Wir sollten aufhören, Geschlecht und Gender — womit die empfundene geschlechtliche Identität gemeint ist und nicht die biologischen Tatsachen — weiter in einen Topf zu werfen. Vielmehr sollten therapeutische Möglichkeiten geschaffen werden, die versuchen, genau herauszufinden, was sich hinter der Ablehnung des eigenen Geschlechts verbirgt. Natürlich gibt es Fälle, in denen man sich tatsächlich nicht damit identifizieren kann, aber ich bin sicher, dass es weitaus häufiger andere Gründe sind, die dazu führen.
Kürzlich hatte ich in der Praxis den tragischen Fall eines Mädchens, das vom Vater massiv abgelehnt wurde, weil sie nicht der gewünschte Junge geworden war und leider auch das einzige Kind blieb. Er wollte die ersten Jahre gar nichts mit ihr zu tun haben. Sie hat früh angefangen, sich zu ritzen. Eine psychische Störung wurde diagnostiziert, und mit dem Arzt war sie sich dann einig, dass die Ursache ihre Brüste sind, die sie sich mit 19 Jahren — vom Vater bezahlt — hat abnehmen lassen, um es wenige Wochen später zu bereuen. Und niemand hat die frühe Ablehnung überhaupt nur in Betracht gezogen.
Junge Menschen benötigen mehr Unterstützung, sich anzunehmen, wie sie sind. Und ganz gleich, wie man ist oder sein möchte, braucht es dafür in der Gesellschaft offene Räume, anstatt sich zu verstümmeln in einem Alter, in dem man die Folgen unmöglich überblicken kann. Man muss gerade Kinder und Jugendliche vor irreversibler Schädigung ihres Körpers bewahren, bevor man sie mit Operationen und lebenslangen Medikamentengaben zu Dauerpatienten macht. Derzeit werden Pubertätsblocker sogar schon von der Regierung beworben, wenn „jemand“ noch nicht weiß, ob er Mann oder Frau sein will (1).
Mir fehlen eigentlich nur noch die Worte.
Nicht nur Pubertät wird mit solchen Medikamenten unterdrückt, sie wirken sich auf alles aus: auf Knochendichte, Wachstum, Gehirnentwicklung und Körpergröße! Mit Pubertätsblockern wird eine normale Entwicklung verhindert, von den psychischen Nebenwirkungen ganz zu schweigen.
Wenn doch wenigstens die Ärzte auf die Barrikaden gingen!
Künstlichen Befruchtungen, Leihmutterschaften und Samenbanken steht durch die Genderbewegung in ganz neuer Form eine Hochkonjunktur bevor. Frauen lassen sich immer selbstverständlicher Spermien von vollkommen unbekannten Männern einpflanzen; wir züchten Embryos in Reagenzgläsern, und wenn wir diese nicht selber austragen können, nehmen wir uns eine Leihmutter. Kinder verlieren gänzlich ihren Ursprung.
Leihmutterschaft ist moderner Kinderhandel (2)
Es widerspricht auf das Schärfste der Würde des Menschen, ihn nicht mehr als Subjekt zu behandeln, sondern auf dem Weltmarkt der Reproduktionsmedizin als Produkt zu handeln! Menschenhandel zu verbieten, war ein langer Weg, der nun bei Babys erlaubt ist, ja sogar gesetzlich legalisiert werden soll, wie die Genderbewegung fordert.
Es ist alles mit allem verbunden, und am leichtesten ist das noch vorstellbar bei einem Kind, welches im Bauch seiner Mutter heranwächst.
Weder haben wir die leiseste Ahnung, was eine Mutter an Emotionen durchmacht, die für Geld ein Kind austrägt, noch wissen wir, in welchen Verhältnissen sie lebt oder was sie in ihrer Kultur prägt. Ob sie Gewalt erlebt oder erlebt hat, Armut, Unterdrückung, ob sie ihren Bauch hasst oder das Kind am Ende gar behalten wollte?
Wie sie sich ernährt, welche Gene und Krankheiten sie selber hat — so etwas tut man doch nicht aus Nächstenliebe, sondern in der Regel aus finanzieller Not. Alle Emotionen, alle Schwingungen werden sich im Leben des Kindes niederschlagen. Wie sollen wir darauf einwirken, wenn wir die Herkunft unseres „eigenen“ Kindes gar nicht mehr kennen? Seine Wurzeln nicht zu kennen, macht orientierungslos und krank.
Es will mir nicht in den Kopf, dass der Mensch diese Entwicklung als fortschreitende Freiheit empfindet und nicht spürt, wie weit er sich selbst von seinem Menschsein schon abgeschnitten hat. Es zeigt einfach nur überdeutlich, wo wir als ursprungslose Gesellschaft heute stehen, in der das innere Erleben mit dem, was wir im Außen vorfinden, kaum noch in Übereinstimmung zu bringen ist. Was diese Politik ebenso zwangsläufig mit sich bringen wird, ist, dass wir uns daran gewöhnen, dass Zeugung außerhalb des Körpers stattfindet und nicht mehr untrennbar zum eigenen Körper gehört.
Es müsste einen Aufschrei geben, stattdessen darf man sich schuldig fühlen, wenn man es gut findet, Mann oder Frau oder gar „nur“ Mutter zu sein. Dabei ist gerade zu Lebensbeginn gute Mütterlichkeit für die seelische Stabilität eines Menschen die wichtigste Basis (3).
Irgendwann finden wir es womöglich noch ganz normal, dass Menschen nicht mehr wissen, wo sie herkommen. Ein Mensch ohne Ursprung wird jedoch kaum stabilen Halt in sich finden. Er entspringt nicht mehr dem Gewachsenen seines eigenen Umfeldes; die Tomate mit der Wurzel in einer Nährstofflösung hat womöglich auch keine Erinnerung mehr an ihr ursprüngliches Tomatendasein und würde die Fortpflanzungsfähigkeit möglicherweise irgendwann auch aus sich heraus verlieren — wenn wir ihr das nicht schon vorher genommen hätten.
Die Bedeutung des (abgeschafften) Ursprungs werden wir vielleicht erst schmerzlich erkennen, wenn die heranwachsende Generation sich unter diesen Bedingungen immer schlechter orientieren kann und psychische Auffälligkeiten noch weiter zunehmen. Die Wurzeln sind elementar wichtig, und wir spüren das oft erst, wenn sie uns fehlen. Es ist unsere Ursehnsucht, zu wissen, wo wir herkommen, wer wir sind und wohin wir gehen.
Es ist ja schon problematisch, wenn ein Elternteil fehlt. Denn dann fehlt im Grunde auch der Spiegel und damit die Resonanz von einem Teil, der in gleicher Weise in mir angelegt ist. Dieser Teil wird mir im Bewusstsein verschlossen bleiben, weil ich ihn im Außen nicht wiederfinden und damit auch nicht erkennen kann. Aber ich trage diesen Anteil dennoch in mir, denn wir sind ja immer zu 50 Prozent auch der Vater.
Die künstlichen Befruchtungen mit fremden Samen, die immer weniger eine Seltenheit sind, erschweren das Finden der eigenen Identität noch mehr, vor allem dann, wenn diese Samenspenden anonym sind.
Wir erkennen uns im genetisch fremden Vater nie so wieder, als wäre es der eigene. Die Verwirrung bei einer Leihmutter müsste da noch um einiges größer sein, weil ich ja das, was ich in der Schwangerschaft erlebt habe, nicht mit dem, was ich nach der Geburt erlebe, in Übereinstimmung bringen kann. Viele Kinder spüren diese Fremdheit, ohne etwas zu wissen. Manche „Eltern“ verheimlichen sogar lange die wirkliche Herkunft. Es ist ungeheuerlich, was wir im Sinne der angeblichen Selbstbestimmung und der darin liegenden missverstandenen Freiheit unseren Kindern antun, die die Eltern von morgen sein werden.
In meiner Praxis habe ich mit auffallender Häufigkeit erlebt, dass Menschen, die ihren Vater gar nicht kannten oder nichts von ihm wussten — selbst bei Menschen, die lange gar keine Ahnung hatten, dass ihr Vater nicht ihr Vater ist —, sich unbewusst dieselben Berufe oder Hobbys gesucht haben. Es mutet an, als würde die Seele das in der Tiefe wissen. Es scheint wie ein unbewusster Versuch, sich in dem Unbekannten ein Stück zu verwurzeln, was dann leider nur funktional in der äußeren Tätigkeit möglich ist. Dennoch empfindet man durch das im Außen Erfahrbare etwas mehr Ruhe, eine Art Vollständigkeit.
Ich habe Menschen, die einen Teil ihrer Herkunft nicht kannten, immer dazu ermutigt, zu forschen, und einigen ist das auch gelungen. Manche haben dann sogar diese identischen Berufe oder Hobbys an den Nagel gehängt, als sie das erfahren haben. Sie waren regelrecht erlöst und konnten dann eigene Wege gehen. Sie haben ja in diesen Berufen unbewusst den Vater gesucht, und als sie ihn dann real hatten — und wenn es nur die Information über ihn war, weil er schon gestorben war oder keinen Kontakt wollte —, war es erleichternd, und sie mussten ihn nicht mehr in ihrem Tun suchen.
Wo führt uns das alles nur hin? Wir wollen uns frei fühlen, alles selbst entscheiden, unser Schicksal selbst bestimmen, und werden uns auf diesem Weg einfach nur hoffnungslos verirren in einer Welt, die uns keine natürlichen Grenzen mehr aufzeigt. Vielleicht gibt es dann nicht nur Samenbanken, sondern auch Gen-Datenbanken.
Es wird etwas geschehen mit der Art der Menschen, die nicht mehr wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind, oder nicht mehr wissen, wo sie herkommen. Der Mensch ohne Ursprung wird zur funktionalen Erscheinung werden. Es wird sich in der Art niederschlagen, in unseren Genen, im Charakter. (Anmerkung der Redaktion: Aus redaktionellen Gründen wurde der Text hier um eine Stelle gekürzt, die im Original weiterhin nachzulesen ist)
Die Evolution passt sich immer der Entwicklung und den Bedingungen an. Willfried Nelles (4), der beruflich sehr viel Zeit in China verbracht hat, machte die Beobachtung, dass viele Frauen dort sehr stark und sehr männlich sind. Die Mädchen waren aufgrund der Ein-Kind-Politik ja auch jahrzehntelang in Gefahr. Sehr viele wurden entweder gleich abgetrieben, in Waisenhäuser gegeben oder sogar getötet oder verkauft. Man wollte aufgrund der Tradition das männliche Geschlecht in der Familie als Nachfolger. Natürlich schlägt sich das in der Art nieder. Mädchen sein bedeutete dort Lebensgefahr.
Sehen wir nicht genauer hin, werden wir die Reproduktionsmedizin oder die Gentechnik mit all ihren Möglichkeiten der Zeugung — oder eines Tages vielleicht sogar die Klonung von Nachwuchs — sicher als Geschenk betrachten. Man wird sich gar keine Gedanken mehr machen, was man langfristig anrichtet, wenn man so tief in die Natur eingreift, und irgendwann finden das alle normal.
Wäre es nicht deutlich besser und heilsamer, eine Gesellschaft würde dabei unterstützen, dass man die Kraft findet, sich so anzunehmen, wie man ist? Und eine Toleranz dafür zu entwickeln, dass jeder den Menschen lieben kann, den er lieben will? Dann eben auch mit den Einschränkungen und vielleicht einem Verzicht auf eigene Kinder. Es gibt genug Kinder, die zur Adoption freigegeben sind und sich über ein neues Zuhause freuen würden, sodass wir unsere Ursehnsucht nach Familie dennoch stillen könnten. Warum treibt man stattdessen fern von jeder Natur die Zeugung im Reagenzglas mit Leihmüttern und anonymen Samenspenden voran — nur weil wir heute in einer Welt leben, wo wir Freiheit immer mehr damit verbinden, die Grenzen jedweder Schöpfung zu überschreiten?
Im Einklang mit sich und der Schöpfung zu leben, würde bedeuten, die Grenzen, die nun einfach mal gesetzt sind, anzunehmen. Schon im Samenkorn einer jeden Pflanze, eines jeden Baumes ist der gesamte Habitus angelegt, alle Eigenschaften sind in diesem Samenkorn enthalten, genau wie im Moment der Zeugung bei einem Menschen, wenn sich Samen und Eizelle vereinigen, bereits feststeht, was dieser Mensch an Anlagen, Neigungen und Eigenschaften mit in die Welt bringen wird.
Die Natur nimmt diese Grenzen an — ein Apfelbaum wird auch nie eine Eiche werden (wollen), ebenso wenig wird eine Maus Eigenschaften haben wie eine Katze, selbst wenn sie noch so gerne eine wäre.
Vielleicht verdrehen Sie die Augen bei solch absurden Beispielen, aber der Mensch tut nichts anderes — er hat die Grenzen seiner eigenen Bestimmung an so vielen Stellen schon lange verlassen und fühlt sich großartig, wenn er mehr „kann“, als die Natur in ihm angelegt hat. Die Genderdiskussion sollte sich vielmehr der Frage widmen, ob die Menschen ihren Verstand vollständig verloren haben, indem sie am Ursprünglichsten ansetzen, womit der Mensch geboren ist.
Allein das zeigt schon, auch ohne tiefer zu schauen, das zerstörerische Potenzial dieses Denkens, bei dem der Mensch ganz offensichtlich als Maschine behandelt wird, weil es nun immer leichter werden soll, ihn umzubauen. Es ist damit der erste reale Schritt der funktionalen Neuschöpfung des Menschen.
Setzt sich diese Entwicklung fort, hätten wir das Sprachproblem gleich mitgelöst: „Das Mensch“ passt dann für alle. Der Begriff Mutter wird ohnehin teilweise schon umgangen und durch „gebärende Person“ ersetzt. In Schweden — wie so oft Vorreiter für so einige fragwürdige Entwicklungen — gibt es bereits Kitamodelle, in denen die Kinder frei entscheiden dürfen, ob sie mit sie, er oder ES angesprochen werden wollen (5). Alles unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung, aber vor allem unter der Überschrift: Wir sind doch alle gleich!
Das sind wir eben nicht! In der Essenz sind wir alle EINS, aber nicht gleich. Wir sind jedoch definitiv alle gleichwertig und darüber hinaus viel mehr als unser Geschlecht. Eine Gleichberechtigung zwischen beiden (und allen) Geschlechtern sollte uns das höchste Ziel sein — einfach schon aus dem Grund, weil wir alle Menschen sind. Man kann jedoch nie nur die materielle Ebene, in dem Fall den Körper, betrachten, denn wir sind alle auch geistige Wesen.
Rudolf Steiner hat dazu sehr eindrücklich geschrieben:
„Die Seele gestaltet sich zu allen Zeiten ihren Leib (…), man kann nun sagen, dass der männliche Leib eine weibliche Seele hat und der weibliche Leib eine männliche. Diese innere Einseitigkeit wird durch die Befruchtung im Geiste ausgeglichen. Das Äußere wird durch den anderen Menschen befruchtet. Mann und Frau sind durch die männlich-weiblichen Anteile der Seele in ihrem Inneren vollkommenere Geschöpfe. Im Äußeren sind sie verschieden, im Inneren verschmelzen Seele und Geist zu einer Einheit. Der Mensch ist in Frau und Mann derselbe (6).
Das Natürliche wurzelt in der Differenz zwischen Mann und Frau, die nur in der Seele ausgeglichen werden kann (...). Je mehr die Menschen das Geistige in sich fühlen (…), desto mehr lernen sie den Menschen zu verstehen, wenn sie in die Tiefe der Seele sehen (…).
Der Mensch ist in Wahrheit ein Doppelwesen (7). Solange man jedoch nur den physischen Leib anerkennt, kann etwas Vernünftiges nicht herauskommen. Man muss das Geistige anerkennen, was dahinter ist. Durch das Männliche erscheint uns im Manne seine innere Weiblichkeit und durch das Weibliche in der Frau ihre innere Männlichkeit. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je mehr wir hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied in Bezug auf ihr Leben“ (8).
Diese Gedanken und Worte kann man einfach mal wirken lassen. Sie drücken deutlich aus, dass der Mensch, wie alles in der Welt, aus sich heraus ebenfalls ein polares Wesen ist, welches die Einheit zuerst einmal in sich finden muss und nicht über eine Ersatzvollständigkeit durch einen Partner. Und wenn die kosmischen Gesetze wirken und oben wie unten, innen wie außen und nicht gelebte Inhalte als Funktion erscheinen (müssen), dann wäre die Genderpolitik in der aktuellen Form ein funktionaler Ersatz, nicht nur für die fehlende Einheit der Geschlechter untereinander, sondern auch für die fehlende seelisch-geistige Einheit in uns selbst. Beides spricht die Sprache der unbewussten Sehnsucht nach der in uns (und in der Welt) angelegten Einheit.
Im zweiten Clemensbrief, Kap. XII, drückt sich das in ganz anderen Worten aus. Dort heißt es, dass Jesus sagte, als er einst gefragt wurde, wann sein Reich käme:
„Es wird kommen, wenn zwei und zwei eins sind, wenn das Äußere gleich dem Inneren und wenn es weder männlich noch weiblich gibt“(9).
Die in der Evolution angelegte Entwicklung der Geschlechter findet zwar schon längere Zeit statt, indem die Frau ebenso ihre männlichen und der Mann seine weiblichen Anteile lebt. Das allein reicht jedoch nicht aus und spiegelt über die vielen kaputten Beziehungen wider, dass weder ein Ankommen in sich selbst noch die äußere Vereinigung bislang gelungen ist.
Es mutet an, als solle auch das nun funktional geschehen — denn jede Entwicklung drängt ins Leben —, auch wenn sie nur noch in verhinderter Form möglich ist. In der Genderpolitik soll die in uns angelegte Einheit sehr wahrscheinlich unbewusst, aber dennoch offensichtlich auf der funktionalen Ebene erreicht werden, was im Grunde auf dieser Ebene folgerichtig ist, wenn die Einheit auf der geistigen Ebene nicht mehr möglich ist.
Ist es nicht vielmehr so, dass es jetzt an der Zeit wäre, diese Einheit im Innen und Außen durch geistige Reife zu entwickeln? Die Integration der Schatten würde quasi wie in einem ersten Erkenntnisschritt auf der Seelenebene als Basis dazugehören, damit in jedem Selbst eine liebevolle Einheit der polaren Anteile entsteht und man beides leben kann anstatt des beliebigen Geschlechts. Dieser Prozess ist für eine innere Vollständigkeit unerlässlich.
Es ist bemerkenswert, dass gerade in der Zeit vor der Coronakrise, in der die normale Familie einschließlich ihrer Geschlechterrollen zunehmend abgeschafft werden sollte, wir durch die Krise und das zwangsweise verordnete Zuhausebleiben genau damit konfrontiert waren und sich dieses Thema auch inhaltlich offenbar noch einmal in unser Bewusstsein drängen „wollte“.
Nur ist es uns wirklich bewusst geworden? Eher nicht, würde ich sagen, oder nur sehr begrenzt. Wenn wir nicht anhalten und die Manifestation der funktionalen Einheit weiter vorantreiben, dann trägt auch diese Entwicklung massiv dazu bei, dass das Menschsein auf der geistigen Erkenntnisebene mehr und mehr stirbt. Kaum jemand begreift in der unsäglichen Tiefe, was da eigentlich Zerstörerisches geschieht. Ich selbst kann es ebenso nur erahnen, empfinde das aber alles als so haarsträubend, dass ich es in Worten kaum ausdrücken kann. Denn spätestens damit wird die Zerstörung des Ursprungs offenbar und, wenn das so weitergeht, auch nicht mehr aufhaltbar. Das ist noch schlimmer als die Zerstörung der uns umgebenden Natur, die sich ja mit unglaublicher Kraft immer wieder regeneriert.
Aber wenn ich Vater und Mutter aufhebe (selbst wenn es erstmal „nur“ über die Sprache geschieht) (10), dann hebe ich Himmel und Erde auf. Und es bereitet ebenso den Weg in eine transhumanistische Zukunft, weil wir im ersten Schritt vor allem die Emotionen zu diesen „Begriffen“ verlieren werden und die Technik auf weniger Widerstand stößt, je weiter sie in diesen Bereich eindringt. Das ist der Anfang vom wirklichen Ende. Wir schaffen uns ab. Wirklich bewusst werden kann einem dieses Drama in der Tiefe wahrscheinlich nur über das Begreifen, durch den eigenen Seelenweg, auf dem man sich in seinem eigenen Dasein spürt. Intellektuell ist das kaum fassbar.
Erst wenn wir erkennen, dass es nicht „nur“ um die Gleichberechtigung geht, sondern vor allem um einen inneren Reifeprozess und ein seelisch-geistiges, erwachsenes Miteinander der Geschlechter, dann würde sich die Gleichberechtigung durch unsere vertiefte Sicht auf das Leben ganz automatisch einstellen.
Und wirklich gleichwertig gegenüberstehen können wir uns, wenn wir uns als seelisch und geistig entwickelte Persönlichkeiten begegnen und nicht vordergründig als Geschlechter. Das ist doch die Ebene, die wir anstreben sollten. Dann könnten Mann und Frau sich auf ganz wunderbare Weise geistig befruchten, anstatt miteinander zu kämpfen. Es würde eine ganz neue Art des Denkens, Fühlens und Handelns entstehen, eine neue Epoche der Sprache, der Poesie und auch der Kunst (11). Erst dann haben die vielen unbefriedigenden Beziehungen in unserer aktuellen Zeit eine echte Chance, sich in liebevolle zu wandeln. Und dann verändert sich auch die Welt.
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Quellen und Anmerkungen:
(1) https://www.stern.de/gesellschaft/pubertaetsblocker--regierung-laesstpassagen-auf-regierungsseite-aendern-32813000.html
(2) Birgit Kelle: Noch normal, Seite 163
(3) Hans-Joachim Maaz: Der Lilith Komplex, Seite 171
(4) Wilfried Nelles: Die Welt, in der wir leben.
(5) https://www.kita.de/wissen/geschlechtsneutrale-erziehung/
(6) Rudolf Steiner: Spirituelle Perspektiven, „Sexualität“, Seiten 8 folgende
(7) Rudolf Steiner: Spirituelle Perspektiven, „Sexualität“, Seite 16
(8) Rudolf Steiner: Spirituelle Perspektiven, „Sexualität“, Seite 20
(9) Gottfried von Purucker: Esoterische Philosophie, Seite 101
(10) Heute heißt es ja in den verschiedensten Bereichen, die sich für aufgeklärt halten, nur noch „Mensch mit Uterus“. Frauen gibt es schon gar nicht mehr. https://doctorsforchoice.de/ueber/begriffe/menschen-mit-uterus/
(11) Birgit Grube-Kersten: „Warum noch Mann und Frau“, Seite 59




