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Die Implosion der Onlinerealität

Die Implosion der Onlinerealität

In einer Zeit, in der Wahrheit und Täuschung immer weniger unterscheidbar sind, ist eine Rückbesinnung auf die sinnliche Realität notwendig.

Spätestens seit der Covid-19-Massenhysterie ist deutlich geworden, dass für den digital eingebundenen Menschen die Realität (entlehnt aus dem Lateinischen „res“ für „Ding, Sache“) nicht mehr durch das direkte Erleben der Dinglichkeit bestimmt wird, sondern indirekt über die Allgegenwart der mittlerweile vernetzten Bildschirme.

Dies ist durchaus kein neues Phänomen, denn seit jeher waren Medien zur effektiven Informationsverbreitung auch gleichzeitig Katalysatoren für die geistige und somit mittelbar physische Bewegung der Massen; im aufklärerischen, wie im anti-aufklärerischen Sinne. So richtig Fahrt aufgenommen hat der „Informationskrieg“ wohl mit dem Buchdruck, den Martin Luther nutzte, um seine Thesen in der breiten Öffentlichkeit zu verbreiten, was schließlich zur Trennung von der katholischen Kirche führte.

Die noch direkter auf die Sinnlichkeit wirkenden Medien von Radio (auditiv) und Kino (visuell) konnten dann eine ungeahnte Propagandakraft entfesseln. Wäre der Faschismus in dieser Form ohne den Volksempfänger denkbar gewesen? Die Erfindung des Internets und die Allgegenwart von Computern und Smartphones schließlich trennten den Menschen mehr und mehr von der dinglichen, „realen“ Außenwelt ab. Dabei sind wir gerade an einem Scheidepunkt angelangt.

Die für jedermann verfügbare freie Information ermöglicht vielen, völlig neue Blickwinkel und Denkhorizonte zu öffnen, gleichzeitig lässt sich, etwa durch Schalten von Nachrichten auf E-Mail-Plattformen, selektive Einstellung von Suchmaschinen oder Pop-up-Nachrichten auf dem Handy, welche dem Nutzer jeden Morgen die neuesten Covid-Fallzahlen aufdrängten, eine in ihrer Tiefe nie dagewesene Manipulation des Denkens erreichen.

Vor allem die jüngere Generation wird sich dabei früher oder später die Frage stellen müssen: Was darf ich glauben? Folge ich weiterhin jedem Trend, suche ich mir neue „Realitäten“ in den Nischen des großen Netzwerks oder ergebe ich mich schlussendlich der Resignation, dem Glauben, dass die Realität absolut subjektiv ist?

Dies alles unter der Voraussetzung, dass das, was man auf dem Bildschirm sieht, überhaupt die Realität darstellt — eine Voraussetzung, die beim stundenlangen Blick in soziale Netzwerke, nur unterbrochen von Schul- und Universitätsausbildung oder meist stumpfer körperlicher, oder schlimmer, geistiger Arbeit, leicht gegeben ist.

Meine 90-jährige Großmutter fragte mich inmitten der „Coronapandemie“: „Wird dieses Virus auch über die Computer übertragen?“. Sogar als gelernter Biotechnologe wich mein überhebliches Lächeln über diesen scheinbar absurden Gedanken bald der Einsicht, dass das Virus sogar hauptsächlich über das Internet übertragen wurde. Selbstverständlich nicht in seiner realen, dinglichen Form, sehr wohl aber in der konstruierten Form, als Information, als Modell und letztendlich als größter Teil seiner verheerenden Wirkung.

Was geschieht nun aber, wenn diese subjektive Realität des Internets zusätzlich in Kontakt mit einer „Künstlichen Intelligenz“ kommt, die es in absehbarer Zeit ermöglicht, dass sich alle denkbaren Bild-, Video- und Toninhalte realitätsgenau fälschen lassen?

Als die KI aufkam fragte ich mich, wieso einige Tech-Größen so früh darauf pochten, diese zu regulieren und einzudämmen — ich habe es nie in Betracht gezogen, dass diese sich wirklich darum sorgten, dass Arbeitsplätze verloren gehen könnten oder sie sich um Deep-Fakes wirklich scherten.

Die absolute Fälschbarkeit von Onlineinhalten, die Ununterscheidbarkeit von subjektiver und objektiver Realität bewirkt eine Unglaubwürdigmachung jedes einzelnen Inhalts. Dabei wird es nicht nur bei der Anzweifelung von Bild und Ton bleiben, auch das Bewusstsein dafür wird weiter steigen, dass das geschriebene Wort frei erfunden oder manipulativ verfälscht sein kann.

Die absolute Subjektivierung der Onlinerealität, die Ununterscheidbarkeit von Wahrheit und Täuschung in den siliziumbasierten mineralischen Schaltkreisen führt gleichsam zur Implosion derselben. Der Mensch wird sich in Zukunft auf seine lebendige Realität zurückbesinnen müssen, auf seine reale, sinnliche und dingliche Erfahrung, um überhaupt eine Entscheidung treffen zu können — sofern er dies denn wünscht.


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