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Schöne neue Abnormalität

Schöne neue Abnormalität

Inmitten eines fast unentrinnbaren globalen Gewaltsystems können wir unsere Integrität bewahren und „trotzdem Ja zum Leben sagen“. Teil 3 von 3.

Die Frage ist allerdings, inwieweit es ein Vorteil sein kann, dass eine geistesgestörte Gesellschaft gerade durch ihre Wahnhaftigkeit die Entstehung etwa von schweren Psychosen auf Massenbasis verhindert. Denn wenn das Sinnlose nicht nur zum Sinn von Sein gemacht, sondern auch noch als „Normalität“ deklariert wird, dann ist es für den Einzelnen nicht mehr nötig, eine Psychose auszubilden, die vor den krankhaften Strukturen der Gesellschaft schützen könnte. Es ist nicht mehr notwendig gegen das, was der Einzelne bereits intuitiv als Krankhaft entlarvt hat, anzukämpfen — die verhüllende Deklaration des Wahnhaften als „Normalität“ ermöglicht ihm Identifikation und Zugehörigkeit, wenngleich eben zum hohen Preis der Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung.

Denn das Abnormale verträgt sich nicht mit unserem inneren, natürlichen Menschen, mit dem womöglich winzigen Stückchen Rest-Integrität, das in einer Person noch vorhanden sein mag.

Genau aus dieser heraus regt sich Widerstand gegen Unrecht, selbst wenn das nur intuitiv spürbar sein sollte, also noch vor jeder rationalen Begründung. Giorgio Agamben verwies diesbezüglich beispielhaft auf Franz von Assisi: Der besuchte Leprakranke, weil ihm die mitmenschliche Verbindung wichtiger war als seine mögliche Kontaminierung. In diesem Sinne haben die Kirchen während der Covidiotie jetzt wieder genauso auf ganzer Linie versagt wie bereits im Nationalsozialismus und unter anderen totalitären Systemen — aber natürlich nicht nur die Kirchen, sondern eigentlich alle Systemkomponenten.

Es gab auch nicht wenige Ärzte, die aus Angst vor einer COVID-Ansteckung keine Hausbesuche mehr machten, und es gab auch viele, die Maskenbefreiten oder „Ungeimpften“ die Behandlung verweigerten. Neben einer Seeleninfektion mit Virusangst kam es bei vielen Medizinern außerdem auch zu einer Arztattest-Angst: Sie wollten keine Bescheinigungen ausstellen, da sie berufliche Konsequenzen fürchteten. Was ist daran noch normal? Der Hippokratische Eid verlangt gerade, ohne Unterschiede Menschen zu helfen.

Ernesto Guevara sagte einmal, Solidarität sei die Zärtlichkeit unter den Völkern — beides fiel der Covidiotie als Erstes zum Opfer, indem Körperberührungen verboten wurden, was aus epidemiologischer Sicht Nonsens ist. Anscheinend nicht als besonders unnormal empfanden offenbar die Allermeisten, dass dann auch noch eine neue, nie gekannte Asozialität als Solidarität verkauft wurde: Distanz ist Nähe und so weiter, wie es im Orwell-Sprech des Staatsnarrativs hieß.

Man kann, wie etwa Ariane Bilheran, Zärtlichkeit aber gerade als Gegenpol zur Perversion sehen, deren Kernmerkmal der Hass ist: In übergriffigen Familien fehlt der Ausdruck von Zuneigung, es gibt kein In-den-Arm-Nehmen und so weiter — was sich das totalitäre System zur Blaupause gemacht hat, denn die Folgen sind fatal: Man sieht dies etwa an der von 2020 bis 2023 erheblich gestiegenen Selbstmordrate unter Kindern und Jugendlichen.

Die neue Abnormalität war also kein Angriff auf ein Killervirus, sondern ein Angriff auf unsere kernhafte Menschlichkeit — und natürlich auch auf unsere Freiheitsgrundrechte. „Totalitarismus ist geil!“, könnte eine Werbung heute heißen.

Man könnte es auch wie Bilheran verstehen, dass der Totalitarismus die Unschuldigsten als Menschenopfer und Sündenbock verwendet — eine Pervertierung der Selbstaufopferung für andere, und so wurde es auch dargestellt, in bester Orwell'scher Manier: Abstand ist Zuneigung, Denunzierung ist Fürsorge, Eingesperrtsein ist Liebe et cetera.

Von solchen, letztlich willkürlichen Setzungen lässt sich bereits der paranoide Seelenzustand ablesen, der Grundlage für den Ausbruch der Psychopathologie des Totalitarismus ist und der sich sonst nur in der forensischen Psychiatrie findet. Das Profil des Psychopathen ist daher hierbei von besonderer Bedeutung, korrespondiert es doch auch auf einer tieferen psychischen Ebene mit seinen Anhängern, in der Zuspitzung mit dem Lynchmob, in der Covidiotie mit den Kultisten des verordneten Staatsnarrativs. Das Phänomen wurde an Hitler und seinem Gefolge eigentlich bereits bestens analysiert, doch all diese Erkenntnisse zählen heute nichts mehr oder sind bereits verboten oder vergessen. Vermutlich wäre es zu verstörend, sich einzugestehen, dass eine parasitäre Kaste nichts wäre ohne die Massen, die ihr willig zu Füßen liegen; es gäbe auch keine Milliarden Pharma-Gewinne für eine ebenso toxische wie im Übrigen wirkungslose Spritzung ohne Millionen Menschen, die sich untertänigst damit abspritzen lassen — das sollte beunruhigen.

Die unheilige Wiedergeburt des autoritären Charakters

Auch der Ukraine-Stellvertreterkrieg erinnert daher an den alten Lehrsatz: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!“ Das Problem sind also tatsächlich eigentlich nicht die wenigen Psychopathen, die seit jeher ganze Völker zugrunderichten und in den Abgrund führen, sondern die willigen Geführten — was Joachim Gauck schon 2016 unfreiwillig mit seiner Gehirnwäsche-Phrase bestätigt hat: „Das Problem sind nicht die Eliten, sondern die Bevölkerungen.“

Dabei meinen es die sogenannten Gutmenschen — die manche deshalb für die wahren Teufel unserer Zeit halten — meist noch nicht einmal besonders schlecht mit dem, was sie anrichten, sondern sie vernichten Existenzen mitunter gar mit den allerbesten Absichten. Autoritäre Personen unterwerfen sich einerseits der herrschenden Macht und deren Narrativ und wüten andererseits gegen die von beidem Unabhängigen: „Wenn ich mich schon maskieren muss, dann müssen es alle anderen auch!“ Hannah Arendt hat das berühmtermaßen mit dem Terminus der „Banalität des Bösen“ bezeichnet: Es sind immer Menschen wie Adolf Eichmann gewesen, die einfach nur bestens funktioniert haben jenseits jeder Ideologie, die ganz unschuldig die grausamsten Taten vollbringen — vielleicht vor allem deshalb, weil sie schwerste zwangsneurotische Züge aufweisen. So wie beispielsweise eine Getränkemarkt- und eine Buchhandlungskette, die beide keine Maskenbefreiten mehr bei sich einkaufen ließen.

Apartheid ist eben immer noch en vogue — aber ist sie deshalb normal? Induziere nur eine massive Massenangst, und die Eichmanns in der Gesellschaft kippen in Richtung Blockwartsein um — ohne diesen Personenkreis wäre Totalitarismus praktisch unmöglich. In eine Machtbeziehung eingebunden, ist eine gewöhnliche Person zu kaum vorstellbaren Grausamkeiten fähig; autoritäre Hierarchien wirken hierbei wie seelische Brandbeschleuniger. Besonders besorgniserregend wird es, wenn das auch noch unter staatlicher Förderung geschieht, wie etwa die neu eingerichteten Denunzierungsstellen der BRD belegen.

Eichmann ist damit genau der Prototyp des sogenannten Normalmenschen, der mit seiner inneren Haltung und seelischen Struktur jede noch so geistesgestörte Abnormalität zur absoluten Normalität erhebt. Man könnte annehmen, sein Pendant sei das Prinzip Heinrich Himmler:

„Eine schicksalhafte Pflicht hat uns dazu berufen, die niedersten notwendigen Arbeiten auszuführen und dabei doch ehrenhafte Menschen zu bleiben!“ (vergleiche seine „Posener Rede“ vom 4. Oktober 1943).

Damit sind die beiden Seiten des autoritären Charakters in ihren Grundzügen aufgeführt: Führer und Geführte, Herr und Sklave, Regentschaft und Untertan.

Beide Seiten der totalitären Medaille werden damit zu Erfüllungsgehilfen des Systems, willige Instrumente eines menschenverachtenden Ungeists, der sie selbst ebenso verachtet wie alle anderen auch. Das ist einer der Aspekte von Michel Foucaults zentraler Feststellung „Das System hat kein Außen“ (Überwachen und Strafen, 1975) — und, können wir ergänzen, es schützt sich stets selbst.

Der Ausweg muss also notwendigerweise zunächst nach innen gehen, wie bereits Theodor Adorno feststellte:

„Die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz wäre Autonomie, wenn ich den Kantischen Ausdruck verwenden darf; die Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nichtmitmachen“ (Erziehung nach Auschwitz, 1966).

Gegen Autoritäres/Totalitäres tatsächlich immune Individuen verfügen über die Fähigkeit zum Selbstdenken, zur Unabhängigkeit, zum Widerstand — auch in aller Vereinzelung durch die Staatsräson, wie etwa Assange oder Ballweg mittels Gefängnishaft.

Wahrscheinlich wird diese Charaktereigenschaft einerseits durch schwere oder extreme Lebenserfahrungen gebildet, andererseits durch besondere Beziehungserfahrungen mit herausragenden Menschen. Sie haben keine Angst vor Einsamkeit, Isolation und Endlichkeit. Sie haben deshalb verstanden, dass zu leben wichtiger ist als das bloße Überleben. Sie haben ebenso verstanden, dass eine echte Normalität wichtiger ist als eine falsche und dass uns nur die Wahrheit frei machen kann, jede Lüge uns immer bloß ein Stück weiter versklavt (vergleiche Jesus von Nazareth im Evangelium nach Johannes, Kapitel 8 Vers 32). Sie sind daher immun gegen totalitäre Indoktrination, ihnen liegt nichts an vermeintlichen Vorteilen, die ihnen der Totalitarismus verschaffen könnte, wie etwa Lügenmedienaufmerksamkeit oder persönliche Pluspunkte im kapitalistischen System oder scheinbare Anerkennung von den falschen Leuten.

Wir haben das drei Jahre lang ertragen müssen, wie die Drostens, Wielers und Lauterbachs und wie sie alle heißen uns allen etwas aufgetischt haben und wie die wahren Experten verächtlich gemacht wurden, etwa Bhakdi, Wodarg oder Hockertz. Eine Gesellschaft kann sich geradezu glücklich schätzen, über Andersdenkende, Verfemte, Verfolgte zu verfügen — sie sind das Wertvollste, das sie hat. An ihnen sehen wir aber auch wie an nichts sonst, wie leicht und wie tiefgreifend Totalitarismus traumatisiert.

Wer bin ich in einer gewalttätigen Gesellschaft?

Das zentrale Motiv der Gewaltgesellschaft ist natürlich Gewalt — auch strukturelle, systematische und systemische Gewalt. Sie verkauft und versteht die Gewalt, die durch sie Menschen angetan wird, allerdings nicht als Gewalt, sondern als Guttätigkeit: „Es ist doch nur zu deinem Besten, dass ich dich leider traumatisieren muss!“ könnte sie daher schlüssigerweise sagen, wobei sie es nicht „Traumatisierung“ anderer nennt, was sie veranstaltet.

„Es ist nur gut gemeint und zu unser aller Bestem, auch zum Besten der betroffenen Völker, aber wir müssen leider Saddam Hussein, Muammar al-Gaddafi, Baschar al-Assad, Slobodan Milošević und neuerdings natürlich nun auch unbedingt endlich Wladimir Wladimirowitsch Putin vernichten! Dann geht es uns allen besser!“

Sind solche Bestrebungen wirklich normal? Was sagen sie über diejenigen aus, die sie betreiben? Und was sagt es über diejenigen aus, die nicht gegen so was aufbegehren? Wie kommt man allen Ernstes darauf, dass Leute, die Mord und Krieg propagieren oder zumindest direkt oder indirekt anstreben, es jemals wirklich gut meinen könnten?

„Alle, die nicht so sind, wie ich sie haben möchte, müssen leider weg!“ könnte seit Langem das Motto des „Wertewestens“ heißen. Was sind das für „Werte“? Etwa solche: „Mord und Totschlag sind Liebe! Krieg und Zerstörung sind Zuneigung! Gewalt und Mißbrauch sind Zuwendung!“? Vielleicht bräuchten wir einen „George-Orwell-Preis“, den wir zum Beispiel Personen wie Spahn oder Scholz oder Fauci oder Biden verleihen müssten, damit deren Vergehen transparenter werden würden? Götzendämmerung unserer Vater- und Mutter-Imagines; „Mutti Merkel“ war auch alles andere als eine gute, wohlwollende Mutterfigur — auch wenn manche das immer noch nicht wahrhaben wollen. Durch die heutigen Sprachverirrungen scheint daher wie in prismatischer Brechung doch immer nur die frühere, frühe Kindheitserfahrung hindurch, als auch Vati einst sagte:

„Die Tracht Prügel, die ich dir leider jetzt verpassen muss, soll dir nur zum Besten dienen und tut mir mehr weh als dir!“

Wie im Kunstfilm „Das weiße Band — Eine deutsche Kindergeschichte“ von 2009, der als Grundlage für Gewalt, Grausamkeit und Totalitarismus den autoritären Erziehungsstil ausweist. Vielleicht bräuchten wir daher tatsächlich eine „Psychoanalyse der Massen“ — was Freud einst verwarf?

Menschen aber, die zum Beispiel durch Gewalterfahrungen bereits fest verankert sind in der Realität, sind weniger verführbar, haben einen besseren Anti-Lügen-Instinkt und vor allem eine wesentliche Diskurs-Selbstdistanzierungsfähigkeit. Vielleicht haben die meisten sogenannten Intellektuellen keine solchen Erfahrungen gemacht, waren in ihrer Kindheit zu sehr behütet und sind deshalb genauso durch die „Nationalsozialisten“ verführbar gewesen wie durch die Protagonisten der Covidiotie?

Wer seine eigenen inneren Abgründe kennt und seelisch schon irgendwie zumindest ansatzweise versorgt hat, ist weiter — auch was Immunität gegen autoritär-totalitäres Gehabe betrifft. Wer hingegen ein ungelöstes Hass- oder Wutproblem in sich trägt, der ist an dieser Seelenwunde abholbar, manipulierbar, verführbar durch jeden neuen „starken Mann“.

Der Widerstand gegen jede Form von Gewalt beginnt also in jedem Menschen selbst und nicht im Außen. Andernfalls geht jede Rebellion am Ende doch nur wieder aus wie die Französische Revolution. Analog heißt es daher zu Recht etwa im Buddhismus: Wer sich nicht selbst überwunden hat, der überwindet nichts und niemanden. Auswege und Ausflüchte zu suchen sind allerdings kein Widerstand und führen nicht zu einer besseren Gesellschaft — wie man etwa am Umgang der meisten mit dem kriminellen Masernimpfzwang für Kinder seit 2020 bezüglich einer toten Krankheit sehen kann. Würde eine erhebliche Anzahl Nein sagen, könnte kein Staat so was aufrechterhalten — warum geschieht das aber nicht, warum geben die meisten auf? Genauso wenig bringt es etwas, sich einen Atomschutzbunker im eigenen Garten anzulegen, ohne die mentale, moralische, emotionale und geistige Kraft zu besitzen, Widrigkeiten genügend lange einigermaßen konstruktiv widerstehen zu können.

Wo Unrecht zur Normalität erhoben wird, bedeutet Widerstand Überleben

Das erfordert zum einen, die eigene seelische Gesundheit ganz bewusst und gezielt aufrecht zu erhalten. Zum anderen erfordert es eine Aufarbeitung der Vergangenheit im Sinne Adornos, auch unserer kollektiven Vergangenheit, nicht nur der letzten drei Jahre, sondern mindestens der letzten dreihundert. Wir könnten zeitlich und inhaltlich etwa mit Anna Göldi anfangen, die 1782 als vielleicht letzte „Hexe“ in Europa zu Glarus geköpft wurde.

Wie allerdings soll eine halbwegs vernünftige Aufarbeitung gelingen, wenn die Globalmafia eine Katastrophe nach der anderen generiert? Seelische Verdauung gerade von grausamen Erfahrungen braucht Zeit und vor allem Räume, in welchen Aufarbeitung möglich ist. Der Wechsel von der Covidiotie zumindest zu einer ebenso immens wie künstlich gesteigerten atomaren Weltkriegsgefahr war in dieser Hinsicht ein perfider Schachzug: Er macht die mentale Verarbeitung der letzten drei Jahre unmöglich. Wahrscheinlich bräuchte es sehr viel von dem, was Hannah Arendt Spontaneität nannte, als Gegenkraft zum Totalitären — und genau das wurde durch die Zwangsmaßnahmen verhindert.

Fortgeführt wird diese Verhinderung durch eine tiefe Verunsicherung aufgrund des Globalen der Covidiotie und natürlich ohnehin eben durch die induzierte Gefahr eines Weltkriegs. Daher auch die enorme Hoffnungslosigkeit vieler Menschen heute: Dem Dritten Reich oder dem früheren Archipel Gulag konnte man mit etwas Glück und Geschick noch entkommen, dem heutigen internationalen Unrechtssystem nicht mehr.

Allerdings vergisst man leicht bei solchen Gegenüberstellungen, dass das Gewaltsystem seit jeher global ist, weil es die gesamte Menschheit durchdrungen hat, gewissermaßen ihr ins Genom eingewandert ist, und das ist das eigentliche Virus, die eigentliche Pandemie oder „Pandämonie“, wenn man so will.

Bilheran hat auch recht wenn sie sagt, der einzig wirksame „Guerillakampf“ gegen das Gewaltsystem liege darin, morgens aufzustehen und spontan eine Handlung des Widerstandes zu begehen. Aber dies würde erfordern, dass wir zuvor drei Dinge in uns selbst schon befriedet, mit uns selbst geklärt haben: erstens unsere Ängste — Angst blockiert die Denkfähigkeit, deshalb waren die letzten drei Jahre vor allem eine „Pandemie der Angst“, wie der US-Psychiater Mark McDonald richtig anmerkte, und am zerstörerischsten wirkte dabei wohl die Lüge „Kinder töten ihre Großeltern“; zweitens unsere Schuld- und Schamgefühle und andere Emotionen, durch die wir manipulierbar sind; die Covidiotie ermöglichte es ja den sonst winzigsten Kleingeistern plötzlich, sich aufzublähen und etwa Maskenatteste zu kontrollieren, selbst da, wo es sie gar nichts anging. Drittens unsere Gedanken: wie wir über unser Dasein denken, beispielsweise ob der Sinn des Lebens allein im biologischen Überleben besteht, ob das dann noch ein lebenswertes Leben sein kann, hinter Masken, hinter verschlossenen Türen, hinter Vorurteilen.

Wie wir denken, hat sehr viel mit unseren inneren Glaubenssätzen zu tun: wie weit wir bereit sind zu gehen, was wir tolerieren und was nicht mehr, wo wir eine Grenze ziehen wollen, auch zum Selbstschutz, zur Gegenwehr, zum Nichtmehrmitmachen. Totalitarismus ist grenzenlos — auch deshalb sollten wir uns immer wieder von Neuem auf neue Gewaltausbrüche des Systems einstellen (Solschenizyn). Die nächste Pseudopandemie wird also bestimmt kommen; vielleicht ist sie diesmal verbunden mit einem wirklich gefährlichen Erreger, vielleicht aus irgendeinem Biolabor.

Bin ich mental darauf vorbereitet? Bin ich seelisch auf meinen eigenen, tatsächlichen Tod vorbereitet? Weiß ich in meinem Herzen, dass ich eines Tages — vielleicht schon heute oder morgen — sterben werde? Was bedeutet dieses Wissen für mich? Macht es mich (mit)menschlicher?

Welchen Sinn möchte ich meinem Leben geben, im Angesicht meines jederzeit möglichen Todes? So sehr ein Nachdenken über den Sinn unseres Seins durch die kapitalistische Seinsweise verhindert wird, so sehr kann sie allerdings auch als Katalysator wirken: denn je tiefer sie die durch sie versklavten Völker in den Abgrund ihres Daseins hinabdrückt, desto größer auch die Möglichkeit, dadurch aufzuwachen und sich zu besinnen aufs wirklich Wesentliche. Das ist vielleicht die größte Aufgabe der heute tatsächlich — ebenso wie die Angst — pandemischen Bedrückung, der Depression der Massen. Sie stellt uns gerade auch die Frage: Wie können wir zu einer einigermaßenen inneren Sicherheit gelangen angesichts einer radikalen Unsicherheit unseres Daseins? Wie können wir seelisch stabil und gesund sein und bleiben in einer höchstgradig kranken, krank machenden Menschenwelt? Solschenizyn hat (in „Archipel Gulag“, 1973) bereits die Frage angesprochen, auf welche die Zukunftsvision für 2030 des World Economic Forum (WEF, 2016) in einem Video hinausläuft: „Sie werden nichts besitzen, und Sie werden glücklich sein!“ Die zentrale Frage ist: Wer bin ich, wenn ich alles verloren habe? Was stützt mich von innen, wenn alles Äußere wegbricht?

Franz von Assisis Haltung als Heilmittel unserer Verirrung und Verwirrung

Seit März 2020 wissen wahrscheinlich die meisten Menschen, was das bedeutet, wenn von einem Tag auf den anderen unsere fundamentalen Rechte genommen werden, wenn wir nicht mehr arbeiten gehen dürfen, wenn Kontakte zu den uns wichtigsten Menschen nicht mehr erlaubt sind. Das an sich ist schon ein Verbrechen — nicht nur aufgrund deren Unnötigkeit und Unmäßigkeit, sondern mehr noch aufgrund der Selbstverständlichkeit, der Lügenhaftigkeit und der Verbrämungen, mit welchen das alles durchgeführt wurde. Kurz: Es war alles andere als normal, mit oder ohne „Hidden Agenda“ dahinter. Wer allerdings zuvor schon ein Verhältnis zu Verlust hatte, der war widerstandsfähiger, als es dazu kam. Auf solche Verlusterfahrung können wir uns nur vorbereiten, indem wir wissen, wer wir sind — gerade auch dann, wenn wir gar nichts mehr haben.

Möglicherweise machen uns solche Selbsterfahrungen auch zu mitmenschlicheren Menschen, denn Mitmenschlichkeit, Mitgefühl und Mitleid sind absolute Medizin gegen Totalitarismus.

Ähnliches könnte von einer Haltung gesagt werden, die gerade innerhalb einer kapitalistischen Gewalt- und Missbrauchsgesellschaft eben nicht deren typischer Logik des Quid-pro-quo-Prinzips folgt. Die Gewaltlogik wird letztlich ebenso durchbrochen, wenn wir Leid und Leiden eines Menschen reduzieren, statt dieses noch zu erhöhen oder überhaupt hervorzurufen.

Die Seelenmathematik unseres Verhaltens ist also einfach: Wenn ich Menschen liebevoll behandle, werden sie liebevoll mit sich selbst und anderen umgehen; wenn ich Menschen verachte und verletzte, dann werden sie sich selbst verachten und verletzen und andere auch. Es ist schwierig zu verstehen was daran nicht zu verstehen ist. Vielleicht ist Gewaltverzicht für den Menschen symbolisch verstanden ja tatsächlich wie „Knochenkrebs“ (Dave Mustaine: „Elysian fields“, 1994).

Bedingungslose, praktische Zuneigung ist das Gegenteil von Angst. Sie erlaubt uns daher, auch innerhalb massiver Devolutionstendenzen einer sogenannten Zivilisation weiterhin klar zu denken: Was möchte ich den Nachgeborenen hinterlassen? Was soll mein persönliches Vermächtnis in dieser Welt sein? Als wer oder was will ich erinnert werden? Was schulde ich den Menschen, die vor mir da waren? Sind wir nicht den Widerstandsbewegungen, die vor uns waren und die so vieles für uns errungen haben, oft mit dem eigenen Leben, verpflichtet, dass wir ebenfalls Widerstand leisten gegen die gegenwärtige Seelenfinsternis? Das Andenken an Revolutionäre wie etwa Ernesto Guevara oder Rudi Dutschke lässt sich jedenfalls nicht durch Pop-Unkultur-Shirts würdigen, sondern nur dadurch, dass wir heute noch ihre Schriften lesen und sie ernst nehmen. Oder wollen wir zulassen, dass alles, was unsere Vorfahren über Jahrtausende für uns errungen und erkämpft haben, durch eine kleine Clique niederträchtiger Leute nun innerhalb kürzester Zeit wieder zunichte gemacht wird?

Fragen dieser Art sollten sich heuer insbesondere auch und gerade alle Psychologen, Psychiater und Psychotherapeuten stellen — vor allem diejenigen unter uns, die Andersdenkende genüsslich pathologisieren. Milan Kundera hat die Welt einmal ein einziges riesiges Konzentrationslager genannt („L'insoutenable légèreté de l'être“, 1984). Wenn das bereits wahr wäre oder wenigstens wahr werden könnte, macht es Sinn, sich mit Menschen zu verbinden, die bereits einmal ein Konzentrationslager überlebt und auch innerlich überwunden haben, wie beispielsweise der Psychiater Viktor Frankl Auschwitz. Er schrieb darüber in seinem zeitlosen Werk „Trotzdem Ja zum Leben sagen“, dass man dem Menschen letztlich alles nehmen kann — nur nicht seine letzte Freiheit, sich zu den gegebenen Verhältnissen so oder so einzustellen und zu verhalten.

Diese Entscheidung muss immer wieder neu vollzogen werden und betrifft auch das Verfallen an jene Mächte, die dem Menschen seine Freiheit und seine Würde rauben möchten und ihn dazu verführen, unter Verzicht auf diese beiden Grundaspekte von Menschsein, zum bloßen Spielball und Objekt der äußeren Bedingungen zu werden und sich von ihnen zum typischen Bürger mit all seinen Macht- und Herrschaftsallüren umprägen zu lassen. Was also das Leben aus einem Menschen zu machen vermag, ist auch ein Ergebnis seiner eigenen Entscheidung und Einstellung. Und jeder Mensch kann, egal unter welchen Umständen, entscheiden, was aus ihm geistig gesehen werden soll: ein typischer Quäler oder ein Mensch, der auch dann noch Mensch bleibt und die Menschenwürde wahrt, wenn es bereits sonst niemand mehr macht und die äußeren Umstände infernal sind. Und falls es einmal nicht ganz so eindeutig bestimmbar sein sollte, gilt immer die alte Grundregel:

Im Zweifelsfall bleibe — oder werde — mitmenschlich!


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Quellen und Anmerkungen:

Ergänzende Literatur zu den im Text angegebenen Texten, die im Zeitalter unproblematischer Internet-Abrufbarkeit nicht nochmals hier genannt werden:

Saint-Pierre Lanctôt, Ghislaine (2004): Die Medizin-Mafia. Wie man ihr entrinnt und sich Gesundheit und Wohlstand zurückerwirbt. München: Müller & Steinicke.

Delaisi, Francis (1910): La démocratie et les financiers. Paris: Crapouillot, 1936.

Delaisi, Francis (1911): Der kommende Krieg. Übersetzung von „La Guerre qui vient“. Berlin: Mittler, 1915.

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