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Die bequeme Ausrede

Die bequeme Ausrede

KI wird gern als Erklärung für kommende Arbeitslosigkeit genommen — könnte aber auch nur eine Ausrede sein und dient gleichzeitig der Umverteilung.

Seit ChatGPT, dem im November 2022 veröffentlichten sogenannten „KI“-Modell von OpenAI, geht die Angst um. Die KI, so heißt es, wird Jobs vernichten. Alle Branchen könnten jetzt von Automatisierung betroffen sein, niemandes Arbeit ist mehr sicher. Galten früher noch nur Industriejobs als durch Automatisierung gefährdet und Büroarbeiten als davor gefeit, sind auch letztere jetzt von der ständigen Ersetzung durch eine Maschine bedroht. Dieses Schreckensszenario wird durch die Medien ständig aufgebaut. Immer wieder werden Horrornachrichten von den Fähigkeiten der KI durch die Medienlandschaft gejagt. Modelle, die sich selbstständig gemacht und andere Unternehmen gehackt haben, KI-Tools, die sich der Kontrolle ihrer Entwickler entziehen. Nichts scheint für diese Technik mehr unmöglich, und sie droht, eigenverantwortlich und sich ihrer selbst bewusst die Welt zu übernehmen.

Betroffen sein sollen von dem kommenden KI-Jobmassaker vor allem Stellen in der Buchhaltung, im Controlling, im Kundenservice oder auch Sekretäre. Und dieser massive Jobverlust findet nicht erst morgen statt, er ist schon da. So wird berichtet, dass die KI bereits im Jahr 2025 200.000 Arbeitsplätze vernichtet hätte. Weiter soll es auch 2026 gegangen sein. Hier wurde vor allem ein Verlust verschiedener Einstiegspositionen prognostiziert. Diese Prognose scheint sich zumindest zu bestätigen, allerdings nicht in der angekündigten Dramatik.

Tatsächlich geht die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland aktuell zurück. So sank etwa die Zahl der Erwerbstätigen im 2. Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 212.000. Damit setzte sich ein Trend fort, der seit Jahren anhält. Allerdings fällt der Rückgang besonders stark im produzierenden Gewerbe und im Bau aus — und damit in dem Bereich, der von der KI gerade nicht betroffen ist. Viele spezialisierte Kräfte werden zudem auch in Büro- und Analysetätigkeiten weiterhin nachgefragt.

Wie Umfragen unter Unternehmern zeigen, sehen in Deutschland gerade einmal 11, global nur 29 Prozent einen Mehrwert in der KI. Die KI führt sogar zu einer Mehrarbeit, anstatt Arbeit abzunehmen.

Große Entlassungswellen fanden zwar in der Vergangenheit statt — und das gerade in der Tech-Branche. So haben 257 US-amerikanische Unternehmen 2025 insgesamt 123.000 Angestellte entlassen. Allerdings bereuten 55 Prozent der Unternehmer später diese Entscheidung. In diesem Jahr wächst die Nachfrage etwa nach IT-Spezialisten und Entwicklern wieder. So hat global bis Mitte 2026 die Anzahl der offenen Stellen in diesem Bereich um 14 Prozent zugenommen. Die Entlassungswelle in dem Bereich geht eher auf eine Korrektur nach einem Einstellungsboom in den Jahren 2021 und 2022 zurück.

KI bringt also nur wenigen Unternehmern einen Mehrwert und die KI-Jobapokalypse scheint vorerst abgesagt. Tatsächlich verursacht die KI sogar Mehrarbeit. Eigentlich ist die Erkenntnis, dass die KI Jobs nicht ersetzen kann, sehr naheliegend. Denn die Technik ist darauf angewiesen, dass sie jemand bedient. Trotz gegenteiliger Prognosen hat sich die KI noch nicht verselbstständigt und kann autonom Arbeiten erledigen. Es braucht einen Anwender, der in dem entsprechenden Bereich Kenntnisse besitzt, um die Anweisungen für die KI zu formulieren und die Ergebnisse kritisch zu überprüfen — denn die KI ist oft sehr oberflächlich und macht Fehler. Der Anwender bleibt also weiterhin eine bezahlte Fachkraft, der seine Arbeit mit der Unterstützung durch KI vielleicht besser erledigen kann — vielleicht aber auch nicht.

Warum wird aber dennoch am Märchen vom Jobkiller KI festgehalten? Es scheint, dass diese Erzählung eine praktische Ausrede darstellt. Denn was gleichzeitig mit der KI einsetzte, das war der deutlich erkennbare ökonomische Niedergang Deutschlands — und eigentlich des gesamten Westens. Dieser Niedergang kam nicht von ungefähr, sondern hat seine zahlreichen Gründe und Auslöser — wurde aber durch die inszenierte Corona-Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen ebenso beschleunigt wie durch den Krieg gegen Russland in der Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen. Plötzlich verteuerte sich Energie, ein bedeutender Handelspartner fiel weg, die Inflation zog an und es kam zu Versorgungsengpässen bei verschiedenen Grundstoffen. Verschärft wurde dies durch den Krieg der USA gegen den Iran und die Sperrung der Straße von Hormus.

Diese rigiden Maßnahmen und Unterbrechungen in Versorgungsketten — die willfährig und vorsätzlich von den Entscheidungsträgern herbeigeführt wurden — hatten schwerwiegende Auswirkungen auf die Ökonomien des Westens. Die Folge ist eine Pleitewelle, die seit Jahren durch Deutschland rollt. Die Anzahl der Firmenpleiten eilt von Rekord zu Rekord, große Werke wie etwa VW müssen Massenentlassungen vornehmen und ihre Tore schließen — oder vom Staat und dem Investor Aurelius übernommen und in die Rüstungsproduktion eingegliedert werden. Mit dieser Pleitewelle, die durch das ganze Land und darüber hinaus rollt, ist ein großer Verlust an Arbeitsplätzen verbunden — in der Fertigung, aber durch die Schließungen ganzer Unternehmen eben auch in der Verwaltung. Große Konzerne wandern ab, während kleine Unternehmen einfach aufgeben müssen.

Daher gehen eben auch in der Verwaltung, im Controlling und in Sekretariaten Arbeitsplätze verloren. Diese existieren nicht einfach für sich, sondern sind mit der Fertigung, der Industrie, verbunden. Muss die Industrie aufgeben, betrifft das eben auch die davon abhängigen Jobs.

Dieser Trend wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Die KI erscheint hier einfach als bequeme Ausrede. Sie rechtfertigt den Verlust an Arbeitsplätzen und lenkt von den eigentlichen Ursachen ab: der destruktiven Politik im Interesse mächtiger Finanzeliten. Diese wurde bewusst betrieben, und deren Folgen können jetzt als angeblich von der KI verursacht dargestellt werden. So hat man einen bequemen, weil nicht einmal realen Sündenbock.

Hinzu kommt, dass die Entwicklung dieser Technologie als eine Naturgewalt dargestellt wird, die uns einfach überrollt. Denn, so die Erklärung: Entwickelt wird sie sowieso. Da können wir gar nichts machen. Also wird auch gar nicht versucht, etwas zu tun und beispielsweise die KI-Entwicklung oder ihren Einsatz zu begrenzen — außer natürlich, es geht um politisch erwünschte Themen wie die schleichende Zensur sozialer Netzwerke und das Verbot sogenannter DeepFakes. Hier ist man dann schnell mit Regulierung bei der Hand. Der Jobverlust wird also als von einer Naturgewalt ausgelöste Gesetzmäßigkeit dargestellt, gegen die jeder Politiker machtlos sei. Dabei ist deren eigentliche Ursache nicht die KI — die ja Mehrarbeit schafft und bedient werden muss —, sondern die bewusste Zerstörung der deutschen Ökonomie durch die eigene Regierung.

Die KI erfüllt aber auch noch einen anderen Zweck: Sie baut ein Bedrohungsszenario auf, das zur weiteren Unterwerfung anspornt. Denn wenn man Menschen damit bedroht, durch KI ersetzt zu werden, dann geraten sie in Angst um ihren Arbeitsplatz und damit um ihr Leben und ihre Zukunft. Folglich werden sie sich noch mehr anstrengen, noch braver gehorchen und noch mehr arbeiten, um dem Arbeitgeber zu beweisen, dass KI sie nicht ersetzen kann. Die Drohung mit der KI dient also als Disziplinierungsinstrument — wie der Trommler in der Sklavengaleere. Damit ist die aufgebauschte Bedrohung durch die KI das perfekte Instrument der erzwungenen Selbstoptimierung in typisch neoliberaler Ideologie. Sie macht den Arbeitnehmer gehorsamer, unterwürfiger und williger, noch mehr zu arbeiten.

Und die Politik schafft den Rahmen für die volle Ausnutzung dieses Potenzials, indem sie Arbeitszeitbegrenzungen aufhebt und andere, lästige Hürden zur vollständigen Auspressung des Lohnsklavenviehs einreißt. Alles ist verbunden mit den höhnischen, menschenfeindlichen Äußerungen des BlackRock-Kanzlers, die Deutschen arbeiteten zu wenig und sollten gefälligst mehr arbeiten. Gleichzeitig sollen aber Minijobs und Teilzeit abgeschafft oder stark eingeschränkt werden. Auch hier erscheint die KI als brauchbare Erklärung. Streng dich an, oder du wirst ersetzt, heißt dann der Tenor.

Dabei ist KI in erster Linie eine Finanzblase. So sind von 2013 bis 2025 mindestens 1,6 Billionen US-Dollar in den KI-Sektor investiert worden, davon allein 2025 400 Milliarden. In der ersten Jahreshälfte 2026 waren es weitere 407 Milliarden US-Dollar und der Gesamtwert soll bis Ende des Jahres auf 2,7 Billionen ansteigen. Im ersten Quartal machte KI allein bis zu 81 Prozent der Investitionen von Venture-Capital-Firmen aus. Und in der ersten Jahreshälfte 2025 machte allein die KI schätzungsweise 92 Prozent des US-amerikanischen BIP-Wachstums aus. Und bereits vor gut einem Jahr wurden über 1.300 KI-Unternehmen mit einem Wert von über 100 Millionen US-Dollar bewertet, davon 498 sogar über eine Milliarde. Dabei erzielten 95 Prozent der untersuchten Unternehmen mit ihren generativen KI-Pilotprojekten bislang keinen messbaren Effekt auf Gewinn und Verlust. Es ist also eine riesige Blase, die nur funktioniert, solange immer mehr Geld in sie investiert wird. Und das erreicht man am besten mit Horrormeldungen und dem Versprechen auf die Übernahme sämtlicher Arbeiten durch diese Systeme. Versprechungen auf zukünftige, gewaltige Einsparungen sind das Marketing, mit dem die KI-Industrie heute Multimilliarden an Investitionen mobilisiert.

Und die Investoren in die KI-Branche sind die üblichen Verdächtigen. BlackRock gilt hier als absolutes Schwergewicht. Der Konzern hat sich mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR zusammengetan, um Finanzierungsplattformen zu gründen, die 500 Milliarden US-Dollar mobilisieren soll.

An der KI-Industrie hängt dabei viel mehr als nur die Entwicklung. Denn verbunden ist sie mit einem gigantischen Absatz von Halbleiterchips, die in Massen gebraucht werden. Auch Datenzentren müssen gebaut, versorgt und gekühlt werden — hier spielt dann auch der Immobilienmarkt eine Rolle, ebenso wie der Energiemarkt. Logistik ist über Kontinente hinweg relevant — von den Ausgangsstoffen wie Lithium, Coltan und Kupfer bis hin zum fertigen Rechenzentrum und der Software.

Hier können also gigantische Geldmengen umgesetzt werden, so lange die Blase nicht platzt. So hat Nvidia allein bereits mehr als 200 Milliarden Umsatz allein in 2026 gemacht. Ein großer Anteil davon geht auf Datenzentren zurück, die Chips des Unternehmens benötigen.

Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta zusammen gaben in diesem Jahr bereits 725 Milliarden US-Dollar aus, ein erheblicher Teil davon fließt in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Glücklich also derjenige, der mit dem Bau beauftragt wird.

Hier sind etwa spezialisierte Unternehmen wie Moore Home Services zu nennen, die etwa die Kühlsysteme für diese Datenzentren einrichten. Übernommen wurde dieses Unternehmen vor einiger Zeit von Blackstone. Ebenso hat Blackstone investiert in Advanced Cooling Technologies und Shermo Industries übernommen, die sich ebenfalls mit technologischen Aspekten des Datenzentrenbaus befassen.

Natürlich gibt es nicht nur Blackstone, sondern eine ganze Reihe weiterer Investoren. Hier zeigt sich, dass der KI-Hype im Wesentlichen drei Funktionen erfüllt: Er verschleiert den politisch herbeigeführten Niedergang und die damit verbundenen Verluste an Arbeitsplätzen, er dient als Disziplinierungswerkzeug für die Arbeitnehmer und er wirft massive Profite für diejenigen ab, die Rechenzentren errichten und die Infrastruktur bereitstellen. Die Horrorszenarien haben sich aber tatsächlich nicht bewahrheitet. Stattdessen dient KI als billige Ausrede für unbeliebte Entwicklungen. Gleichzeitig ist das Bedrohungsszenario der übermenschlichen Super-KI aber ein Instrument für die immer brutalere Umverteilung von unten nach oben.


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