Zum Inhalt:
Unterstützen Sie Manova mit einer Spende
Unterstützen Sie Manova
Fair gestritten

Fair gestritten

Wenn es um Migration geht, kochen die Wogen der Erregung oft hoch. Eine Talksendung mit Jens Lehrich brachte Kombattanten verschiedener Herkunft an einen Tisch.

Zuwanderung, ein steter Begleiter, der uns in Deutschland seit der Flüchtlingskrise 2015/2016 nie verlassen hat. Ein Thema, das zwar hin und wieder von den Massenmedien aufgegriffen wird, die Konsequenzen jedoch ein unerwähnter Schatten bleiben, der die Lippen der Nachrichtensprecher bindet. Es wird viel von den hier lebenden Menschen abverlangt, und zwar nicht nur von den Deutschen, sondern auch von den schon eingesessenen Menschen mit Migrationshintergrund, welche sich der Gefahr ausgesetzt sehen, mit den Neuankömmlingen in einen Topf geworfen zu werden.

Im Fair Talk verschob sich, zumindest zeitweise, das Thema vom Titel „Gründe und Grenzen der Migration“ hin zu „Migrantenkriminalität“, wofür man Verständnis aufbringen kann, da diese Folge der Massenzuwanderung ein Thema darstellt, mit dem wir Bürger, vor allem in Großstädten, ziemlich oft konfrontiert werden. Die dabei von der Politik sowie Massenmedien betriebene Verschleierung der Herkunft von Tätern bietet dem Misstrauen der Bürger gegenüber der Politik sowie Vertretern öffentlicher Sicherheit nur noch mehr Auftrieb.

Dem sich in der Gesellschaft aufbauenden Frust bietet Feroz Kahn ein ideales Ventil, der selbst einen Migrationshintergrund vorzuweisen hat, welcher bei seiner Kritik an der Migrationspolitik als Schild unverwundbaren Stahls dient. Als Musterbeispiel gelungener Integration und mithilfe seines reichen Wortschatzes sowie seinen rhetorischen Fähigkeiten kann er sich erlauben, Dinge zu sagen, für die ein Deutscher vermutlich schnell mit dem Begriff „rechtsradikal“ betitelt werden würde. In der gemeinsamen Tiefe ihrer Überzeugungen verbanden sich Feroz Kahn und Nikolai Binner zu einem schlagfertigen Duo.

Beide führten folgerichtig aus, dass eine Gesellschaft an Massenvergewaltigungen, aber auch ungebührlichen Berührungen gegenüber Frauen in der Öffentlichkeit seitens Zugewanderter zugrunde gehen kann und dieses Verhalten nicht toleriert werden darf. Feroz empfahl, solch ein Benehmen mit voller Härte des Gesetzes zu ahnden, wobei Ausweisungen aus dem Land keine Ausnahme, sondern die Regel sein sollten.

Das Duell

Kayvan Soufi-Siavash bot Feroz Kahn bei seinen Ausführungen die Stirn, was zu einem fesselnden argumentativen Schlagabtausch führte. Er wies darauf hin, dass diese Menschen oftmals aus Ländern kämen, die durch die westliche Geopolitik in Schutt und Asche gelegt wurden und viele schwere Traumata erlitten hätten. Ferner führte er an, dass man deutschen Waffenlieferungen mit derselben Vehemenz entgegentreten sollte wie der Migrantenkriminalität. Leider ist es ihm nicht gelungen, für den Zuschauer den Zusammenhang verständlich darzustellen, inwiefern Geopolitik Migrantenkriminalität begünstigt, wodurch er Feroz Angriffsfläche bot. Das Publikum applaudierte ihm dennoch, wobei man anmerken muss, dass Kayvan eine Größe, ja fast ein Star der alternativen Medienszene ist und großes Ansehen genießt, womit sich sicherlich auch der viele Applaus, den Kayvan geerntet hat, begründen lässt.

Das geopolitische Argument Kayvans lehnte Feroz ab, da Massenvergewaltigungen in Deutschland mit Waffenlieferungen in Krisengebiete nicht in Verbindung gebracht werden können. Die Kausalität sei laut Feroz nicht gegeben. Wobei B-LASH ihm zu Recht mit der Frage entgegnete, warum diese Menschen überhaupt nach Europa gekommen sind. Es kristallisierte sich meiner Beobachtung nach unter anderem eine Frage heraus, die man folgendermaßen beschreiben könnte:

Inwieweit sind persönliche Hintergründe junger männlicher Migranten ausschlaggebend für ihr kriminelles Verhalten, und inwiefern rechtfertigen oder entschuldigen sie dieses?

Kayvan hat dazu Stellung bezogen und in seiner energetischen Art zu verstehen gegeben, dass die persönlichen Hintergründe bei kriminell gewordenen Migranten beim Strafmaß vor einem deutschen Gericht „eingepreist“ werden sollten. Also so etwas wie ein Bonus? Ich denke, dass deutsche Gerichte überdurchschnittlich nachsichtig bei der Verurteilung von Straftätern sind. Der Begriff „Kuscheljustiz“ kommt nicht von ungefähr.

Nicht zu unterschätzen ist auch ein psychologischer Aspekt, der eine direkte Verbindung zwischen Sexualität und Gewalt ermöglicht. Bei einer Vergewaltigung wird das Verlangen, Macht zu demonstrieren, durch die sexuelle Handlung zum Ausdruck gebracht. Der männliche Trieb dient dazu als Ventil. Dies kennt man auch aus Vorfällen aus Gefängnissen, bei denen Männer sich gegenseitig vergewaltigen. Eine Massenvergewaltigung hat sein Äquivalent zu einer Prügelorgie, bei denen viele Personen gemeinschaftlich auf ein wehrloses Opfer einschlagen.

Feroz Kahn muss man an dieser Stelle wohl auch Recht geben, wenn er auf die Statistiken hinweist, in denen Migranten überrepräsentiert sind. Man muss sich dazu nur die Berliner Gefängnisse ansehen, in denen Migranten überproportional inhaftiert sind.

Trotz Kuscheljustiz. Er hat auch recht, dass die deutschen Gesetze, welche zu diesen Themen vorhanden sind, im Grunde genommen nur exekutiert werden müssten. Wenn man aber ergründen möchte, warum das nicht der Fall ist, muss man wieder zu einer Makroperspektive wechseln. Dort ist man in der Lage, die dahinterstehende Agenda zu erkennen, jedoch nicht ohne den Pfad der Verschwörungstheorien zu betreten.

Das Minusgeschäft

Bei etwa Minute 20 des Videos fragt Feroz Kayvan, was „wir“ den Tunesiern geliefert hätten, außer 100 Millionen Entwicklungshilfe, und dass „wir“ dadurch bei „ihnen“ eine Rechnung offen hätten. Wenn man dieses Argument genauer unter die Lupe nimmt, entpuppt es sich als heiße Luft. Entwicklungshilfen kommen nämlich in den seltensten Fällen dort an, wo sie wirklich gebraucht werden. Meist fließen die Gelder direkt an Unternehmen aus den Ländern zurück, aus welchen sie gekommen sind, oder werden schlicht und ergreifend als Schmiergelder missbraucht, um von den Geldgebern gewünschte politische sowie geostrategische Ziele durchzusetzen. Inoffiziellen Annahmen zufolge werden mit jedem Dollar Entwicklungshilfe, der nach Afrika fließt, etwa zehn Dollar unter dem Tisch aus dem Kontinent wieder herausgeholt.

Doch nicht nur das. Besonders die westlichen Länder drängten in der Vergangenheit Afrika dazu, die Märkte zu öffnen, um den Handel mit Rohstoffen und Waren zu vereinfachen. Gleichzeitig schützen sie aber mit Subventionen ihre eigenen Produzenten, sodass Afrika bis zum heutigen Tag erheblich erschwert wird, eigene Rohstoffe und Waren gewinnbringend auf dem Weltmarkt anzubieten.

Als Beispiel dienen uns Frauen in Burkina Faso bei der Baumwollernte, die trotz der harten Arbeit kaum ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Dabei handelt es sich um eine hochwertige Baumwolle von bester Qualität, die vollständig von Hand geerntet und sortiert wird. Trotzdem ist sie im Vergleich zur amerikanischen Baumwolle, die aufgrund von Subventionen der US-Regierung günstig bleibt, nicht konkurrenzfähig und wird zu einem Spottpreis gehandelt.

Wir brauchen den Afrikanern nichts zu geben, sondern müssen aufhören, ihnen so viel zu nehmen.

Letzen Endes scheint es mir, dass Feroz Kahn die Augen vor den großen Zusammenhängen verschließt, die eine Erklärung dafür bieten, warum die Menschen mit solch einem großen Frust nach Europa kommen, und weshalb die großen Migrationsbewegungen überhaupt in Gang gesetzt werden.

Um nicht in einen Strudel der Konfrontation zu gelangen, aus dem es keinen Ausweg mehr gibt, versicherten sich Feroz und Kayvan immer wieder gegenseitig, dass sie eigentlich doch ziemlich ähnlich denken, was aus meiner Sicht zu begrüßen ist, da wir uns davor hüten sollten, durch verschiedene Ansichten in Detailfragen das große Ganze aus den Augen zu verlieren und sich einem Gefecht zwischen zwei Egos hinzugeben.

Die andere Perspektive

Zwar erntete B-LASH bei den Kommentaren auf YouTube keinen großen Zuspruch, da er versucht hat, die Statistiken bezüglich der Kriminalität, aufgeschlüsselt nach Herkunft der Täter, zu relativieren. Doch hat er ganz richtig hervorgehoben, dass die Menschen, die hierherkommen, in ihren Herkunftsländern selbst eher zu den Verlierern ihrer Gesellschaft gezählt werden können. Es sind oftmals junge Männer, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage waren, in ihrer Heimat sowohl eine Familie zu gründen als auch sie zu versorgen. Es sind Menschen, die nichts zu verlieren haben und mit einer großen Portion Frust nach Europa kommen.

Die politischen Hintergründe für diesen Zustand bleiben uns meist verborgen. Wir erinnern uns nur an den „Arabischen Frühling“, der zwar offiziell mit dem Narrativ belegt wird, dass eine schlichte Unzufriedenheit der Bürger der Maghreb-Staaten zu zivilen Unruhen, Protesten und schließlich zu einer politischen Instabilität führte – was sicherlich auch der Wahrheit entspricht. Verschwiegen wurde uns aber, dass westliche Nichtregierungsorganisationen diese Menschen tatkräftig unterstützten: Stichwort „Regime Change“.

Auch hat B-LASH es ziemlich gut geschafft, die Perspektive eines in Berlin-Kreuzberg aufwachsenden Migranten zu beschreiben, der von der Gesellschaft zwar aufgefordert wird, sich zu integrieren, dieses Ziel aber, zumindest von Teilen der Gesellschaft, erheblich erschwert wird. Dieses Phänomen führt oftmals zu der unerwünschten Bildung von Parallelgesellschaften.

Fazit

Was Jens Lehrich und sein Team auf die Beine gestellt haben, gehört eigentlich in die Primetime der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Debatte war ehrlich und wurde dem Namen der Sendung „Fair Talk“ absolut gerecht. Es wurden Menschen mit verschiedenen Ansichten eingeladen und ihnen wurde erlaubt, ihren Standpunkt darzulegen und zu verteidigen, meistens ohne unterbrochen zu werden. Wir können nur hoffen, dass sich Maischberger und Co. eine Scheibe davon abschneiden. Dieses Lob gilt natürlich auch für die Gäste selbst, die trotz unterschiedlicher Sichtweisen die Kultur einer gesunden Debatte wahrten.

Zum Inhalt der Diskussion sollte man sich final folgende Fragen beantworten:

Will man wirklich konstatieren, dass arabisch-muslimische Migranten grundsätzlich gewaltbereiter und krimineller sind als andere? Selbst wenn es wahr wäre? Die Folgen einer solchen Feststellung wären für unsere Gesellschaft tiefgreifend. Sie könnten zu einer Stigmatisierung aller Menschen aus dem Nahen Osten führen und eine Spaltung hervorrufen, die in einer Atmosphäre des Misstrauens mündet und, weiter gedacht, in einer Gewaltspirale enden könnte.

Es ist nicht leicht, ein eindeutiges Rezept zur Lösung dieses Problems zu geben. Einerseits sollte man Wahrheiten aussprechen dürfen, andererseits muss man bei der Aussprache von Wahrheit die Kollateralschäden berücksichtigen, die dabei entstehen können. In diesem Fall wäre es die Stigmatisierung von Menschen, die keine kriminelle Karriere eingeschlagen haben und wirklich als eine gesellschaftliche Bereicherung verstanden werden können.

Unsere Gesellschaft besteht leider nicht nur aus Intellektuellen, Freigeistern und Menschen mit breitem Horizont, die in der Lage sind, derartige Informationen richtig einzuordnen. Somit ist die Aufgabe derer, die mit solchen Eigenschaften gesegnet wurden, ihren Mitmenschen mit viel Verständnis und Geduld zu helfen, selbst zu Schlussfolgerungen zu gelangen, damit der gesellschaftliche Frieden gewahrt bleibt, und wir uns als Gemeinschaft diesen Herausforderungen stellen können.



Fair Talk: „MIGRATION - GRÜNDE UND GRENZEN DER ZUWANDERUNG“ mit Kayvan Soufi-Siavash, B-Lash, Nikolai Binner und Feroz Khan


Wenn Sie für unabhängige Artikel wie diesen etwas übrig haben, können Sie uns zum Beispiel mit einem Dauerauftrag von 2 Euro oder einer Einzelspende unterstützen.

Oder senden Sie einfach eine SMS mit dem Stichwort Manova5 oder Manova10 an die 81190 und mit Ihrer nächsten Handyrechnung werden Ihnen 5, beziehungsweise 10 Euro in Rechnung gestellt, die abzüglich einer Gebühr von 17 Cent unmittelbar unserer Arbeit zugutekommen.

Weiterlesen

Angst essen Meinungsfreiheit auf
Thematisch verwandter Artikel

Angst essen Meinungsfreiheit auf

Beim „Freitag“ hat man Angst vor den Folgen des Digital Services Act der EU, wonach Plattformbetreiber für unerwünschte Inhalte haftbar gemacht werden können.

Der gläserne Fahrgast
Aktueller Artikel

Der gläserne Fahrgast

Zug fährt man bald nur noch mit elektronischer Fußfessel: Die Deutsche Bahn steht auf Kriegsfuß mit ihren Fahrscheinautomaten. Kunden sollen digital buchen und mit ihren Daten bezahlen.

Die Verfassungsfeinde
Aus dem Archiv

Die Verfassungsfeinde

Im Rubikon-Exklusivinterview ruft Beate Bahner, Fachanwältin für Medizinrecht, zum zivilen Ungehorsam gegen die Grundrechtseinschränkungen auf.