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Zum Äußersten getrieben

Zum Äußersten getrieben

Die Gewalttaten der Hamas in Israel sind schlimm — das Entsetzen der Weltöffentlichkeit hielt sich jedoch in Grenzen, solange „nur“ Palästinenser die Opfer waren.

Jahrzehntelang gab es Fotos von toten palästinensischen Frauen und Kindern — Kindern, die von israelischen Soldaten geschlagen, gedemütigt und ins Gefängnis gesteckt wurden. Die historische Tötungsrate in diesem „Konflikt“ war mit 40:1 ziemlich konstant.

Nichts davon führte je zu mehr als einer hochgezogenen Augenbraue und einem milden „ts ts“ vonseiten des westlichen liberalen „Establishments“. Ich kann mich nicht an Kamerateams erinnern, die zionistische Politiker auf der Straße verfolgt und verlangt haben, diese sollten das Wort „verurteilen“ bezogen auf die jüngste israelische Gräueltat verwenden.

Der anfallartige Hass in der politischen und medialen Klasse, ausgelöst durch einen einzigen Tag, an dem der Stiefel mal am anderen Fuß steckt, ist aufschlussreich. Ganz besonders aufschlussreich ist er in seiner annähernd vollständigen Einstimmigkeit — wie viel Prozent der Diskussionen im Fernsehen oder Radio haben Sie die letzten 48 Stunden (der Artikel stammt vom 9. Oktober 23; Anmerkung der Übersetzerin) mit palästinensischen oder propalästinensischen Stimmen gehört?

In den sozialen Medien jedoch zeigt sich sehr deutlich, dass die Öffentlichkeit Israel keineswegs so einmütig unterstützt wie es die politische und mediale Klasse tut. Die Öffentlichkeit wird dafür jedoch nicht gekauft und bezahlt.

Asymmetrische Kriegsführung tendiert dazu, niederträchtig zu sein. Unterdrückte und kolonialisierte Völker genießen nicht den Luxus, Soldaten in gestärkten und gebügelten Uniformen mit polierten Stiefeln aufmarschieren zu lassen, um dann der feindlichen Armee in Waffengleichheit gegenüberzustehen.

Ein kolonialisiertes und unterdrücktes Volk tendiert dazu, die Abscheulichkeiten, die ihm durch den Unterdrücker zugefügt wurden, seinerseits auszuführen, sobald es die Möglichkeit dazu hat.

Selbstverständlich kommt dies dann der Propaganda der Imperialisten sehr zupass. Ein Paroxysmus des Widerstands vonseiten der Unterdrückten wird schließlich von den Imperialisten stets als Beweis für die Bestialität des kolonialisierten Volkes dargestellt — und rechtfertigt dann auch die „zivilisatorische Mission“ des Kolonisators.

So wurde die „Indische Meuterei“ zu einer viktorianischen Erzählung von Vergewaltigung und Ermordung britischer Frauen und des „Schwarzen Lochs“ von Kalkutta. So waren die Mau Mau teuflische Schlächter und die IRA Terroristen — der moderne Kunstbegriff für diejenigen, die dem Bösen und der Fremdherrschaft Widerstand leisten.

Der israelische Botschafter der UN beschrieb die Hamas gestern als „tierähnlich“. Dies ist natürlich nicht wahr. Es sind Menschen, aber Menschen, die durch ein unerträgliches Maß an Ungerechtigkeit und Unterdrückung verrückt gemacht wurden.

Es tut mir — wie bei allen Kriegen — außerordentlich leid um alle, die sterben. Es tut mir auch um die einzelnen getöteten israelischen Soldaten leid, mehr noch um alle Unschuldigen, die starben und nun im Sterben liegen.

Ich werde die Hamas jedoch nicht verurteilen. Dafür muss ich nicht einmal auf die Vorgeschichte der ursprünglichen Unterstützung der Hamas durch Israel zur Spaltung der Fatah zurückgreifen. Das haben sie längst hinter sich gelassen. Ich verurteile die Hamas nicht, weil der Widerstand des palästinensischen Volkes eine reflexhafte Antwort auf seinen langsamen Genozid ist.

Dennoch handelt es sich um eine unausgereifte und brutale Reaktion. Natürlich wünschte ich, es gäbe keine unschuldigen Opfer. Die Menschen, die ich verurteile, sind die internationale politische Klasse, die einstimmig Erklärungen herausgibt, die „Israels Recht zur Selbstverteidigung“ unterstützen. Ein Recht, das sie dem Unterdrücker, nicht jedoch dem Unterdrückten zugestehen.

Dies sind die Menschen, die verurteilt werden müssen.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Now We Have Your Attention“ auf dem Blog von Craig Murray. Er wurde von Gabriele Herb ehrenamtlich übersetzt und vom ehrenamtlichen Manova-Korrektoratsteam lektoriert.


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