In den rund 250 Jahren ihrer Existenz haben die USA mehr als 90 Prozent der Zeit Kriege geführt, was einsame Spitze ist, wenn es darum geht, dem Völkerrecht einzig im Wolkenkuckucksheim — wie das Reich für ganz besondere Vögel eigentlich heißen sollte —, Geltung zu verschaffen. Das hat Trump endlich klipp und klar gestellt. „Die Großmächte tun heute buchstäblich, was sie wollen. Sie haben die Existenz des Völkerrechts und die Notwendigkeit, es einzuhalten, vollständig ausgelöscht“, bringt Fico, Präsident der Slowakei, auf dem Parkett der Geopolitik treffend auf den Punkt.
Großmächte? Es gibt nur Trump! Nun sei die UN eben „zerstört“. Alle anderen könnten „nur fassungslos zusehen, wie amerikanische Eliteeinheiten den Präsidenten eines souveränen Landes entführen und die USA verkünden, dass sie über 30 Millionen Venezolaner herrschen“, was Kolonialismus heißt. Seit Venezuela sei also alles anders, sagen alle. Alle sind die Bösen unter den Guten und die Guten unter den Bösen. Auch wenn die BBC mit ihrer Zensur wie gewohnt weitermacht, um die Entführung Maduros bloß nicht Entführung nennen zu müssen.
Endlich ist auch dem letzten Rand- und Kleinstaatspräsidenten klar, wohin der Hase läuft. Selbst die Kalaallit mit ihrer friedlich vor Anker liegenden Schatzinsel haben von ihrer mit Demokratiefragmenten geschmückten Kolonialkleinmacht, einer gewöhnlichen Erbdiktatur aus Kopenhagen, die Hosen gestrichen voll. Ja, ist doch klar: Weil auf Wladimir Putin eben kein Verlass ist.
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, die gerade noch zuständige Ansprechpartnerin für Grönlandangelegenheiten äußerte: „Ich sage es ganz direkt: Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann war's das“, dann wäre Schluss mit NATO und der frederikschen Fantasie von Weltordnung.
Und die Sprechpuppe einer anderen Erb- und Inseldiktatur, Keir Starmer, meinte vom Schneegestöber zwischen Unter- und Oberhaus vermutlich leicht verwirrt:
„Nur Grönland und das Königreich Dänemark haben über ihre eigene Zukunft zu entscheiden.“
Wie großzügig von ihm. Die Kalaallits hätten was zu melden? Sezession und eine NATO-freie Welt sind möglich, wenn doch nur 56.000 Grönländer ihren dänischen Pass abgeben? Während die Kalaallits eifrig Schneebälle rollen und Eiszapfen sammeln, verkündet Serbiens Präsidenten Akleksandar Vučić sicherheitshalber auch mal wieder was. Ihm geht’s ums Aufzurüsten, in etwa um die Hälfte. Weil? Na weil:
„Nach den Ereignissen in Venezuela ist klar geworden, dass die internationale Rechtsordnung und die Charta der Vereinten Nationen nicht funktionieren, dass in der Welt das Recht der Stärke, das Recht des Stärkeren herrscht und dies der einzige Grundsatz der modernen Weltpolitik ist.“
Und während Vučić noch spricht, explodieren die Preise für Waffenschränke jeder Größe. Schneebälle, Kalaschnikows oder Atombomben, am Nordpol, im Balkan oder Gelben Meer, in Nuuk, Belgrad oder Pjöngjang. Sicher ist sicher.
Apropos Wolkenkuckucksheim: Die Heißluftfabrik der Vereinten Nationen mit ihrer Zentrale in New York, wie lustig, und mit den fünf Vetomächten des UN-Politbüros — in Wahrheit sechs, wegen der USA auch Israel — gehört nicht nach New York, sondern aufgelöst. Oder wie klingt das? Während Maduro und seine Frau zur Eröffnung eines vorgeschobenen Schauprozesses wegen unbewiesener Drogenschiebereien gefahren werden, eröffnen die Vereinten Nationen ein paar Straßen weiter eine „Dringlichkeitssitzung“, um zu sagen, dass das, was die da drüben machen, so ganz und gar nicht ginge. Deswegen sei man „zutiefst schockiert“ und bekunde aufrichtige „Solidarität“. Außerdem könnten sich die USA nicht „zu einer Art oberstem Richter ernennen, der allein das Recht hat, in jedes Land einzumarschieren und seine Gesandten zu entsenden, um Strafen zu verhängen und dabei die Grundsätze des Völkerrechts, der Souveränität und des Nichteinmischungsprinzips zu missachten“. Hä? Es gilt doch neuerdings das Recht des Stärkeren.
Die Heißluftfabrik kostet die Steuerzahler Geld, Zeit und Platz. Wäre es nicht tausendmal besser, die Gebäude jetzt schon für Kriegsflüchtlinge aus Mexiko, Kuba, Kolumbien, dem Iran und Grönland zu räumen? Annalena Baerbock dürfte nach Hause segeln und alle Grönländer hätten ein warmes Zuhause. Doch was wird aus Donald? Mit einer Anklage in Den Haag wird es nämlich nichts. Wegen ASPA, dem „American Service-Members' Protection Act“, um US-Vertreter mit einer Invasion zu befreien, sollte ihm eines sehr, sehr, sehr fernen Tages im niederländischen Den Haag mal ein Prozess drohen. Donald selbst braucht ASPA nicht, er ist das Weltgesetz. Der UN-Vertreter Russlands, Wassili Nebensja, hat das auch gerafft. Endlich: „Existieren die Vereinten Nationen und der Sicherheitsrat nicht mehr, und besteht die Notwendigkeit, sozusagen einfach Washingtons Regeln zu folgen?“ Ja. Wassili, flieg doch heim. Die „Rückkehr in eine Ära der Gesetzlosigkeit und US-Dominanz durch Gewalt, Chaos und Willkür“ sei angekündigt. Sanktionen, Ausschlüsse, Boykotte, Flugzeugträger und Bomben dürfen nur Westler?
Fast war er nicht zu hören, UN-Generalsekretär António Guterres hatte eine klitzekleine Bitte: „Prinzipien der Souveränität, politischen Unabhängigkeit und territorialen Integrität“ wären zu respektieren. Aber nur, wenn es keine Umstände macht.
Um Gottes willen, dann doch lieber Trump, weil der mit Warp-Speed sich, seine Wähler, einfach alle viel besser vorführen und unterhalten kann.
Und bevor ich es komplett vergesse, was ist in Caracas passiert? Angeblich hat es sich exakt wie folgt zugetragen: Monatelang schon hätten Spione der Geheimdienste CIA und NSA Nicolás Maduro überwacht und Elitesoldaten in einem Nachbau seines Anwesens trainiert. In etwa so, wie es sich Verschwörungstheoretiker immer ausmalen. Nachts wurde der Präsident Venezuelas durch einen Angriff auf Kommando des Präsidenten der USA überrascht und gewaltsam entführt. Bis nach New York. Mit einem Hubschrauber. Dann mit einem Schiff. Einem echten Kriegsschiff. Er, also Maduro, hätte dabei getötet werden können. Das hat Donald gesagt. Im TV. Die Geiselnahme wäre sogar wie in einer echten „Fernsehshow“ gewesen. Ein paar US-Männer und US-Fluggerät wurden bei den „Dreharbeiten“ leider verletzt beziehungsweise beschädigt, das kann man aber wieder reparieren. Die 80 Toten Zivilisten und Soldaten aus Venezuela und Kuba jedoch nicht.
Trump will zur UN sowieso nicht gehen. Seinen MAGA-Werbeslogan konnte er sich so lange merken, wie er musste. Folgerichtig musste er mit Israel einen Krieg gegen den Iran anfangen. Natürlich nur, um die Verdrehung, Israel würde vom Iran bedroht, endlich richtig herum drehen zu dürfen. Wegen der doppelten Standards. Atomkraft geschweige denn Atombomben dürfen längst nicht alle haben. Und auf den 100.000 Gaza-Toten werden Trumps Überwachungsbauten der Freiheit für Milliardäre mit purem Saudi-Gold gebaut. Klar. Für weitere Bauprojekte ist das Abrissunternehmen der IDF in Gottes Namen und dem Segen der Nationen übrigens schon wieder fleißig im Libanon, in Syrien und der Westbank unterwegs. In Israel kann man ja noch ungestört korrupt, politisch rechts, weißer Rassist, Faschist und Nationalsozialist in einem sein und keinen „Aufgewachten“ stört’s, solange die Richtung im Fadenkreuz stimmt.
Ach ja, außerdem wurden in älteren Ausgaben der „Trump-Show“ schon Ziele im Irak, in Nigeria, im Jemen und in Somalia bombardiert und Drogenboote mit Besatzung ohne Prozess versenkt. Live. Air America fliegt längst nicht mehr und am Hindukush haben die Menschen Brunnen, aber kein TV. In Syrien will Trump auch schon Ölquellen und al-Dschalauni schützen. Den ehemaligen US-Gefangenen, der sich wegen dem Kopfgeld auf al-Dschalauni wieder al-Scharaa nennt, wurde in der Trump-Show zum gern gesehenen Statthalter von Damaskus gemacht.
Man könnte Maduros letzte Nacht in Freiheit auch durch eine rosarote Brille intellektueller Armseligkeit betrachten: „Die EU hat wiederholt erklärt, dass Nicolás Maduro (hier zum besseren Verständnis zentralistischer EU-Moral bitte wahlweise Namen wie Ahmed al-Scharaa, Mohammed bin Salman, Recep Tayyip Erdoğan einsetzen) nicht die Legitimität eines demokratisch gewählten Präsidenten besitzt.“ So wie das EU-Regime von Ursula von der Leyen. Oder wie Friedrich Merz seit Mai 2025, weil der bei näher Betrachtung aller deutschen Stimmen für die Tonne schnurstracks dahin käme, wo Maduro jetzt sitzt. Weg vom Fenster. Oder wie der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, Hoffnung macht:
„Die Entführung des Neonazis Merz könnte eine hervorragende Wendung in dieser Karnevalsserie sein. Hier kann einen kaum noch etwas überraschen. Auch ein solches Szenario hat einen gewissen Realitätsbezug.“
Und nun bibbern und zittern sie vor Trump, liefern aber trotzdem weiter Strom, Schauspieler und das Publikum, machen Werbung. Trump? Der ist nur Produzent, sein Team führt die Regie. Das war's. Als Steuergeld-Milliardär weiß er, dass man alles kaufen kann. Fast. Für Filme jedenfalls. Das haben ihm die aus dem Pentagon gesagt. Auch venezolanische Militärs, Minister und alle, die mit Delcy Rodrígez zusammensaßen — das ist die Frau, die sagte: „Nie wieder werden wir eine Kolonie, egal von welchem Imperium sein.“
Könnte es also sein, dass Delcy und etliche andere dafür bezahlt wurden, wovon ich nur träumen kann: fürs Schlafen mitten in der Nacht? In Caracas suchen sie angeblich schon Verräter, während es Rodrígez fünf Minuten später erniedrigend unterwürfig versucht, sich anzubiedern: „Wir laden die US-Regierung ein, mit uns an einer Agenda der Kooperation ....“ Halt. Bis hierhin und kein Wort weiter. Und dann noch Kommandeure, die (US-)Anomie mit Anarchie verwechseln. Genau wie Trump. Seitdem weiß ich ganz genau, dass Maduro keine Päckchen weißen Pulvers verschiffen ließ.
US-Kriegsminister Pete Hegseth, so nüchtern nennen die jetzt offiziell das Amt, wegen seiner Einsatzes in der Guantanamo-Bucht ein vermutlich ganzer Kerl, lacht über die Versager: „Offenbar funktionierten die russischen Luftabwehrsysteme nicht so gut.“ Hegseth dachte wohl wie ich, die venezolanische Luftabwehr verfüge über Militärtechnik aus Russland. Hat der Kreml tatsächlich Hack- statt FlaRak-Spezialisten geliefert? Der russische Bär trägt jetzt einen Nasenring in Stars and Stripes und tanzt auf leeren Tankern, die sich die US-Küstenwache an ihre neue Küstenlinie hinter Grönland kurz vor Schottland bringen lässt. Wegen der einseitigen US-Sanktionen gegen Kuba, Iran, Venezuela und so weiter und so fort. Seerecht? Was zur Hölle soll denn das jetzt? Die Russen wissen's aber auch nicht besser: „Wir sind unsererseits bereit, dem befreundeten Venezuela weiterhin die notwendige Unterstützung zu gewähren. Wir sind der festen Überzeugung, dass Venezuela das Recht garantiert werden muss, sein Schicksal ohne destruktive Einmischung von außen selbst zu bestimmen.“ Ja, ja. Das übliche Blablabla einer Brieffreundschaft. Trump schickt keine Floskeln, sondern das Drehbuch: „Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen, wahrscheinlich höher als Maduro.“ Und: „Wir holen uns zurück, was sie gestohlen haben.“
Bei dem ganzen Hin- und Her kommt selbst ein Sigmar Gabriel ins Schwanken und auf die albernsten Verschwörungstheorien. Seitdem er sich vom Captain's Dinner der Transatlantik-Brücke zum Rheinmetall-Buffet und zurück schaukeln lassen darf, hat er in den Verdauungsphasen viel Zeit für's Studium von NATO und Lord Ismay, deren ersten Generalsekretär. Seitdem weiß er auch, was für Ungeimpfte Standardwissen ist. Und damit gibt er jetzt noch kräftig an. Aber in einer ganz anderen Fernseh-Show. Die EU, die NATO, das wären alles nur US-Konstrukte gegen Deutschland und die Russen. Aufrichtig skrupellos oder skrupellos verlogen, während Baschar al-Assad den Flug nach Moskau nahm, Ali Chamenei selber auf die Knöpfe drückte und Maduro feste schlief?
Kolumbiens Präsident Gustavo Petro, ein anderer Linksausleger hält von alten Bündnissen auch nichts mehr. Petro und sein Abspann an die Welt: „Die Allianz mit China und Russland hat nichts gebracht; Lula, unsere Allianz muss vor allem das gleiche Lateinamerika sein, das heute bombardiert wird.“ Dabei war Simón Bolívar, „El Libertador“, doch gar kein Stierkämpfer oder Libero zur Unterhaltung der skrupellos Verlogenen, sondern ein von der französischen Revolution, der Unabhängigkeit der USA und dem Illuminismus geprägter Freiheitskämpfer. Na dann viel Glück und weiterhin gute Unterhaltung mit der Trump-Show.
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