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Ein Rückfall in der Zeit

Ein Rückfall in der Zeit

Zu glauben, unsere Gegenwart sei das fortschrittlichste Stadium der Menschheitsgeschichte, ist ein Irrtum — vielmehr erleben wir die Renaissance längst überwunden geglaubter Feudalstrukturen. Ein Exklusivauszug aus „Der neue Feudalismus“.

Wir werden von einem Tsunami schlechter Nachrichten nur so überspült.

Da wird schon wieder ein neuer Krieg aufgemacht. Ganze Regionen werden mal eben in Trümmerfelder verwandelt. Und auch in der Region, in der wir leben, verdunkelt die etwas leisere, subtile Zerstörung des Gewohnten unser Gemüt. Es zermürbt.

Da wird mal eben wieder ein örtliches Krankenhaus geschlossen. Die Bibliothek kann nur noch von ehrenamtlichen Mitarbeitern am Leben erhalten werden. Auch der Bus fährt nicht mehr bis zum nächsten Ort.

Wir wollen unseren Hausarzt anrufen. Wir hören aber nur immer einen Anrufbeantworter, der uns sagt, dass zurzeit gerade alle Telefone belegt sind. Wir wollen Käse einkaufen. Der ist schon wieder glatt einen Euro teurer geworden, und die Verpackung ist viel größer als der Käse in der Verpackung.

Wut staut sich auf und kann sich nirgendwo entladen. Wir müssen ja funktionieren. Da ist eine Macht, der wir ausgeliefert sind. Wir sehen die Mächtigen jedoch nicht mehr. Stattdessen demente Politiker, die nichts zu sagen haben und nur dazu dienen, dass wir unsere Wut irgendwo abladen können. Es bleibt uns aber tatsächlich nur noch das Zähneknirschen. Denn immer anonymer ist die strukturelle Gewalt, der wir tagtäglich ausgesetzt sind.

Regieren nach Gutsherrenart ist jetzt wieder angesagt. Die Regenten in den westlichen Ländern begreifen das ihnen anvertraute Amt nur noch als willkommene Gelegenheit, öffentliche Gelder in die Taschen der eigenen Sippe umzuleiten. Sie müssen ja keine Strafe mehr fürchten. Wie in grauer Vorzeit werden Personen, die die Herrschenden auch nur ganz vorsichtig kritisieren, wegen Majestätsbeleidigung ins Gefängnis gesteckt. Ein ganzes Volk wird in den Lockdown eingeschlossen. Mit dem Anglizismus „Lockdown“ wird das unfeine deutsche Wort „Einschließung“ vermieden. Obendrein wollte die Elite uns alle zur Impfung mit einer noch gar nicht ausgereiften Substanz zwingen. Grundgesetzlich verbrieftes Anrecht auf körperliche Unversehrtheit? Das war einmal.

Eine Revolution von oben hat in den letzten fünf Jahren stattgefunden. Die Akteure dieser mutwilligen Zerstörung bejubeln ganz offen das, was sie „Disruption“ nennen. Das bedeutet weniger fein ausgedrückt: Zerrüttung, Verwirrung. Kein Stein soll mehr auf dem anderen bleiben.

Wir versuchen immer wieder, die Akteure dieser Zerstörung ausfindig zu machen. Das anonym gewordene Machtgefüge zu entschlüsseln.

Doch wir stochern im Dunklen.

Aber wir kommen um die Mühe nicht herum, komplexe Realitäten auch komplex zu analysieren. Darum mache ich mir die Mühe, in einem geschichtlichen Parforce-Ritt zu verstehen, was da jetzt auf uns zukommt.

Die Geschichte ist im Wesentlichen die Geschichte der Beziehung von Herrschenden und Beherrschten. Die Geschichte handelt davon, wie sich immer wieder Menschen ein viel zu großes Stück aus unserem Kuchen herausschneiden. Ein Kuchenstück, das sie anderen rauben, die dafür entsprechend zu wenig haben. Und immer wieder gelingt es dann doch im Lauf der langen Geschichte, wieder mehr Verteilungsgerechtigkeit herzustellen.

Diese Geschichte kennenzulernen lohnt sich. Denn wir erfahren, wie der Verteilungskampf um die Kuchenstücke funktioniert. Wir begreifen besser, wo wir hergekommen sind. Und wie es kommt, dass wir eine so komfortable Kindheit und Jugend genießen durften. In diesem Buch nenne ich die Akteure, die uns diese wunderbaren Errungenschaften wieder wegreißen wollen. Wir müssen wissen, wo wir herkommen. Dann wissen wir besser, wo es hingeht.

Das, was sich gerade vor unseren entsetzten Augen vollzieht, bezeichne ich als „Neuen Feudalismus“. Sicher, den alten Feudalismus wird es nie wieder geben. Wir sind nicht mehr im Zeitalter von Ackerbau und Viehzucht. Aber die Art und Weise, wie die neuen unsichtbaren globalen Eliten agieren, hat große Ähnlichkeit mit dem Feudalismus. Es wird wieder irrational nach Gutsherrenart regiert. Die neuen feudalen Herren regieren, ohne sich durch Leistung für die Gesellschaft zu legitimieren. Sie bestimmen einseitig die Höhe unserer Abgaben an die Herrschaften. Die neuen Feudalherren kassieren immer öfter von uns leistungslose Einkommen. Das bürgerliche Äquivalenzprinzip, dass nämlich gleichwertige Waren miteinander getauscht werden und dass rationale, nachvollziehbare Kalkulationen vorherrschen, gilt nicht mehr. Mit einem Schlag gelten keine von der Gemeinschaft verabredeten Spielregeln mehr. Der öffentliche Raum wird uns wieder einmal gestohlen. Wie dereinst den Bauern die Allmende. Es wird privatisiert, bis der Arzt kommt. Wir werden bis aufs Hemd ausgeplündert. Hausbesitzer verwandeln sich in Mieter. Und irgendwann kommen die Zeltstädte der Obdachlosen. In den USA ist es bereits so weit. Bei uns gottlob noch nicht.


Das Buch kann beim Autor unter der Mailadresse: liepsenverlag@gmail.com bestellt werden. Das Buch wird auf Wunsch signiert.


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