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Die Tyrannei des Neuen

Die Tyrannei des Neuen

Vor über hundert Jahren wurden die psychologischen Grundlagen erforscht, um Menschen der Fähigkeit des kritischen Denkens zu berauben — ohne dies wäre die Corona-PsyOp niemals möglich gewesen. Exklusivauszug aus „Die Neue Normalität“.

Propaganda des Neuen

Zur Neuen Normalität gehört neben der Normalisierung (der Zerstörung von Demokratie und Menschlichkeit) anscheinend auch die Betonung des „Neuen“. Es ist ja tatsächlich ungeheuerlich, die Zerstörung als Normalität festzuklopfen. In diesem Sinne wäre die Rede von dem Neuen die zynische Aufforderung, sich an das Neue zu gewöhnen, sich damit abzufinden, es vielleicht sogar gut zu finden — „das Gute“ an der Inszenierung, von dem manche sprachen, das manche der Inszenierung abgewinnen konnten, um sich damit auszusöhnen.

Die Rede vom Neuen kann aber auch die Wirkung haben, zu beeindrucken, zu überwältigen, zu überrumpeln, zu entmutigen, zu resignieren. Diese Wirkung kann man unzweifelhaft der Propaganda von CIA und NATO über die „kognitive Kriegsführung“ zuschreiben.

Die Propaganda des Neuen ist ein weit über den Journalismus hinaus verbreitetes, beliebtes Verkäuferargument. Es sagt vielleicht mehr über den geistig-moralischen Zustand der Zeit, der Welt aus, wenn jetzt auch für den Krieg beziehungsweise die Kriegstechnologie mit diesem Argument geworben wird. Auch das Produkt „Cognitive Warfare“ wird von der NATO mit dem Prädikat des Neuen beworben: „Das Bündnis steht vor einer Reihe von Herausforderungen in neu entstehenden Konfliktbereichen.“ Einer davon sei „die kognitive Kriegsführung“. Und: „In der kognitiven Kriegsführung wird der menschliche Geist zum Schlachtfeld“ (1). Als ob „der menschliche Geist” nicht immer schon „zum Schlachtfeld“ gemacht worden war. Als ob nicht immer schon versucht wurde, „das Denken und Handeln der Menschen zu beeinflussen, zu verändern“. Manipulation des Verhaltens der Menschen, durch Propaganda, Desinformation und Gehirnwäsche findet statt, seit es Herrschaft des Menschen über die Menschen gibt, also Macht, die dazu in der Lage ist.

So ermöglicht zudem die zunehmende Verbreitung von Social Media, Social Networking, Social Messaging und mobilen Gerätetechnologien zwar nicht, wie behauptet, einen neuen Bereich der kognitiven Kriegsführung, aber deren Effektivierung, sie erreicht einen größeren Kreis von Empfängern und zugleich in größerer Geschwindigkeit.

Neu sind die neuen Namen für die seit langem geübte „alte“ Praxis der Meinungsmache durch Desinformation, mit denen die schäbigste Rosstäuscherei den Glanz wissenschaftlicher Seriosität erhalten soll, wie „PsyOps“ „Cognitive Warfare“ und so weiter.

Propaganda in der Zeit des Ersten Weltkriegs

Die „Psychologie“ zu dieser Technik war bereits zur Zeit des Ersten Weltkriegs formuliert worden (2). Ein junger Psychologie-Professor an der Johns Hopkins Universität in Baltimore, John B. Watson, erregte 1909 Aufsehen mit dem Versprechen:

„Gebt mir ein Dutzend gesunde, wohlgeformte Säuglinge (…) und ich garantiere Euch, dass ich jeden (…) zu jeder Art von Spezialist ausbilden werde, den ich mir aussuchen könnte — Arzt, Anwalt, Künstler, Kaufmannschef und, ja, sogar Bettler und Dieb, ohne Rücksicht auf seine Talente, Vorlieben, Neigungen, Fähigkeiten, Berufungen, und Rasse seiner Vorfahren“ (3).

Und 1913, ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkriegs, gab er seiner Erfindung den Namen Behaviorismus und stellte der „Psychologie, wie der Behaviorist sie sieht“ (4) die Aufgabe der „Vorhersage und Kontrolle des Verhaltens“.

Diese Zeit erscheint uns inzwischen sehr ähnlich unserer eigenen Zeit: die wilde Konkurrenz der kapitalistischen Staaten um den Platz an der Spitze, die zum Ersten Weltkrieg führte, in den die USA dann 1916 auch offiziell trat. Damals mussten die Menschen für den Krieg begeistert werden. Das gelang auch in Deutschland, und zwar in einem Ausmaß, dass Historiker noch heute das Märchen aufwärmen, die SPD sei durch die Bevölkerung gezwungen worden, mitzuspielen (5).

In den USA zeigte sich diese Situation der kapitalistischen Konkurrenz am deutlichsten in Chicago, der aufstrebenden Metropole des mittleren Westens, der Konzentration der industriellen Entwicklung, der sozialen Kämpfe und der Reformbewegung. Bertolt Brecht hat ihr im Stück „Johanna der Schlachthöfe“ ein Denkmal gesetzt. Chicago war zugleich der Ort, an dem sich eine solche Wissenschaft vom Verhalten, wie Watson sie proklamiert hatte, entwickeln konnte. An der neu gegründeten Universität sammelten sich, beziehungsweise korrekter, sammelte die damals bereits berüchtigte Rockefeller-Stiftung, die später berühmten Wissenschaftler wie Mead oder Dewey und andere. Ihnen diente die Stadt als Untersuchungslabor, das ideale Soziotop für die Entwicklung von Social Control, Social Engineering und Taylorismus.

Auch der junge John B. Watson studierte in Chicago und unternahm dort seine ersten Schritte in wissenschaftliches Gelände. Er wählte als Schwerpunkt seiner Forschung den Bereich der Tierpsychologie. Auf diesem Feld waren gerade die Experimente zur Konditionierung von Reflexen bei Hunden im Laboratorium für Physiologie in St. Petersburg durch Iwan Petrowitsch Pawlow (1849 bis 1936) Gegenstand von Diskussion und Forschung.

Bekannt geworden ist Watson durch sein Aufsehen erregendes Experiment mit dem „kleinen elf Monaten alten Albert“. Das Experiment begann damit, dass dem Kind eine Ratte gezeigt wurde, der sich Albert lächelnd und freudig erregt zuwandte. In dieses arglose Spiel mit der Ratte fiel ein lauter Gongschlag. Erschreckt zog sich das Kind aus seiner Beschäftigung mit der Ratte zurück. Nach einigen Wiederholungen löste bereits die Ratte die Schreck-Reaktion aus, die ursprünglich durch den lauten Schlag ausgelöst worden war.

In behavioristischer Sprache: anstelle der ursprünglichen Verbindung zwischen Gong-Schlag und Schreck-Reaktion, das heißt zwischen Reiz (S) und Reaktion (R), war eine neue Verbindung hergestellt worden, die Schreck-Reaktion wurde an einen neuen Stimulus konditioniert (die Ratte), der den ursprünglichen Stimulus (Gongschlag) ersetzte.

Wem fällt nicht die Parallele zur Corona-Inszenierung auf: die Angst, an einem „unbekannten, neuartigen” Virus zu erkranken, war durch die Verbindung, Konditionierung mit erschreckenden Bildern und ängstigenden Erklärungen hergestellt worden.

Die untergründig latente Angst, die der kapitalistische Alltag produziert, Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, Angst vor dem Vorgesetzten und Mobbing durch Kollegen, Angst vor dem Verlust der vermeintlichen Sicherheit, des Ersparten, der Altersabsicherung, dem Verlust von Freunden und so weiter wird — vermittelt über die Bilder und Deutungen — auf das unbekannte, unsichtbare Virus projiziert, und zur Panik gesteigert, die das Denken ausschaltet und reflexartig „den Anweisungen folgen“ lässt.

Social Control: „Konditionierung”

Watson verteidigte sein — unethisches — Experiment damit, er habe nur zeigen wollen, dass eine wissenschaftliche Psychologie begründet werden könne, und zwar allein auf der Beobachtung „objektiver“ Daten wie Reizen und Reaktionen, während die Berücksichtigung von subjektiven Phänomenen (Vorstellungen, Ideen, Denken, Bewusstsein) für eine wissenschaftliche Psychologie irrelevant sei. Aber zeigt das nur seinen beschränkten Horizont, der nicht über die Grenzen seines Experiments hinausgeht beziehungsweise vorgibt, nicht darüber hinauszugehen?

Das psychologische Labor, in das Watson sich zurückgezogen hatte, war nicht abgeschlossen vom historischen, kulturellen Milieu seiner Zeit, kein hermetisch abgeriegelter Raum. Weder die Forschungsgegenstände, mit denen man sich dort beschäftigte, ihre Auswahl, noch die Untersuchungsmethoden, die man verwendete, noch die Theorien, in deren Rahmen man die Ergebnisse interpretierte, die man für diese hergestellt hatte, waren von der Zeit losgelöst.

Die sozialen Kämpfe und die Reformbewegung waren ebenso wenig draußen zu halten, wie die Entwicklung von Social Control, Social Engineering und Taylorismus nicht als Antworten auf diese Kämpfe erkennbar waren. Die Aufgabe der „Vorhersage und Kontrolle des Verhaltens“, die Watson dem Behaviorismus gestellt hat, und dabei auf Bewusstsein und Willen verzichten zu können, behauptet, impliziert deren Ausschaltung — die Ausschaltung von Reflexion, Kritik, Widerstand des Subjekts.

Indem Watson sich aus dem kulturellen, politischen Milieu in das psychologische Labor zurückzog, abstrahierte er sich selber: in die Abstraktionen des psychologischen Seminars, in eine Abstraktion von den je konkreten, unterschiedlichen Lebenslagen, an die sich das Verhalten unterschiedslos anzupassen hat.

Und zum zweiten: Abstraktion von der Struktur des Experiments: nämlich, dass die „Vorhersage und Kontrolle des Verhaltens“ durch ihn, den Experimentator erfolgt, und nicht durch das untersuchte Subjekt selbst.

Diese Struktur der Kontrolle durch einen anderen liegt bei social control, social engineering, Taylorismus und so weiter ebenso vor. Watsons Experimente verletzen bereits die Souveränität des einzelnen Subjekts, die in der staatlichen Anmaßung nur viel wirkungsvoller ist, aber nichts qualitativ anderes darstellt.

Watson ist ein typisches Beispiel dafür, wie Wissenschaftler in ihrem Rückzug aus dem sozialen Milieu um sie herum („ins psychologische Labor“) gleichwohl im Einklang mit der Zeit, den Fragen der Zeit außerhalb des Labors und mit den Folgen auf diese Zeit außerhalb verbunden sind.

In der Zeit der Corona-Pandemie-Inszenierung haben wir erlebt, wie sehr diese Überzeugung der Wissenschaftler von der Unabhängigkeit objektiver Wissenschaft sie zum Spielball und Mitspieler politischer Agenden gemacht hat.

Was bei den Wissenschaftlern in Hinblick auf die Beurteilung ihrer eigenen Arbeit funktioniert: die Selbsttäuschung, kann man ebenso bei den Teilen der Bevölkerung annehmen, die sich haben täuschen lassen: sie glaubten an die Behauptungen, Versprechungen — nicht nur der Wissenschaftler, sondern auch der Politiker, die sich der Argumente der Wissenschaftler bedienten. Auch der umgekehrte Fall ist vorgekommen: Wissenschaftler übernahmen die Argumente der Politiker. In der Sprache der Diskursanalyse: sie sind fixiert an die Signifikanten des Diskurses, auf das, was Freud „Rationalisierung“ des Handelns genannt hat, und hinterfragen nicht, was diese Signifikanten verstecken, für welche Interessen, für welche Politik sie stehen. Sie sind dem „Verstecken durch Zeigen” erlegen, dem Prinzip des Diskurses der Macht (6).

Watson steht am Anfang einer Geschichte der Propaganda der sozialen Kontrolle, die heute ihren Höhepunkt erlebt. Heute ist es die neue Schamlosigkeit der Propagandisten, mit der sie ihre Absicht zur Schau stellen, uns zu manipulieren, unsere Gehirne zu besetzen.

Und diese Schamlosigkeit entspricht durchaus dem totalitären Ausmaß, mit dem der Krieg gegen die Bevölkerung eröffnet und durchgezogen wird, wie jeder Protest, ja jede Kritik rücksichtslos verfolgt, schamlos diffamiert oder kriminalisiert, mit sozialen und ökonomischen Konsequenzen für die Verfolgten verbunden war und ist.

Es gibt durchaus noch andere Experimente als das mit dem kleinen Albert, andere Formen der „Konditionierung“, der Veränderung beziehungsweise Herstellung von erwünschtem (von den Herrschenden erwünschtem) Verhalten.

Allen gemeinsam ist jedoch das Ziel der „Vorhersage und Kontrolle von Verhalten“ also: der Ausschaltung des Bewusstseins (der Kontrollierten).

Social Engineering: „Verstärkung”

Wenn wir mit Watsons Schreck-Experiment das Paradigma für die Schock-Strategie (7) für den schlagartigen Einstieg in das Projekt der Veränderung des Verhaltens und der Gewohnheiten der Bevölkerung haben, mit dem auch das Bewusstsein, die Selbstbestimmung, das Denken ausgeschaltet worden war (beim großen Teil der Bevölkerung jedenfalls, die folgsam mitgemacht haben), so haben wir mit dem Harvard-Psychologen Burrhus Frederic Skinner (8), dessen Arbeiten bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurückreichen, ein zweites Paradigma der Konditionierung, dessen Wirkung er selbst mit Verstärkung („reinforcement“) erklärt: In einer bereits geäußerten Verhaltenssequenz wird das erwünschte Verhalten durch Belohnung verstärkt, ohne dass vorher eine Anweisung dazu oder ein Versprechen gegeben worden war (9).

Auch hier ist das Ziel der Verhaltensformung mit der Ausschaltung von Bewusstsein verbunden — der Ausschaltung von Reflexion, Kritik und Widerstand des Subjekts. Seine Wirkung hat sozusagen den Schock bereits hinter sich, oder war von Anfang an Mittel der Verhaltensformung, an die sich das Individuum gewöhnt hatte, und die es — je nach ideologischer Deutung — als Freiheit, Selbstbestimmung, Autonomie oder Ähnliches erlebt, gilt also für die normalen Zeiten der Kontrolle.

Damit ergibt sich eine Möglichkeit der Verhaltenssteuerung, die das (fremd-)gesteuerte Subjekt gar nicht wahrnimmt. Im Gegenteil: es fühlt sich selbst bestimmt handelnd. „Herrschaft, die das Subjekt nicht spürt.“

Die Deutung von Michel Foucault (1976) (10) trifft hier zu:

„Die „neuen Machtverfahren (arbeiten) nicht mit dem Recht, sondern mit der Technik (…), nicht mit dem Gesetz, sondern mit der Normalisierung, nicht mit der Strafe, sondern mit der Kontrolle.“

Die Wirkung der „Verstärkung“ beruht darauf, dass sich jedes Verhalten durch seine Folgen selbst „verstärkt“: das heißt durch seine Folgen sich selbst reguliert. Das Smartphone ist die beste Realisierung dieser Form der Konditionierung: mit jedem Klick verschafft sich der Benutzer eine Selbstbefriedigung.

Das Subjekt erlebt die Verstärkung als Erfolg seines eigenen Tuns, in diesem Sinn als „Belohnung“, auch wenn die Belohnung durch einen anderen erfolgt. In diesem Fall hat es das Gefühl, die Kontrolle seines Verhaltens — durch andere — übernommen zu haben.

Ebenso machen wir uns in der Regel die Tatsache nicht bewusst, dass wir von den Umständen, unter denen wir handeln (und den Erwartungen, die wir den anderen unterstellen) bestimmt, gesteuert werden.

Behavioristisch ausgedrückt sind Verhaltensäußerungen die „Funktion der Bedingungen von Verhalten“. Die Veränderung dieser Bedingungen hat in der Regel die Veränderung des Verhaltens selbst zur Folge. Die Gestaltung der Straßenführung im Städtebau, ja der Städtebau selbst ist ein Beispiel dafür.

In der Zeit der Pandemie-Inszenierung haben wir Formen von „Belohnung“ erlebt, die nicht mehr waren als die Rückgabe von zuvor den Individuen weggenommenen Rechten, Freiheiten, Möglichkeiten, wie die Möglichkeit, das Flugzeug zu benutzen oder der eigenen Berufsausübung nachzugehen. Diese wurden ihnen unter der Voraussetzung zurückgegeben, dass sie bestimmte Anordnungen, Zumutungen befolgten: zum Beispiel sich mit nicht ausreichend überprüften Stoffen impfen zu lassen.

Propaganda der Psychotechnik

Die behavioristische Formel der Vorhersage und Kontrolle des Verhaltens bedeutet also: Ausschaltung des Bewusstseins, Ausschaltung der Subjektivität, der Fähigkeit zu selbstbestimmtem Denken und zur Kritik an dem, was diese Selbstverständlichkeit menschlicher Existenz beschränkt oder gar verhindert.

Der Behaviorismus ist angetreten mit der Behauptung, eine Psychologie zu formulieren, ohne auf Konzepte wie Bewusstsein und Wille zu rekurrieren. Erst durch diesen Verzicht erreiche Psychologie den Charakter einer Wissenschaft. Als Beweis der Möglichkeit dienten Watson seine Experimente zur Konditionierung.

In der Zeit der Corona-Inszenierung haben wir erlebt, wie diese Experimente zur Verhaltenssteuerung angewandt wurden. Insofern hat die Corona-Inszenierung gezeigt, dass sie Bewusstsein und Willen der Bevölkerung ausschalten konnte.

Oder muss man nicht viel mehr sagen: Die Wirksamkeit der Corona-Inszenierung setzt diese Ausschaltung voraus? Oder sie setzt voraus, dass die Betroffenen ihren Willen und Bewusstsein selbst aufgeben, ausschalten.

Dies ist zugleich Ziel, aber auch verschwiegene Voraussetzung der Wirksamkeit des Behaviorismus; die Ergebnisse seiner Experimente treffen als Erklärungen für Verhalten zu, weil sie mit Settings arbeiten, die das Bewusstsein als Fehlerquelle auszuschalten trachten. Grund, Sinn und Zweck dieser Ausschaltung: Die Beseitigung oder zumindest Eindämmung der Möglichkeit, dass sich aus Kritik Widerstand entwickelt.

Diese Ausschaltung war das Ergebnis eines längeren Prozesses der Vorbereitung. Wir wissen durch das Buch von Paul Schreyer (Chronik einer angekündigten Krise, 2020), (11) dass die Regisseure der Inszenierung sich über viele Jahre hinweg vorbereitet haben, indem sie in sogenannten Rollenspielen das für die Inszenierung notwendige Verhalten vorbereitet und eingeübt haben.

Auch die Bevölkerung wurde vorbereitet, allerdings in einem anderen Sinn: Über viele Jahre hinweg waren Anstrengungen unternommen worden, das selbstbewusste und kritische Bewusstsein und Verhalten, das Teile der Bevölkerung seit Ende der 1960er Jahre/Anfang der 1970er Jahre entwickelt hatten, systematisch zu demoralisieren, durch Kriminalisierung, Strafverfolgung, Zerstörung der beruflichen Perspektive beziehungsweise Existenz („Berufsverbote“ und exemplarische Suspendierung einzelner), sowie Angebote für Leute, die bereit waren, ihrer Geschichte „abzuschwören“ oder die durch die Annahme solcher Angebote sich verpflichtet fühlten oder gezwungen wurden, „die Seite zu wechseln“ (12).

Damit war die Voraussetzung geschaffen, dass die Bevölkerung überwiegend so widerspruchslos, willfährig auf die Inszenierung eingestiegen ist, und zwar auch oder gerade jene Teile der Bevölkerung, die sich selbst als „kritisch“ oder „links“ verstanden hatten, einschließlich der Partei dieses Etiketts, von der kam im Gegenteil entschiedene und rücksichtslose Verfolgung abweichender Meinung und abweichenden Verhaltens.

Erstaunlich bleibt, dass immerhin etwa 30 Prozent der Bevölkerung bei dem letzten Schritt der Inszenierung, nämlich der sogenannten Impfung, nicht mitgemacht haben. Im Gegenteil hat sich eine starke Protestbewegung entwickelt, und zwar unabhängig von denen, die eigentlich in ihrer politischen Haltung und Orientierung dafür vorbereitet gewesen wären, diese Protestbewegung, wenn nicht gar zu initiieren so doch zu unterstützen, eine Protestbewegung, die sich tatsächlich „aus der Mitte der Bevölkerung” gebildet hat — auch deshalb der scharfe Widerstand und die unnachgiebige Verfolgung dieser „bürgerlichen“ Bewegung.

Die Pandemie-Inszenierung zeigte also nicht nur die Wirksamkeit der behavioristischen Methoden der Verhaltenssteuerung, sondern auch die — verschwiegene — Voraussetzung ihrer Wirksamkeit: die Ausschaltung von Willen und Bewusstsein, von Reflexion, Kritik und Widerstand.

Die behavioristischen Experimente treffen nur insoweit und solange zu — als sie mit Settings arbeiten, die das Bewusstsein als Fehlerquelle auszuschalten trachten. Genau darin liegt aber auch die Grenze der Verhaltenssteuerung als Regierungstechnik wie des Behaviorismus: das Bewusstsein der Bevölkerung, der Unterdrückten zumal, lässt sich nicht ohne deren Mitwirkung ausschalten. Die Bevölkerung muss die Imperative der Herrschaft als eigene übernehmen. Dazu reichen bloße Anweisungen nicht aus! Den Anweisungen folgt man — solange nicht Gewalt zum Einsatz kommt — nur wenn man in der Anweisung einen Sinn erkennen konnte. Dafür müssen die „Narrative“ sorgen. Ihre Aufgabe ist es, den Ausführenden von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen. Und selbst im Grenzfall quasi reflexartigen Reagierens ist die nachträgliche Rechtfertigung des Verhaltens nötig (kognitive Dissonanztheorie).

Dazu bedarf es weiterhin der Verführung durch die Versprechungen, die mit dem Diskurs der Macht verbunden sind: der „Argumente”, die überzeugen. Wir bekommen gegenwärtig solche „Argumente“ in unüberschaubarer Zahl geliefert: „Wenn Putin nicht anders zu stoppen ist“, ist der Verfassungsbruch, nämlich „keine Waffen in Kriegsgebiete zu liefern“, unausweichlich. Oder bei der Corona-Inszenierung: „Wenn das C-Virus tatsächlich unvorstellbar gefährlich ist“, ist keine noch so menschenfeindliche beziehungsweise menschenrechtswidrige Maßnahme verboten.

Aber: eine Überprüfung der Behauptung des „Arguments“ ist kaum möglich, wenn der Zugang zu Prüfungsmöglichkeiten und zu Daten verriegelt ist, sei es durch die Überrumpelung am Beginn der Inszenierung, sei es später durch die mediale Zensur und/oder strafrechtliche Verfolgung abweichender Informationen.

Der Diskurs der Macht wird zur hermetisch abgeriegelten Propaganda-Maschine, die nur die einmal getroffene Zustimmung weiter bestätigt, verstärkt. Am Ende sind die im Diskurs Gefangenen nicht mehr durch widersprechende Argumente erreichbar. Man muss also in den Diskurs der Macht einsteigen, sich einbringen, seinen Regeln gemäß, die immer auf eine Affirmation der Macht hinwirken, dies aber nicht explizieren, sondern als Selbstverwirklichung behaupten, versprechen, und deshalb vom Subjekt als Kompetenz erlebt werden.

In den Hintergrund gedrängt bleiben durch diese Propaganda zugleich unsere Möglichkeiten im Angesicht der Macht, dieser Macht entgegenzutreten, vor der wir uns, wenn wir uns durch ihre Propaganda beeindrucken lassen, verbeugen. Wieso wären sonst die riesigen Apparate der Rundfunk- und TV-Sender, der Presse und der Internetmedien mit ihren Fake-News nötig?

Sie sind auch der Ort der Propaganda der Macht. Ihre Funktion: die der „Überzeugung“ — qua Einschüchterung. Diese Funktion hat auch die Androhung von Gewalt, die exemplarisch an einzelnen ausgeübt wird. Sie ist also durchaus kein Grenzfall, wie Foucault noch angenommen hatte, sondern ständig im Hintergrund. Wir haben es in der Coronapandemie-Inszenierung gesehen.


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Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.NATO.int/docu/review/articles/2021/05/20/countering-cognitive-warfare-awareness-and-
resilience/index.html; 20210113_CW-Final-v2-.pdf (innovationhub-act.org)
(2) Klaus-Jürgen Bruder (1982) Psychologie ohne Bewußtsein. Die Geburt der behavioristischen Sozialtechnologie. (PDF) Frankfurt: Suhrkamp
(3) „Give me a dozen healthy infants, well-formed, and my own specified world to bring them up in and I’ll guarantee to take any one at random and train him to become any type of specialist I might select – doctor, lawyer, artist, merchant-chief and, yes, even beggar-man and thief, regardless of his talents, penchants, tendencies, abilities, vocations, and race of his ancestors. I am going beyond my facts and I admit it, but so have the advocates of the contrary and they have been doing it for many thousands of years.” (Behaviorism (2009) (1958), p. 82)
(4) John B. Watson (1913) Psychology, as the behaviorist views it. Psychol. Rev. 20, 158−177
(5) siehe Christopher Clark (2012) The Sleepwalkers: How Europe Went to War in 1914. London: Allen Lane (dt.: Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. München: DVA 2013); Herfried Münkler (2013) Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918. Reinbek: Rowohlt
(6) Klaus-Jürgen Bruder in: Macht – Wie die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung wird. (hg. mit Almuth Bruder-Bezzel). Frankfurt: Westend-Verlag 2021
(7) Naomi Klein (2007) The Shock Doctrine: The Rise of Disaster Capitalism. New York : Metropolitan Books (dt.: Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt/Main: S. Fischer)
(8) Burrhus Frederic Skinner, & Ferster, C. B. (1957). Schedules of Reinforcement. New York; siehe auch Klaus-Jürgen Bruder (1978). Skinner’s „Radical Behaviorism“. Psychologie & Gesellschaftskritik 8, 1978; siehe auch ders. (1982). Die totale Institution. die verschwiegene Basis des Behaviorismus. In: Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis 3, 1982
(9) Klaus-Jürgen Bruder: https://www.ngfp.de/2021/02/statt-der-grundrechte-das-gesetz-des-behavioristischen-
rattenexperiments/
(10) Michel Foucault (1976). Histoire de la sexualité, 1: La volonté de savoir. Paris: Editions Gallimard (Dt. Ausgabe: Sexualität und Wahrheit, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1977, Seite 110 f)
(11) Klaus-Jürgen Bruder (2020), Das Fluten des Realen. Neue Debatte 2020/10/13
(12) siehe: Paralyse der Kritik – Gesellschaft ohne Opposition? hrsg. von Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Bernd Leuterer, Jürgen Günther: Psychosozial Verlag, Gießen 2019
(13) Klaus-Jürgen Bruder (2013) Massenloyalität. In: Sozialpsychologie des Kapitalismus – heute. Zur Aktualität Peter Brückners. (Hg.) mit Christoph Bialluch und Benjamin Lemke. Giessen: Psychosozial-Verlag); https://klaus-juergen-bruder.de/massenloyalitaet-zur-aktualitaet-der-sozialpsychologie-peter-brueckners

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