Wie alles beginnt und wieder zur Neige geht. Wie man sich in den Anfängen verfangen fühlt und versucht, sich davon zu lösen. Wie alles befremdlich wirkt. Wie man die Hand reicht und sich um Verständnis bemüht und doch vieles in den Wahrnehmungen der anderen nicht nur versickert, sondern auch versiegt und keine Fragen mehr aufwirft.
Nur durch Fragen aber können wir uns wirklich verstehen. Antworten sind banal, leicht zu durchschauen und zu instrumentalisieren, um einen technischen Begriff anzuwenden. Im Leben geht es um die Fragen. Fragen bedeuten Lebendigkeit, sie erzeugen Verständnis. Niemand muss des anderen Meinung sein, doch stetig soll der Anspruch sein zu verstehen. Und selbst wenn es zu Unsinn führt, den Anspruch zu benennen, selbst wenn auch dies in die Irre führen kann.
Dies ist ein Gesang. Eine poetische Auslegung, die durchaus Verwirrung und Neugier erzeugen soll. Das ist Romantik.
Immer mit der Geste der Ironie. Das sei gesagt, denn die wenigsten verstehen, dass die Ironie ein Botenstoff ist, der die Wirklichkeit erst erträglich macht.
Wenn man nun nicht warten kann, wenn alles, wirklich alles, zu geschehen droht, ohne dass man darauf Einfluss hat, und wenn gleichwohl das Gefühl vorherrscht, es wäre noch zu retten ... Nur was? Was soll zu retten sein? Wer kann es formulieren, ohne damit unterzugehen?
Das Untergehen jedoch ist ein Genuss wie das Auferstehen. Somit gibt es einen Widerstreit. Ein Lustwiderstreit. Die einen wollen in den Himmel, die anderen in die Hölle. Beide Seiten sind sich dessen nicht wirklich bewusst, so behaupte ich. Deshalb glauben sie an das Unbewusste. Sie glauben, gelenkt zu sein, von etwas, das nicht zu begreifen sei. Andere wiederum, die an die Freiheit glauben, finden sich losgelöst von den Fesseln des Zwanges in esoterischen Welten wieder, in denen sie ihren schwachen Geist niederlegen, um diese „Geistesschwäche“ endlich zur Ruhe zu betten.
Alles ist Kraft oder Schwäche. Schaut man Menschen, die einem gegenüberstehen, in die Augen, so will man bald weglaufen.
Bloß, wer ist man? Ist es nicht eine weitere Einbildung und eine Rechtfertigung, nicht sich selbst sein zu müssen? Ein Schock für jeden, der einmal am Allgemeinen geleckt hat, wie ein Hund an seinen Genitalien? Dort ist Frieden, ist Geruch und ist die Gewissheit, dass das Ausscheiden wichtiger ist als das Aufnehmen. Denn das Ausscheiden ist Geschwätz. Alles, was Form ist, gehört zerschlagen, alles, was luftig und leicht daherkommt, gewürdigt. Doch ist das nicht ein Klischee, ein Suchen bloß, das sich in einem Labyrinth verliert? Wohl dem, der das Rettende in sich spürt.
Sollte nicht jeder und jede das Rettende mit sich führen? Doch sei die Frage gestattet, ob dies Rettende so wichtig sei. Ob es das Wesentliche und Bedeutsame beherbergen soll? Und um eine Herberge geht es, ein Behütetsein, um die Bettung eines wohlfühlenden Etwas in den Höhlen des eigenen Baus, ein Etwas, das dennoch hinausstrebt wie sonst nichts, bald aber gehemmt an den Toren des Gemaches innehält und am Ende zurückstürzt in die Höhle der Person, die ihm Hölle und Himmel zugleich ist.
In diesem Sinne ist er Reisender und Stubenhocker zugleich, der Mensch mit seinem Etwas. Wenn nun aber der Wahnsinn über ihn hereinkommt, in Gestalt sich aufladender Ängste? Wenn Menschen nach Krieg rufen und eigentlich meinen, selbstverständlich zum Bäcker oder zum Supermarkt zu gelangen ...
Wenn die eigene Wahrnehmung, begrenzt auf das Rundherum, nichts mehr zählt — was tun dann? Wo sind die Bewegungen hinaus in eine Freiheit, die keine Grenzen kennt, und doch alleine durch das Benennen neue Grenzen schafft, warme, ungeheuerliche, selbstverständliche Grenzen, sodass man sich darin eingebettet fühlt und neue Kraft findet, die Kraft, sich im Draußen nicht nur zurechtzufinden, sondern zu bestehen. Aber was, verdammt noch mal, heißt das nun wieder: bestehen?
Es ist nicht zu begreifen, das Verständnis oft nur Platitude. Ich mache mir nichts vor, Gedanken, auch diese, erreichen niemanden. Wir blicken auf eine reiche Kultur zurück, die nun, abgehärmt, allein noch sklerotische „Einfachsatzschreiber:innen“ hervorbringt, deren Geplapper wie ein Geklapper eines Skeletts in der Anatomie der Oberfläche dahinfabuliert, wobei ich das Wort fabulieren durchaus verteidigen will, weil eben dieses Fabulieren nicht nur die Strenge der Dummheit ausdrückt, sondern auch die Luftigkeit der Freiheit.
Jene, die bei jeder Gelegenheit ihre Enge bestätigt wissen wollen, nenne ich Eckensteher. Sie haben sich die Ecke ausgesucht, weil sie sich da wohl fühlen, sich geschützt glauben und entsprechend argumentieren. Alles, was Freiheit heißen könnte, ist in ihnen ausgedorrt.
Eine ausgetrocknete Pflanze, die sie nicht gießen wollen. Sie könnte ihnen die Luft zum Atmen streitig machen.
Die Eckensteher sind überall. Wenn man ihnen begegnet und nur einige Worte gewechselt hat, ist man niedergeschlagen. Vielleicht aber kräftigen einen solche Menschen gerade wegen ihrer Niedergeschlagenheit. Vielleicht darf man das nicht unterschätzen, vielleicht sollte man sie als Menschenliebe in sich aufnehmen, mit allen Facetten und einer unendlichen Geduld, ist „man“ am Ende doch selbst ein Eckensteher des Lebens.
Dennoch gilt es, sich herauszuwinden aus dem Allgemeinen, wo alles beruhigt scheint, und stattdessen sich in eine unerhörte Möglichkeit des Lebendigen hineinzubewegen. Die Natur, in die wir eingebettet sind, ist unergründlich und ungeheuerlich. Aus aller Not entsteht fortwährend wieder anderes. Es gibt Menschen, die dafür empfänglich sind, andere nicht. Die einen kontrollieren, die anderen schweben.
Es gilt also, Grenzpfosten zu setzen oder sie auszureißen. Wir gelangen immer an ein Ende, sei es das eigene oder das einer Entwicklung. Das eine bedingt das andere. Jene, die das Neue erahnen, und es kann nur ein solches sein, dürfen sich beseelt nennen. Jene, die das Alte verteidigen, verkrampfen ihre Muskeln, denn ihre Bewegungen hinaus in die Welt versiegen. Es sind Rinnsale, die versickern.
Die Ahnungen sind die Quelle, die aus dem Dickicht der Geheimnisse fließen.
Sie werden Bach, Fluss, bald Strom, der sich ergießt in das Meer der Möglichkeiten, um darin immer wieder aufs Neue gesucht zu werden. Das sind die Rhythmen der Lebendigkeit.
Wenn Sie für unabhängige Artikel wie diesen etwas übrig haben, können Sie uns zum Beispiel mit einem kleinen Dauerauftrag oder einer Einzelspende unterstützen.
Oder unterstützen Sie uns durch den Kauf eines Artikels aus unserer Manova-Kollektion .



