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Schmerzlicher Aufprall

Schmerzlicher Aufprall

Das „Geschäftsmodell“ der USA — letztlich Leben auf Pump — steht vor seinem Zusammenbruch. Deutschland könnte mit in den Abgrund gerissen werden.

Deutschland und der Rest. Es ist zu einer Herausforderung geworden, sich über die Lage des Landes zu informieren. Zwar unterscheiden sich die sogenannten alternativen Medien inhaltlich mitunter diametral von der staatstragenden Propaganda der etablierten „Qualitätsmedien“, aber dennoch fehlt in beiden Informationsrevieren sehr oft der Blick auf das entscheidende Große und Ganze, die globale Makrolage. Zumindest wird diese nur selten in ihrer tatsächlichen Wirkmacht kontextualisiert, was aber durchaus mit einem gewissen Erkenntnisgewinn verbunden wäre.

Machen wir es kurz, Olaf Scholz und andere haben es bereits in unterschiedlichen Formulierungen und Zusammenhängen ausgesprochen, die Botschaft ist also nicht neu: Wir leben inmitten einer Zeitenwende, ein neue Weltordnung entsteht. Diese Transformation ist vermutlich weitaus weniger geplant und genau so gewollt, als es manche Verschwörungstheoretiker vielleicht gerne so sehen wollen. Für die meisten Teilnehmer dieser Verwandlung dürfte sie sich eher nach Franz Kafka anfühlen als nach Klaus Schwab. Die Welt wandelt sich von einer unipolaren zu einer mindestens bipolaren, wenn nicht multipolaren Ordnung.

Was bedeutet das? Seit spätestens 1990, genauer: seit der Implosion der Sowjetunion, waren die USA der globale Hegemon, die unangefochtene Wirtschafts- und Militärmacht Nummer eins auf dem Planeten Erde. Diese Stellung wurde ausgebaut und gegen jede noch so gering erscheinende Störung aggressiv verteidigt. Wie das zu bewerten ist, darüber möchten manche vielleicht diskutieren, aber für die Kernaussage gibt es ganz sicher keine Opposition: Niemand auf dieser Welt bestreitet ernsthaft, dass in den letzten drei Jahrzehnten keine Nation der US-amerikanischen Dominanz eine vergleichbare Machtfülle entgegensetzen konnte.

Dennoch hat sich die Welt weitergedreht, und in Fernost ist eine gewaltige Volkswirtschaft entstanden. China konnte lange Zeit augenscheinlich gut an der kurzen Leine gehalten werden, doch in den letzten Jahren hat sich dies geändert. China hat an Selbstbewusstsein gewonnen und der Westen, angeführt von den USA, viel diplomatisches Porzellan zerdeppert. Ein äußerst wirksamer Katalysator für die Dynamisierung neuer, antiwestlicher — oder vielleicht besser: anti-euroamerikanischer — Bündnisse war vor allem der politische Umgang des Westens mit der Ukrainekrise.

Die antirussischen Sanktionen haben Wladimir Putin und sein Land direkt in die Arme Chinas getrieben, und einige sehr wichtige Nationen — deren kleinster gemeinsamer Nenner zumindest der Widerstand gegen eine zunehmend übergriffige, oberlehrerhaft moralisierende und unverhohlen mit doppelten Standards agierende „westliche Wertegemeinschaft“ ist — formierten sich gefühlt über Nacht zu einem gewaltigen Wirtschaftbündnis: BRICS.

Tatsächlich gibt es das Bündnis schon seit 2006, aber richtig Druck kam auf den Kessel erst, als der Westen die Maske fallen ließ und seine ideologisch verzerrte, heuchlerische Fratze für den Rest der Welt unübersehbar geworden war.

BRICS wird in unseren Medien kaum eines Kommentars bedacht. Man ignoriert dieses Bündnis, ganz als ob es sich um einen unbedeutenden Stammtisch in irgendeiner Dorfkneipe handeln würde. Tatsächlich ist BRICS in praktisch allen wichtigen Kennzahlen mittlerweile größer, potenter und von größerer strategischer Bedeutung als NATO/G7. Zu BRICS gehören die Gründungsstaaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika und seit Anfang des Jahres zusätzlich Äthiopien, Ägypten, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Die Liste der Länder, die kurzfristig beitreten möchten, ist lang.

BRICS repräsentiert heute schon fast die Hälfte der Weltbevölkerung, rund ein Drittel der Landfläche des Planeten und mehr als ein Drittel des kaufkraftbereinigten Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Allein in diesen Punkten ist BRICS größer als die G7. Die BRICS-Staaten kontrollieren aber auch die größten Ressourcenreserven: Öl, Gas, Edelmetalle, Industriemetalle und seltene Erden. Und BRICS steht kurz vor der Einführung einer eigenen internationalen Handelswährung samt zugehörigem Zentralbank- und Zahlungsverkehrssystem.

Was bedeutet das?

Die USA besitzen die derzeit größte Volkswirtschaft der Erde und leisten sich mit einem Jahresetat von real wohl über einer Billion Dollar den kostspieligsten und größten Militärapparat der Welt. Wie groß diese Volkswirtschaft ist, zeigt ein Vergleich mit der Eurozone: Das Pro-Kopf-BIP der USA liegt fast doppelt so hoch. Das BIP ist die hochgerechnete Summe aller Ausgaben einer Volkswirtschaft — die Wirtschaftskraft eines Landes wird also tatsächlich nicht an der Produktion, sondern an der Fähigkeit, Geld auszugeben, gemessen.

Betrachtet man die Zahlen unter diesem, dem korrekten, Blickwinkel, so kann man sagen, dass kein Land auf der Welt so mit Geld um sich wirft wie die USA. Und zwar in absoluten Zahlen wie auch — und das macht es noch dramatischer — vor allem pro Kopf. Tatsächlich geben die USA als Volkswirtschaft mehr aus, als sie einnehmen, die Handelsbilanz ist seit Jahrzehnten negativ. In den letzten Jahren liegt das Handelsbilanzdefizit regelmäßig über 1 Billion Dollar; Rekordjahr war laut statistischem Bundesamt das Jahr 2022 mit über 1,3 Billionen Dollar. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor, aber es wird wohl 2023 erneut einen Defizitrekord geben.

Die USA können es sich als einziges Land der Erde leisten, seit Jahrzehnten saftige Handelsbilanzdefizite einzufahren, ohne deswegen international in die Bredouille zu geraten. Der Grund dafür ist der US-Dollar. Der US-Dollar ist die Weltleitwährung.

1944 wurde in Bretton Woods die internationale Währungsordnung beschlossen, und seitdem müssen sich alle Volkswirtschaften der Welt mit Dollars eindecken, um sowohl ihre eigenen nationalen Währungen abzusichern, als auch international Handel treiben zu können. Der Dollar ist der wichtigste und lukrativste Exportartikel der USA. Nur weil die ganze Welt den Dollar braucht und die Vereinigten Staaten dieses Papiergeld in beliebiger Menge drucken können, sind die USA in der Lage, den teuersten Militärapparat des Planeten zu betreiben und mehr Geld auszugeben als jede andere Nation. Auf dem weltweit einzigartigen Privileg der globalen Geldschöpfung beruht der gesamte Wohlstand der USA.

Den USA — zumindest den fiskalisch gebildeten Amerikanern in der US-Regierung — ist dies durchaus bewusst. Versuche, an der weltweiten Dollar-Hegemonie zu rütteln, wurden in der Vergangenheit mit erbarmungsloser Gewalt niedergeschlagen. Spätestens als Saddam Hussein einen Teil seiner Öllieferungen nicht mehr in Dollar fakturieren oder Muamar al-Gaddafi einen goldgedeckten Dinar als panafrikanische Handelswährung einführen wollte, mussten beide sterben.

Mit dem Aufstieg von BRICS gerät das etablierte Dollarsystem nun ins Wanken. Schon jetzt werden Öllieferungen in chinesischen Yuan fakturiert. 2017 hatte China mit Russland ein eigenes, Dollar-unabhängiges Bezahlsystem eingeführt, das sich auf Yuan-Rubel-Transaktionen konzentrierte. Weltweit findet seit wenigen Jahren eine Abkehr vom Dollar statt, weil die Welt, insbesondere der globale Süden, es langsam, aber sicher satt hat, durch die immanenten Eigenschaften des dollarzentrierten Weltwährungssystems kontinuierlich ausgeplündert zu werden.

Die sukzessive Abkehr einiger der wirtschaftlich, ressourcentechnisch oder militärisch wichtigsten Länder der Welt vom Dollar hat sich für die USA zu einem unkontrollierten Flächenbrand entwickelt. Zu ihrem Glück stampft man eine alternative globale Handels- und Reservewährung nicht mal eben aus dem Boden. Das ist der einzige Grund, warum die USA, wie wir sie kennen, überhaupt noch existieren. Aber es ist Bewegung in das Währungssystem gekommen, und wenn es über kurz oder lang zu einer auch nur teilweisen Abkehr vom Dollar kommt — was meiner Meinung nach unvermeidlich ist —, sind die USA in ihrer heutigen Form erledigt. Das gesamte Geschäftsmodell „Wohlstand gegen Spielgeld“ ist dann vorbei. Wenn der Dollar nur noch eine Option, aber kein Druckmittel mehr darstellt, dann kann die Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten eben auch, wie alle anderen, nur noch mit Wasser kochen.

Das Problem ist jedoch, dass die USA so entsetzlich weit über ihre Verhältnisse leben, dass kein Amerikaner einen Aufprall aus dieser Höhe auf dem Boden der Wirklichkeit unbeschadet überstehen kann. Der größte Militärapparat der Welt? Unbezahlbar. Die ausufernden Staatsausgaben? Nicht mehr machbar.

Erschwerend kommt hinzu — und davon kann sich nur ein realistisches Bild machen, wer selbst schon die USA bereist hat —, dass das Land jenseits des großen Teichs auf einem Investitions- und Sanierungsstau von wahrhaft galaktischem Ausmaß sitzt. Die Infrastruktur ist völlig marode, Industrie abseits des demnächst wohl durch künstliche Intelligenz (KI) betriebenen Big-Tech-Sektors hoffnungslos veraltet. Der Immobilienbestand ist größtenteils baufällig.

Sozial sind die USA ein Pulverfass. Armut und Prekariat überziehen das Land wie ein bedrohliches Tiefdruckgebiet, das sich jederzeit in einem Hurrikan von biblischer Gewalt entladen kann. Selbst in San Francisco, Wiege von Big Tech und Epizentrum der toxischen Woke- und LGBTQ-Ideologien, hat die Kriminalität ein derart kritisches Niveau erreicht, dass Menschen die Fenster ihrer geparkten Autos geöffnet lassen, damit Kriminelle beim Durchsuchen des Fahrzeugs nach Wertsachen wenigstens nicht die Scheiben einschlagen.

Wir, Deutsche, westlich situierte Beobachter der Lage, sollten uns über die Dramatik der Lage keinerlei Illusionen machen. Den USA schwimmen die grünen Felle davon. Ihr einzigartiges und geradezu obszön lukratives Geschäftsmodell droht zu kollabieren — und damit auch ihre globale Vormachtstellung.

Sie kämpfen um nichts weniger als ihr nacktes Überleben, denn wenn die USA — infrastrukturell herabgewirtschaftet, mit erbärmlicher industrieller Produktivität, innenpolitisch vor unlösbaren Problemen stehend und außenpolitisch außerhalb der selbst geschaffenen West-Blase zunehmend politisch isoliert — die Hoheit über das Weltwährungssystem verlieren, fällt das Land auf das Niveau bestenfalls eines afrikanischen oder südamerikanischen Schwellenlandes zurück.

Die bereits mit der Mutter-Coke eingesaugte Hybris des vor Nationalstolz beinahe berstenden US-Amerikaners könnte jedoch dafür sorgen, dass man sich und seine Möglichkeiten, das Ruder mit Gewalt noch herumzureißen, ein wenig überschätzt. Vermutlich werden die USA buchstäblich bis zur letzten Patrone um den Erhalt des Status quo kämpfen. Was bliebe auch sonst? Diplomatisch treffen die USA international auf zunehmendes Misstrauen, und das aus guten Gründen: Dutzende von völkerrechtswidrigen Angriffskriegen, militärischen Interventionen, Regime-Change-Operationen, erpresserischen Sanktionen und natürlich Vertragsbrüchen haben dem globalen Vertrauen gegenüber den Vereinigten Staaten schwer geschadet.

Also bleibt man bei dem, was man am besten kann: Man droht mit roher Gewalt. Das Säbelrasseln ist ja bereits unüberhörbar, Drohungen gegen China und Russland werden vollmundig vorgetragen. Die Strategie, Russland in der Ukraine eine kaum zu stoppende Blutung zu verpassen und den Iran in einem heißen Nahostkonflikt zu beschäftigen, ist durchsichtig. Niemand kann ernsthaft glauben, dass man durch Bombardierungen des Gazastreifens das Hamas-Problem lösen könnte. Nicht mal in den wildesten Theorien ist das denkbar, also geht es auch nicht darum. An Taiwan wird sich zeigen, wie entschlossen und stark Uncle Sam noch ist. China hat sein Ziel, Taiwan in Kürze wieder in das chinesische Staatsgebiet einzugliedern, unmissverständlich formuliert. In Taiwan geht es für die USA um sehr, sehr viel. Ihre einzige wirklich nennenswerte Zukunftsindustrie und damit Hoffnungsträger für die „Zeit nach dem Dollar“, Big Tech, hängt an den Halbleitern aus Taiwan. 90 Prozent der weltweiten Produktion der technologisch modernsten Halbleitergeneration kommen aus Taiwan. Das nur am Rande, damit niemand auf die dümmliche Propaganda von „Menschenrechten und Demokratie“ hereinfällt. Das ist die globale Hintergrundmusik, zu der wir gerade den Teufel zum Tanz aufgefordert haben.

Wir, das sind wir in Deutschland. Viele Autoren, vor allem in den alternativen Medien, stellen ihren Lesern die offene Frage, warum Deutschland dem für uns so destruktiven Kurs der USA folgt. Unabhängig von allem ideologischen Blendwerk, das erschwerend zum Dilemma beiträgt, behaupte ich, dass uns die Alternativen ausgegangen sind oder, ganz nach Sichtweise, genommen wurden. Deutschland hängt wie kaum ein anderes Land des „Wertewestens“ am Tropf der USA. Wir sind weltweit nach Japan der zweitgrößte Truppenstandort der US-Armee außerhalb der USA. Der Großteil unserer Wirtschaft ist längst im Besitz von US-Investoren. Je nach Lesart sind es wohl rund 60 bis 70 Prozent der Aktien allein der DAX-Konzerne, die längst in den Portfolios von BlackRock & Co. liegen. Unser Internet und alle großen Plattformen, auf denen wir uns bewegen, sind US-amerikanisch kontrollierte Projekte.

Die USA sind seit vielen Jahren das wichtigste Abnehmerland deutscher Industrieproduktion. Die deutschen Medien könnten ohne die Werbeeinschaltungen von US-Konzernen nicht existieren. Der Großteil aller Bezahlsysteme in Deutschland, wie PayPal (Marktführer), Apple Pay, Mastercard und Visa sind Dienstleistungen amerikanischer Konzerne. Möchte ein deutscher Bankkunde eine seiner Karten für bargeldlose Zahlung im Ausland nutzen, läuft dies über die technologischen Dienste Maestro (Mastercard) oder V-pay (Visa).

Kurzum: Es gibt praktisch keinen Lebensbereich, ob Politik, Wirtschaft oder bis hinunter zum Privatleben des einzelnen Bürgers, der durch eventuelle, harte US-Sanktionen nicht zum nahezu völligen Stillstand gebracht werden könnte. Niemand ist politisch, technologisch, militärisch und wirtschaftlich so abhängig von den USA wie wir.

Deutschland kann sich nicht offen gegen eine wie auch immer geartete US Agenda stellen. Formaljuristisch oder politisch nicht, militärisch nicht, und wirtschaftlich auch nicht. Kluge, weitsichtige und gewinnende Diplomatie wäre gefragt — doch selbst wenn wir über entsprechend befähigte Politiker verfügen würden, geht uns dafür schlicht die Zeit aus. Wir sind an unseren „Verbündeten“ nicht nur gebunden, sondern gefesselt, auf Gedeih und Verderb. Verlieren die USA ihre Stellung in der Welt, wird es auch für uns sehr, sehr schwierig. Noch schwieriger als ohnehin schon. Daran könnte auch eine AfD nichts Entscheidendes ändern. Deswegen lautet das bittere Schicksal für Deutschland wohl unweigerlich, dem unsäglichen Kurs der USA zu folgen — und zwar, wie es Gamling, Ritter König Theodens, in „Herr der Ringe“ sagte, als man sich auf die Schlacht vor Helms Klamm vorbereitete: „zu jedwedem Ende“.


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