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Der globale Staatsstreich

Der globale Staatsstreich

Es gibt nur einen wirklichen Mythos: die Annahme, es gebe keine Verschwörung. Die Übernahme der Welt wurde lange vorbereitet und geht nun in die Zielgerade. Teil 2/3.

Eine Weltordnung nach den Wunschvorstellungen angelsächsischer Eliten ist ein Faktum, wie der brisante Inhalt des 1974 in Foreign Affairs abgedruckten Aufsatzes „The Hard Road to World Order” von Richard N. Gardner bestätigt. Der Inhalt des Aufsatzes kann nicht nur die Eingangs erwähnten Forderungen der BRICS-Staaten ziemlich gut erklären, er bestätigt auch das, was David Rothkopf 2009 in „Superclass: The Global Power Elite and the World They Are Making” im Detail ausführt – nämlich, dass die Mächtigen aller Länder mehr Loyalität zueinander als zu ihren Nationen hätten. Gardner schreibt:

„Doch noch nie hat es eine breitere Anerkennung der globalen intellektuellen Führer hinsichtlich der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit und Planung auf einer wirklich globalen Basis, über Länder über Regionen und insbesondere über Gesellschaftssysteme hinweg gegeben. Noch nie hat es ein so außergewöhnliches Wachstum des konstruktiven Potenzials von transnationalen privaten Organisationen – nicht nur multinationalen Unternehmen, sondern auch internationalen Vereinigungen jeder Art gegeben, in denen Gleichgesinnte auf der ganzen Welt wirksame Muster des globalen Handelns spinnen. Und noch nie haben wir ein so beeindruckendes Feld von laufenden Verhandlungen gesehen, die auf die kooperative Bewältigung globaler Probleme zielen. Zu bekannten Begriffen wie der ‚Bevölkerungsexplosion’ und der ‚Kommunikationsexplosion’ sollten wir nun die ‚Verhandlungsexplosion’ hinzufügen.”

Mit Gründung der UNO am 24. Oktober 1945 kamen die angelsächsischen Internationalisten ihrem Ziel einer neuen Weltordnung schon ein gutes Stück näher. Und die Europäische Union (EU) – wie wir später noch sehen werden – könnte als erster Schritt in eine solche Weltordnung fungieren. Um die Errichtung einer Weltordnung zu beschleunigen, gründete der Labour-Abgeordnete im britischen Parlament, Henry Usborne, 1947 die parteiübergreifende parlamentarische Gruppe für die Weltregierung (PGWG).

Die Gruppe erarbeitete Studien und Maßnahmen zur Etablierung einer Weltregierung. Obwohl Winston Churchill kein Mitglied der Gruppe war, hegte er offensichtlich große Sympathie für deren Ansichten und erklärte: „Die Schaffung einer kooperativen, allmächtigen Weltordnung ist das letzte Ziel, auf das wir hinarbeiten müssen.”

1951 gründete die PGWG den One World Trust (OWT) als ihren wohltätigen Arm. Der Trust, der noch immer existiert, fördert eigenen Angaben zufolge Bildung und Forschung zu Veränderungen in der Weltordnungspolitik. Diese Arbeit, so ein Statement auf der Website, wäre noch nie so aktuell wie heute gewesen. In einem Dokument „A world that works for everyone” beschreibt der Trust im Detail wie er sich die kommende Weltordnung für uns alle vorstellt.

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Abbildung 1: Das Organigramm der „World Community Council Architecture”, das obigem Dokument entnommen ist, zeigt, wie sich die Internationalisten des OWT den Aufbau ihrer Weltregierung im Detail vorstellen. Quelle: „A world that works for everyone”.

Der One World Trust ist keine unbedeutende NGO, Vorsitzender der Treuhänder ist Robert Whitfield, ein ehemaliger Senior Vice President von Airbus Industries. Vizepräsidenten sind unter anderem Lord Foulkes of Cumnock und Baroness Whitaker, beide Mitglied im House of Lords, sowie Sir David Knox und Gavin Strang, beides ehemalige Mitglieder im House of Commons.

Wie NGOs und Aktivisten die Weltregierung vorantreiben

Auf der Website des Trusts finden wir auch die Bekanntmachung, dass im April 2021, also während der schlimmsten Pandemie aller Zeiten, die NGOs Civicus, Democracy International und Democracy Without Borders eine internationale Kampagne für eine integrative Global Governance – ein Euphemismus für Weltregierung – gestartet hätten. Unter der Überschrift „We, the Peoples” (dt. „Wir, die Völker”) fordert das gemeinsame Dokument etwas ganz ähnliches wie die BRICS-Staaten: Eine Reformierung der UN.

Explizit wird die Einrichtung einer parlamentarischen Versammlung bei der UN (UNPA), die Schaffung des Instruments einer Weltbürgerinitiative sowie ein UN-Beauftragter für die Zivilgesellschaft gefordert. Das ach so demokratisch klingende Wort „Zivilgesellschaft” darf nicht falsch interpretiert werden, es handelt sich dabei keineswegs um Sie oder mich, sondern ausschließlich um nicht demokratisch legitimierte NGOs, die nur vorgeben, die „Zivilgesellschaft” zu repräsentieren.

Der Aufruf zur Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung wird aktuell von 1850 Abgeordneten aus 137 Ländern unterstützt. In Deutschland unterstützen insgesamt 1.437 Personen die Kampagne, davon sind 105 Mitglieder des Parlaments. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hat ihre Unterstützung bereits am 18. Dezember 2013 zugesagt. Weshalb die Mehrheit der „Zivilgesellschaft” keinen Schimmer von diesen Kampagnen hat, obwohl diese ihr Leben massiv verändern werden, ist die wohl wichtigste Frage, die gestellt werden sollte.

Doch sehen wir uns die Kampagne für eine UNPA einmal etwas genauer an. Vorgesehen ist, dass die geforderte Parlamentarische Versammlung zunächst aus nationalen Parlamentariern zusammengesetzt sein soll. Nach und nach soll sie mit umfassenden Informations-, Beteiligungs- und Kontrollrechten ausgestattet werden, um in einem späteren Schritt direkt gewählt zu werden. Es geht hier also tatsächlich um die schrittweise Errichtung einer Weltregierung bei den UN.

Am 26. Januar 2022 schlossen sich auch über 120 amtierende Parlamentarier aus mehr als 40 Ländern dieser Forderung der „Zivilgesellschaft” an und veröffentlichten eine Erklärung, den „demokratischen und partizipativen Charakter” der UN zu stärken. Die vollständige Erklärung und Pressemitteilung finden Sie hier.

Eine Regierung durch das Volk und für das Volk?

Um eine möglichst breite Zustimmung für eine solche Weltregierung zu erhalten, werden die Kampagnen von Democracy without Borders in watteweichen UN-Jargon verpackt. Mit dem Schlagwort Demokratieförderung und dem Totschlagargument des Klimawandels sollen diese Ideen erfolgreich an den Mann und die Frau gebracht werden. So wird die UN-Weltbürgerinitiative beispielsweise unter dem Vorwand einer Regierung durch das Volk und für das Volk verkauft. Die Zivilgesellschaft könne im Zeitalter der Globalisierung, wo bedeutende öffentliche Entscheidungen mehr und mehr jenseits des Nationalstaats getroffen würden, nur durch eine Weltbürgerschaft eine demokratische Mitbestimmung erlangen.

Und was wäre eine Kampagne für eine Weltregierung ohne den weltweit wütenden Klimawandel, gegen den jedes noch so sachliche Argument im Sand verlaufen muss: „Wir wissen seit über 30 Jahren, dass die Kohlenstoffemissionen reduziert werden müssen, aber wir haben es versäumt, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, und riskieren eine Umweltkatastrophe.”

Um diese Katastrophe erfolgreich abzuwenden, brauche es eben eine parlamentarische Versammlung, die sich dafür einsetzt, dass im besten Interesse „aller Menschen” entschieden würde.

Ist das Satire oder schon Sarkasmus? Welcher denkende Mensch, der mit der Geschichte der Demokratie vertraut ist, glaubt tatsächlich an eine „Regierung durch das Volk und für das Volk”? Ein Mitspracherecht wird der entwurzelte Weltbürger genauso wenig besitzen, wie der nationale Staatsbürger je eines besaß.

Wie schon Rainer Mausfeld in seinen zahlreichen Büchern und exzellenten Vorträgen ausführte, waren echte Demokratie und Mitspracherecht für das Volk niemals vorgesehen und das dürfte sich auch niemals ändern. Die Demokratie war und ist lediglich ein leeres Versprechen, das den Vorteil hat, die Massen mit sehr viel weniger Aufwand beherrschen zu können.

Der Mann, der hinter den oben erwähnten Kampagnen steht, heißt Andreas Bummel. Der 1976 in Kapstadt, Südafrika, geborene Bummel ist Gründer und Geschäftsführer von Democracy without Borders, das aus dem 2003 gegründeten Komitee für eine demokratische UNO hervorgegangen ist. Bummel gehört auch zu den Initiatoren und Koordinatoren der neuen „We The Peoples“-Kampagne , der sich bis heute über 200 Gruppen aus aller Welt angeschlossen haben. Von 1998 bis 2008 war Bummel zudem Mitglied im Council des World Federalist Movement, das eine Global Governance errichten will, mit dem Endziel einer Weltföderation.

Dass es auch hier um eine zentral gesteuerte Weltordnung geht, davon kann man sich in dem 1999 erschienenen Buch „World Order for A New Millennium” überzeugen. Im Buch lässt der Herausgeber Walter Dorn zahlreiche Autoren über eine Weltordnung, ein Weltbürgertum und sogar eine Weltreligion sinnieren.

Dorn war von 2016 bis 2023 Präsident des World Federalist Movements Canada, ist Professor für Verteidigungsstudien am Royal Military College of Canada (RMC) und dem Canadian Forces College (CFC). Er unterrichtet Offiziere vom Rang eines Majors bis zum Brigadegeneral in Kanada und etwa 20 anderen Ländern. Seine geschichtsklitternde Einführung im oben genannten Buch finden Sie hier im Original und hier in der deutschen Übersetzung.

Bummel ist auch Mitglied in The World Academy of Art & Science (WAAS). Die WAAS wurde 1960 von mehreren Intellektuellen gegründet, darunter Albert Einstein; Robert Oppenheimer, Vater des „friedenstiftenden” Manhattan Projekts; Bertrand Russell; Joseph Needham, Mitbegründer der UNESCO; Lord Boyd Orr, erster Generaldirektor der Food and Agricultural Organisation (FAO); Brock Chisholm, erster Generaldirektor der WHO. Auch die WAAS, die sich als „informelle Weltuniversität” sieht, ist ein undemokratisches Konstrukt und Teil dieser globalen Ordnung. Gemeinsam mit dem 2013 gegründeten World University Consortium (Welthochschulkonsortium) wird die Zukunftsbildung für die „globale Indoktrination” entwickelt und werden Runde Tische zur Lehrplanentwicklung abgehalten.

Die tatkräftigen Unterstützer der Neuzeit

Dass eine Weltregierung keine Idee der Neuzeit ist, sondern von einer Gruppe mächtiger Männer seit Langem geplant wurde, ist eine unumstößliche Tatsache. Doch wer sind die heutigen Triebkräfte hinter solchen Forderungen wie einer Demokratie ohne Grenzen, einer Weltregierung und einem Weltbürgertum? Eines ist klar, NGO-Gründer wie Bummel sind es nicht, sie sind lediglich einer Ideologie verfallene Aktivisten, die nicht merken, dass man sie in die Irre führt. Die Strategen, die Wasserträger wie Bummel finanzieren und den Plan der Strippenzieher zum Erfolg führen wollen, sind Intellektuelle wie Joseph Schwartzberg, Paul Raskin, Walter Dorn und viele andere Hardcore-Internationalisten. Diese Leute zeichnen sich durch finanzielle Unabhängigkeit aus und haben sich dem evolutionären Existenzkampf weitgehend entzogen. Sie leben in ihrem Elfenbeinturm, oftmals ohne Bezug zur Realität, und wurden in ihren elitären Zirkeln mit dem Virus einer mächtigen Klasse infiziert.

Die Publikation A UN Parliamentary Assembly: A policy review of Democracy Without Borders von Democracy without Borders, an der auch Bummel beteiligt war, ist einem Vorkämpfer für Weltbürgertum und UNO-Weltregierung gewidmet, dem 2018 im Alter von 90 Jahren verstorbenen Joseph Schwartzberg. Schwartzberg hat mit seinem 2014 gegründeten Workable World Trust die Arbeit von Demokratie ohne Grenzen großzügig unterstützt. Am Interdisciplinary Center for the Study of Global Change der University of Minnesota werden durch die Vergabe von Schwartzberg Workable World Trust Stipendien an herausragende Studenten, die sich eindeutig für Global Governance engagieren, regelmäßig neue Aktivisten rekrutiert, die diese Agenda euphorisch vorantreiben.

Seit Oktober 2016 ist Schwartzbergs Workable World Trust (WWT) auch Mitglied des Lenkungsausschusses der Kampagne für eine Parlamentarische Versammlung bei den UN. Hauptziel des Trusts ist es, die Vorschläge in Schwartzbergs Buch „Transforming the United Nations System: Designs for a Workable World”, das 2013 von der United Nations University Press veröffentlicht wurde, zu verbreiten und zu unterstützen. Das Buch ist neben Englisch auch in Arabisch, Chinesisch, Japanisch und Russisch verfügbar.

Schwartzberg war der festen Überzeugung, würde den Menschen ein Mitbestimmungsrecht vorgegaukelt, so würde dies zur Legitimierung einer UN-Weltregierung beitragen – womit er möglicherweise sogar recht behalten könnte.

Wie Bummel und Dorn, so gehörte auch Schwartzberg den World Federalists an, er war im Vorstand der World Federalist Association und Präsident der Minnesota-Gruppe von Citizens for Global Solutions (Bürger für globale Lösungen). Die World Federalist Association, oder Citizens for Global Solutions (CGS) Education Fund, ist der Bildungszweig von CGS.

Die Organisation arbeitet gegenwärtig in fünf Bereichen: Globales Engagement der USA, globale Gesundheit und Umwelt, Frieden und Sicherheit, internationales Recht und Justiz sowie internationale Institutionen. Die Mitarbeiter der CGS arbeiten mit öffentlichen Amtsträgern zusammen und recherchieren Themen in diesen Bereichen, um die Mitglieder mit Analysen, Gesprächsthemen und Handlungsmöglichkeiten zu versorgen. Und das alles tun sie selbstverständlich nur, um den nächsten Atomkrieg zu verhindern.

Paul Raskins „Großer Übergang”

Ein weiterer Hardcore-Internationalist ist der amerikanische Physiker Paul Raskin. Raskin ist kein Unbekannter, er war auch einer der Hauptautoren des U.S. National Academy of Science's Board on Sustainability, des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), des Millennium Ecosystem Assessment, der Earth Charter und des Global Environment Outlook des UN Environment Programme (UNEP).

Raskin ist Gründer des Tellus Institutes for a Great Transition (dt. Großer Übergang) und gründete 1995 gemeinsam mit dem Stockholm Environment Institute die interdisziplinäre und internationale Global Scenario Group (GSG). Die wichtigsten Finanziers der GSG waren die Nippon Foundation, das Stockholm Environment Institute, das United Nations Environment Programme, das Global Industrial and Social Progress Research Institute und ein alter Bekannter, die Rockefeller Foundation.

Unter der Koordination von Raskin und Gilberto Gallopín erstellte die GSG 2002 gemeinsam mit Tellus eine Reihe von Berichten wie „Great Transition: The Promise and Lure of the Times Ahead.”. Im Jahr 2003 rief das Tellus Institute die Great Transition Initiative (GTI) ins Leben, ein Netzwerk von mehreren hundert Wissenschaftlern und Aktivisten, um die Arbeit an diesem globalen Szenario voranzutreiben. Lesenswert ist auch Raskins Abhandlung mit dem fast schon kitschigen Titel „Journey to Earthland – The Great Transition to Planetary Earthland”.

Die Initiative für den Großen Übergang verfügt auch über ein globales Netzwerk, das The Great Transition Network (GTN), in welchem sich über tausend Akademiker und Aktivisten aus aller Welt befinden und gemeinsam Visionen und Wege für den bevorstehenden Großen Übergang erarbeiten. Für den globalen Austausch steht den Mitgliedern eine Plattform, der „GT Network Space” zur Verfügung.

Das übergreifende Thema von Raskins Arbeit, so heißt es, ist die Entwicklung von Visionen und Strategien für einen Wandel zu widerstandsfähigeren und gerechteren Formen der gesellschaftlichen Entwicklung. Das hört sich erstrebenswert an, doch wer Raskins Abhandlungen liest, wird schnell eines Besseren belehrt. In Wahrheit geht es auch ihm vor allem um die Abschaffung von Grenzen, die Kontrolle und Rationierung von Energie, Wasser und Lebensmitteln, um Bevölkerungsreduktion, um die totale Kontrolle des Lebens der Menschen durch digital kontrollierte „smarte” Regionen, die mittels Geofencing zu Ghettos werden sollen, was beschönigend als Urbanisierung bezeichnet wird.

Dass es Raskin ebenfalls um eine rationierte Welt geht, dafür sprechen auch seine Forschungen zu den Themen Energie, Wasser, Klimawandel, Ökosysteme und nachhaltige Entwicklung. Und auch mit räumlichen Maßstäben – lokal, national und global – hat der promovierte Physiker sich befasst. Raskin ist für die Konzeption und Entwicklung der weit verbreiteten Modelle für integrierte Szenarioplanung in den Bereichen Energie (LEAP), Süßwasser (WEAP) und Nachhaltigkeit (PoleStar) verantwortlich, die in einer zentral gesteuerten Welt unabdingbar sind.

LEAP, die Low Emissions Analysis Platform, ist ein weit verbreitetes Software-Tool für die Analyse der Energiepolitik und die Bewertung des Klimawandels, das am Stockholmer Umweltinstitut entwickelt wurde. Das Tool wird bereits von Tausenden von Organisationen in mehr als 190 Ländern genutzt, heißt es. Zu den Nutzern sollen Regierungsbehörden, Wissenschaftler, Nichtregierungsorganisationen, Beratungsunternehmen und Energieversorger gehören.

Die Planungssoftware WEAP entstand im Jahr 1988 mit dem Ziel, die Bewertung aktueller Wasserbedarfs- und -angebotsschemata hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit sowie die Erschließung alternativer Langzeitszenarien zu ermöglichen. Die Software wird laut Raskin von Planungsbehörden in der ganzen Welt eingesetzt.

Das PoleStar-Simulationssystem hat es ganz besonders in sich. Das Softwaretool für die integrierte Nachhaltigkeitsplanung und die Analyse langfristiger Szenarien dient der Simulation möglicher Zukünfte sozio-ökologischer Systeme. Das Projekt wurde gemeinsam mit Gordon Goodman, Direktor des Stockholmer Umweltinstituts, ins Leben gerufen. Seine Wurzeln aber liegen im Bericht der Brundtland-Kommission von 1987, „Our Common Future”, an dem auch Raskin mitgearbeitet hat, und der die nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt der Forschungs- und Politikagenda rückt.

Die Hauptautorin des Berichts ist die 1939 geboren Norwegerin Gro Brundtland, die dreimal Norwegens Premierministerin war. Die Brundtland-Kommission gab den Anstoß für den Erdgipfel 1992/UNCED, der vom kanadischen Hardcore-Umweltaktivisten Maurice Strong geleitet wurde, sowie für die Agenda 21. Dass sich der Brundtland-Bericht mehr als positiv auf Brundtlands Karriere ausgewirkt hat, kann man sich vorstellen, schließlich kommuniziert er exakt die Narrative, die zur Rechtfertigung des wirtschaftsvernichtenden Umbaus der Welt dringend erforderlich sind.

Im Mai 1998 wurde Brundtland zur Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewählt. Unter ihrer Führung wurde die WHO wegen des zunehmenden Einflusses der Pharmaindustrie auf die Organisation kritisiert. Brundtland war also das Einfallstor für die Durchsetzung privater Interessen in der WHO. 2007 war Brundtland auch als Beraterin für Pepsi tätig, das für seine „gesundheitsfördernden“ Getränke bekannt ist. 1982 und 1983 nahm sie an den Bilderberg-Treffen teil und war 2019 Co-Vorsitzende des WHO Global Preparedness Monitoring Boards.

Eine Paradies, aber sicher nicht für Jedermann

Ob Raskin tatsächlich glaubt, was er von sich gibt, kann ich nicht beurteilen, allerdings sind seine Argumente aus einer objektiven Sichtweise heraus fast schon kindlich naiv. Ein großer Übergang zu einer planetarischen Zivilisation mit bereichertem Leben und einem gesunden Planeten sei möglich, sagt Raskin. Das sind die gleichen Töne, die aus den Mietmäulern der Mitglieder des Weltwirtschaftsforums und der Architekten der UN-Agenda 2030 schallen. Damit dieses Paradies bald Wirklichkeit werden kann, propagiert Raskin exakt das, was wir aktuell überall auf der Welt live und in Farbe erleben: Eine globale grüne Bewegung, die lautstark den sozialen Wandel fordert. In diesem entscheidenden Moment sei die Odyssee in eine andere Welt im Gange, doch das endgültige Ziel hänge von den Entscheidungen und Kämpfen ab, die noch bevorstünden, meint Raskin.

Ich nehme denjenigen, die von der Idee einer planetarischen Gesellschaft träumen, sogar ab, dass sie sich eine bessere Welt wünschen, dass sie die Welt vielleicht tatsächlich in ein Paradies verwandeln möchten. Doch ich bin auch davon überzeugt, dass diese Welt nur Platz für sie und ihresgleichen bieten wird.

Weshalb sollten sie sonst seit Dekaden wie besessen eine Bevölkerungsexplosion heraufbeschwören und lautstark eine Eindämmung der Bevölkerungszahl fordern? Die Angst vor einer Bevölkerungsexplosion, vor immer mehr „nutzlosen Essern”, wie Henry Kissinger und Yuval Noah Harari zu sagen pflegen, zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Thema. Wer also tatsächlich glaubt, dass all diese privilegierten Menschen die Erde für die Unterprivilegierten dieser Welt in ein Paradies verwandeln wollen, der ist der allgegenwärtigen Gehirnwäsche erlegen und hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Doch schauen wir uns einfach einmal an, wie sich die Welt unter den vier Szenarien – Freier Markt, Bildung nationaler Festungen, Politische Reformen, Großer Übergang – entwickeln wird, indem wir das Softwaretool PoleStar heranziehen.

Unter dem Stichwort „Szenario Großer Übergang“ zeigt die Simulation, dass sich die Bevölkerung Westeuropas bis 2100 halbieren, während sich die afrikanische Bevölkerung mehr als verdoppeln wird. Sind das nicht grandiose Aussichten für Westeuropa?

Unter dem Stichwort „Szenario Freier Markt“ würde sich die Weltbevölkerung bis 2100 auf 9,2 Milliarden erhöhen, während sie mit dem Szenario Great Transition mit 7,2 Milliarden insgesamt sogar leicht abnehmen würde.

Interessant ist auch die Simulation des Energieverbrauchs pro Kopf, der 2100 unter dem Szenario Großer Übergang für alle Weltregionen bei nur noch 37 GJ pro Kopf liegen soll. Für Westeuropa bedeutet dies im Vergleich zu heute etwa zwei Drittel weniger Energie.

Was mich im Zusammenhang mit diesem Softwaretool ganz besonders interessieren würde: Welche Annahmen beziehungsweise Variablen werden für diese Simulationen herangezogen? Mit welchen Maßnahmen wartet dieser Große Übergang auf, damit beispielsweise die Weltbevölkerung bis 2100 sogar leicht zurückgeht? Und was werden die Menschen essen, wenn Fleischkonsum und bearbeitete Ackerflächen im Rahmen des Großen Übergangs ebenfalls drastisch abnehmen werden? Was die Resultate derartiger Simulationen implizieren, kann sich jeder denkende Mensch selbst ausmalen.

Auch das Pro-Kopf-Einkommen wird in Abhängigkeit vom jeweiligen Szenario eine interessante Entwicklung nehmen. Ließen wir den Freien Markt wirken, würde das Pro-Kopf-Einkommen in Westeuropa kontinuierlich ansteigen und 2100 den Wert von 139.000 Dollar erreichen. Unter dem Großen Übergang wird sich das Pro-Kopf-Einkommen der gesamten Weltbevölkerung bis 2100 auf einen Hungerlohn zwischen 28.000 und 33.000 Dollar einpendeln. Die brennende Frage lautet hier: Wird auch der illustre Club aus Milliardären, Adel und anderen Gestalten, die sich selbst als Eliten bezeichnen, mit diesem Hungerlohn abgespeist werden oder gilt das, wie so oft, lediglich für die 99 Prozent?


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