Ein schönes Beispiel für die begrifflichen Verwerfungen im politischen Spektrum ist die Rede des Bundespräsidenten zum 9. November. Da spielt sich ein Extremist der Mitte als Löwenbändiger der Demokratie auf und dekretiert, wer mitspielen darf und wer nicht. In seinen Augen bedroht die AfD die Demokratie von innen, während Wladimir Putin der Feind von außen ist. Kein Wort darüber, dass die sogenannte Mitte seit Jahrzehnten kaum mehr den Anschein von Demokratie zu wahren versucht. Im parlamentarischen Raum der Mitte taugen links und rechts allenfalls als Wahlkampfbegriffe. Bei fast vollständiger programmatischer Ununterscheidbarkeit versucht man, politische Identitäten zu stiften, an denen sich Wähler „orientieren“ können.
Walter van Rossum im Gespräch mit Marco Bülow, Ulrike Guérot und Michael Sailer
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