Zum Inhalt:
Unterstützen Sie Manova mit einer Spende
Unterstützen Sie Manova
Krieg ist geil!

Krieg ist geil!

Friedliche Veränderung ist nur möglich, wenn wir ein im Kern sadomasochistisches System überwinden, das auf Erniedrigung, Unterwerfung und Umerziehung basiert.

Es klingt wie eine Anmerkung zu unserer heutigen Zeit: „… die üblichen künstlichen Statistiken, die gegenüber den Einwänden der Naturheilkunde — ‚Kein Geimpfter ist vor dem Tode glücklich zu preisen‘ — belanglos sind, die Medizin untersucht die schädlichen Folgen in ganz beschränkter Zeit, dafür hat die Naturheilkunde nur Verachtung. Es ist auch glaubwürdig, dass die Tuberkulose eingeschränkt wird, jede Krankheit wird schließlich eingeschränkt. Es ist damit so wie mit den Kriegen, jeder wird beendet, und keiner hört auf. Die Tuberkulose hat ihren Sitz ebenso wenig in der Lunge wie zum Beispiel der Weltkrieg seine Ursache im Ultimatum. Es gibt nur eine Krankheit, nicht mehr, und diese eine Krankheit wird von der Medizin blindlings gejagt wie ein Tier durch endlose Wälder“ (Franz Kafka in einem Brief vom April 1921 an seinen Freund Max Brod).

Worum handelt es sich bei dieser möglicherweise metaphysischen „Krankheit“?

Ein anderer Weltschriftsteller, Georg Büchner, lässt seinen Helden Georges Danton in seinem Stück „Dantons Tod“ von 1835 bereits damals genau danach fragen, als es darum geht, wie er zu einem der größten Massenmörder der Geschichte werden konnte:

„Das war Notwehr, wir mussten. Der Mann am Kreuze hat sich's bequem gemacht: Es muss ja Ärgernis kommen, doch wehe dem, durch welchen Ärgernis kommt! — Es muss; das war dies Muss. Wer will der Hand fluchen, auf die der Fluch des Muss gefallen? Wer hat das Muss gesprochen, wer? Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet? Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst! Die Schwerter, mit denen Geister kämpfen — man sieht nur die Hände nicht, wie im Märchen.“

Wenn ein Schlächter sich solche Fragen stellt, dann scheint dies nur zur Selbstrechtfertigung zu geschehen; denn Mörder töten immer unter angeblichem Sachzwang.

Vielleicht lässt sich Søren Kierkegaard als Zwischenschritt zur Einsicht in diese Zusammenhänge lesen, der 1849 die Angst als „Krankheit zum Tode“ — in der gleichnamigen Schrift — benannte. Doch woher kommt diese Angst? Albert Einstein unterhielt sich vorausschauend auch über diese Frage mit Sigmund Freud in einem Briefwechsel 1932 — nur sieben Jahre vor dem letzten großen Weltkrieg —, hoffentlich stehen wir heute nicht sieben Jahre beziehungsweise überhaupt vor dem nächsten. Es schien Einstein und ist nach wie vor wohl unsere Hauptschicksalsfrage, auch unserer sogenannten Zivilisation:

„Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?“ oder anders gefragt:

„Gibt es eine Möglichkeit, die psychische Entwicklung der Menschen so zu leiten, dass sie den Psychosen des Hasses und des Vernichtens gegenüber widerstandsfähiger werden?“

Zum Zeitpunkt dieses Schriftwechsels war ein neuer Krieg jedoch noch nicht ganz greifbar (1). Allerdings zieht Einstein bereits in seinem ersten Brief an Freud einen bemerkenswerten Schluss: dass der Völkerkrieg nichts anderes letztlich darstellt als die Fortführung des allgemeinen Kriegszustandes jedermanns gegen jeden — und auch gegen sich selbst, könnte man hinzufügen. Bemerkenswert ist auch, dass Einstein schon damals nicht dachte, dass die Lösung gerade aus Bildung oder von der sogenannten Intelligenz in der Bevölkerung zu erwarten ist: Denn diese ist für verhängnisvolle Massensuggestion gerade besonders anfällig, weil sie „normalerweise“ nicht unmittelbar aus dem Erleben schöpft, sondern nur aus dem Denken, das zunächst und zumeist auch noch kontaminiert ist durch multimediale Gehirnwäsche und Propaganda.

Man kann in dieser Hinsicht etwa die „Covidiotie“ der letzten Jahre als psychische Kriegsvorbereitung verstehen: als weitere Verrohungsplattform der Unsitten, weil ihr zentrales Element die Zerstörung der Mitmenschlichkeit ist.

Eine innere Vorbereitung von Völkern auf den interstaatlichen Krieg bedeutet: Schüren von Hass und Förderung primitiver Seelenmechanismen, wie man sie zum Beispiel an Diskreditierung, Diffamierung, Denunzierung „Andersdenkender“ sieht, die wieder einmal zum Volkssport erhoben wurden. Erneut deshalb, da wir beispielsweise das Lehrverbot an Universitäten für Professoren, die entgegen dem verordneten Staatsnarrativ sich aussprachen, in ähnlicher Weise schon von anderen, ähnlichen Systemen her kennen — nicht nur aus dem Dritten Reich. Spontan fallen hierzu vier Namen ein, deren gesellschaftlicher Umgang mit diesen nicht zufällig an analoge Vorkommnisse in der ehemaligen UdSSR unterm Stalinismus erinnert: Professor Sucharit Bhakdi, Professor Stefan Hockertz, Professor Stefan Homburg, Professorin Ulrike Guérot. Das Hauptmoment war und ist bei solchem Vorgehen gegen „Andersdenkende“ stets das eines primitivsten Hasses: „Hauptsache schaden“.

Freuds psychologische Analyse des psychosozialen Problems der Kriegsverhütung — im besagten Briefwechsel mit Einstein — verwundert daher nicht: Macht und Gewalt sind Synonyme, und Interessenkonflikte unter den Menschen werden prinzipiell durch die Anwendung von Gewalt entschieden. Das war schon immer so, hat sich aber wohl durch die Sesshaftwerdung des Menschen und schließlich durch die Industrialisierung, die erstmals Massenvernichtung möglich machte, deutlich verschärft — bis hin zur Bedrohung der gesamten Menschheit durch diese selbst — das herausragende Verdienst des Wissenschaftlers Robert Oppenheimer.

Die größte Bedrohung der Menschheit heute geht also nicht von irgendwelchen Mikroorganismen aus, auch nicht vom Klima oder anderen Entitäten, sondern von dieser Species selbst.

Das unterscheidet übrigens auch „das unbekannte Tier Mensch“ (Friedrich Nietzsche) von allen anderen Tieren auf dem Planeten. Denn jeder Alligator wird friedlich, wenn er satt ist — der Mensch ist nie satt, er frisst immer weiter und am Ende vielleicht auch noch sich selbst. Einzig wo es der Macht selbst als opportun erscheint, begnügt sich ihre Gewalt damit, den anderen nur zu unterwerfen, statt ihn gleich ganz umzubringen.

Das ist auch zu Genüge während der „Covidiotie“ der letzten Jahre gemacht worden: Recht hat nichts mehr mit Rechtschaffenheit zu tun, sondern es verkommt zum bloßen Machtmittel einer gefallenen Gesellschaft. Zwar ist es dann noch immer Gewalt — und bereit, sich jederzeit gegen jeden Einzelnen in ihrer Mitte zu wenden, der sich ihr irgendwie widersetzt; zwar arbeitet sie immer noch mit denselben Mitteln, verfolgt dieselben Zwecke, aber der Unterschied liegt dann nur noch darin, dass sich nicht mehr die Gewalt eines Einzelnen, sondern einer Gruppierung durchsetzt. Das lässt sich leicht ablesen von den zahllosen Hausdurchsuchungen etwa von „Maskenattest-Ärzten“ und so weiter.

Doch wie Freud richtig feststellt: Die Gesetze werden von und für die Herrschenden gemacht und für sonst nichts und niemanden. Aber ohne Etablierung einer ideologischen „Gefühlsbindung“ wäre solches unmöglich umsetzbar, und letztlich verdankt sich auch jeder „Holocaust“ einem Gemeinschaftsgefühl der Massen — so geistesgestört dieses auch immer sein mag. Insofern war es durchaus ein schlauer Schachzug und ganz im Sinne psychologischer Kriegsführung, beispielsweise von einer „neuen Normalität“ zu schwafeln, zu welcher der bereits erwähnte Jurist Kafka am 30. Dezember 1917 seiner Schwester Ottla zum Vorwurf seines Vaters, Abnormales unterstützt oder verschuldet zu haben, mitteilte, dass das sogenannte Abnormale ja nicht das Schlechteste sein kann, wenn etwa ein Weltkrieg als normal gilt. Insofern müssen wir heute weithin von einer „neuen Abnormalität“ reden, was den Geisteszustand unserer Zeit und wohl auch der meisten Menschen in ihr betrifft.

Wenn, wie Stephen Bantu Biko einmal formuliert haben soll, die wirksamste Waffe in den Händen der Unterdrücker die Psyche der Unterdrückten ist, dann machen natürlich solche PsyOp‐Techniken Sinn, wie sie während der angeblichen „Pandemie“ — bei einer Sterblichkeitsrate von unter 0,1 Prozent, wie Professor Ioannidis mehrmals nachweisen konnte! — par excellence angewendet wurden: Isolation aller, aber insbesondere von „Andersdenkenden“, Monopolisierung nicht nur von Wahrnehmung, sondern auch von Wahrheit, induzierte Entkräftung der Beherrschten, Demütigung und Erniedrigung — bevorzugt über Spott und Häme in den eigentlich inzwischen „asozialen Medien“ —, Strafen und Gewalt bei Ungehorsam beziehungsweise „abweichender Meinung“, geplante gelegentliche Zugeständnisse und Belohnung für Gehorsam, Abhängigmachen der Opfer von den Tätern — Drosten, Wieler, Spahn und Konsorten — und so weiter. Das alles lässt sich analog auf die gegenwärtige Kriegstreiberei übertragen.

Ein bestimmtes Gewaltsystem lässt sich natürlich, wie schon Freud beschreibt, durch Gewalt verändern — aber niemals grundsätzlich beseitigen. Insofern würde selbst ein Bürgerkrieg oder ein gewaltsamer Umsturz nichts an den herrschenden Macht‐Herrschafts‐Grundverhältnissen ändern.

Auf ähnliche Weise würde selbst die „Machtergreifung“ auch der radikalsten Veränderungspartei innerhalb eines gänzlich falschen Politsystems nichts anderes mit sich bringen als eine bloße Machtverschiebung; genauso gut könnte man ein Regierungsgebäude von Rot auf Grün umstreichen.

Daher hat Freud auch recht, wenn er schreibt, dass nur ein kultureller Wandel, eine seelische Veränderung der meisten Menschen innerhalb einer Gesellschaft, dazu geeignet sein könnte, das generelle Gewaltproblem, das allen Kriegen wesenhaft zugrunde liegt, zum Besseren zu verändern. Wie sonst sollte man der menschlichen Lust an Aggression und Gewalt Herr werden?

Denn es ist ja leider viel zu leicht, Menschen für Krieg zu begeistern, sodass tatsächlich ein „Trieb zum Hassen und Vernichten“ angenommen werden kann, der solcher Verhetzung entgegenkommt; Freud nannte ihn „Thanatos“. Nun scheint es allerdings so zu sein, dass es Zuneigung grundsätzlich nicht ohne ihr Gegenstück geben kann — so wie alle Erscheinungen des Lebens aus Polaritäten hervorzugehen scheinen. Unter welchen Bedingungen kann es daher dem Selbsterhaltungstrieb gelingen, über die Aggression zu verfügen, wenn er seine Absicht durchsetzen soll? Hierfür wird inzwischen regelmäßig eine letztlich beliebige Ideologie verwendet, insbesondere eine moralisch verbrämte, die bis zur äußersten Grausamkeit reicht. Ein Beispiel hierfür ist die mittelalterliche Hexenvernichtung weltweit, die wohl eine Art äußere Vorlage für die inneren Beweggründe der „Covidiotie“ und deren Durchführung geliefert haben mag.

Die Verbindung mit oder Verheimlichung von destruktiven Strebungen durch ideelle Inhalte erleichtert natürlich deren Befriedigung.

Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit ansehen, dann bekommen wir einen beeindruckenden Eindruck davon, wie ideelle Motive destruktiven Gelüsten nur als Vorwand gedient haben.

So scheint beispielsweise neben Macht- und Geltungssucht sowie finanziellen und gesellschaftlichen Interessen im Fall etwa einer Anna Göldin 1782 — eine der letzten Frauen, die in Europa der Hexerei beschuldigt und hingerichtet wurde — auch eine besonders abgründige Lust am Schadenwollen und ‐können vorgelegen zu haben. Schamloses Lügen wurde damals schon zur Kunstform erhoben, wie es insbesondere die Protagonisten der „Covidiotie“ — und jetzt der Kriegstreiberei — ausgezeichnet zu haben scheint. Freud erklärt solche Auswüchse durch die Entstehung des Humangewissens durch die Wendung eigener Aggressivität nach innen.

Wenn allerdings die Neigung auch zur pathologischen Gewalt in der Natur des Menschen verankert wäre — etwa wie bei einem Perpetuum mobile durch einen ungünstigen Umgang mit Kindern von Geburt bis Pubertät —, dann wäre es unmöglich, die menschliche Aggressionsneigung völlig zu beseitigen. Freud empfiehlt daher auch eine Ablenkung derselben, dass sie nicht ihren Ausdruck im Kriege finden müsse: Alles, was positive Gefühlsbindungen unter den Menschen herstellt, wirkt automatisch kriegerischer Auseinandersetzung entgegen — also Zuneigung und ähnliche Formen von Identifizierung. Alles, was bedeutsame Gemeinsamkeiten unter Menschen her‐ oder herausstellt, ruft solche Arten von Gemeinschaftsgefühlen hervor — am besten dann nach dem Motto: „Das Blut in allen Menschen ist gleichermaßen rot!“ oder, im vorliegenden Fall, mit einer Liedzeile aus „Russians“ von „Sting“ (Gordon Sumner): Hoffentlich lieben die Russen ihre Kinder genauso wie wir unsere.

Eine solche Einsicht hätte allerdings nur dann Sinn, wenn der sogenannte Wertewesten seine Kinder wirklich gut behandeln, also tatsächlich lieben würde. Auf ähnliche Art hätte auch der Kantische Imperativ — behandle alle anderen so, wie du selbst behandelt werden möchtest — nur Sinn innerhalb einer nicht sadomasochistisch strukturierten Gesellschaft respektive Kultur.

Das bedeutet auch, wie man Freud weiterlesen könnte, dass die Spaltung der Gesellschaften in Führer und Geführte beziehungsweise besser in Herrscher und Beherrschte endlich ganz grundsätzlich aufzuheben wäre: Der ideale Zustand wäre natürlich eine Gemeinschaft von Menschen, die ihr Triebleben frei der Diktatur der Vernunft unterworfen haben — eine utopische Hoffnung.

Denn dazu müsste bereits die Gesellschaft so sein, dass sie das Verdikt der Gewalt nicht beständig produziert und reproduziert.

Wenn allerdings „das Niederlegen der Waffen wie Knochenkrebs für den Menschen ist“ (Dave Mustaine), warum dann überhaupt dagegen angehen? Die Antwort wird lauten: weil jeder Mensch ein Recht auf sein eigenes Leben hat, weil der Krieg hoffnungsvolle Menschenleben vernichtet, den einzelnen Menschen in Lagen bringt, die ihn entwürdigen, ihn zwingt, andere zu morden, was er nicht will, kostbare materielle Werte, Ergebnis von Menschenarbeit, zerstört, und so weiter (Sigmund Freud im Brief an Einstein im September 1932, (1)). Allerdings scheint die sogenannte Kulturentwicklung eher in eine Richtung von zivilisatorischer „Devolution“ — statt Evolution — zu gehen, wie selbst Freud am Ende seines vorgenannten Briefs einräumt: Vielleicht bürdet der Versuch der Domestizierung des „Tieres Mensch“ diesem unerträgliche Versagungen auf, die er nicht anders als mittels einer gewaltsamen Entladung einigermaßen kompensieren kann — zumindest vorläufig noch?

Ähnlich wie die Abwesenheit offener Kampfhandlungen nicht automatisch das Vorherrschen von echtem Frieden bedeutet, so bedeutet auch nicht das Vorhandensein einer scheinbaren Kultur eine tatsächliche Abwesenheit von Barbarei. Ich denke dabei etwa an solche besorgniserregenden Texte wie „Triumph des Misstrauens“ der Soziologin Vera King und anderer, ähnlich gelagerter Fachleute, in welchen es um die Pathologisierung von Menschen geht, die freiheitlich‐demokratische Grundrechte einfordern und verteidigen (2).

Das besonders Grausame an Realitätsverdrehungen bis hin zur Zerstörung der Wahrheitsfunktion wie diesen ist es, anderen Menschen ihr Leiden an herrschenden Unrechtsverhältnissen abzusprechen — was die Grundvoraussetzung für Menschenverachtung, Menschenverfolgung und letztlich Massenmord ist.

Opportunismus, Obrigkeitshörigkeit und Hass auf Abweichler lassen solche Texte entstehen.

Dass es auch anders geht, zeigte bereits im Oktober 2020 die Psychoanalytikerin Michaela Huber im damaligen „Filming for Change“ (FFCH)‐Interview: Wer das offen anspricht, über das nicht geredet werden darf oder soll, wird „weggebissen“. Das kann dazu führen, dass vorherige Retterfiguren — wie etwa Ärzte, die gegen „Impfungen“ sind — plötzlich zu Feinden deklariert und gegebenenfalls verfolgt werden, was stets einen wesentlichen Hinweis gibt auf die jeweilige pathologische Konstellation im jeweiligen Kollektiv.

Das System drängt kritische Selbstdenker in eine Art Rebellen‐Position. Deshalb werden „Analysen“ notwendig, die solche Menschen pathologisieren, um deren spätere Verfolgung zu rechtfertigen, analog etwa zur Vorgehensweise des Inquisitors Heinrich Kramers in seinem „Hexenhammer“ von 1486, Malleus maleficarum (3). Das System von Erniedrigung, Unterwerfung und Umerziehung ist entsprechend stets dasselbe geblieben — zumindest seit etwa 500 Jahren.

Wenn zentrale Themen in einer Gesellschaft jedenfalls nicht mehr bearbeitet werden, dann kommt es zu solchen Phänomenen. Plötzlich sind dann alle, die für Freiheit demonstrieren, die den Klimawandel für eine Lüge halten, die in Putin keinen Dämon sehen und so weiter „böse Nazis“. Das kann nicht gesund sein — weder kurz‐, mittel‐ oder langfristig —, insbesondere nicht für eine Gesellschaft.

Michaela Huber irrte sich damals nur in einem: „Wir müssen richtig aufpassen, dass wir in unserer Gesellschaft nicht etwas reinszenieren, das Faschismus heißt!“ — denn wir waren schon mittendrin und sollen offenbar nicht mehr daraus aufwachen. Traumagesellschaft heißt jedoch immer: Es gibt Widersprüchliches, aber das darf man nicht wahrnehmen, denn es ist so schrecklich, dass man es nur verdrängen, verleugnen, verschweigen oder dissoziieren kann! Ansonsten bleibt einem nichts anderes übrig, als auszugrenzen, zu verfolgen, zu vernichten — vor allem „Andersdenkende“.

Wie kommt das, dass wir uns schon seit Jahrtausenden so hemmungslos traumatisieren, und das auch weiterhin offenbar mit großem Erfolg? Wie müsste eine Welt ohne Trauma oder wenigstens mit Traumaheilung aussehen — nachdem der Mensch seltsamerweise seit etwa 6.000 Jahren im Trauma lebt und erst seit 100 Jahren etwa ein wenig darüber nachgedacht wird?

Zunächst einmal müssten wir endlich damit aufhören, Menschen zu bekämpfen oder ihnen in irgendeiner Form Gewalt anzutun, die nicht unsere Meinung teilen oder eine uns unangenehme Position vertreten.

Nur in dem Maße, wie wir lernen, Widersprüchliches auszuhalten und konstruktiv damit umzugehen, kann es einen Ausweg aus der Traumatisierungs‐Unkultur für uns geben (4). Wir müssen also anerkennen, dass unsere Gesellschaft tiefgreifende psychologische Probleme hat und dass unser Globus insbesondere durch den Menschen tatsächlich existenziell bedroht ist, und das macht natürlich Angst.

Ein Anfang wäre daher, auch das anzuerkennen:

„Ja, ich habe Angst — ob sie nun in allen ihren Aspekten berechtigt oder vielleicht auch zumindest teilweise irrational ist. Aber ich lasse es nicht zu, dass diese Angst mich dazu treibt, Andersdenkende auszugrenzen, mich irgendwelchen vermeintlichen Retterfiguren anzubiedern wie ein ohnmächtiges Kind, das sich irgendeiner stärkeren Macht unterwirft, damit diese das Problem für sie löst!“

Menschlichkeit lebt von unterschiedlichen Standpunkten, lebt davon, dass wir uns mit dem Fremden oder uns Unheimlichen auseinandersetzen und aussöhnen, statt wegzusehen. Wir müssen dahin sehen, wo es am meisten schmerzt, wo wir uns total ohnmächtig fühlen, um in die Eigenverantwortung zu kommen. Denn Frieden ist nur durch Freiheit, Freiheit nur durch Wahrheit — statt „Wokeness“ zum Beispiel — möglich. Insofern hatte Freud am Ende seines Einstein‐Briefes tatsächlich recht: Alles, was echte Kulturentwicklung fördert, arbeitet automatisch auch gegen den Krieg — nur etwas anders als von ihm gedacht.


Wenn Sie für unabhängige Artikel wie diesen etwas übrig haben, können Sie uns zum Beispiel mit einem Dauerauftrag von 2 Euro oder einer Einzelspende unterstützen.

Oder senden Sie einfach eine SMS mit dem Stichwort Manova5 oder Manova10 an die 81190 und mit Ihrer nächsten Handyrechnung werden Ihnen 5, beziehungsweise 10 Euro in Rechnung gestellt, die abzüglich einer Gebühr von 17 Cent unmittelbar unserer Arbeit zugutekommen.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Albert Einstein, Sigmund Freud: Warum Krieg? Ein Briefwechsel. Mit einem Essay von Isaac Asimov, Zürich, 2005
(2) Zeitschrift Psyche vom 24. März 2023
(3) Der Hexenhammer: Malleus Maleficarum, Oktober 2000
(4) Professor Franz Ruppert: „Wer bin ich in einer traumatisierten Gesellschaft?“, 2018

Weiterlesen

Der Terror-Monat
Thematisch verwandter Artikel

Der Terror-Monat

Für die Sahel-Staaten in Westafrika war der Juni 2024 von Gewalt und Umbrüchen geprägt — allerdings schreitet die Entkolonialisierung voran.

Die Nächsten-Lüge
Aus dem Archiv

Die Nächsten-Lüge

In seinem Buch „Feindliche Übernahme“ forciert Thilo Sarrazin erneut den „Kampf der Kulturen“.