Überraschenderweise hat das US-amerikanische Justizministerium Ende Januar weitere drei Millionen Dokumente der Epstein-Akten freigegeben und online gestellt. Überraschend war dies, weil der US-Präsident Donald Trump zuletzt kaum Interesse an der Veröffentlichung gezeigt hatte. Geradezu kaltschnäuzig fuhr er, von einem Journalisten darauf angesprochen, diesen an: „Reden die Leute immer noch darüber?“ Auch die Justizministerin Pam Bondi hatte wenig Interesse gezeigt, das Thema mit Eifer anzugehen. Sie hatte immer wieder erklärt, dass es in den Akten nichts Interessantes zu finden gebe.
Nun, nachdem plötzlich doch weitere — wenngleich lange nicht alle — Unterlagen veröffentlicht wurden, können wir mit einiger Gewissheit sagen: Sie hatte wohl recht. Denn nach allem, was bisher bekannt wurde, steht in den Akten wirklich nichts Neues.
Dass Epstein ein Netzwerk für Kinderhandel und Prostitution betrieben, seine Klienten dabei gefilmt und diese mit dem Kompromat in der Tasche hatte, ist bereits hinlänglich bekannt. Dass Epstein zudem gleichzeitig in der Finanzindustrie gearbeitet, und für viele Geschäftsmänner und -frauen die Finanzen gemanagt hat ist ebenso keine Neuigkeit.
Dass auch sehr bekannte Menschen auf der Epstein-Insel oder in einer der Epstein-Villen waren, ist ebenso nichts Neues. Namen wie Bill Gates, Prince Andrew, Noam Chomsky oder Donald Trump in Verbindung mit Epstein sind schon lange bekannt. Eine nicht so überraschende Neuigkeit war maximal, dass auch Elon Musk Kontakte mit Epstein pflegte und Interesse an einer seiner Partys hatte. Fotos von einem Treffen mit Epstein, bei dem auch andere Tech-Milliardäre wie Mark Zuckerberg zugegen waren, belegen zudem, dass auch persönlicher Kontakt bestanden hat.
Alles, was wir erfahren, sind höchstens zusätzliche, oft unappetitliche Details. Dass Bill Gates seiner damaligen Ehefrau Melinda heimlich Antibiotika zu verabreichen gedachte, um eine sexuell übertragbare Krankheit zu behandeln, mit der er selbst sie angesteckt haben soll — nachdem er sie sich von einer Prostituierten geholt hatte, etwa. Das wirft nur die alte Frage erneut auf, warum wir ausgerechnet diesem Menschen die Verantwortung für die globale Gesundheit überlassen. Neu ist auch die Geringschätzung, mit der Epstein und einige seiner Vertrauten über Nicht-Juden sprechen, die sie abwertend als „Goyim“ bezeichnen. Das unterstreicht, dass sich manche Menschen in gewissen Kreisen auf ihr Jüdischsein einiges einbilden und eine Art Überlegenheit daraus halluzinieren.
Die Geheimdienstverbindungen Epsteins, etwa zum Mossad oder über Ghislaine Maxwells Vater zum MI6, sind ebenfalls hinreichend bekannt. Es liegt nicht fern anzunehmen, dass Epstein im Auftrag von mindestens einem Geheimdienst, wahrscheinlich im Auftrag mehrerer Geheimdienste, tätig war. Auch enge Verbindungen zur israelischen Regierung sind belegt. All das hatte Whitney Webb bereits in ihrem umfassenden Werk „Eine Nation unter Erpressung“ ausführlich dargelegt.
Was vielleicht noch eine interessante Komponente in dieser Angelegenheit ist, das sind die aufgeflammten Gerüchte darüber, dass Epstein vielleicht doch nicht im August 2019 in seiner Gefängniszelle gestorben ist, sondern zuvor aus dieser weggebracht wurde, später auf seiner Insel fotografiert worden sein soll. Vielleicht lebt er heute noch und spielt Fortnite. Allerdings ist vollkommen unklar, wie viel in den Akten und den daraufhin kursierenden Berichten und Fotos wirklich authentisches Material ist. Bei den angeblich aktuellen Aufnahmen Epsteins könnte es sich um KI-generierte Bilder handeln, um Verwirrung zu stiften. Je absurder die ganze Angelegenheit klingt, desto unglaubwürdiger sind auch die nachweisbaren Fakten.
In den veröffentlichten Epstein-Akten finden sich Hinweise auf internationale Verbindungen seines Netzwerks und auf den Transport minderjähriger Opfer. Konkrete Details zu Herkunftsländern oder systematischem Kinderhandel werden in den öffentlich zugänglichen Dokumenten jedoch nicht eindeutig belegt und müssen daher vorsichtig eingeordnet werden.
Auch der russische Präsident Wladimir Putin sitzt nun auf der medialen Anklagebank. Sein Name soll — so die Berichte — tausendfach in den Akten auftauchen. Westliche Medien stricken sich zudem eine Erzählung zusammen, in der Epstein ein Agent des FSB gewesen sei. Dieser, so die Erzählung, soll „Honigtöpfe“ für westliche Eliten ausgelegt haben, um sie erpressen zu können.
Putin wird dabei von Epstein zwar immer wieder erwähnt, ein direkter Kontakt ist aber bislang nicht offensichtlich geworden — auch wenn Epstein behauptet hat, von Putin persönlich nach Russland eingeladen worden zu sein. Beweise dafür gibt es bislang nicht.
Dass ein Präsident eines international wichtigen Landes Erwähnung findet, kann aber nicht erstaunen, angesichts der weit verzweigten Verbindungen Epsteins auch in die Politik. Die FSB-Verbindung Epsteins bleibt aber bis auf Weiteres ein Märchen.
Zudem lebt eine ältere sogenannte Verschwörungstheorie im Lichte der Epstein-Akten wieder auf: Pizzagate. Wie Ian Carrol im Gespräch mit Tucker Carlson erklärt, findet Pizza in den Epstein-Akten häufiger auch in unpassendem Kontext Erwähnung — oft auch in Verbindung mit Traubensaft. Das an sich ist schon eine merkwürdige Kombination, vor allem, wenn sie von erwachsenen Männern in E-Mails erwähnt wird. Es drängt sich aber auf, dass dies eine feste Wendung im Epstein-Kontext ist.
„Pizzagate“, um das noch einmal in Erinnerung zu rufen, war ein Skandal, den führende Medien als „Verschwörungstheorie“ angeblich widerlegt haben. Dabei soll ein bestimmter Pizzaladen in Washington als verdeckter Zulieferer für minderjährige Zwangsprostituierte gedient, und auch das Weiße Haus immer wieder beliefert haben. Führende Politiker und Geschäftsleute haben sich dort zum „Lunch“ getroffen, und viele folgerten daraus, dass hier systematisch und regelmäßig Minderjährige von diesen Menschen missbraucht wurden. Es ist sogar die Rede von „Kill-Rooms“ in denen Kinder getötet wurden. Was damals als Spinnerei aus dem Internet abgetan wurde scheint im Kontext der neuen Epstein Akten plötzlich wieder weniger unwahrscheinlich. Dass Pizza und Traubensaft hier einen Code darstellen ist zumindest relativ wahrscheinlich.
Laut Ian Carrol ist es sogar nicht unwahrscheinlich, dass Jeffrey Epstein an der Finanzkrise von 2008 beteiligt war. Zumindest arbeitete er für und mit Finanzverwaltern, die genau in jene Spekulationen verwickelt waren, die letztlich zur Finanzkrise führten. Ein gewisses Mitwissen ist daher naheliegend, wenn die Finanzkrise nicht sogar absichtlich ausgelöst wurde.
Mit Remarque kann man also festhalten: Im Westen nichts neues. Dass Jeffrey Epstein über ein ausgedehntes Netzwerk, das Finanzindustrie mit Zwangsprostitution verbindet, Kontakte zu allen wichtigen Männern und Frauen der westlichen Welt hatte, hat Whitney Webb bereits in ihrem schwer zu lesenden, aber informationsreichen „Eine Nation unter Erpressung“ herausgearbeitet. Wobei sie hier auch die Kontinuität dieser Erpressernetzwerke über mindestens ein Jahrhundert hinweg aufzeigt. Die Clintons, Obama, Bill Gates, Leslie Wexner, Prince Andrew, Elon Musk, Mark Zuckerberg, Ehud Barak und tausende weitere Personen , die wichtige Positionen bekleiden oder über so gewaltige Vermögen verfügen, dass sie darüber großen Einfluss auf die Entwicklungen der Welt üben können, sind alle mit Epstein verbunden und haben sich zumindest durch die Akzeptanz der Vorgänge in Epsteins Immobilien und auf seiner Insel. schuldig gemacht
Konsequenzen haben die Enthüllungen bisher kaum. In Großbritannien trat der Kabinettschef Morgan McSweeney aufgrund seiner Wahl von Peter Mandelson als US-Botschafter zurück, und auch der britische Premierminister Keir Starmer geriet unter Druck. Zudem wurde Prince Andrew vorübergehend verhaftet, und gegen ihn wird wegen Amtsmissbrauchs ermittelt — seine Verbindungen zu Epstein und auch einige seiner Taten im Zusammenhang mit diesem sind allerdinge bereits seit Jahren bekannt. Auch in Norwegen gab es ein paar Rücktritte, unter anderem der Diplomatin Mona Juul.
Der WEF-Vorsitzende Børge Brende musste sich einer internen Untersuchung — keinem Strafverfahren — unterziehen. Die Folgen sind angesichts des Ausmaßes des Skandals eher bescheiden und wirken wie eine Simulation von Konsequenzen.
Nutzt man den Vorgang in Großbritannien, um sich eines unbeliebten Premierministers zu entledigen, so räumt man auch innerhalb der Finanzelite ein wenig auf — man bleibt dabei aber unter sich. Der ganze Lärm, der um die Epstein-Akten herum entstanden ist, bewirkt somit im Großen und Ganzen: nichts.
Ein Bill Gates darf weiterhin im Verbund mit der WHO über die globale Gesundheit entscheiden, und weitere Pandemien vorbereiten. Elon Musk, Mark Zuckerberg und auch Donald Trump bleiben trotz ihrer engen Kontakte zu Epstein seltsam unbehelligt. Prince Andrew verlor schon vor Jahren seinen Titel, läuft ansonsten aber — zumindest noch und nach seiner kurzen Inhaftierung — frei herum. Die Epstein-Akten bleiben merkwürdig folgenlos. Das indes ist keine Überraschung. Denn wer soll hier auch ernsthafte Ermittlungen und Strafverfahren anstellen? Wenn die Epstein-Enthüllungen, die nun schon seit Jahren vorangetrieben werden, eines belegen, dann nur, dass sich die Korruption und Verwicklungen durch alle Ebenen des Staates und alle relevanten Bereiche der Gesellschaft ziehen. Das politische System, die staatlichen Institutionen und auch die Justiz sind durchzogen von einem klandestinen Netzwerk, das durch enge Verbindungen die Welt unter sich aufteilt.
Wie kann man aus diesem Netzwerk heraus, das spätestens seit 2020 seine ganze Menschenverachtung offen zur Schau stellt, ernsthafte Verfolgungen, Strafverfahren und Sanktionen erwarten, wenn doch alle relevanten Stellen, die diese Verfolgungen aufnehmen müssten, selbst involviert oder zumindest Mittätern unterstellt sind? Zwar findet die US-Justizministerin Pam Bondi selbst offenbar keine Erwähnung in den Akten — ihr Vorgesetzter Donald Trump aber durchaus. Und dieser wird sich wohl kaum von seinen eigenen Untergebenen verfolgen lassen.
Und während auch unter den freien Journalisten und Privatpersonen schmutzige Details über den jeweils verhassten Gegner ans Tageslicht gezerrt und genüsslich ausgekostet werden, während sie sich gleichzeitig schützend vor die eigenen Helden und Vorbilder stellen, wird die einzige Konsequenz, die aus den Akten wirklich gezogen werden müsste, vermieden: die Einsicht, dass das ganze System, in dem wir zumindest im sogenannten Westen leben, auf Illusion und Täuschung basiert; dass all das in Wirklichkeit bis ins Mark degeneriert ist, beherrscht von Menschen, denen man eigentlich nicht über den Weg traut, die durch Erpressung auf Linie gebracht werden und die Wünsche ganz anderer Kräfte in die Tat umsetzen.
Es ist eine Mafia, die öffentliche Skandale höchstens nutzt, um interne Differenzen auf die schmutzige Art zu lösen, die sich aber niemals entkriminalisieren und selbstständig ins Gefängnis überstellen wird.
Das ganze politische und staatliche System, dem wir unterworfen sind, ist ein durch und durch kriminelles Netzwerk, das darüber hinaus keine Staatsgrenzen und keine Nationalitäten kennt. Hier echte Strafverfolgungen zu erwarten ist naiv. Das gesamte System dient nicht den Menschen, die in ihm leben, sondern den privaten Interessen einer elitären Kaste, die weder Skrupel noch Anstand kennt. Es müsste daher nicht reformiert und von den kriminellen Kräften befreit werden, da es von ihnen nicht zu trennen ist. Stattdessen müsste es ersatzlos zugunsten einer echten Herrschaft des Volkes über sich selbst beseitigt werden.
Es ist daher geradezu schmerzhaft mit anzuhören, wie selbst Ian Carroll und Tucker Carlson in ihrem Gespräch offenbaren, dass sie den Mythen ihres eigenen Staates aufgesessen sind. Sie wünschen sich die „Rückkehr“ zu einem Rechtsstaat und einer Demokratie, die schon in ihren Ansätzen und Anfängen nichts anderes waren als die Begründung einer Clanherrschaft einer Minderheit über die Mehrheit. Das System an sich ist das Problem, nicht die Akteure in ihm. Es ist eine Machtkonfiguration, die darauf ausgerichtet ist, die Verbrechen der reichsten und mächtigsten Menschen zu legitimieren und zu verteidigen — selbst dann, oder gerade dann, wenn sie alle moralischen Grenzen übertreten.
Dass selbst eigentlich so aufgeklärte und kritische Geister wie Carlson und Carroll an dem Mythos der guten, US-amerikanischen Demokratie festhalten ist daher ein Armutszeugnis für jede Form der Aufklärung. Es zeigt, dass die Menschen sich selbst im Angesicht der größten Verbrechen an die Illusionen klammern, mit denen sie aufgewachsen sind, und die Mythen für wahr halten, die ihnen erzählt wurden. Vor diesem Hintergrund wird jede Aufklärung vollkommen folgenlos bleiben.
Eine Enthüllung aller Epstein-Akten bewirkt also absolut gar nichts. Die Frage, warum die Akten jetzt so plötzlich doch freigegeben wurden, beantwortet sich damit von selbst: weil sie es folgenlos können. Denn das Justizministerium gibt sich keine Mühe, die Daten in irgendeiner Form aufzubereiten. Es sind über drei Millionen Dokumente, die einfach in den digitalen Äther geworfen werden, und die systematisch zu analysieren keinem Menschen möglich ist. Dies könnte sich jedoch ändern, da der US-Amerikaner Ian Carrol mit einem kleinen Team eine KI namens „Webb“ entwickelt hat, die systematisch die Akten durchsuchen und Informationen zu spezifischen Anfragen zusammentragen kann. Es ist also nicht unmöglich, dass in den kommenden Wochen und Monaten noch eine Reihe interessanter Details und neuer Fakten ans Tageslicht kommen.
Allerdings gibt es über diese Datenhalde hinaus noch weitere Dokumente, die noch immer nicht veröffentlicht sind. Einige wenige Beobachter der Lage gehen davon aus, dass es sich bei der Veröffentlichung um eine Demütigung des unterworfenen Pöbels in Form der „Revelation of the method“ also die Enthüllung der Methode der Machtausübung handelt. Diese Enthüllung soll den Menschen vor Augen führen, dass sie vollkommen machtlos gegenüber den Eliten sind, und diese tun und lassen können, was immer sie wollen. Das ist möglich, aber möglicherweise ist die Erklärung viel einfacher: Die Akteure geben mit der Veröffentlichung einer Forderung aus dem Volk nach und besänftigen es auf diese Weise — in dem sicheren Wissen, dass all das für sie selbst keine Folgen haben wird.
Wenn selbst die entschiedenste Opposition des Systems, die sich während der inszenierten Corona-Pandemie gebildet hat, an den Mythen und Illusionen eines Systems festhält, das auf staatliche Gewalt statt auf Selbstverantwortung setzt, wird sich nichts zum Besseren wenden.
Und genau diesen Umstand machen die Epstein-Akten und die Reaktionen darauf offenkundig.
Sie lenken zudem trefflich von dem eigentlichen Problem ab — nämlich von den staatlichen Strukturen und dem großen Kapital, das vermutlich seit Jahrhunderten die Fäden zieht — und kanalisieren den Volkszorn auf belanglose Einzelpersonen.
Und die Menge fällt wieder einmal darauf herein. Damit sind auch die Epstein-Akten nichts weiter, als ein Blitzableiter für berechtigten Frust.
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