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Begrenzte Intelligenz

Begrenzte Intelligenz

Die entscheidende Frage ist nicht, ob künstliche Intelligenz (KI) irgendwann alles kann, sondern wie viel Verantwortung wir ihr übertragen wollen und wer die Verantwortung trägt, wenn sie falsch entscheidet.

KI ist manchmal ziemlich bescheuert

Zwar gibt es Befehle wie #redteam, bei dem die KI ein Sie hinterfragendes Team simuliert, oder #truthmode, bei dem ChatGPT angeblich aufhören soll, Ihnen nach dem Mund zu reden. Und auch bei der Rechtschreibkontrolle haben Sie mit der KI ein sehr starkes Tool zur Hand.

Aber machen Sie doch mal den Test, lassen Sie ChatGPT mittels zweier Handys mit sich selbst kommunizieren. Ich verspreche Ihnen, Sie haben noch nie so viel Nonsens in Endlosschleife gehört! Das ist 1, 2 Minuten amüsant, aber dann denkt man sich nur noch: Und du sollst kurz davor stehen, die Menschen vollständig zu ersetzen? Ich glaube ja wohl nicht! Zumindest nicht die öffentlich zugängliche KI. Viele von uns kennen die Videos von KI-Robotern, die aus dem Gleichgewicht geraten und versuchen, unbeholfen wie eine Mischung aus einer Schildkröte, die auf dem Rücken liegt, und einem frisch geborenen Fohlen beim ersten Aufstehversuch, irgendwie wieder das Gleichgewicht zu erlangen.

KI ist ein nützlicher Begleiter, aber auch KI hat Grenzen. 

Der Musikmarkt wird derzeit mit KI-Liedern geflutet, und während der einzelne Hörer den Unterschied kaum wahrnimmt, zieht sich für das geschulte Ohr ein roter Faden durch jedes KI-Lied. Auch im Grafikdesign ist dieser Effekt zu erkennen, die KI ist schneller als jeder Mensch beim Content-Erstellen. Besonders in diesen Bereichen ist die KI ein nützliches Werkzeug, das zwar mit kreativen Ideen und Anweisungen gefüttert werden muss, aber Künstler und Produzenten zu ersetzen droht.

Streamingdienstanbieter werden Wege finden müssen, um mit der Flut an KI-Liedern umzugehen, und früher oder später werden sie reagieren müssen. Das wird letzten Endes wahrscheinlich zulasten der kleinen Künstler geschehen, die viel Zeit und Geld in ihre Arbeit stecken und dann auf einmal aufgrund von Restriktionen ihre Songs nicht mehr hochladen dürfen.

Zumindest wäre das ein denkbares Szenario, das die Streaminganbieter festlegen: Wer auf Spotify weniger als 10.000 Hörer im Monat hat, darf ohne Musiklabel keine Musik mehr hochladen.

Die KI kann Ihren Song professionell abmischen und mastern, kann Sie zum Sänger machen, kann Instrumentals erstellen und Unglaubliches bewirken, aber einen vernünftigen Liedtext schreiben, das kann sie nicht. Auch eine Grafik kann sie nicht beim ersten Mal perfekt erzeugen, zumindest nicht für den Printmedienbereich, und das Verändern der erstellten Grafik nach den eigenen Vorstellungen wird zu einem nervenaufreibenden Drahtseilakt, wie ein großer Hund, der versucht, sich auf einen viel zu kleinen Stuhl zu setzen. Denn das Korrigieren ist für die KI nicht immer so leicht. Sie kann das Bild nicht immer punktuell abändern, sondern generiert jedes Mal aufs Neue das Bild komplett neu und verändert es somit immer wieder im Kern. Und manchmal können Sie nicht nur froh sein, wenn auf dem Familienfoto am Ende jeder noch so aussieht, wie er auch wirklich aussieht, sondern auch, wenn jeder noch seinen eigenen Kopf auf den Schultern sitzen hat.

Die entscheidende Frage ist doch nicht, ob KI irgendwann alles kann, sondern wie viel Verantwortung wir ihr übertragen wollen?

Nehmen wir ein krasseres Beispiel: den Supermarkt. Was denken Sie, wie viele Angestellte bräuchte ein Supermarkt heutzutage noch, wenn er mit dem Stand der heutigen Technik durch KI gemanagt wird? Es wäre ohne Weiteres möglich, ein automatisches Regalfüllsystem zu konzipieren, bei dem die KI erkennt, wann welche Artikel automatisch nachgefüllt werden müssen und wann ein Artikel neu bestellt werden muss.

Ich behaupte sogar, dass die KI sehr wahrscheinlich zehnmal effektiver und ökologischer Lebensmittel wie Obst, Wurst und Käse nachbestellen würde, als jeder Mensch es jemals könnte. Auch mithilfe von Kameras, die KI-betrieben sind, kann man heutzutage Ladendiebe aufspüren, und selbst der Betrug an der SB-Kasse kann durch KI entdeckt und aufgezeigt werden. Ich behaupte, man könnte das Personal in Supermärkten mittlerweile um 80 Prozent reduzieren, wenn man es wollte.

Aber kann die KI wirklich jeden Job übernehmen? Würden Sie ChatGPT vertrauen, dass es Ihnen ohne menschliche Hilfe ein Haus plant und baut? In der Hoffnung, dass die Steckdose nicht im Wasserhahn, das WC nicht in der Küche und die Haustür nicht im zweiten Stock landet? Letzteres wäre sicherlich ein guter Einbruchsschutz, keine Frage, aber wahrscheinlich würden Sie das nicht wollen. Denn die KI, so wie sie derzeit vorliegt, stößt auch an ihre Grenzen. Und da haben wir noch nicht mal über die ganzen verschiedenen bösen, nationalen und internationalen, Normen gesprochen, die ganz klar sagen, ein Sicherungskasten sollte nicht unter einer Dusche hängen, oder der Kaminabzug sollte bestenfalls nicht im Schlafzimmer enden.

Aber jetzt mal Spaß beiseite, würden Sie ChatGPT ungeprüft vertrauen, wenn es Ihnen ein sicherheitsrelevantes Bauteil wie ein Sicherheitsventil an einem Druckkessel ausrechnen soll?

Was passiert eigentlich, wenn wir genau dieser Technologie reale Verantwortung übertragen?

Würden Sie immer noch Ihre geheimsten Gedanken mit Ihrem Handy teilen oder Ihr halbes Leben auf Social Media posten oder über WhatsApp diskutieren, wenn Sie wüssten, welche Daten die KI bisher von Ihnen gesammelt hat? Wenn Sie wüssten, wie umfangreich Ihr „geheimes“ digitales Profil aussieht? Oder würden Sie Ihr Verhalten ändern, wenn Sie wirklich verstehen würden, was es heißt, dass Ihr Handy Sie besser kennt als Sie sich selbst? Wenn Sie wirklich verstehen würden, warum Daten heutzutage das digitale Gold genannt werden? Würden Sie dann verstehen, was wäre, wenn die Falschen Ihre intimsten Daten kaufen oder hacken würden? Wenn Einbrecher genau wüssten, wann und wie lange Sie und Ihre Nachbarn täglich das Haus verlassen. Wäre dann Ihr Statement immer noch: „Schon okay, ich habe ja nichts zu verheimlichen?“

Wären Sie erschrocken, wenn Sie mitbekommen würden, dass Ihr Arzt ChatGPT zur Diagnostik von Symptomen verwenden würde? Und wenn es so wäre, was würde das bedeuten? Würde das bedeuten, dass auch der Beruf des Arztes mittlerweile ersetzt werden könnte? Wahrscheinlich nicht, aber KI könnte uns helfen, schon im Vorfeld abzuwägen, ob ein Arztbesuch wirklich nötig ist, und hat damit das Potenzial, das Gesundheitssystem zu entlasten! Und ist das Szenario so unrealistisch, dass eine KI einen Arzt bei Diagnostik und auch operativen Eingriffen unterstützt? Oder würde dadurch das Risiko steigen, dass Ärzte weniger selbst nachdenken und die KI irgendwann zu wenig hinterfragen? Das sollte zwar nicht unbedingt zu Steckdosen in Wasserhähnen führen, aber in einer Notsituation kann eine falsche Entscheidung auch schnell ein Menschenleben kosten, das sollten wir nicht vergessen.

Viele nutzen ChatGPT als Beziehungsratgeber. Aber wie effektiv ist ein Ratgeber, der Ihnen nach dem Mund redet? Und wer haftet dafür, wenn eine suizidgefährdete Person nicht die gewünschten Antworten von ChatGPT erhält und sich letzten Endes in den Tod stürzt, weil er oder sie sich statt echter Hilfe lieber Hilfe von der KI geholt hat?

Wäre die KI in der Lage, eine bipolare Störung zu diagnostizieren und entsprechend aufzuhören, der Person nach dem Mund zu reden und den richtigen Therapieansatz zu wählen?

Wahrscheinlich merken Sie spätestens jetzt, dass die Antwort auf die Frage, „ob die KI uns in naher Zukunft ersetzt“, nicht gerade trivial ist. Und vor allem stellt sich die Frage:

Wer trägt die Verantwortung, wenn eine KI sich falsch entscheidet? 

Würden Sie, wenn Sie an Filme wie „iRobot“ denken, einer KI-gestützten Polizei oder einem KI-gestützten Militär vertrauen? Was passiert, wenn die KI Zivilisten als Terroristen identifiziert, nur weil sie sich im falschen Gebiet aufhalten?

Oder stellen Sie sich einen autonomen Nahverkehr vor. Stellen Sie sich vor, ein Bus fährt mit 50 km/h, und plötzlich springt ein Kind auf die Straße. Es gibt zwei Entscheidungen: Entweder der Bus macht eine Vollbremsung, wird jedoch nicht stoppen, ohne das Kind zu verletzen oder zu töten, oder der Bus weicht aus und rast nahezu ungebremst auf eine Mauer zu. Dadurch würde das Kind vielleicht gerettet werden, aber dafür würden die Insassen entweder verletzt oder getötet. Darf die KI das Risiko für ihre eigenen Fahrgäste bewusst erhöhen, um das Leben eines unbeteiligten Menschen zu schützen? Wer entscheidet, nach welchen ethischen Maßstäben die KI entscheidet?

Und da kommen wir auch schon zu einer der wichtigsten Fragen überhaupt, wenn man an die KI denkt: Wer haftet am Ende, wenn die KI versagt?


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