Reisen öffnet Augen und Herz. Reisen hilft, zu verstehen. Reisen — nach allen Seiten offen.
So ging es mir in den letzten zehn Monaten, in denen ich das Glück hatte, auf meinen Reisen inspirierende Begegnungen mit sehr besonderen Musikern zu machen.
Auf meinem Weg nach Griechenland hatte ich öfter auf der Straße gespielt — so auch in Kalamata, wo ich von einer Musiklehrerin, die mir eine Weile zuhörte, in ein griechisches Lokal eingeladen wurde. Dort spielte ein Trio — von Mitternacht bis 5:00 Uhr morgens. Was für ein Erlebnis: fünf Stunden Live-Musik vom Feinsten — non stop. Wenn jemand aus dem Trio auf die Toilette musste, spielten die andern weiter. Pausen gab es nicht. Alt und Jung sangen, tanzten, lachten, aßen Köstlichkeiten aus der lokalen Küche und tranken griechischen Wein.
Selten wurde mir so eindrücklich bewusst, wie sehr man uns Deutschen die Lieder genommen hat. Volksmusik pflegen wir nicht mehr. Volkslieder, die alle kennen, gibt es kaum noch. An ihnen haftet der üble Stallgeruch des Nationalen, im schlimmsten Fall des Völkischen.
In Griechenland hat man dieses Problem nicht. In anderen Ländern auch nicht. Ein Freund von mir saß einmal, vor vielen Jahren, an einem Lagerfeuer in Portugal, mit ihm Reisende aus verschiedenen Ländern. Jeder sang ein Lied aus seiner Heimat. Als er an der Reihe war, fiel ihm nichts ein, was passen würde.
Der Abend in der griechischen Bar hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, vor allem wegen seiner kulturellen Authentizität — und das auf vielen Ebenen. Essen, Musik, griechische Gastfreundschaft — nichts wirkte aufgesetzt. All das diente nicht dem Geschäft mit den Touristen, sondern einem inhärenten Gefühl des Miteinanders — einem großzügigen, selbstverständlichen Teilen.
Ein paar Monate später war ich mit Nicolas Riedl und Tom-Oliver Regenauer in Mexiko auf dem Kongress THE PEOPLE’S RESET. In der Manova-Reportage „Nicht meckern, machen!“ könnt ihr ein bisschen mehr über die Reise erfahren. Sowohl auf dem Weg nach Morelia als auch auf dem Kongress selbst, war Gastfreundschaft permanent spürbar — ganz ähnlich wie in Griechenland ein paar Monate zuvor.
Neben den vielen Vorträgen und Workshops waren bei dem Event auch Aussteller und grandiose Musiker vor Ort. Eine von ihnen ist Alais Clay. Sie und ihre Kollegen Sol Disciple, Prezence, Dub FX und andere haben das Abendprogramm gestaltet. Nicht nur die Solo-Auftritte der Künstler, auch das sympathische Miteinander haben einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie verbindend die Kunst sein kann. Man lud sich gegenseitig auf die Bühne ein und unterstützte sich. Ein weiteres Highlight: Auch in der oben erwähnten begleitenden Manova-Reportage zum Event ist Alais Clay in einem kurzen Interview zu sehen.
Die kolumbianische Musikerin, die mittlerweile in den USA lebt, artikuliert in einigen ihrer Songs viele der Themen, die uns seit Jahren beschäftigen: Pharmaindustrie, der militärisch-industrielle Komplex, Geoengineering, Propaganda — immer wieder greift sie in Ihrer Kunst all das auf, vor dem sich viele Stars ihres Genres drücken.
Gerade deshalb hat mich auch der Song „Propaganda Overload“ — Ihr Statement zu all den Corona-Lügen — in den Bann gezogen.
Wenn man sich von großen deutschen Namen — von Konstantin Wecker bis Sammy Deluxe — in dieser Zeit ziemlich allein gelassen fühlte, freut es einen umso mehr, wenn man retrospektiv sieht, dass engagierte Künstler aus aller Welt den Mut hatten, den weltweiten Tabubruch in Ihren Songs zu thematisieren.
Wen gab es denn schon in dem so enttäuschenden Hip-Hop-Genre, der die Schnauze aufgemacht hat? B-LASH, Kianush, Bustek, Lapaz, die Jungs von RAPBELLIONS — und ... genau, sehr viel mehr gab es eben nicht.
Alais hat schon lange vor Corona angefangen den Finger in die Wunde zu legen, so zum Beispiel 2016 mit „Deadly Rain“. Aber auch der so wichtige spirituelle Ansatz ist Teil ihrer persönlichen und musikalischen Reise, wie sie es in dem Duett „Wake up“ mit Chances R Good 2025 besungen hat. Das Thema Frieden und Freiheit schwingt dabei immer mit — wie auch in dem folgenden Song, den ich hier noch vorstellen möchte: „Shape Up“ featuring Freedom Movement.
Es ist so bereichernd, wenn man Künstler aus anderen Ländern trifft und schnell andockt, weil man ähnliche Geschichten teilt. Egal welchen musikalischen Stil man bedient oder welches Instrument man spielt. Es gibt so viele Synchronpunkte im Erlebten. Und wenn die Corona-Zeit eines hat, das ich nicht missen möchte, ist es genau das.
Man teilt diese eine Erfahrung, egal ob man in Deutschland, Griechenland oder Mexiko war. Erfahrungen, die einen an den Rand der Verzweiflung brachten, aber doch auch die Augen geöffnet haben. Corona hat vieles an die Oberfläche gespült, was einigen allerdings schon vorher bewusst war.
Künstlerinnen wie Alais Clay wissen, dass der dezentrale Weg ein Teil der Lösung ist — weg von staatlichen Institutionen, NGO’s, Tech Companies und Silicon Valley — hin zu den Verbindungen, die Bestand haben. Events wie „THE PEOPLE’S RESET“ bringen Menschen zusammen, die bereit sind, neue Wege zu gehen und sich dezentral zu vernetzen.
So kam es, dass Alais bei dem vierten „Protestnoten“-Album, das im Herbst 2026 erscheinen wird, dabei sein wird. Gemeinsam mit Alexa Rodrian werden wir einen Song aufnehmen und zusätzlich einen ihrer Tracks vorstellen.
Die Künstler, die für das Album zugesagt haben, solidarisieren sich mit den von der EU sanktionierten Autoren und Journalisten. Natürlich ist für jemanden wie Alais — das machte sie in unserem Gespräch unmissverständlich klar — die alternative Medienszene essentiell, wenn es um den Zugang zu Informationen und investigativen Journalismus im Allgemeinen geht. Die Mainstreammedien versagen nicht nur in Deutschland, das Phänomen gibt es in den USA, wo Alais lebt, genauso. Egal ob es um die Groß-Israel-Phantasien der Netanjahu-Regierung, den Völkermord in Gaza, den völkerrechtswidrigen Krieg im Iran, die einseitige Berichterstattung bezüglich des Krieges in der Ukraine oder eine ernsthafte Aufarbeitung im Fall Epstein geht — die gekauften Konzernmedien sind komplett wertlos geworden. Die neuen, unabhängigen Medien gewinnen hingegen mehr und mehr an Relevanz, Einfluss und Reichweite.
Schon heute informiert sich ein Großteil der Menschen außerhalb der Mainstreamblase und folgt Podcastern und investigativen Journalisten weltweit. Um dem besonderen Nachdruck zu verleihen, werden sich die Künstler, die wir in einer der nächsten „Friedensnoten“ vorstellen, aktiv beteiligen.
Alais Clay gehört zu den Künstlerinnen, die man sich merken sollte. Frauenpower in der bestmöglichen Form — nicht mit einer krampfigen Distanzierung von ihren männlichen Kollegen, sondern immer wieder mit Duetten auf Augenhöhe, ob mit Prezence, Dub Fx oder Chances R Good — oder jetzt mit uns.
Kunst wie sie sein sollte: relevant, aktuell und poetisch — mit Herz und Seele, ohne Grenzen im Kopf. You go Alais!
Alais Clay - Propaganda Overload
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