Zum Inhalt:
Aber bitte ohne Schwarz-Rot-Gold

Aber bitte ohne Schwarz-Rot-Gold

Bloß keine Deutschlandflaggen aufhängen, denn das könnte Nichtdeutsche ausgrenzen — nur die Regenbogenflagge schließt angeblich alle ein. Sind das die letzten Züge des woken Wahnsinns?

Zur Fußballweltmeisterschaft, die 2026 in drei Ländern ausgetragen wird — in den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada — gäbe es allerlei anzumerken. Der Weltfußballverband FIFA hat das Turnier aufgebläht, nie zuvor kämpften so viele Nationalmannschaften um den Titel. Das heißt, um den Titel spielen, wie in jedem Turnier seit 1930, nur einige Mannschaften — der Rest kickt zwar auch, will hier und da ein Ausrufezeichen setzen, hat jedoch keine realistischen Chance auf den WM-Sieg. Oder will jemand ernsthaft behaupten, dass Haiti und Curaçao um den Titel mitspielen könnten? In Übersee darf der Kenner und Liebhaber des Sports abermalig dabei zusehen, wie sich der Fußball zur Belanglosigkeit entwickelt — der letzte Rest an Streitbarem wird durch Videobeweise und den endgültigen Ausschluss des Zufalles ausgemerzt.

Dieser Zufall war indes das Geheimnis des Erfolges dieses weltumspannenden Fußballsports. Die größten Könner verzweifelten über Generationen an dem Phänomen des Unkalkulierbaren, das oft aus unerkennbaren Gründen eintrat — auf diese Weise konnte auch eine Thekenmannschaft eine Starauswahl besiegen. Doch der Generalangriff auf den Zufall, technologisch wie taktisch, hat dem ursprünglichen Wesensgrund des Aufstiegs dieses Spieles zugesetzt.

Die 23. Weltmeisterschaft, die aktuell jenseits des Atlantiks ausgetragen wird, zeigt die Banalität des Kalkulierbaren — gepaart mit der Erkenntnis, dass auf dem Spielfeld taktisch nichts Neues mehr entstehen kann. V

ielleicht hat sich auch aus diesem Grund eintretender Ödnis zuletzt in Europa der Fußball abseits des Platzes zu einer politischen Spielwiese entwickelt. Mittlerweile wird der Kick als Fortführung der Politik mit direktpassspielenden Mitteln betrieben.

Das miese Stück Scheiße

Besonders haften blieb der Auftritt der DFB-Elf vor vier Jahren in Katar. Der Kapitän Manuel Neuer lief mit Regenbogenbinde auf, die Mannschaft hielt sich exemplarisch den Mund zu, als gäbe es nur im arabischen Raum Probleme mit der Meinungsfreiheit und nicht im zeitgenössischen Deutschland. Zudem wurde die Bundesinnenministerin Nancy Faeser eingeflogen, die fleischige Oberarme und eine ebenso farbenfrohe Binde feilbot, wie der Kapitän jenes deutschen WM-Teams von 2022, das schon in der Vorrunde die Heimreise antrat. Politisch fiel man folglich auf, teils zum Gespött der Weltöffentlichkeit — fußballerisch hielt man sich jedoch bedeckt. Dennoch schien die deutsche Öffentlichkeit halbwegs zufrieden gewesen zu sein, schließlich habe man etwas erreicht: Das Team hatte der Welt gezeigt, wie Liebe geht und wie man Haltung einnimmt.

Der deutsche Fußball-Verband hat für diese Endrunde der Weltmeisterschaft die Parole ausgegeben, sich wieder auf die Kernkompetenz zu konzentrieren: It’s the sports, stupid! Das Übertragungsangebot der Öffentlich-rechtlichen tut sich jedoch schwer mit dieser Entpolitisierung. Immer wieder holt man das Ereignis von 2022 auf die politische Bühne zurück. Das Feuilleton tut es den durch Beitragszahler sattsam subventionierten Sorglosjournalisten gleich.

An sich ist das nicht überraschend, worüber sollten Journalisten denn sonst berichten? Über Fußball vielleicht? Davon haben sie im Regelfall keine Ahnung. Ihnen bleibt also nichts anderes übrig, als den Kick nach Maßgabe deutscher Haltungsvorstellungen zu politisieren.

Dass aber selbst Veranstalter von sogenannten Public Viewings aus dem Ereignis ein Politikum heraufproblematisieren, ist schon erstaunlich. Sollten sie nicht ein Interesse daran haben, ihre Besucher bei guter Laune — und damit bei hoher Spendierfreude — zu halten?

Nehmen wir nur mal das Kulturzentrum Schlachthof im nordhessischen Kassel. Der angeblich „schönste Biergarten“ der Stadt lädt zum gemeinsamen Schauen einiger Spiele — nicht aller, da viele während mitteleuropäischer Nächte stattfinden. Im Schlachthof, so teilten es die Veranstalter mit, sei kein Platz für Nationalismus. Flaggen und schwarz-rot-goldene Schminke sollten daher gar nicht erst mitgebracht werden. Dann noch dieser Satz: „Alle Nationalitäten sind willkommen.“ Nun gut, außer der deutschen — die darf kommen, aber bitte ohne Flagge und ohne Bekenntnis zum nationalen Team. Das ist, als wickle man das sogenannte Sommermärchen, jene so stimmungsvolle Weltmeisterschaft von 2006, die in Deutschland stattfand, einfach wieder ab. Damals galt es als chic, der eigenen Mannschaft die Daumen zu halten und seine Anhängerschaft mittels Flagge zu symbolisieren. Aber das war zu einer Zeit, da die Regenbogenflagge noch nicht zur neuen deutschen Nationalflagge aufgestiegen ist — offiziell ist sie es ja auch nicht, inoffiziell hat sie es aber längst vom shitbürgerlichen Milieu zur bückbürgerlichen Akzeptanz gebracht, um das Phänomen mit den Worten des liberalen Journalisten Ulf Poschardt zu benennen.

Hass und Lebensverneinung

Wie ein Kulturzentrum, das sich als eingetragener Verein unter anderem aus Fördermitteln von Bund, Land und Kommune finanziert, das Hoheitszeichen des Landes ausschließen kann, das es am Leben hält, ist einigermaßen kurios — und auch selbstgerecht. Besucher des Public Viewings, die sich den Vorgaben der Veranstalter widersetzen, dennoch mit Deutschlandfahne erscheinen würden, brächten schließlich nicht weniger als das Symbol des Förderers des Schlachthofes mit — das erinnert fatal an jene Buchhandlungen, die der Kulturstaatsbeauftragte der Bundesregierung Wolfram Weimer vom Buchhandelspreis ausschließen wollte, weil die das Land, in dem sie ihren Laden führen — Deutschland also — als mieses Stück Scheiße einordnen. Im deutschen Kulturbetrieb haben sich längst große Teile dezidiert auf Hass auf das eigene Heimatland verständigt. Das Antideutsche gilt dort nicht nur als chic, sondern als aufgeklärt.

Mit dieser Einstellung simuliert man Antifaschismus — gerade so, als finge Faschismus überall dort an, wo Gesellschaften ihren Staatswesen ein Hoheitszeichen, wie zum Beispiel eine Flagge, verleihen.

Träfe das zu, wäre jeder Staat auf Erden ein faschistisches Gebilde, ohne Unterscheidung seiner inneren Beschaffenheit.

Deutlich schwingt in diesem „linken Kulturbetrieb“, der leider viel zu oft — ja, fast immer! — von den Steuerzahlern subventioniert werden muss, ein Drang zur Auflösung jedes nationalstaatlichen Denkens mit. No borders, one world: Diese Fantasien treiben „Linke“ schon länger um — so selbstbewusst wie in den letzten Jahren haben sie es allerdings vormals nicht kundgetan. Vielleicht auch deswegen, weil ihnen vor einiger Zeit noch klar war, dass sie keine Alternative zum Nationalstaat in petto haben. Von dieser Sachlichkeit haben sich nicht nur „Linke“ spätestens 2015 verabschiedet, als im Zuge der Flüchtlingskrise hanebüchene Beurteilungen der nationalen wie internationalen Lage Konjunktur hatten. Grenzen wurden zu einem Ausdruck faschistischen Denkens, als ob Staaten nicht zu allen Zeiten aus guten Gründen ihre Hoheit auf Grenzen bauten. Diese Kreise vermeintlicher Progressivität forderten von heute auf morgen den Bruch mit den historischen Strukturen — alle Welt sollte die Möglichkeit erhalten, nach Europa oder doch wenigstens nach Deutschland zu kommen; ein bedingungsloses Grundeinkommen forderten besonders kühne Streiter gleich in einem Abwasch mit. Wer dem nicht angemessen begeistert beipflichten wollte, trat den Weg in die Ecke an. Dort im Winkel stehend erlebte jeder Zweifler den Hass der „Erleuchteten“. Dass dies alles unter einer Bundeskanzlerin aus dem nominell konservativen Lager geschehen konnte, ist so unfassbar, dass es einem mehr als eine Dekade danach noch den Atem verschlägt.

Es ist demnach nicht so verblüffend, wenn nun auf deutschem Boden Weltmeisterschaften begleitet werden, bei denen sich möglichst jeder wenig nationalstaatlich zeigen möge. Denn längst haben diese Shitbürger — entschuldigen Sie, dass ich erneut auf diese Komposition zurückgreife, sie ist einfach zu treffend! — die Deutungshoheit an sich gerissen und das Bückbürgertum — nochmals bitte ich um Entschuldigung! — nachhaltig eingelullt. Schon die Flagge am Blumenkasten des heimischen Balkons, vor 20 Jahren — auch bei der Weltmeisterschaft 2010 oder 2014, bevor der Dammbruch von 2015 die Republik für immer veränderte — noch Ausdruck froher Anhängerschaft, macht das Individuum nun verdächtig und zum Überwachungsfall shitbürgerlicher Abschnittsbevollmächtigter. Gespeist wird dieses „große Wissen“ um die Verwerflichkeit von Schwarz-Rot-Gold von den Influencer-Formaten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, in denen infantile Twens Content für noch kindischere Teens produzieren und sich in ihrer Radikalität zu überbieten versuchen. Die totale Lebensverneinung verkaufen diese Zirkel längst als politisches Bewusstsein: Lebensfreude gilt als verdächtig, Genussfreude als erster Indikator einer Verdachtsbestätigung.

Letzte Zuckungen?

Die pure Freudlosigkeit klammert sich an die kulturelle Hegemonie. Verhärmt und mit depressivem Eifer urteilen diese Häscher des Lebensnihilismus über ihre Mitmenschen. Während dieser Weltmeisterschaft zeigt sich abermals recht deutlich, dass hierzulande der Kulturbetrieb und als dessen Ausbund auch weite Felder des (von der Allgemeinheit bezahlten) Journalismus sich im Griff von Leuten befinden, die ihre persönlichen Traumata ins Politische übersetzt haben und auf Kosten des ganzen Landes eine Art Eigentherapie durchführen. Ihre persönliche Lebensverneinung soll allen übergestülpt werden, jeder Funke von Freude — etwa über einen Sieg der eigenen Mannschaft in Übersee — muss politisch eingenordet und versachlicht werden. Emotionen sind ihnen ganz offenbar verdächtig, sofern sie nicht durch Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kontrolliert werden, die übrigens gleich noch die bröckelnde Lebenslüge, in der man im realen Leben längst steckt, kanalisieren und nicht zu offensichtlich machen.

Die Verantwortlichen, die nun über Jahre eine Kultur des deutschen Selbsthasses nicht nur verinnerlicht, sondern auch gesellschaftlich veräußert haben, sind längst an eine Grenze geraten. Ihr politischer Arm in Form einer Dreierkoalition ist im November 2024 gescheitert — die Brandmauer, Ergebnis der kulturellen Hegemonie dieser Kaste, hat die Alternative für Deutschland (AfD) nicht etwa geschwächt, sondern lässt sie täglich wachsen — das wirtschaftliche Versagen, den Deutschen über Jahre als Erfolgsmodell verkauft, ist nun so fassbar und so deutlich am Geldbeutel zu spüren, dass das kaum noch jemand glaubt — und dazu diese überbordende Haltung des vermeintlich Guten, die man allerorts auf dem Erdenrund kundtut und symbolisch zur Schau stellt und die am Ende Mitverursacher eines Weltkriegs werden könnte: Die Lebenslüge ist längst enttarnt — und weil dem so ist, reißen die Anhänger dieser falschen Lebensgrundlage weiter die Debatten an sich und erfinden sogar welche, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Sind das die letzten Zuckungen des Bundeswoken? Oder setzt das Wokenkuckucksheim jetzt erst richtig an, das Land nochmals an deren Vorstellungen zu ketten? In Deutschland kapituliert man traditionell nicht gerne — bedingungslos schon gar nicht. Vor 20 Jahren hat Götz Aly ein Buch über die 68er-Bewegung geschrieben — Titel: „Unser Kampf“. In diesem klugen Werk stufte der Historiker die 1968er als die im Wesen ganz ähnlich tickenden Kinder und Enkel der 1933er ein. Beide Jahrgänge verfolgten nicht dieselben Ziele, machte Aly durchaus deutlich. Aber 68er wie 33er glaubten, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen und moralisch überlegen zu sein. Andersdenkende zu verachten und den politischen Gegner zu dämonisieren: Auch hier glichen sie sich. Das kommt einem heute bekannt vor. Es scheint, dass solche totalitären Phänomene auf deutschem Boden zwangsläufig sind … mal mit, mal ohne Flagge.


Finden Sie Artikel wie diesen wichtig?
Dann unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

Wenn Sie für unabhängige Artikel wie diesen etwas übrig haben, können Sie uns zum Beispiel mit einem kleinen Dauerauftrag oder einer Einzelspende unterstützen.

Oder unterstützen Sie uns durch den Kauf eines Artikels aus unserer Manova-Kollektion .

VG-Wort Zählpixel

Weiterlesen

Buckelnde Kirchen
Aktueller Artikel

Buckelnde Kirchen

Ein internes Arbeitspapier der beiden großen Kirchen zeigt, wie sehr auch diese sich freiwillig der grassierenden militärischen Logik unterwerfen.

Der fehlende Part
Aus dem Archiv

Der fehlende Part

RT Deutsch will kein Sprachrohr des Kreml sein, sondern auf Wahrheiten hinweisen, die in anderen Medien keinen Platz finden. Interview mit Chefredakteur Ivan Rodionov.