Ich war im September 2024 zwei Wochen in Xinjiang und habe einige Teile dieses großen Gebietes bereist. Mit Reisebüro? Nein, einfach ein Flugticket gekauft und aus Südchina hingeflogen. Xinjiang ist völlig frei zugänglich, Millionen Touristen genießen jedes Jahr dieses abwechslungsreiche und pulsierende Land. Westler versuchen immer, irgendwelchen Geheimnissen auf der Spur zu sein, aber es gibt keine, wie auch in Tibet nicht. Es gibt Reisemöglichkeiten mit Flugzeug, Bahn, Buslinien, Taxi, viele chinesische Touristen fahren mit Mietautos durch das Land. Wie sollte da etwas geheim bleiben?
Xinjiang erlebt einen rasanten Wirtschaftsaufschwung, die Menschen jeglicher Ethnie wirken gelöst und frei, Restaurantbesuch, Musik und Tanz sind nicht nur für Touristen ein Vergnügen, sondern Teil des abendlichen Lebens, vor allem in Urumqi. Uiguren reden uigurisch untereinander und auch, wie ich beobachtete, mit Polizisten und Grenzbehörden,, viele der Beamten sind ja Uiguren. Alle offiziellen Schilder sind zweisprachig, viele Geschäfte auch, je nach Kundschaft. Ich hatte lange Gespräche mit einem meiner zwei uigurischen Reisebegleiter; er zeichnete ein zufriedenes Leben der Bevölkerung. Er war glücklich und stolz, dass seine Tochter aufgrund guter schulischer Leistungen an einer berühmten Uni in Schanghai studieren darf, eine Garantie für einen guten Job nach Studienabschluss.
Ich kann jedem nur empfehlen: Fliegen Sie nach Xinjiang und sehen Sie sich das tolle Land selbst an! Es ist eine vergnügliche Abwechslung zur depressiven Stimmung in Europa, die sich auch in der Artikelserie widerspiegelt.
Nun zur Artikelserie: Der reißerische Titel ist sachlich falsch
Die Überschrift „Das verschwindende Volk“ ist ein typischer Clickbait-Titel, könnte der Bild-Zeitung entstammen und vor allem: ist falsch. Die Ethnie der Uiguren nimmt von der Bevölkerungsanzahl her zu und ist nicht im Verschwinden begriffen! Während in der 6. Volkszählung in China 2010 in der „Autonomen Region der Uiguren Xinjiang“ 10,1 Millionen Uiguren gezählt wurden, zählte man 2020 in der 7. Volkszählung 12,8 Millionen Uiguren — ein Wachstum um knapp 27 Prozent in 10 Jahren, das damit über der Wachstumsrate der chinesischen Gesamtbevölkerung liegt. Da in der gesamten Artikelserie keine Belege dafür geliefert werden, dass die Anzahl der Uiguren sich reduziert, kann man davon ausgehen, dass der Titel gegen besseres Wissen absichtlich so gewählt wurde, um schon im ersten Blick auf den Artikel ein negatives China-Bild zu erzeugen, also manipulative Propaganda.
Dem Autor fehlt ein Grundverständnis, worum es in Xinjiang geht und was passiert ist. Islamistischen Terror in den Jahren bis 2017 nimmt er auf die leichte Schulter; er setzt sich zwar für inhaftierte Separatisten und Islamisten ein, die chinesische Gesetze verletzt haben, nicht aber dafür, dass die Bevölkerung davor bewahrt wird, abgeschlachtet oder in die Luft gesprengt zu werden.
Was ist passiert? Ab 2007 häuften sich schwere terroristische Anschläge:
— 5. Juli 2009: Bei Terror in Urumqi werden 197 Personen ungeachtet ihrer Ethnie zu Tode gehackt, erschlagen und verbrannt, über 1.700 werden verletzt.
— 22. März 2014: Zwei Autobomben in Urumqi mit 43 Toten und 94 Verletzten.
— Bei Dutzenden Angriffen auf Behörden entlang des Grenzgebiets gab es laufend zahlreiche Opfer.
— 2013 verüben 3 Uiguren mit einem SUV ein Selbstmordattentat im Zentrum Pekings, fünf tote Zivilisten.
— 2014: Vor dem Bahnhof von Kunming, Provinz Yunnan, verüben acht schwarz gekleidete, Schwerter und Messer schwingende Uiguren einen apokalyptischen Überfall; es bleiben 31 Reisende tot und 141 verletzt zurück.
All das waren keine „Unruhen“, wie es der Autor beschönigend beschreibt, es war eine ständige Gefährdung des Lebens der Bevölkerung durch islamistische und separatistische Terroristen. Im Westen, auch in der Artikelserie, wird die chinesische Erfahrung mit dem Terrorismus de facto ignoriert oder gar geleugnet und die Lesart der extremistischen Uiguren vom „Befreiungskampf der Turk-Völker“ übernommen. „Ost-Turkestan“, ein Gürtel von 150 Millionen zugehörigen Bewohnern, hat es nie gegeben, und es existiert auch heute nur in der Blut- und Boden-Ideologie der rechtsradikalen türkischen Parteien wie die Grauen Wölfe und ihre exiluigurischen Gesinnungsfreunde.
Für die chinesische Bevölkerung jeder Ethnie aber war der Terrorismus keine weniger traumatisierende Erfahrung als für Menschen in den USA oder Westeuropa. Für die Bevölkerung war der Terror kein wie für den Autor „moralisch“ einzuordnendes intellektuelles Thema, sondern es war klar, dass dem Terror schlicht ein Ende gesetzt werden muss.
China arbeitete schon in den 2010ern eben nicht primär wie andere Länder mit extrajustiziellen Hinrichtungen für Terroristen, sondern neben der gerichtlichen Verfolgung von Attentätern mit dem Aufbau von Vocational Training Centers und Ausbildungszentren. Man versuchte, eine rückständige islamistische Tradition in den Dörfern mit neuen Ideen aufzubrechen. So war es zum Beispiel in vielen Dörfern verpönt, dass Mädchen zur Schule gehen; sie wurden von Islamisten aktiv abgehalten, wie in Afghanistan. Mit einem groß angelegten sozialökonomischen Modernisierungsprogramm und der Beseitigung der absoluten Armut versuchte man den Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben. Dazu gehört bis heute das ökonomische Wachstumsprogramm für Xinjiang: Die Region wächst nun schon seit Jahren schneller als selbst die Boomregionen der Ostküste, sie ist zum entscheidenden Korridor der Neuen Seidenstraße geworden und Urumqi zu einem der größten Hubs der Seidenstraßen-Bahnlinien nach Westen, eine Boomcity.
Uiguren wurden nicht verfolgt, weil sie Muslime waren oder einfach der uigurischen Ethnie angehörten, sondern wenn sie politisch islamistische Positionen oder Terrorismus vertraten oder Separatismus. Es ist übrigens auch in China unbestritten, dass manche Parteivorsitzenden oder Dorfkomiteevorsitzenden bei der Eruierung von „Gefährdern“ übers Ziel hinausgeschossen haben dürften; das war aber nicht die intendierte Politik Beijings.
Die islamistische Bedrohung ist noch nicht zu Ende
Die Rolle der Terroristen der Turkestan Islamic Party (TIP), der East Turkestan Islamic Movement (ETIM) sowie des eher noch halblegalen World Uyghur Congress (WUC) bei alledem wird von den westlichen Mainstreammedien konsequent verheimlicht. Während die ETIM-Islamisten sogar von den USA bis zum Ende der ersten Trump-Regierung als Terroristen klassifiziert, verfolgt und eingesperrt wurden — einige von ihnen sitzen immer noch in Guantanamo —, werden sie in den Konzernmedien konsequent zu „Freiheitshelden“ umdefiniert, geliebt und verehrt, sobald sie in China wüten. Ihr Ziel ist, ein Turk-Kalifat zu errichten; man kann sich das wie in Afghanistan vorstellen. Unterstützung erhielten die ETIM-Kräfte aus dem türkischen Geheimdienst und von den rechtsradikalen Nationalisten (MHP und ihre paramilitärischen Grauen Wölfe), die für die rassistische Vorstellung einer Turk-Gemeinschaft, die von der Türkei bis „Ost-Turkestan“ reichen soll, stehen.
Uigurische Kämpfer wurden in den letzten Jahren im syrischen Idlib ausgebildet, die Zahl wurde auf 10.000 bis 20.000 geschätzt. Uigurische Einheiten wurden von der neuen islamistischen syrischen Regierung der neuen Armee eingegliedert und haben Zugang zu modernen Waffen. Die Gefahr besteht, dass Einzelne oder Gruppen mit veränderter Identität und neuen Pässen per Flugzeug und Schiff oder über die Landesgrenzen Chinas mit Kirgisistan, Kasachstan, Pakistan und Tadschikistan einsickern. Deshalb sieht man auch in Xinjiang in gewissen Gebieten mehr Polizei als sonst in China üblich.
Auswahl der Quellen der Artikelserie
„Im Mainstream ist es vielfach geradezu Pflicht, die chinesische Führung zu kritisieren und die Betrachtung dieses facettenreichen Landes ausschließlich am Thema ‚Menschenrechte‘ aufzuhängen”, schreibt der Autor. Wie wahr, wenn man betrachtet welche zwei Bücher er für seine manipulativen Artikel verwendet.
Der erste Geschichtenschreiber, Thahir Hamut Izgil, gilt als ein Dichter mit sufistischem Hintergrund und uigurischem Nationalismus. Er hatte in den USA Asyl beantragt, aber sein Antrag war jahrelang nicht positiv entschieden. Eine öffentliche Veranstaltung mit der Teilnahme des früheren US-Außenministers Mike Pompeo und des früheren US-Vizepräsidenten Mike Pence, auf denen er wie gewünscht über die angebliche Unterdrückung der Uiguren erzählte, und vielleicht auch sein Buch dürften dann sein Visum erleichtert haben. Izgil ist jetzt unter anderem Filmproduzent beim US-Propagandasender Radio Free Asia und Führer der islamischen nationalistischen „World Uygur Writers' Union“.
In seinem in Teil 1 der Artikelserie seitenlang exzerpierten Buch bringt er auf den Wahrheitsgehalt nicht überprüfbare Anekdoten, die der Autor Rottenfußer selbst als „unglaublich anmutend” bezeichnet. Trotzdem formuliert er: „Entscheidend ist aber, welche absurden Formen der chinesische Staatsterror in den Jahren bis 2017 offenbar angenommen hatte.“ Aus „unglaublich anmutenden“ Storys, unter Ignorierung des islamistischen Terrors, leitet er aus der Ferne eine Einschätzung der chinesischen Politik ab. Eine unseriöse Methode. Ein guter Autor überprüft auch die Glaubwürdigkeit seiner Quellen.
Der zweite Teil der Artikelserie ist ein Exzerpt der uigurischen Schriftstellerin Mihrigul Tursin, deren Glaubwürdigkeit überhaupt zu wünschen übrig lässt. So schildert sie lebhaft Geschichten über ihre angebliche Zeit in einem chinesischen Lager, die sie auch einen US-Kongressausschuss wissen ließ. Sie schildert, dass eines ihrer drei Kinder von der chinesischen Regierung bei der Behandlung in einem Spital in Urumqi getötet wurde. Recherchen chinesischer Journalisten im Spital und bei der Familie Tursins ergaben, dass ihr Sohn am 8. November 2016 von ihrer Mutter geheilt abgeholt wurde. Die Behauptung Rottenfußers, dass Tursin „für die ‚Behandlung‘ ihrer Kinder (…) eine satte Rechnung über umgerechnet etwa 10.000 Euro zugeschickt“ bekam, ist genauso absurd, wenn man die geringen Gebühren in chinesischen Krankenhäusern kennt. Ihr angeblich getöteter Sohn lebt nach von Journalisten recherchierter Aussage der Mutter Tursins in Ägypten.
Noch schlimmer ihre Lager-Story: Ihr Bruder informierte die Journalisten, dass sie nie in einem Lager war, er sagte wörtlich: „Sie hat sich das ausgedacht. Es war eine Lüge.“
Für den Autor der Artikelserie ist die Aussage der Familie unglaubwürdig, da man davon ausgehen müsse, dass „ihre Aussagen zur Lage im Land von der Angst vor Repressionen diktiert sind“. Dass die US-Geheimdienste Druck auf Exilanten ausüben, um die politisch gewünschten Storys zu produzieren — sonst ist Schluss mit Visum oder Einkommen —, auf die Idee kommt der Autor gar nicht. Seine Vorurteile gegen China gehen in alle Bereiche.
Dass eine Mitschülerin Tursins bei ihrem aufgrund guter Leistungen möglichen Schulbesuch in Guangzhou sich wunderte, dass Tursin an Gott glaubt, wird vom Artikelautor interpretiert als „faktisch die Ausübung von Druck mit dem Ziel der vollkommenen Assimilation”. Ein Gespräch zwischen Schülerinnen! Man greift sich ja an den Kopf.
Totalitär regierte Region?
„Neuere Erfahrungsberichte über den Umgang der chinesischen Regierung mit den Uiguren zeichnen das Bild einer totalitär regierten Region“, schreibt der Autor. Unberücksichtigt bleiben in seinen Einschätzungen die Struktur des Aufbaus der Gesellschaft und basisdemokratische Rechte. Das vielschichtige Volkskongresssystem dient als grundlegende institutionelle Säule demokratischer Mitbestimmung. Ab 2024 dienten insgesamt 74.412 Personen als Delegierte von Volkskongressen auf allen Verwaltungsebenen in Xinjiang. Unter ihnen waren 78,69 Prozent auf der Grassroot-Ebene, 69,21 Prozent stammten von ethnischen Minderheiten. Diese Aufstellung zeigt, dass die Menschen in Xinjiang unabhängig von ethnischem oder sozialem Hintergrund einen gleichberechtigten Status in politischen Angelegenheiten genießen. Ich weiß, die westliche Propaganda hat China als autoritären Unterdrückungsstaat gegeißelt. Es wird aber Zeit, dass man auch diese angeführten Fakten akzeptiert.
„Lernen’s Geschichte, Herr Reporter“
... sagte der legendäre österreichische Bundeskanzler Kreisky einem Journalisten. Wie recht er doch hat.
Laut dem Artikelautor wurde „Xinjiang (…) 1949 zu einem Teil des chinesischen Territoriums“. Wie ist es wirklich? Die zumindest teilweise Kontrolle des heutigen Gebiets Xinjiang durch das chinesische Kaiserreich reicht weit zurück, bis fast zum Anfang unserer Zeitrechnung. Die endgültige Eingliederung des gesamten Gebiets unter die zentrale Verwaltung des Reichs erfolgte 1759 nach der Niederlage des Dzungar-Kanats, eines Rests des alten Mongolenreichs. Die Zeit nach dem Ende des Kaiserreichs und der Gründung der Republik (1911) bis zur Gründung der Volksrepublik (VR) China (1949) war in Xinjiang eine Zeit von großer Unruhe und bewaffneten Kämpfen zwischen den Armeen der chinesischen Gouverneure oder Warlords und aufständischen Uiguren sowie auch zwischen verschiedenen Teilen der lokalen Bevölkerung. Mitgespielt haben japanische und deutsche Versuche, in der Region gegen die Sowjetunion Fuß zu fassen. Wie man als Reisender an den vielen Festungsresten der Seidenstraße feststellen kann, war das Gebiet schon lange chinesisch kontrolliert.
„Tibet wurde erst 1950 chinesisch” will sich der Autor mit seinen Geschichtskenntnissen noch profilieren. Auch weit daneben. Schon seit dem 13. Jahrhundert, der Zeit der mongolischstämmigen Yuan-Dynastie, war Tibet Teil des chinesischen Reiches. Seit der Gründung des Reinkarnationssystems im 13. Jahrhundert mussten Führer verschiedener religiöser Sekten des tibetischen Buddhismus und „große lebende Buddhas“ die Zustimmung der Zentralregierungen verschiedener Dynastien einholen. Genauso war es auch mit dem jetzigen Dalai Lama 1940. An seiner Einweihung nahmen chinesische Truppen teil, wie es sich traditionell gehörte.
Der zweitälteste Bruder des derzeitigen Dalai Lama, Gyalo Döndrub, war übrigens 1942 im Alter von vierzehn Jahren nach Nanjing geschickt worden, der damaligen Hauptstadt der Republik China. Er lernte Tschiang Kai-schek kennen; von 1947 bis 1949 nahm er am Familientisch der Tschiangs seine Speisen ein. Von Tschiang ausgewählte Lehrer lehrten ihn Chinesisch und chinesische Geschichte. 1948 heiratete Döndrub Zhu Dan, die Tochter eines Guomindang-Generals. Döndrub eignete sich also bestens zum Kollaborateur mit der antikommunistischen Guomindang sowie mit den US-Geheimdiensten.
Schlechte deutsche Tradition in Xinjiang
Kaum bekannt ist, dass Hitler-Deutschland und seine Verbündeten während des Krieges gegen die Sowjetunion auf die Möglichkeit einer Rebellion der Turkvölker gesetzt haben. Es kam zur Bildung einer eigenen Turkistan-Division mit Hauptquartier in München, die schließlich in Oberitalien zum Einsatz kam. Einer der Anführer war Ruzi Nazar, der auch nach dem Krieg noch eine Rolle in US-Diensten und als Verbindungsmann in der Szene der Turk-Nationalisten und Exiluiguren gespielt hat. In München sind wohl Reste der Truppe nach dem Krieg hängen geblieben. Dass sich heute dort die Zentrale des World Uyghur Congress (WUC) befindet, wird kein Zufall sein.
Der WUC verehrt als Mann der ersten Stunde im Kampf gegen die Kommunisten Yusuf Alptekin, einen Uiguren, der auf der Seite der Guomindang stand und nach dem verlorenen Krieg ins indisch kontrollierte Kaschmir und später in die Türkei übersiedelte. Er bewegte sich in den antikemalistischen, rechtsradikalen Kreisen um Alparslan Turkes (MHP, Graue Wölfe). Alptekin blieb bis zu seinem Tod 1995 eine wichtige Autorität in der Bewegung für ein unabhängiges „Ost-Turkestan“. Sein Sohn Erkin war Mitarbeiter von Radio Liberty, gründete 1994 in München die „Ostturkestanische Union in Europa“ und war der erste Vorsitzende des ebenfalls in München gegründeten „Weltkongresses der Uiguren“ (WUC; alle Angaben zu den Personen aus Wikipedia, Mai 2021).
Der Artikelautor bezeichnet übrigens China als eine „Besatzungsmacht“ in Xinjiang. Was bedeutet das, wie kann man das interpretieren? Er ist offensichtlich der Meinung, dass Xinjiang unrechtmäßig ein Teil Chinas und einfach besetztes Gebiet ist. Man könnte daraus schließen, er unterstütze die rechte islamistische Bewegung der Loslösung eines „Ost-Turkestan“ als unabhängiger Staat. Wie kann die Aussage, China sei eine „Besatzungsmacht“, anders zu verstehen sein? Eine schlechte deutsche Tradition.
Einschätzung
„Es ist ungewiss, was in Xinjiang tatsächlich passiert und passiert ist”, schreibt der Autor. Es trifft auf ihn sicherlich zu. Des Weiteren: „Gern versuche ich in solchen Fällen, der Wahrheit mit einer Mischung aus Recherchen, Einfühlungsvermögen und Logik auf die Spur zu kommen.“ Das ist leider gründlich misslungen, da der Autor sich auf islamistische Quellen verlässt, jede Kleinigkeit chinafeindlich interpretiert und ideologisch voller Vorurteile gegen China ist.
Es fällt auch negativ auf, dass der Autor über China schreibt, aber keine chinesischen Quellen verwendet. Warum das so ist, darüber kann man nur spekulieren. Ist er der Meinung, dass alle chinesischen Journalisten und Experten lügen, hat es rassistische Hintergründe? Ist es Antikommunismus? Seine im dritten Teil der Serie formulierten scheinbar objektiven Relativierungen sind lächerlich und unglaubwürdig, wenn schon vorher in zwei Artikeln Schmutzkübel über China ausgegossen wurden. Die Struktur der Artikelserie ist schon darauf angelegt, dass Negatives beim Leser hängenbliebt.
Deutsche Intellektuelle wissen vom Schreibtisch aus meist vieles besser als Menschen, die schon lange in China leben oder zumindest sich auf Reisen vor Ort die Gegebenheiten anschauen.
Europäische Intellektuelle sind oft gefangen in ihrem eurozentristischen Wertesystem und damit „Frösche auf dem Grund des Brunnens“.
Die Artikelserie „Das verschwindende Volk“ von Roland Rottenfußer kann hier nachgelesen werden:
https://www.manova.news/artikel/das-verschwindende-volk
https://www.manova.news/artikel/das-verschwindende-volk-2
https://www.manova.news/artikel/das-verschwindende-volk-3
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Quellen und Anmerkungen:
(1) Hier finden Sie die drei Artikel von Roland Rottenfußer, auf die sich dieser Beitrag bezieht:
https://www.manova.news/artikel/das-verschwindende-volk
https://www.manova.news/artikel/das-verschwindende-volk-2
https://www.manova.news/artikel/das-verschwindende-volk-3



