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Kanonenfutter voller Inbrunst

Kanonenfutter voller Inbrunst

Die feinfühlige Generation Z soll in der Knochenmühle des dräuenden Krieges verheizt werden. Ein Aufeinandertreffen verschiedener Welten bahnt sich an. Fast eine Glosse.

Der Mann, wir wissen es aus langen Jahren voller neofeministischer Agitation, ist ein seelisch verkrüppelter, ein jederzeit gewaltbereiter Nebenaspekt der Menschheit. Zuletzt hat das die Causa Collien Fernandes nochmal ganz deutlich gemacht: Jeder Mann sollte sich für das schämen, was der einstige Galan der ehemaligen VIVA-Moderatorin seiner Gattin angetan haben soll. Schämt sich Mann allerdings nicht dafür, will er es noch nicht mal zur Kenntnis nehmen, dokumentiert er wieder mal nur seine Toxizität, seinen Hang zu destruktivem Verhalten und seine Akzeptanz von Gewaltexzessen. Kurz gesagt: Der Mann ist eine Bestie, ein monströses Geschlecht, von dem sich Frauen besser fernhalten. Was man Frauen daher raten kann: Keine Beziehung zu einem Mann eingehen.

Dann spart sich die Frau auch die Sorge, die sie bald befallen könnte, wenn der werte Partner etwas tun muss, was nur ihm — qua Geschlecht — zufällt: Militärdienst. Auch Landesverteidigung genannt. Die Wehrpflicht, die vermutlich längst beschlossen, aber noch nicht umgesetzt ist, droht bloß Menschen männlicher Ausprägung. Sie sollen Vaterland, Heim, Herd, Kinder und Frauen im Ernstfall schützen. Und das mit allem, was dazu aufgebracht werden kann und muss — anders gesagt: Die Bestie, die in ihm steckt, hier will man sie dienstbar machen, das Monstrum soll im Kampf Mann gegen Mann herausgekehrt werden — denn Bestialität hat in Kriegsszenarien noch nie geschadet.

Die allseits so ungeliebte toxische Männlichkeit, von der man gesellschaftlich so gerne spricht, soll — so stellt man es sich offenbar vor — nach einem neuerlichen Endsieg gewürdigt und gefeiert werden. Und danach?

Erziehen wir die Bestien, die „im Felde“ wüten durften und mussten, wieder zu jener Art von Mann, die in diesen Vorkriegstagen von bestimmten Kreisen als noch erstrebenswert postuliert wird?

Gewaltausübung — aber mit bitte mit gewaltfreier Sprache

Die Wehrpflicht ist noch freiwillig. Sicher, dies liest sich widersprüchlich, denn Pflichten sind kein Ausdruck von Freiwilligkeit. Zumindest waren sie das bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht. Aber nach der Debatte über eine allgemeine Impfpflicht hat sich die Auffassung des Themas verpflichtender Freiwilligkeit oder freiwilliger Verpflichtung ziemlich verändert. Wir erinnern uns: Einer Impfpflicht sei quasi dennoch freiwillig zu folgen, denn niemand würde mit der Polizei ins Impfzentrum verbracht — gut, man verliert dann zwar seinen Arbeitsplatz, seine Krankenversicherung, den Anspruch auf Sozialleistungen und vielleicht sogar das Dach über dem Kopf. Aber ansonsten plante man diese Pflicht als totale Freiwilligkeit. Bei der Wehrpflicht hielt man es bisher ähnlich — noch traut sich die Politik nicht, sie grundsätzlich einzuführen, noch glaubt sie an die Macht der Propaganda, die die jungen Männer „überzeugen“ wird. Aber sie wird früher oder später eine klassische Pflicht werden, einer, der man nachgehen muss, ob man das möchte oder nicht.

Dann heißt es für den männlichen Teil — den männlich geborenen Teil, Transrechte sind nur ein Schönwetterthema und ein First-World-Problem in Friedenszeiten — der Generation Z, die Knobelbecher zu schnüren und das Gepäck zu schultern. Mancher wird da erschrecken, denn der Kasernenhof — der gewissermaßen die Vorstufe zum anvisierten Ernstfall um den nächsten Jahrzehntwechsel darstellt — ist kein Ort gewaltfreier und wertschätzender Sprache, ihr verfickten Schlappschwänze! Wertschätzung? Der Soldat lässt sich im Wert durchaus taxieren: Bei seinem Ableben erhalten die Hinterbliebenen eines ledigen Soldaten Sterbegeld, 2.557 Euro weist das Soldatenversorgungsgesetz aus. Kommt der Soldat im Einsatz ums Leben, gewährt das Gesetz noch weitere Geldleistungen. Ehrenmedaille obendrauf.

Ein junges Leben muss vergolten werden — erstaunlich freilich ist, dass die Generation Z pekuniäre Aspekte gar nicht so sehr im Blick hat. Sie lebt in Idealen und kann der Deindustrialisierung enorm etwas abgewinnen. Denn schließlich rettet dieser Rückbau und die damit einhergehende wirtschaftliche Schwächung und die um sich greifende Arbeitslosigkeit und Not nicht weniger als das Klima — und somit den gesamten Planeten. It’s the economy, stupid: Davon hat sie nie etwas gehört. Der Lehrkörper und die Eltern unterstützten diese Generation auch bei ihren freitäglichen Protesten — letzte nicht selten mit einem gewissen Stolz. Erziehung bedeutete zu anderen Zeiten auch, den lieben Kleinen Zusammenhänge aufzuzeigen. Das wurde zuletzt jedoch häufig verpasst — nun wird das die Bundeswehr oder die Wehrpflicht nachholen müssen: Dort erfahren die jungen Männer, dass es eben doch the economy ist, stupid. Und ihr Leben ist auch nur so ein unbedeutender Wirtschaftsfaktor, den man mit Geld aufwiegen kann.

Wie soll es der Spieß halten? Wie bildet die Bundeswehr in Zeiten wie diesen, in denen die Jugend in großen Teilen Produkt einer gezielten Wohlstandsverwahrlosung ist, das Kanonenfutter aus? Sicher, die jungen Männer sollen ja nicht nur den feindlichen Kanonen zum Fraß vorgeworfen werden, sondern ihrerseits junge Männer der Gegenseite mit hinübernehmen in das Reich der Toten.

Wie tötet, wie meuchelt man, wenn man es noch nicht mal aushalten kann, dass jemand eine Wortwahl bevorzugt, die angeblich toxisch und „alter weißer Mann“ ist?

Muss man die neuen Krieger abholen, indem man ihre Sprache übernimmt?

Rekruten, das Bajonett dient der unmittelbaren Konfliktklärung auf kürzeste Distanz — wenn der Gesprächsabstand unter einen Meter fällt, übernimmt das Zusatzbesteck die Kommunikation.

Oder ist es ratsamer, den konfliktscheuen Rekruten die Sprache beizubringen, die notwendig ist, um einen entmenschlichten Feind aufzuspießen?

Toxische Unmännlichkeit

Andererseits beherrscht diese Generation das, was man früher etwas altbacken die „Quadratur des Kreises“ nannte. Gut, mit dieser mathematischen „Formel“ weiß sie freilich nichts anzufangen. Denn Bildungsleistungen stehen für sie im Kurs viel niedriger als moralische Kernqualifikationen.

Aber eine Generation, die beigebracht bekam, dass Distanz Nähe, Maske Gesicht zeigen und Spaltung Zusammenhalt ist, die könnte freilich auch lernen, dass Gewalt Gewaltfreiheit und Tod Leben darstellt.

Widersprüche verdrängt sie nicht etwa, nein, sie erkennt sie erst gar nicht mehr. Dialektisches Denken hat sie nicht gelernt. Das braucht auch niemand, der das Leben hienieden lediglich als einen moralistischen Wettbewerb wahrnimmt, bei dem es lediglich darauf ankommt, möglichst deutlich die eigene Sensibilität herauszukehren — in vorderster Linie nicht mit dem Ziel, wirklich dem Guten einen Dienst zu erweisen, sondern sich damit brüsten zu können und es als Waffe gegen jene zu richten, die man für nicht sensibel genug hält.

Das dürfte den Ausbildern der Bundeswehr, die bald neue Rekruten auf dem Kasernenhof begrüßen dürfen, wirklich Schwierigkeiten bereiten. Denn alles was von einem Krieger — einem Landesverteidiger — verlangt wird, hat wenig mit Sensibilität zu tun. In einem Krieg sterben die Sensiblen zuerst. Die Skrupellosen überleben nicht unbedingt, haben aber bessere Chancen. Inklusion und Gleichbehandlung, Selbstentfaltung und Gerechtigkeitssensibilität: Was will man damit anfangen, wenn man unter Beschuss gerät? Der Feind wird nun mal nicht inkludiert und gleichbehandelt, sondern ganz im Gegenteil, der Soldat fokussiert sich auf sein Ableben — gerecht ist das freilich ganz und gar nicht. Und zur Selbstentfaltung bleibt im bittersten aller Szenarien keinerlei Raum. Der Soldat ist das Gegenteil all dessen, was der männlich gelesene Generation-Z-Lauch als Wertekanon seiner Existenz bislang ersehnt hat.

Die größte Ungerechtigkeit liegt in dem Umstand, dass es nur junge Männer trifft — den Softie, der über Jahre vom Neofeminismus und seiner Opfer-Abo-Mentalität zu einem Klumpen Asexualität geformt wurde, der nun die Kohlen aus dem Feuer holen soll, die die Politik dort hineingeworfen hat.

Früher hätte man gesagt, dass diese verantwortungslose Politik von Männern gemacht sei, die den Krieg verabreden — und die dann die Söhne anderer, machtloserer Männer in den Krieg schicken. Aber das stimmt längst nicht mehr, denn die testosteronarmen Söhne des Volkes werden auch von kriegsgeilen Bräuten ins dräuende Gefecht gelotst: Von Kommissionspräsidentinnen, europäischen Außenbeauftragten im Hosenanzug oder aggressiven ältlichen Damen mit Doppelnamen und Rüstungslobbynähe. Ihre Geschlechtsgenossinnen bleiben aber außen vor, müssen nicht „zum Bund“; ausbaden müssen es die Träger toxischer Unmännlichkeit. Sie sollen nun umdenken, endlich den ganzen Kerl in sich entdecken und ihn von der Kette lassen. Die mentale Kastration, der sie unterworfen wurden, jetzt ist sie störend und lästig — aus bärtigen Prinzessinnen haben jetzt Berserker zu werden. Brachiale Kriegernaturen, die nicht nach Pronomen fragen, bevor sie das Bajonett in die Eingeweide des Feindes rammen oder auf alles schießen, was sich nachts nach Eintritt der Ausgangssperre doch noch bewegt.

Selbstentfaltung in Reih und Glied

Mädchen können alles mindestens so gut wie Jungs. Frauen brauchen Männer nicht. Aber sie dulden sie dennoch — halbwegs jedenfalls. Und nun die große Umkehr. Im Angesicht des Krieges stellt sich heraus, dass die „Drecksarbeit“ dann doch Männersache ist. Wer fordert eine Frauenquote für Fronteinsätze?

Oder wenigstens für die Etappe hinter den Frontlinien? Stille im Deutschland des Jahres 2026 — wenn es ans Töten, wenn es ans Sterben geht, dann zeigt sich die feministische Phalanx seltsam zurückhaltend. Sicher, Alice Schwarzer fordert die Gleichbehandlung bei Wehr- und Pflichtdienst — sie ist jedoch die Ausnahme. Andererseits muss man die Ruhe des weiblichen Geschlechts verstehen, denn wer reißt sich schon darum, sein Leben lassen zu dürfen?

Aber auch hier schweigen jene Damen, die sonst die Deutungshoheit beanspruchen, wenn es wieder darum geht, das „ewige Patriarchat“ zu brandmarken — so wie die bayerischen Grüninnen neulich, als die die langen Warteschlagen vor Damentoiletten als „politisch gewollt“ und damit irgendwie männergemacht monierten. Nichts ist denen peinlich, jeden Unsinn deuten sie als Angriff des abgrundtief bösen Mannes gegen die Frauenwelt. Wenn die Kerle dann eine Wehrpflicht absolvieren sollen, die darauf abzielt, sie ab dem Jahr 2029 für den Krieg gegen Russland dienstbar zu machen, schweigen sie sich aber aus. Womöglich auch deshalb, weil sie es vielleicht gar nicht so schlimm finden, wenn es den Männern an den Kragen geht?

Vorbei die Zeiten der Selbstentfaltung. Die Biologie ist wieder zurück in der Spur. Auch wenn es (noch) keiner zugibt. Aber die Debatte um die Wehrpflicht zeigt doch deutlich, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Denn auch Transpersonen müssen Dienst an der Waffe tun, sofern der Antrag zur Geschlechtsänderung in „unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit dem Spannungs- und Verteidigungsfall gestellt wird“. Das ist natürlich so fluide formuliert, wie gemeinhin nur die geschlechtliche Wechselbereitschaft der Generation Z. Selbstbestimmungsgesetz: Da jubelte diese Generation noch ausgelassen. Aber Selbstbestimmung ist kein Wert für das Soldatenleben — und schon gar nicht für einen Ernstfall. Dann gehört der Bürger dem Staat von Kopf bis Fuß, wird zur reinen Verfügungsmasse. Wie sich jemand geschlechtlich fühlt: Wen soll das in so einem Augenblick eingeforderter Kampfesbereitschaft noch kümmern?

Wer nun glaubt, diese Generation Z sei so gar nicht verwertbar für die Bundeswehr, könnte sich dennoch täuschen. Denn so rebellisch und kritisch, wie sie sich selbst gerne feilbietet, ist sie gar nicht. Sie hat sich im Laufe der letzten Jahre als extrem staats- und regierungshörig erwiesen. Noch heute laufen Vertreter dieser Generation Z mit Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit herum, als wollten sie dem Rest der erbärmlichen Menschheit sagen: Wir haben es kapiert, wir tragen Fürsorge für alle. Das zeigt schon, wie gutgläubig — und psychotisch — diese jungen Leute sind. „Der Wissenschaft“ trauen sie unbesehen über den Weg — und wenn sich diese Wissenschaft, die nur im Singular genannt werden darf, mit der Machtpolitik verbindet, dann glauben sie ihr sogar blind.

Sie haben nie gelernt, Macht zu hinterfragen — nicht die wirkliche Macht jedenfalls, sondern nur jene, die sie alten weißen Männern andichten und die sie sogar im Obdachlosen erblicken, weil er eben alle Attribute hat, die sie als Ausdruck der Macht identifizieren: Weiß, alt, Mann.

Lila gefärbte Haare, Problempony, sackartige Klamotten: Die Subkultur dieser Generation ist Mainstream. Wenn es gelingt, ihre Vertreter davon zu erfüllen, bald Großes für die Gesellschaft leisten zu dürfen — propagandaresistent sind sie ja explizit nicht, Ideologie erkennen sie nicht mal, wenn es per Schild auf der Ideologie draufsteht —, dann werden sie voller Inbrunst zu den Waffen zusammenströmen.

Tauglich sind sie vielleicht nicht, aber sie haben Haltung — und zwar nur Haltung. Wenn man die geschickt anspricht, ist mit ihnen alles machbar.


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