Glaubenssystem in Gestalt eines Szientismus und der Wissenschaftshörigkeit, das alle anderen Glaubensvorstellungen als den Unsinn zurückgebliebener Nostalgiker oder ungebildeter Menschen verwirft, jede oppositionelle Meinung als „Verschwörungstheorie“ oder dergleichen brandmarkt und auf diese Weise Herrschaft zementiert.

Längst hat sich der Westen in Richtung eines technokratischen, digitalen Kontroll- und Überwachungssystems entwickelt, das über Palantir, Digitale Zentralbankenwährung, Digitale ID, Digitalisierung aller persönlichen Informationen sowie den Ausbau der Überwachung im Internet und im analogen Raum, Ausweitung von Gesichtserkennung unter dem Deckmantel der Sicherheit selbst jenen schmackhaft gemacht wird, die zu Coronazeiten noch für ihre Freiheit protestiert haben. Ihnen wird nun einfach der Migrant als neue Bedrohung serviert, und schon stimmen sie dem ganzen totalitären Wahn einfach zu, ohne sich noch Gedanken über die Auswirkungen zu machen.

All diese totalitären Tendenzen sind vorhanden und werden von einigen fälschlicherweise als die Rückkehr des Sozialismus eingeschätzt, der sich hier über die Grünen und die Linken bis in die CDU hinein mit Gewalt ausbreitet und ein totalitäres Comeback feiert.

Das suggeriert aber, dass es vor dem Aufstieg der Grünen und dem angeblichen Linksschwenk der CDU einen freien Kapitalismus gegeben habe. Dies war jedoch nie der Fall. Denn schon wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ging mit der großen Angst vor dem Kommunismus ein rigides Zwangssystem einher, das mit Berufsverboten und Rasterfahndung gegen auch nur vermeintlich linke oder kommunistische Ideen vorging. Es herrschte eine gesellschaftliche Enge, die Meinungen und Verhaltensweisen eng reglementierte, und das unter einer Nachkriegs-CDU, die übrigens bei ihrer Gründung zunächst die Überwindung des Kapitalismus in ihr Grundsatzprogramm aufgenommen, diesen Punkt aber später wieder aufgegeben hatte.

Zwang, Enge und staatliche Gewalt gegenüber Opposition herrschte schon damals, kurz nach dem Krieg und nur wenige Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik, und fanden eine Entsprechung in der McCarthy-Ära in den USA. Doch reicht die Unfreiheit im Kapitalismus noch viel tiefer. Denn auch wenn zwischen dieser Zeit der 1950er-/60er-Jahre und heute die Welt im Westen freier schien, geprägt vom Individualismus, so stößt man bei genauerer Betrachtung doch auf einen Kapitalismus, der auf merkwürdige Art kollektivistisch ist, gleichzeitig aber den Individualismus predigt.

Zwar können wir uns heutzutage — und können es seit Jahrzehnten — frei bewegen, unsere Arbeit frei auswählen und sind auch an keinen Glauben gebunden, der uns vorgegeben wird, außer dem schon angesprochenen Szientismus, der aber nicht als Religion erkannt wird. Auch über unser Geld können wir frei verfügen, können Eigentum erwerben und damit verfahren, wie wir wollen — zumindest noch, denn auch hier legt der kommende Totalitarismus bereits die Axt an. Trotzdem steht und stand immer aller sogenannter Individualismus im Zeichen der Kapitalverwertung. Alles menschliche Handeln musste sich einfügen in eine Umverteilungsmaschinerie, die Geld aus dem Nichts schöpfte, über Kredite in die Gesellschaft getragen wurde, die dann verzinst zurückgezahlt werden mussten. Hebel hierfür waren und sind die Staaten, die diese Kredite bei den Zentralbanken aufnehmen und die Rückzahlung plus Zinsen mittels Steuern ihren Bürgern abpressen. Die Bürger sind also dazu gezwungen, mehr Geld aufzubringen, als aus dem Nichts geschaffen wurde — eine Aufgabe, die nur auf begrenzte Zeit überhaupt erfüllt werden kann, nämlich bis an den Punkt, da die fälligen Schulden das gesamte Weltvermögen überschreiten.

Im kleineren Maßstab findet dies auch innerhalb der Bevölkerung statt, wenn Unternehmen oder Privatpersonen Kredite aufnehmen, die sie dann verzinst zurückzahlen müssen, und das Geld dann an anderer Stelle fehlt. Auf diese Weise sind die Menschen Teil eines Systems, das immer größere Summen systematisch von unten nach oben umverteilt, von den einfachen Menschen hin zu den Finanzoligarchen und ihren Verwaltern. Wer also glaubt, im Kapitalismus gebe es keine Umverteilung und keine Enteignung, der hat sich geirrt. Denn auch Eigentum wird gerne mal enteignet, wenn es der Umverteilungmaschinerie im Wege steht. Wo Straßen, Fabriken, Flughäfen gebaut werden oder Ressourcen ausgegraben werden müssen und Privateigentum im Wege ist, wird der private Eigner einfach enteignet und das Eigentum dem Staat zugeführt, der es dann wiederum den Konzernen zur Verfügung stellt.

Das ist so unwidersprochen möglich, weil die herrschende Ideologie des Kapitalismus, der Profitmaximierung, die Ungleichheit und Ausbeutung maskiert. Diese Ideologie findet ihren Ausdruck in der Inauguration des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Kennziffer, die argwöhnisch und mit religiöser Demut verfolgt und genauestens beäugt wird. Ziel ist es, diese Ziffer immer im Wachstum zu halten, da, so die Vorstellung, dieses Wachstum uns allen nütze. Dass dieses Wachstum auch durch Unfälle, Tod, Krieg und Zerstörung begünstigt wird, ist zwar eine Binsenweisheit, wird aber dennoch nicht zur Kenntnis genommen. Die Ideologie gebietet das ewige Wachstum, und jeder wird gezwungen, sich diesem Ziel zu verschreiben.

Dieser Ideologie unterwerfen sich alle individuell in einem kapitalistischen Kollektivismus. Menschen dienen kollektiv dem Zweck, das BIP zu steigern und damit letztlich lediglich die Profite einiger Oligarchen und Finanzinstitutionen zu mehren. Dazu werden sie auf allen Ebenen indoktriniert und dazu erzogen, dieser Ideologie Folge zu leisten. Schon in den Schulen werden die Kinder auf Konkurrenz und Wettbewerb gedrillt, und die sogenannte Bildung ist nichts anderes als eine Vorbereitung auf die Arbeitswelt, in welcher die Menschen als Sklaven des Systems diesem zu dienen und Gelder umzuverteilen haben.

Schon allein der Umstand, dass Menschen angeblich erzogen werden müssen, legt den kollektivistischen Charakter des herrschenden Systems nahe. Denn Erziehung ist nur dort notwendig, wo der Mensch an eine vorgegebene Ideologie oder Glaubensvorstellung angepasst, mithin also seiner eigenen Natur, seinen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen entfremdet werden muss, um in das vorgegebene System eingepasst zu werden. Dies erfolgt durch die Familien, aber auch durch die sogenannten Bildungseinrichtungen, die den Menschen vor allem an die Arbeitswelt anpassen, wo sie folgsame Angestellte zu sein haben.

Hier können sie zwar relativ frei ihre Arbeit wählen — je nach Bildungsstand, der oftmals auch von der sozialen Herkunft abhängt —, können sich allerdings nicht gegen die Verwertungsmaschinerie des Kapitalismus entscheiden. Jeder muss irgendwie an Geld gelangen, um leben zu dürfen, und daher muss ein jeder sich in das Sklavensystem der Lohnarbeit einfügen. Selbst jene, die dies nicht tun und im Sozialsystem vor sich hin vegetieren, erfüllen auf die ein oder andere Weise noch einen Zweck. Einerseits dienen sie als mahnendes Beispiel dafür, wo man enden kann, wenn man sich dem System nicht zu Genüge hingibt, somit gleichsam als Peitsche, welche die Massen zur Unterordnung und zur fleißigen Arbeit antreibt. Andererseits dienen sie als Blitzableiter des diffusen Volkszorns über die von allen gefühlte Ungerechtigkeit und Unterdrückung, die auf die „faulen Arbeitslosen“ oder auch die „Migranten“ projiziert werden, welche dann als Feindbild inthronisiert werden können, um den Zorn der Massen von den herrschenden Finanzoligarchen abzulenken. Diese jedoch sind die tatsächlichen Schmarotzer an der Arbeit der Menschen.

Daran, wie effektiv der Zorn der Menschen gegen nur vermeintliche und nicht die wirklichen Schmarotzer geschürt werden kann, wird deutlich, wie sehr die Menschen ihr Sklavendasein in Form von Lohnarbeit und Steuern bereits verinnerlicht haben. Nicht die Urheber der Sklaverei sind Ziel des Zorns und der Gegenwehr, sondern jene, welche von allen Opfern die ärmsten und wehrlosesten sind. Es gibt mannigfaltige Gründe, aus denen Migranten in den Westen kommen, und alle haben etwas mit der Gewalt des Finanzkapitalismus zu tun, der sich in der ein oder anderen Weise in verschiedenen Weltregionen Bahn bricht. Es ist also das auch die Menschen im Westen versklavende und ausbeutende System, das die Ursachen schafft — und dies bewusst, um auch die Menschen hier im Westen zu spalten und gegeneinander zu hetzen. Nicht anders verhält es sich mit Menschen, die zwar nicht aus anderen Ländern kommen, aber im Sozialsystem ihr Dasein fristen.

Die Sklavenmentalität der Bürger erlaubt es nicht, dass andere das Sozialsystem nutzen, ohne sich der Lohnarbeit zu unterwerfen, da diese Menschen den westlichen Sklaven ihre eigene Unterwerfung und ihren eigenen, absoluten Gehorsam vor Augen führen. Daher richtet sich der Zorn der Sklaven gegen die Menschen, die genau wie sie selbst Opfer des Systems sind, anstatt gegen das System selbst.

Die Freiheit des Einzelnen im individualistischen Kapitalismus beschränkt sich auf für das System ungefährliche Aspekte wie Konsum, Glauben oder sexuelle Identität. All diese Bereiche dienen gleichzeitig dem System, da sie kapitalisiert werden können. Kunst, Kultur, Konsumgegenstände, aber auch die sexuelle Identität, der im Zweifelsfall durch Operationen und Pharmaprodukte zum Ausdruck verholfen werden muss, werden ebenso in ein Geschäft überführt wie der Glaube, der mittlerweile ein Esoterikgeschäft hervorgebracht hat, das jährlich Multimilliarden an Dollar umsetzt. Diese Geschäftsfelder leben gerade von der Vielfalt, da sich hier zumindest vermeintlich die Individualität der Menschen abbildet, diese aber in für das System nützliche Bahnen lenkt und einen größtmöglichen Profit durch Vielfalt ermöglicht. Vielfalt ist also auch ein Garant für die stetige Umverteilung von unten nach oben. Dass sich Konzerne mit Regenbogenflaggen schmücken, überrascht daher nicht.

Der Individualismus hat für das System zugleich den Vorteil, dass er die Menschen in beständigen Wettbewerb und in ständige Konkurrenz zueinander setzt und sie auf diese Weise gegeneinander ausspielt. Schon in den Schulen wird anhand von Schulnoten diese Konkurrenz gelehrt, womit die Schüler sich miteinander vergleichen und zu übertrumpfen versuchen. Dies setzt sich auch später fort. Überall wird der Mensch benotet und bewertet und damit nicht nur dazu gezwungen, sich in größtmöglicher Sorgfalt an das System anzupassen, sondern — da Benotung immer in Relation erfolgt — seine Mitmenschen zu überflügeln, sich mit ihnen zu messen. Daher sieht der Einzelne alle anderen als potenzielle Konkurrenz an, die es auszustechen gilt. So wird Kooperation unmöglich gemacht, die ja schon in den Schulen bei Strafe verboten wird.

Der Mensch wird auf diese Weise in die Vereinzelung getrieben, was einen Zusammenschluss mit anderen Menschen erschwert. Es ist kein Wunder, dass die Menschen heutzutage zu großen Teilen über Einsamkeit sowie einen Mangel an Freunden und engen Kontakten klagen und darüber in Depression versinken. Soziale Interaktion wird ihnen zunehmend verunmöglicht, wobei die fortschreitende Digitalisierung diesen Prozess noch weiter ins Extrem treibt. Auf diese Weise ist auch die wirksame Organisation von Widerstand unmöglich, was man an jeder oppositionellen Bewegung heutzutage beobachten kann, die bereits nach kurzer Zeit in sich zusammenbricht. Da alle Individualismus und Konkurrenz gelernt haben, vermögen Menschen es immer weniger, Kompromisse einzugehen und sich selbst zurückzunehmen; so zerbrechen soziale Zusammenschlüsse schnell am Egoismus der Einzelnen. Hinzu kommen die künstlich erzeugten, unterschiedlichen Sub-Ideologien, die allesamt im Dienst des kollektivistischen Kapitalismus stehen. Ob LGBTQ, Klimaideologie oder aber vermeintlicher Konservatismus mit religiös aufgeladener Engstirnigkeit, ob migrationsfreundlich oder migrantenfeindlich, all diese Gegensätze wurden künstlich erschaffen und dienen dem Umverteilungssystem der Herrschenden, da sie die Massen wirksam spalten und Gegenwehr unmöglich machen.

Der herrschende Kollektivismus hat auf diese Weise den Raum zwischen den Menschen zerstört, in dem laut Hannah Arendt Politik gemacht wird, und die Menschen zu individualisierten Objekten der herrschenden Ideologie vereinzelt, die nur noch neben- und gegeneinander existieren, aber nicht mehr miteinander. Daher ist der kollektivistische Kapitalismus Totalitarismus in Vollendung. Denn diese Vereinzelung und die Zerstörung des politischen Raumes sind es nach Hannah Arendt, die ein totalitäres System ausmachen, zusammen mit der Politisierung auch des privaten Raumes; diese hat längst stattgefunden, da auch im Privaten alles der Kapitalisierung unterworfen wird. Man denke nur an die Kapitalisierung des Gesundheitswesens, der Pflege sowie der Unterwerfung des ganzen individuellen Lebens unter die Ideologie des Kapitalismus.

Damit ist der Kapitalismus nicht nur ein unsichtbarer Kollektivismus, sondern auch das totalitärste System, dem wir jemals unterworfen waren. Es dringt in jeden Lebensbereich vor, unterwirft jeden Aspekt des Lebens seinen Bedürfnissen und treibt die Menschen in die absolute Vereinzelung, sodass jeder politische Raum zerstört wird. Diesen aufzubauen, scheitert am indoktrinierten Egoismus und den fehlenden sozialen Fähigkeiten des Einzelnen.

Wer also glaubt, Kapitalismus brächte Freiheit und freie Selbstentfaltung und grenze sich auf diese Weise von den totalitären System der Vergangenheit oder anderer Länder ab, der irrt. Dieser Irrtum ist auch spätestens mit der inszenierten Coronapandemie ganz offensichtlich geworden, als eine kollektivistische Gesundheitsdiktatur um sich griff und die Menschen vereinnahmte. Sie war keine Verirrung, keine plötzliche Machtergreifung des Sozialismus, sondern eine logische Fortsetzung dessen, was man die Menschen seit Jahrzehnten zu denken gelehrt hat; anders hätte sie auch gar nicht so erfolgreich funktionieren können. Die Menschen mussten auf gewisse Weise bereit für diesen totalitären Kollektivismus sein, und sie waren es, weil sie schon ihr ganzes Leben an totalitären Kollektivismus gewöhnt waren, der nur mit einem Mal seinen Inhalt geändert hat.

Um den totalitären Kollektivismus zu überwinden, wäre es möglicherweise sinnvoll, das Private wieder vom Politischen zu trennen, Gemeinschaft und Gemeinsamkeiten eher zu suchen, als sich in Wettbewerb und Konkurrenz gegeneinander ausspielen zu lassen, Kommunikation ebenso zu erlernen wie Bescheidenheit und sich in Toleranz gegenüber anderen Ansichten und Menschen zu üben. Auch wäre es auf Dauer notwendig, das diktatorische Finanzsystem abzuschaffen und eine Wirtschaft aufzubauen, die auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten ist und sie erfüllt, anstatt die Gier der wenigen Oligarchen zu bedienen. Dazu müsste das kreditgetriebene Schuldgeldsystem abgeschafft werden.

Doch das ist schon deswegen ein weit entferntes Ziel, weil die Menschen sich noch immer nicht frei machen können von der herrschenden Ideologie der Lohnarbeit, der Konkurrenz und damit von ihrer eigenen Sklavenmentalität. Diese überhaupt erst einmal als solche zu erkennen, wäre vielleicht der erste Schritt. Und selbst diesen zu tun, wagen wahrscheinlich die wenigsten.


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