Angesichts des aktuellen Chaos und Zusammenbruches einer ganzen Zivilisation wird häufig von einer Matrix gesprochen, aus der es gilt, sich zu befreien. Der Begriff wird in der Mathematik, in der Logik und in der Geologie verwendet und findet sich auch im Zusammenhang mit einer unternehmerischen Organisationsform, einer grammatikalischen Satzform, einer Schriftart oder auch der Musik. In seinem lateinischen Ursprung bedeutet das Wort Gebärmutter oder Muttertier. In der Mathematik ist eine Matrix eine aus Zeilen und Spalten bestehende Tabelle, in der jeweils in dem Feld, das durch die Kreuzung einer Zeile mit einer Spalte gebildet wird, eine bestimmte Zahl steht.
Bekannt ist der Begriff vor allem aus den Matrix-Filmen der Geschwister Wachowski mit Keanu Reeves in der Hauptrolle. Von einem Matrix-Code ist die Rede, einem digitalen Regen. Dieser fallende grüne Code ist eine simulierte Realitätsbewegung auf dem Bildschirm, eine Art computergenerierter Traumwelt. Als der Hauptdarsteller die rote Pille schluckt, erfährt er die Wahrheit über diese Matrix.
Die Menschen haben den Krieg gegen die durch künstliche Intelligenz (KI) geschaffenen Maschinen verloren, nachdem sie vergeblich versucht hatten, die Sonne abzudunkeln, um die Maschinen von der Energiequelle abzuschneiden. Seither nutzen die Maschinen Menschen zur Energiegewinnung und halten sie durch die Computersimulation der Matrix unter Kontrolle. Von Anfang an werden Menschen als Sklaven gehalten. Sie wachsen in Behältern heran und werden mit Nährlösungen aus den Leichenteilen Verstorbener gefüttert, um dann wiederum den Maschinen als Energiequelle zur Verfügung zu stehen.
Blaue oder rote Pille?
Was um die Jahrtausendwende herum noch wie abgefahrene Science-Fiction klang, hat in nur einem Vierteljahrhundert immer realistischere Züge bekommen.
Wir leben in zunehmend virtuellen Welten und verschmelzen immer mehr mit der Technik. So erfüllt sich, was im Trailer der Trilogie neugierig machen soll: „Man kann nicht erklären, was die Matrix ist. Man muss sie selbst erleben.“
Dazu haben wir in diesen Jahren reichlich Gelegenheit. Vor unseren Augen spielt sich ab, wie die Matrix Menschen förmlich verschlingt: Manipulation über Medien, Bildung und Politik, Kontrolle der Bewegungen, der Zahlmittel und der Ernährung, Abhängigkeit von Medikamenten, Drogen und Unterhaltung, die anhaltende Trennung von Körper und Geist, die Verdinglichung des Lebendigen, Verdrängen des Natürlichen durch das Künstliche, gezieltes Erschaffen von Ängsten und Konflikten, zunehmende Digitalisierung, Technologisierung und Isolation.
Einer klebrigen, dunklen Masse gleich greift diese Matrix nach dem Lebendigen, um sich von ihm zu ernähren. Wie im Film stehen wir vor der Frage, ob wir bereit sind, die rote Pille der Wahrheit zu schlucken oder ob wir die blaue Pille wählen, die uns in bewusstlosem Schlummer hält. Um sich für die rote Pille zu entscheiden, braucht es nicht den Mut eines Filmhelden. Nichts Übernatürliches wird uns abverlangt. Es braucht vor allem unsere Vorstellungskraft und die Entscheidung, unsere Ideen in Taten umzusetzen.
Unerwartet, ungeplant, unberechenbar
Vor einigen Monaten habe ich mit der Geburtsbegleiterin Delphine Nölke eine Podcastserie begonnen, in der wir uns zunächst über das Thema Geburt unterhalten (1). Delphine hat ihre beiden Kinder allein bekommen, ohne Krankenhaus, ohne Hebamme. Die Entscheidung hatte sie bewusst getroffen. Bei ihrem ersten Kind war ihr Lebensgefährte mit dabei. Bei der Geburt ihres zweiten Kindes war sie ungeplant ganz allein. Geburtshelfer waren die Bäume um sie herum und die Sterne am Himmel (2).
Das Kind hatte die Nabelschnur um den Hals und war eine Steißgeburt. Und das war kein Problem: Jede einzelne Zelle ihres Körpers schien zu wissen, was zu tun ist. Die Geburt verlief schnell und unkompliziert. Das Entscheidende war, sich von dem Vertrauen in die Weisheit des eigenen Körpers leiten zu lassen und gewisserweise auf Autopilot zu stellen. So ist im Grunde genommen nicht die Geburt das Schwierigste, sondern das Loslassen von bestimmten Vorstellungen, die wir über Geburt haben.
Schon zu Beginn unserer Gespräche ist klar, dass es hier nicht um ein Frauenthema geht. Geburt geht uns alle an. Wir alle sind geboren worden. Noch werden wir nicht wie in der Matrix-Trilogie künstlich hergestellt. Noch ist Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, was einen Menschen ausmacht und was das eigentlich ist: Menschlichkeit. Noch können wir uns fragen, wie wir in Zukunft leben wollen.
Dimensionswechsel
Wenn es möglich ist, in einer so bedeutenden Angelegenheit wie Geburt seine Meinung zu ändern und es anders zu machen, als es die meisten tun, dann ist das auch in anderen Lebensbereichen möglich. Was wir denken, muss nicht richtig sein, nur weil wir es schon lange denken. Es kann anders gehen. Es kann noch etwas anderes geben als diese dunkle, zerstörerische Matrix, die das Lebendige regelrecht auffrisst.
Der Umgang mit KI lehrt uns, dass wir uns nicht mehr allein auf unseren Verstand verlassen können. Jede Information, jedes Wort, jedes Bild, jeder Film können falsch sein. Wir wissen nicht mit Gewissheit, ob eine Information wirklich stimmt oder nicht.
Also können wir ein Experiment wagen. Wir können uns einmal so offen zeigen, wie wir vorgeben zu sein, und unsere bisherigen Vor-Stellungen ein wenig zur Seite schieben.
Ich persönlich habe keine Probleme damit, mir eine Welt mit Drachen und Einhörnern auszumalen. Ich umarme Bäume und spreche mit Pflanzen und Tieren. Meine Neugierde ist nicht mit linearen Abbildungen und sich kreuzenden Linien und Spalten zufriedenzustellen. Für mich gibt es nicht nur eine dreidimensionale Matrix, sondern eine Gebärmutter, eine Mutter, aus der eine Multidimensionalität hervorgeht, wie sie sich keine KI ausrechnen kann.
Die Matrix, die wir vor Augen haben, ist auf „fressen und gefressen werden“ programmiert. Sie hat weder Bewusstsein noch Herz. Sie kennt keine Gefühle, keine Wünsche, keine Träume, keine Fantasie. Sie kann nur imitieren, kopieren und neu zusammensetzen. Wirklich selbst erschaffen kann sie nicht. Wie in den Matrix-Filmen ernährt sie sich von Leichen, von etwas Totem. Denn sie ist nicht an die Energiequelle angeschlossen, die allem Leben gibt.
Träumen, wünschen, beten
Neues Leben ist mehr als ein statistisches Syntheseverfahren und braucht mehr als Kalkül, Imitation und Analyse (3). Es braucht zwei lebendige Pole, bei deren Begegnung ein Lebensfunke entsteht. Was daraus erwächst, ist nicht berechenbar. Niemand kann mit Bestimmtheit vorhersagen, wie es sich entwickelt. Deshalb ist das für die alte Matrix so gefährlich. Genau hier befindet sich der Riss, durch den wir ihr entkommen können: indem wir unvorhersehbar werden und so handeln, wie man es nicht von uns erwartet.
Machen wir es anders. Überraschen wir. Wagen wir uns in Bereiche vor, in die sich sonst nur Kinder trauen, dorthin, wo es Einhörner und Drachen gibt, Hexen und Feen, Prinzen und Zauberer, wo Tiere und Pflanzen sprechen und tausend Abenteuer auf uns warten.
Die Welt der Mythen und Märchen ist keine Realitätsflucht. Sie ist eine Realitätserweiterung, eine Möglichkeit, die Dinge vor unseren Augen mit etwas mehr Abstand zu sehen.
So wird klarer, was bisher verschwommen war. Es kommen Elemente hinzu, die wir vorher vielleicht nicht gesehen haben. Vielleicht begegnen uns geheime Pakte und Schwüre, die uns in ihrem Bann halten. Und vielleicht geschehen Wunder, die uns daraus befreien. Auch sie braucht es jetzt, um es aus der dunklen Matrix herauszuschaffen. Es braucht Elfen, die uns führen, leuchtende Steine, die uns den Weg weisen, ein mächtiges Schwert, das die klebrigen Spinnweben durchtrennt, und eine gütige Hand, die über allem wacht.
Im Märchen geschehen die Wunder jenen, die ein reines Herz haben. Sie haben sich nicht von Hohn und Stolz ergreifen lassen, sondern sich menschlich gezeigt: aufmerksam, gütig, liebevoll. Sie waren hilfsbereit und haben gleichzeitig nicht vergessen, wie man um etwas bittet: ehrlich und demütig, nicht so, als stünde es einem zu. Ohne Erwartung, doch mit Vertrauen. Mit dem Vertrauen einer Gebärenden, die die Bäume und die Sterne als ihre Helfer erkennt.
Das Ich im Licht
Wer so unterwegs ist, kann erkennen, dass es unter der dunklen Matrix eine goldene Matrix gibt, eine große Mutter, die in liebevoller Umarmung die Erde umspannt.
Der alte Kokon löst sich auf. Was auf den ersten Blick furchtbar aussieht, offenbart auf den zweiten Blick ein Gewand, das schon immer da war und in neuem Glanz erstrahlt.
Auch wenn es zunächst nur als Gedanke existiert: Was wünschen wir uns angesichts dieses Lichtes? Was ist das Schönste, das wir uns jetzt vorstellen können? Können wir das noch? Können wir noch sein wie die Kinder, in deren Welt alles möglich ist? Erinnern wir uns noch an die hohen Werte, die wir einmal hatten?
Die dunkle Matrix kann damit nichts anfangen. Die goldene Matrix aber können wir damit nähren, ihr unser Bestes zu geben. Keine Leichenbrühe, sondern den Saft des Lebens. Fürsorge, Großmut, Respekt, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Dankbarkeit, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Integrität, Empathie, Kreativität — sie sind jetzt gefragt: all die Eigenschaften, die in den vergangenen Jahren kleingehalten wurden. Machen wir sie wieder groß!
Klopfen wir uns die dunkle Matrix wie Staub vom Ärmel und lassen wir unser Licht leuchten. Im Licht steckt das Ich. Nicht das Ego, das sich nur allzu leicht einfangen lässt, sondern das authentische Selbst, das aufrichtige Sein, das sich keiner äußeren Macht beugt.
Es wird bunt
In der Matrix-Trilogie können physikalische Gesetze allein durch Willenskraft gebeugt oder überwunden werden. Wir müssen nicht gleich die Wände hochlaufen oder uns von Türmen stürzen. Fangen wir klein an. Fragen wir uns, ob die Ereignisse tatsächlich nur in Spalten und Linien angeordnet sind und ob das Leben wie ein digitaler Regen ist. Ziehen wir unser Herz zu Rate und unsere Fantasie.
Damit geht die Reise los. Sie macht ganz bestimmt mehr Spaß, als weiter die alte Matrix durchzukauen und sich in verschiedenen Spalten immer wieder an denselben Linien abzuarbeiten. Es wird bunt wie in einem Kinderzimmer. Meerjungfrauen sind da, Zwerge und Riesen, rosa Kaninchen und sternenübersäte Magier. Von diesen Spezialisten für das Außergewöhnliche können wir uns beraten lassen und den Kick erhalten, den es braucht, sich in Bewegung zu setzen.
So sind wir bereit für das Feuerpferd. Am 17. Februar beginnt in der chinesischen Astrologie ein neues, potenziell besonders ereignisträchtiges Jahr feuriger Transformationen. Feuerpferde sind dynamisch, kühn und furchtlos und stehen für kreative und unkonventionelle Denker. Große Ideen lassen sich umsetzen. Warten wir nicht darauf, dass es andere tun. Seien wir selbst mit dabei und werden wir zu Geburtshelfern einer neuen Kultur.
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Quellen und Anmerkungen:
(1) Die Gespräche wurden in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln geführt. Auf https://kerstinchavent.de/
(2) https://www.manova.news/artikel/die-angst-vor-dem-naturlichen
(3) https://www.manova.news/artikel/es-gibt-keine-kunstliche-intelligenz



