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Das Land der Steine

Das Land der Steine

Das von Kriegen und fremder Herrschaft gebeutelte Land Armenien ist eine Schnittstelle zwischen West und Ost.

„Land der Steine“, so nennen die Armenier ihr Land, das im Herzen des Kaukasus liegt. Und diese Bezeichnung beschreibt das Gebiet, das etwa die Größe Belgiens hat, sehr gut. Es wird zu einem großen Teil beherrscht von kargen, schroffen Bergen und steiniger, rötlich-brauner Erde. Gerade im Winter erweckt diese Landschaft den trostlosen Eindruck einer felsigen Wüste, die in den höheren Lagen von in der Sonne blendend leuchtendem Schnee bedeckt ist. Lediglich graues Gestrüpp oder untersetzte Bäume im Winterschlaf lassen vermuten, dass diese Ödnis im Frühling in Grün erblüht. Wälder sucht man in großen Teilen des Landes allerdings vergeblich. Es sind Berge und Felsen, Schluchten und Höhlen, die das Land dominieren, eine zwar karge, aber doch auch sehr beeindruckende Landschaft, welche die Frage aufwirft, wie Menschen es geschafft haben, in dieser Gegend zu leben.

Das einzige Flachland des Landes ist die Ararat-Ebene, benannt nach dem beeindruckenden, markanten Berg, der sie dominiert. Hier bauen die Armenier unter anderem auch Granatäpfel an, die Symbolfrucht des Landes, die man an beinahe jeder Ecke kaufen kann. Und hier liegt auch die Hautstadt Jerewan, die mit ihren über eine Million Einwohnern mehr als ein Drittel des ungefähr drei Millionen Einwohner zählenden Landes beherbergt. Die Stadt mit ihren vielen Geschäften, Restaurants, Bars, Cafés, Firmensitzen und Banken, den mit Autos vollgestopften Straßen und mit Fußgängern überquellenden Gehwegen, steht einer gewöhnlichen europäischen Großstadt in nichts nach. Dass man sich hier in einem ärmeren Land Kleinasiens aufhält, rufen gelegentlich lediglich die um Geld bettelnden Menschen oder die äußerst friedlichen, streunenden Hunde in Erinnerung.

Jerewan ähnelt einer europäischen Großstadt, doch zusätzlich ist das Land durch seine Geschichte stark von russischen Einflüssen geprägt, was dazu führt, dass man hier auch vieles findet, was es in Europa nicht gibt.

So ergeben verschiedene Waren – seien es russische Süßigkeiten und Backwaren, westliche Technik und Firmen oder chinesische Fahrzeuge – einen Schmelztiegel von so ziemlich allem, was man sich vorstellen kann, und alles davon ist rund um die Uhr erhältlich. Denn Geschäfte, Friseursalons und die unzähligen Barbiere, auch Arztpraxen, sind dauerhaft geöffnet, sieben Tage die Woche. Wer also mitten in der Nacht beschließt, sich die Haare schneiden zu lassen, kann das durchaus tun, und wem auffällt, dass ihm die Milch ausgegangen ist, kann auch noch tief in der Nacht Nachschub besorgen. Die Stadt Jerewan scheint niemals zu schlafen und ergeht sich in ständiger Betriebsamkeit, in beinahe jeder Ecke und in jedem Winkel.

Denn Geschäfte, Salons, Cafés und Restaurants findet man überall. Beinahe jedes Gebäude beherbergt etwas davon in seinem Untergeschoss, bis weit hinaus in die Außenbereiche der Stadt, die schon sehr an die ärmlichen Stadtteile asiatischer und südamerikanischer Länder erinnern. Jeder versucht, auf die eine oder andere Weise hier sein Glück zu machen, was vielleicht auch ein Hinweis auf die existenzielle Not der Menschen ist. Bei einem solchen Überangebot fragt man sich unweigerlich, wie die Menschen damit zurechtkommen, wie sie überleben.

Denn Armenien ist kein reiches Land, obwohl dieser Eindruck durch das Überangebot westlicher Waren erweckt wird.

Die Menschen tragen westliche Kleidung, während sie mit ihren Smartphones oder dem Coffee-to-go die Einkaufsstraßen hinabschlendern. Der westliche Konsum- und Kosmetik-Lifestyle wird auch hier demonstrativ zur Schau gestellt. Besonders beliebt sind Schönheitsoperationen, die von erstaunlich vielen jungen Frauen in Anspruch genommen werden, meist, um sich die Nase richten zu lassen.

Auch das Auto ist hier sehr präsent. Tagsüber verstopft der Verkehr die Straßen und füllt die Luft mit Abgasen, nachts ist es kaum anders. Über die Taxi-App des russischen Konzerns Yandex verdienen sich viele mithilfe ihres Autos etwas dazu oder machen das Autofahren gar zu ihrem Hauptberuf. Auf diese Weise ist es leicht, für einige hundert bis wenige tausend armenische Dram, also ein bis vier Euro, die Stadt zu durchqueren. Was einem dabei begegnet, ist hauptsächlich der „Charme“ eines postsowjetischen Landes. Denn das Stadtbild ist von den Architekten der Sowjetunion gravierend verändert worden. Die ehemals persischen Einflüsse, Zeugnisse der persischen Herrschaft, mussten Plattenbauten weichen, und den alten, armenischen Gebäuden erging es kaum anders. So ist auch das moderne Jerewan noch beherrscht vom sowjetischen Bombast betonlastiger, klobiger Bauten, die oft Anleihen an römischer oder griechischer Architektur nehmen.

Oft zum Einsatz kommt dabei auch der einheimische Tuffstein, mit dem die Armenier schon seit Jahrtausenden Gebäude errichten. Denn bei den Armeniern handelt es sich um eine sehr alte Kultur. Allein die Hauptstadt Jerewan datiert mehr als 2.800 Jahre zurück, wobei man von dieser reichhaltigen Geschichte heute nur noch an wenigen Ecken der Stadt etwas entdecken kann. Historisch im armenischen Hochland rund um den Berg Ararat angesiedelt, leben sie heute allerdings nur noch auf einem Teil dieses Gebietes. Denn der Rest davon liegt auch in der heutigen Türkei und der autonomen Republik Nachitschewan sowie in Aserbaidschan. Der Berg Ararat, der von Jerewan aus nahezu immer sichtbar ist, liegt bereits jenseits der türkisch-armenischen Grenze. Er wurde nach dem türkisch-russischen Krieg Anfang des 20. Jahrhunderts von Russland der Türkei überlassen.

Vom Schicksal geschlagen

Für die Armenier ist das besonders schmerzhaft, hat der Berg für sie doch eine besondere kulturelle Bedeutung. Überall ist er präsent, sei es im Namen der ausgezeichneten Cognac-Destillerie, in Warenmarken oder in Namen von Unternehmen. Hier auf dem Berg ist, der Legende zufolge, die Arche Noah nach ihrer langen Irrfahrt über das durch die Sintflut entstandene Meer angelandet. Für Armenien, das als erster Staat der Welt das Christentum als Staatsreligion angenommen hat, ein wichtiges Ereignis. Umso schlimmer für die Armenier, dass sich der Berg heute nicht mehr auf ihrem Staatsgebiet befindet und die Grenze zur Türkei fest verschlossen ist.

Überhaupt wurden die Armenier in der jüngeren Geschichte arg gebeutelt. Nach dem Untergang der großen mittelalterlichen Reiche wurden sie im Wechsel von den Persern, den Osmanen und den Russen beherrscht, und schließlich als Armenische Sowjetrepublik in die Sowjetunion eingegliedert. Dazwischen gab es immer wieder kurze Perioden der Unabhängigkeit. Erst seit dem Untergang der Sowjetunion konnten die Armenier wieder zu einer unabhängigen Republik gelangen. Im Laufe dieser Herrschaft durch Fremde wurden die Armenier immer wieder Opfer von Gewalt und Massakern, sei es durch die Perser, die Kurden oder die Osmanen. Dies erreichte im Ersten Weltkrieg seinen Höhepunkt, als ab 1915 massenhaft Armenier vom Osmanischen Reich verfolgt, getötet oder in die syrische Wüste vertrieben wurden, wo die meisten von ihnen starben. Die Armenier sprechen hier von 1,5 Millionen Toten. Die Türkei geht auch heute noch von etwa 300.000 Toten aus, verteidigt die Maßnahmen aber als Notwendigkeit, da die Armenier das Osmanische Reich verraten hätten. Zudem habe es Massaker an Muslimen seitens der Armenier gegeben, und die Vertreibung der Armenier sei nur eine Reaktion darauf gewesen.

Auch der kulturelle Verlust für die Armenier war immens und ist kaum zu ermessen. Kirchen, Klöster, Schulen und andere kulturell bedeutende Einrichtungen wurden zerstört, Intellektuelle verhaftet, Kunst- und Kulturgüter vernichtet. Im Zuge der Ereignisse kam es zu großen Auswanderbewegungen. Heute lebt der größte Teil des armenischen Volkes in der Diaspora, überall in der Welt verteilt. Schätzungsweise drei Millionen Einwohnern des Landes stehen etwa sieben Millionen in alle Welt verstreut lebende Armenier gegenüber, darunter bekannte Namen wie die Familie Kardashian oder die Mitglieder der Band System of a Down. Doch ihr gemeinsames Schicksal eint das armenische Volk auch heute noch. In Jerewan ist diesem ein Denkmal mit einem eigenen Museum gewidmet, und der 24. April, der Tag der Massenverhaftungen armenischer Intellektueller im Osmanischen Reich, wird als Gedenktag begangen.

Eine internationale Aufarbeitung der Vorkommnisse hat es jedoch kaum gegeben. In Deutschland war es während des Ersten Weltkrieges verboten, davon zu berichten, weil das Osmanische Reich ein Verbündeter im Krieg war. So erfuhren die Deutschen erst viel später vom Schicksal der Armenier. In anderen Ländern wurde sehr ausführlich darüber berichtet, und mit internationaler Hilfe aus Großbritannien, Frankreich, den USA und anderen Ländern gelang es, viele Armenier zu retten. Doch die Aufarbeitung scheiterte an den Wirren der Zwischenkriegszeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Türkei ein enger Verbündeter des Westens, den man nicht vergrämen wollte. So fand das Thema keinerlei Beachtung mehr, und auch in der Sowjetunion, zu der Armenien in der Zeit des Kalten Krieges gehörte, wurde nicht über die Ereignisse, die heute von nicht wenigen Ländern als Völkermord bezeichnet werden, gesprochen.

Politische Gratwanderung

Auch heute ist die Situation des Landes schwierig. Umgeben von drei muslimischen Nachbarstaaten – der Türkei, Aserbaidschan und dem Iran – sowie der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan, liegt das Land ziemlich isoliert. Viele Armenier sind davon überzeugt, dass ihre muslimischen Nachbarn sie vernichten wollen, eine Überzeugung, die angesichts ihrer Geschichte zumindest nachvollziehbar ist. Internationale Aufmerksamkeit findet das Land nur, wenn es wieder einmal zum Krieg mit dem Nachbarn Aserbaidschan kommt, der sich meist auf die Region Arzach, die mehrheitlich von Armeniern bewohnt ist, erstreckt. Um diese kämpften die beiden Länder nach dem Ende der Sowjetunion.

Arzach hatte sich im Zuge dessen zu einer von Aserbaidschan unabhängigen Republik erklärt, die von Armenien unterstützt wird. Im Jahr 2020 flammte der Krieg dann erneut auf, und Aserbaidschan eroberte große Teile Arzachs zurück. Armenien musste sich von dort zurückziehen, da es militärisch dem Feind weit unterlegen ist. Der aserbaidschanische Rüstungshaushalt ist etwa so groß wie der gesamte armenische Staatshaushalt. Zwar gilt Russland gemeinhin als Schutzmacht Armeniens, allerdings liefert Russland ebenso Waffen an Aserbaidschan und interveniert höchstens, um Waffenstillstandsabkommen auszuhandeln. Beide Länder sind ehemalige Sowjetrepubliken, und zu beiden will das ehemalige Mutterland gute Beziehungen unterhalten.

So haben sich in Armenien Selbstverteidigungskräfte gebildet, die nicht der regulären Armee angehören. Es sind Bürger, die sich im Falle eines Angriffs verteidigen können wollen und daher für den Kampf üben. Die Hoffnung, dass dies in absehbarer Zeit nicht notwendig sein wird, besteht.

Zuletzt hat der armenische Premierminister Nikol Paschinjan Aserbaidschan ein Friedensangebot unterbreitet, das den de facto schon seit einem Jahrhundert schwelenden Krieg beenden soll. Allerdings steht er innenpolitisch unter Druck, da das Waffenstillstandsabkommen von 2020 von vielen Armeniern abgelehnt wird. Grund dafür ist, dass es große Teile Arzachs Aserbaidschan überlässt. Es wird sich zeigen, ob sich die Situation in Richtung Frieden und Entspannung entwickelt.

Kultureller Reichtum

Noch heute ist Armenien stark christlich geprägt. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass nicht wenige Autofahrer sich stets bekreuzigen, wenn sie eine Kirche sehen. Kirchen und Klöster sind in dem kleinen Land sehr präsent, und man findet sie auch an den unmöglichsten Orten, wie ganz hoch oben in den Bergen. Das Christentum ist integraler Teil der armenischen Kultur, die mit ihrem Reichtum der öden Landschaft diametral entgegensteht. So sind die Armenier das Volk, welches als erstes damit begann, Wein zu kultivieren und zu keltern. Die Küche ist reichhaltig und vielfältig, und das in der Ararat-Ebene angebaute Obst und Gemüse reift durch die rund 320 Sonnentage im Jahr bestens. Die Menschen scheinen offen und herzlich zu sein, vielleicht verbunden durch das Wissen um ein gemeinsames Schicksal. Doch auch Ausländern gegenüber sind sie offen und aufgeschlossen. Gastfreundschaft wird in Armenien großgeschrieben, was sich auch darin äußert, dass es zum guten Ton gehört, die Sprache des Gastes zu sprechen.

Es liegt eine kaum erklärbare Tiefe in dieser Kultur, die man als beiläufiger Beobachter zwar erahnen, aber nicht wirklich begreifen kann. Sie drückt sich aus in der traditionellen Musik, die zwischen fröhlich feiernd und getragen trauernd wechselt, und in den Tänzen, die – ebenso wie Teile der Musik – sehr vom persischen Kulturraum beeinflusst sind. Bei all dem liegt die Ahnung einer geteilten Geschichte in der Luft; ein Verständnis, auf das sich alle Armenier scheinbar stillschweigend einigen können. Doch auch an modernen und westlichen Einflüssen fehlt es nicht. So findet man in Jerewan eine junge, aber sehr lebendige Jazz-Szene, die sich in speziellen Bars zusammenfindet. Im Radio hört man Rap-, Rock- und Popmusik, wie sie auch in jedem anderen Land Europas anzutreffen ist. Doch Armenien ist auch offen gegenüber russischen Einflüssen. So ist das Land eine interessante Schnittstelle zwischen West und Ost. In Europa zensierte russische Medien können hier ebenso problemlos aufgerufen werden wie soziale Netzwerke wie Facebook, die in Russland gesperrt sind. Für Ausländer wirkt Armenien daher wie ein Hort der Freiheit.

Es ist also wenig verwunderlich, dass man in diesem Land viele Russen antreffen kann. Schon seit der Zeit des Zarentums ist es aufgrund seines warmen Klimas ein beliebtes Reiseland für Russen, und mit Russischkenntnissen kommt man oft weiter als mit Englisch. Denn nach wie vor ist Russisch eine verbreitete Sprache, und viele Armenier können sich neben ihrer Muttersprache Armenisch mühelos in mindestens einer der beiden Sprachen Russisch oder Englisch verständigen, nicht selten sogar in allen dreien, wobei sie damit gleichzeitig drei verschiedene Alphabete beherrschen. Die Anzahl der Russen hier ist seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine noch einmal gewachsen. Viele fliehen vor der befürchteten Einberufung in den Militärdienst, und so ist Armenien eines ihrer Ziele, das sie auch ohne Visum erreichen und in dem sie sich verständigen können.

Auch russische Unternehmen wie beispielsweise Gazprom oder Rostelecom sind in diesem Land präsent. Die Infrastruktur des Landes beruht zumindest teilweise auf russischen Unternehmen und Ressourcen, ein Grund, warum sich das Land an den westlichen Sanktionen nicht beteiligt. Politisch versucht es einen Spagat zwischen beidem. Der derzeitige Premierminister Nikol Paschinjan hatte sich vor seiner Amtsübernahme noch dagegen ausgesprochen, der Eurasischen Wirtschaftsunion beizutreten, und nach seinem Amtsantritt einen Austritt erwogen, diesen allerdings nicht durchgesetzt. Armenien ist Mitglied der von Russland geführten Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit und erlaubt Russland, sein Militär im Land zu stationieren. Dieses bewacht zudem die Grenze zur Türkei und zum Iran, und ist auch in Arzach stationiert. Auch zum Iran bestehen gute Beziehungen. Zwischen beiden Ländern wurden mehrere Abkommen, vor allem in Bezug auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit geschlossen. Gleichzeitig orientiert sich das Land auch nach Westen, ist in diversen Formaten mit der EU in Kontakt und nimmt auch an kulturellem Austausch zum Westen hin teil, beispielsweise am Eurovision Song Contest.

Armenien ist damit eine Schnittstelle zwischen beiden Blöcken, ermöglicht den Kontakt in den Iran ebenso wie nach Russland, und hat das Potenzial eines Brückenkopfes vom Westen in diese Regionen. Diese Stellung ist auch dem Westen bewusst, und so setzt er einiges daran, das Land in die eigene Einflusssphäre zu ziehen. Nach dem letzten Kriegsausbruch mit Aserbaidschan im Herbst des letzten Jahres beeilte sich die US-amerikanische Diplomatin Victoria Nuland, nach Jerewan zu reisen und dem Land seine Solidarität auszusprechen. Vertreter der EU und der USA waren an der Verhandlung des Waffenstillstandsabkommens beteiligt. Auch mit der NATO kooperiert Armenien, und es ist Teil der NATO-Partnerschaft für den Frieden. Militärisch will das Land allerdings neutral und wirtschaftlich möglichst unabhängig bleiben, was dazu geführt hat, dass das Land gemeinsam mit dem Iran eine Erdölpipeline eröffnet hat, die die Unabhängigkeit von Russland stärken sollte.

Armenien ist in jeder Hinsicht ein vom Schicksal gebeuteltes Land, hat aber viel Potenzial. Vor allem die geostrategisch günstige Lage und die Brückenfunktion zwischen West und Ost machen es zu einem wichtigen Land, das es schwer damit hat, seine Unabhängigkeit zu bewahren.

Das kleine Land im Kaukasus hat viele Probleme. Armut gehört ebenso dazu wie eine deutlich erkennbare Umweltverschmutzung. Es gibt Gründe, aus denen die weit verstreute Diaspora nicht in das Land zurückkehrt. Dazu gehört sicherlich die unsichere politische Situation, in der ständig Krieg droht, und auch, dass die meisten Armenier im Ausland ihr Leben eben dort eingerichtet haben und dieses nicht einfach hinter sich lassen können. Auch die Vorstellung, weitere sieben Millionen Menschen in diesem Land anzusiedeln, ist sicherlich wenig verlockend. Zersiedelt, wie es zumindest die Ararat-Ebene schon ist, würde eine solche Einwanderungswelle dem Land sicherlich nicht guttun, und schon jetzt fehlt es an vielen Orten an Geld, um die Wohnungen instand zu halten. Gleichzeitig aber bieten sich Armenien große Chancen, und das Land verfügt über eine starke, vielfältige und interessante Kultur. Auch, wenn es das „Land der Steine“ genannt wird, so ist es doch eine Perle im Kaukasus.


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