Auch Filme wie „Time Bandits“ und „Brazil“ von Terry Gilliam oder eine Ausstellung von Ai Weiwei können einem in diesem Sinne den Atem rauben und im besten Falle Dinge ins Verhältnis setzen. Was regt man sich oft auf über die kleinen Hürden, die man täglich nehmen muss, anstatt ihnen gelassen zu entgegnen. Kunst intensiv zu inhalieren, kann durchaus helfen, entspannter den Alltag zu meistern. Steuererklärung, ruppige Verkehrsteilnehmer, geschichtsvergessenen Politiker … was soll's. Große, aber auch kleine Wunder auf Bühnen, in Museen oder wo auch immer können die Lust auf das Leben steigern, wenn man es schafft, die Kraft dieser Erlebnisse mitzunehmen, in Erinnerung zu behalten und im besten Fall bis zum nächsten kulturellen Höhepunkt im Herzen zu bewahren.
Eine solche Performance war auch der Auftritt von Jimi Hendrix auf dem Woodstock-Festival 1969. Vor allem seine Version der amerikanischen Nationalhymne — verzerrt, dreckig, anklagend. Was in diesen vier Minuten an ungezügelter, geballter Kraft ausbrach, war spektakulär. Ohne Pyro, ohne Lasershow. Ein Mann, eine Gitarre — that’s it. Die Kritik an den bestehenden Machtverhältnissen, die Vergewaltigung anderer Länder durch den Hegemon Amerika, die Abscheu gegen den Vietnamkrieg, all das erzählt Hendrix in vier Minuten Gitarrensolo. Die Performance wurde zum Mahnmal für Frieden und Gerechtigkeit und ist bis heute ein verzweifelter Urschrei gegen Krieg und Zerstörung.
Genau dieser Kraft sollten wir uns bewusst werden, wenn wir in die nächste Runde der nationalen und internationalen Friedensbemühungen gehen. Auf politische Instanzen ist kein Verlass mehr. Das wissen wir. Also sollten wir dementsprechend handeln und nicht immer wieder so tun, als ob Wahlen irgendetwas bewirken würden. Keine Regierung, das gilt seit Jahrzehnten, hat Interesse an ihren Bürgerinnen und Bürgern. Auch das wissen wir. Dass man die „Orwell'sche Verdrehung“ — Krieg ist Frieden, Frieden ist Krieg — jetzt so unverblümt ausspricht und auslebt, ist in seiner Radikalität nur konsequent. Ein weiterer Schritt hin zu totalitären Strukturen, auch das wissen wir.
Also lassen wir es doch einfach und beschäftigen uns so wenig wie möglich mit denen, die über jedes Stöckchen springen, das man ihnen hinhält, um auf der Karriereleiter ein Stückchen nach oben zu hüpfen, damit sie noch fetter an der Macht kleben, die sie in ihren feuchten Träumen anscheinend brauchen, um sich zu spüren.
Dieser Haufen an desolaten Marionetten im Auftrag von Big Pharma, Big Tech und Rüstungsindustrie wird nichts dazu beitragen, diese Welt friedlicher zu gestalten. Das müssen wir schon selbst in die Hand nehmen. Schenken wir ihnen also so wenig Aufmerksamkeit wie möglich.
Kunst kann ein wichtiger Baustein sein, neue Visionen immer wieder auszusprechen. Das gilt trotz der Tatsache, dass das Vertrauen in die Zunft der Kulturschaffenden seit 2020 stark gelitten hat. Zu Recht! Aber es gab sie und es gibt sie: die Aufrechten, die Talent mit Aussage verbinden. Es gibt die großen Namen, Legenden wie Roger Waters, Joan Baez oder eben Jimi Hendrix, die aus der DNA der Friedensbewegung nicht wegzudenken sind.
Aber es gibt auch weniger bekannte, nicht weniger begabte, wunderbare Musiker und Künstler, die kein Blatt vor den Mund nehmen, um ihre Botschaft in die Welt zu tragen.
In meiner nächsten Friedennote stelle ich die Künstlerin Alais Clay aus Kolumbien vor, die ich in Mexiko auf dem Kongress THE PEOPLE’S RESET kennengelernt habe — sie ist eine von jenen. Alais, wie auch alle anderen Musiker, die ich dort getroffen habe, schuf ohne Worte, nur durch ihr Sein, ein Bewusstsein dafür, wie wir doch alle ähnlich ticken, so unterschiedlich wir auch sind, wenn wir uns einmal für die rote Pille entschieden haben.
Wenn es uns darüber hinaus gelingen sollte, trotz all der Verletzungen und Enttäuschungen der letzten Jahre offen für das Gegenüber zu bleiben, den Mensch zu sehen, nicht seine Funktion, und dadurch vorleben, dass Empathie gerade im Alltag möglich ist, haben wir schon viel gewonnen.
Dann wird eines immer klarer: Wir brauchen die politischen Instanzen nicht, denn sie schaden uns mehr, als sie uns nutzen.
Machen wir es doch so, wie es eine meiner wichtigsten Heldinnen des letzten Jahrhunderts, immer empfohlen hat: Machen wir uns die Welt, wie sie uns gefällt!
Angstfrei, dezentral im Alltag, national und international vernetzt, mit Humor und der Lust auf das analoge Leben — so kommen wir sicher schneller in einen Zustand der Zufriedenheit, der Freude, vielleicht sogar der Euphorie, die uns durch die nächsten Jahre tragen könnte.
Greifen wir an, immer wieder, immer friedlich, mit den schärfsten Schwertern, die wir haben: Offenheit, Humor und Herz.
Jimi Hendrix: The Star Spangled Banner National Anthem
Ein kleiner Zusatz in eigener Sache
Ein Thema, das fast vergessen wurde und seit Jahren gesellschaftlich kaum beachtet wird, ist die Neutralität eines Landes, sie kann ein Weg zum Frieden sein. Nicht wie die Schweiz — besser. Denn auch wenn die Schweiz selbst keine Soldaten nach Afghanistan oder in andere Kriegsgebiete schickt, so verdient sie doch gut an internationalen Konflikten. Um diese notwendige Debatte anzustoßen, haben Uli Gellermann, Arnulf Rating und ich 35 Autorinnen und Autoren gebeten, sich zu diesem Thema Gedanken zu machen. Das Ergebnis findet Ihr in dem Buch „Deutschland neutral! Mit Sicherheit für Frieden“ das am 23. März im Westend Verlag erscheinen wird.
Mit Beiträgen von Wolfgang Bittner, Amalia Bredehorn, Mathias Bröckers, Dietrich Brüggemann, Diether Dehm, Roberto De Lapuente, Wolfgang Effenberger, Tino Eisbrenner, Jens Fischer Rodrian, Lisa Fitz, Jürgen Fliege, Uli Gellermann, Rolf Gössner, Ulrike Guérot, Gabriele Gysi, Madita Hampe, Oskar Lafontaine, Albrecht Müller, Hermann Ploppa, Dirk Pohlmann, Arnulf Rating, Nicolas Riedl, Hauke Ritz, Alexa Rodrian, Walter van Rossum, Werner Rügemer, Michael Sailer, Wolfgang Schwarz, Ekkehard Sieker, SIERA, Kayvan Soufi-Siavash, Uwe Soukup, Markus Stockhausen, Gwendolin Walter-Kirchhoff und Flavio von Witzleben.
Hier können Sie das Buch bestellen: „Deutschland neutral! Mit Sicherheit für Frieden“
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