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 Der verhinderte Frieden

Der verhinderte Frieden

Die USA und Israel griffen den Iran an, als ein Kompromiss in greifbarer Nähe war.

von Bamo Nouri

Verhandlungsführer aus den USA und dem Iran trafen sich Anfang der Woche (der Artikel stammt vom 27. Februar 2026; Anmerkung der Übersetzerin) in Genf zu Gesprächen, die von Vermittlern als die ernsthaftesten und konstruktivsten seit Jahren bezeichnet wurden. Badr Albusaidi, Außenminister des Oman, sprach öffentlich von einer „beispiellosen Aufgeschlossenheit“ und signalisierte damit, dass beide Seiten kreative Lösungsansätze prüften, anstatt festgefahrene Positionen zu wiederholen. Die Gespräche zeigten Flexibilität in Bezug auf nukleare Begrenzungen und die Lockerung von Sanktionen. Vermittler deuteten an, dass innerhalb weniger Tage eine grundsätzliche Vereinbarung möglich gewesen wäre, gefolgt von detaillierten Prüfmechanismen, die innerhalb von Monaten umgesetzt werden könnten.

Dabei handelte es sich nicht um leere Gesten. Es wurde auf echte Diplomatie gesetzt. Iranische Beamte unterbreiteten Vorschläge, die auf die politischen Realitäten in den USA zugeschnitten waren, darunter auch ein potenzieller Zugang zu Energiesektoren und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Diese Gesten sollten es Donald Trump ermöglichen, jedes Abkommen als härter und vorteilhafter darzustellen als das Abkommen von 2015, aus dem die USA unter Trump im Mai 2018 ausgestiegen waren. Teheran schien zu verstehen, welche Außenwirkung Washington benötigte, selbst wenn strittige Themen wie ballistische Raketen und regionale Stellvertreternetzwerke zunächst außen vor blieben. Dann, mitten in den Gesprächen, wurde diese Brücke zerstört.

Im Bewusstsein, wie nahe die Verhandlungen an einem Abschluss waren — und wie unmittelbar eine militärische Eskalation bevorstand — eilte Omans Außenminister Badr Albusaidi in einer letzten verzweifelten Anstrengung nach Washington, um den diplomatischen Kurs aufrechtzuerhalten.

Er trat in einem für einen Vermittler ungewöhnlich öffentlichen Schritt bei CBS auf und erläuterte, wie weit die Gespräche fortgeschritten waren. Er beschrieb ein Abkommen, das die iranischen Vorräte an hoch angereichertem Uran beseitigen, vorhandenes Material im Iran herabstufen und eine vollständige Überprüfung durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) ermöglichen würde — mit der Möglichkeit, dass US-amerikanische Inspektoren daran teilnehmen. Der Iran, so schlug er vor, würde Uran nur für zivile Zwecke anreichern. Er deutete an, dass eine Grundsatzvereinbarung innerhalb weniger Tage unterzeichnet werden könne. Es war eine bemerkenswerte Enthüllung, die — in dem Versuch, einen drohenden Krieg zu verhindern — praktisch die Konturen eines bevorstehenden Durchbruchs offenbarte.

Anstatt jedoch der Diplomatie zu erlauben, ihr Werk zum Abschluss zu bringen, haben die USA und Israel koordinierte Angriffe auf den gesamten Iran begonnen. In Teheran und anderen Städten wurden Explosionen gemeldet. Trump kündigte „große Kampfeinsätze“ an und bezeichnete diese als notwendig, um nukleare und Raketenbedrohungen abzuwehren, während er gleichzeitig die Iraner dazu aufforderte, die Gunst der Stunde zu nutzen und ihre politische Führung zu stürzen. Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte und verbündete Staaten der USA in der Region.

Am Verblüffendsten ist nicht nur, dass die Diplomatie gescheitert ist, sondern dass sie trotz sichtbarer Fortschritte versagte.

Die Vermittler hatten offen über realisierbare Rahmenbedingungen diskutiert und beide Seiten hatten Kompromissbereitschaft gezeigt — ein Weg zur Eindämmung einer nuklearen Eskalation schien greifbar. Die Entscheidung für eine militärische Eskalation zu diesem Zeitpunkt untergräbt die Prämisse, dass Verhandlungen eine echte Alternative zum Krieg darstellen. Sie signalisiert, dass selbst aktive Diplomatie keine Garantie für Zurückhaltung bietet. Frieden war nicht naiv. Er war plausibel.

Der Ansatz Irans in Genf war strategisch, nicht unterwürfig. Vorschläge, die wirtschaftliche Anreize beinhalteten — darunter auch Kooperation im Energiebereich — waren keine einseitigen Zugeständnisse, sondern kalkulierte Kompromisse, die auf die Strukturierung eines politisch tragfähigen Abkommens in Washington abzielten. Das Kernziel war klar: die Einschränkung des iranischen Atomprogramms durch durchsetzbare Begrenzungen und umfassende Kontrollen einzuschränken und damit genau jene Proliferationsrisiken zu adressieren, die durch Sanktionen und Gewaltandrohungen eigentlich verhindert werden sollten.

Die Gespräche waren über rhetorische Gesten hinaus zu konkreten Vorschlägen fortgeschritten. Zum ersten Mal seit Jahren gab es glaubwürdige Fortschritte hin zu einer Stabilisierung der Nuklearfrage. Durch ihren Angriff während dieser Verhandlungsphase haben Washington und seine Verbündeten nicht nur eine diplomatische Chance zunichtegemacht, sondern auch Zweifel an der Verlässlichkeit amerikanischer Zusagen zu ausgehandelten Lösungen geweckt. Die Botschaft an Teheran — und an weitere Gegner, die Diplomatie in Erwägung ziehen — ist deutlich: Selbst wenn Verhandlungen zu funktionieren scheinen, können sie durch Gewalt zu Fall gebracht werden.

Der Iran ist weder Irak noch Libyen

Befürworter einer Eskalation führen oft den Irak im Jahr 2003 oder Libyen im Jahr 2011 als Beispiele für einen schnellen Regimekollaps unter Druck an. Diese Analogien sind jedoch irreführend. Irak und Libyen waren stark personalisierte Systeme, die übermäßig von engen Patronagenetzwerken und einzelnen Herrschern abhängig waren. Wurde das Zentrum entfernt, implodierte die Struktur.

Der Iran ist strukturell anders aufgebaut. Es handelt sich dabei nicht um eine dynastische Diktatur, sondern um einen ideologisch gefestigten Staat mit vielschichtigen Institutionen, doktrinärer Legitimität und einem tief verwurzelten Sicherheitsapparat, zu dem auch die Islamische Revolutionsgarde gehört. Seine Autorität ist mit religiösen, politischen und strategischen Narrativen verflochten, die über Jahrzehnte hinweg gepflegt wurden. Er hat Sanktionen, regionale Isolation und anhaltenden Druck von außen überstanden, ohne zu zerbrechen.

Selbst eine vorausgegangene, zwölf Tage andauernde Kampagne Israels und der USA im Jahr 2025 schaffte es nicht, die Vergeltungsfähigkeit Teherans auszuschalten. Der Staat brach keineswegs zusammen, sondern federte den Druck ab und reagierte darauf. Ein solches System mit maximaler Gewalt zu treffen, garantiert keine Implosion; stattdessen kann es den inneren Zusammenhalt festigen und die von der Führung seit Langem wirksam genutzten Narrative einer Aggression von außen verstärken.

Die Illusion eines Regimewechsels

Die Rhetorik rund um die Luftangriffe hat sich bereits von taktischen Zielen hin zu Begriffen des Regimewechsels verschoben. Führungspersönlichkeiten der USA und Israels stellten die militärischen Maßnahmen nicht nur als Neutralisierung von Raketen- oder Nuklearkapazitäten dar, sondern als Chance für die Iraner, ihre Regierung zu stürzen. Dieses Kalkül — Regimewechsel durch Gewalt — ist historisch gesehen mit Risiken behaftet.

Die Invasion des Irak sollte eine warnende Lehre sein. Die USA unterstützten über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren mehrere irakische Oppositionsgruppen, und doch führte die Zerschlagung des zentralisierten Staatsapparats zu Chaos, Aufständen und Fragmentierung.

Das Machtvakuum führte zur Entstehung extremistischer Organisationen wie des IS und verstrickte die USA über Jahre in neue Konflikte. Dem Iran mit ähnlichen Annahmen — gemeint ist der weiter oben erwähnte Regimewechsel durch Gewalt — zu begegnen ignoriert sowohl dessen institutionelle Widerstandsfähigkeit als auch die Komplexität der regionalen Geopolitik. Sektiererische Spaltungen, fest verankerte Allianzen und Stellvertreter-Netzwerke bedeuten, dass eine Destabilisierung Teherans nicht auf das Land beschränkt bleiben würde. Sie könnte sich schnell über die Grenzen hinaus ausweiten und in eine langwierige Konfrontation münden.

Eine für Eskalation prädestinierte Region

Der Iran hat massiv in asymmetrische Fähigkeiten investiert, um externe Interventionen gezielt abzuschrecken und zu erschweren. Seine Raketen-, Drohnen- und Marinesysteme befinden sich entlang der Straße von Hormus — einem Engpass für die weltweite Energieversorgung — positioniert und in ein Netzwerk regionaler Verbündeter und Milizen eingebunden.

Im Zuge der aktuellen Eskalation hat der Iran bereits Vergeltungsschläge mit Drohnen und Raketen gegen US-Militärstützpunkte sowie gegen von den USA unterstützte Verbündete in der Golfregion ausgeführt. Dabei wurden in direkter Reaktion auf US-amerikanische und israelische Angriffe auf Irans Städte — darunter Teheran, Qom und Isfahan — Ziele im Irak, in Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten (einschließlich Abu Dhabi),Kuwait und Katar getroffen. Es wurde von Explosionen in Bahrain und den VAE berichtet, wobei mindestens ein Todesfall in Abu Dhabi bestätigt wurde. Zudem wurden mehrere Stützpunkte, in denen US-Personal stationiert ist, getroffen oder angegriffen — ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr sich der Konflikt bereits über die Grenzen des Iran hinaus ausgebreitet hat.

Ein umfassender regionaler Krieg ist nun wahrscheinlicher als noch vor einer Woche. Fehleinschätzungen könnten mehrere Staaten in den Konflikt hineinziehen, sektiererische Spannungen verschärfen und die globalen Energiemärkte destabilisieren. Was bisher ein begrenzter Nuklearkonflikt geblieben wäre, droht nun, sich zu einer umfassenderen geopolitischen Konfrontation auszuweiten.

Was ist mit Trumps Versprechen, keine endlosen Kriege mehr zu führen?

Trump hat sein politisches Markenzeichen darauf aufgebaut, sich gegen „endlose Kriege“ zu stellen und die Irak-Invasion zu kritisieren. „America First“ versprach strategische Zurückhaltung, harte Verhandlungen und eine Abkehr von unbefristeten Interventionen. Eine militärische Eskalation zu genau dem Zeitpunkt, an dem die Diplomatie Fortschritte machte, entspricht nicht dieser Doktrin und wirft erneut Fragen zu den wahren Zielen der US-Strategie im Nahen Osten auf.

Sollten sich tatsächlich tragfähige nukleare Rahmenbedingungen abgezeichnet haben, wirft deren Aufgabe zugunsten einer Eskalation eine noch tiefgreifendere Frage auf: Dient anhaltende Spannung bestimmten strategischen Interessen besser als ein dauerhafter Frieden?

Trumps Rede in Mar-a-Lago, in der er die Angriffe ankündigte, wies deutliche Parallelen zu der Rede von George W. Bush vor der Irak-Invasion im Jahr 2003 auf.

Die Militäraktion wurde als widerwillig beschlossen, aber notwendig dargestellt — ein präventiver Schritt, um wachsende Bedrohungen abzuwehren und Frieden durch Stärke zu sichern. Die Rhetorik von erschöpfter Geduld und der Notwendigkeit, einer Gefahr zuvorzukommen, bevor sie sich voll entfaltet, spiegelt weitgehend die Sprache wider, mit der Bush den Einmarsch in Bagdad rechtfertigte.

Die Parallele geht jedoch über den Tonfall hinaus. Bush stellte den Irakkrieg sowohl als Befreiung als auch als Abrüstung dar und versprach den Irakern die Befreiung von der Diktatur. Auf ähnliche Weise drängte Trump die Iraner dazu, ihr Land zurückzuerobern und verband damit implizit Gewalt mit Regimewechsel. Im Irak führte diese Verschmelzung von Schock und Erlösung nicht zu einer raschen demokratischen Erneuerung, sondern zu anhaltender Instabilität. Die Annahme, militärische Gewalt könne politische Systeme von außen neu ordnen, wurde bereits auf die Probe gestellt — und der Preis dafür ist nach wie vor sichtbar.

Die zentrale Herausforderung für die USA besteht nicht einfach in den militärischen Fähigkeiten des Iran. Es geht um Glaubwürdigkeit. Ein Abbruch der laufenden Verhandlungen signalisiert, dass Diplomatie selbst dann durch Gewalt außer Kraft gesetzt werden kann, wenn Fortschritte sichtbar sind. Diese Wahrnehmung wird weit über Teheran hinaus nachhallen.

Es bestand nie eine Garantie für Frieden. Er war begrenzt und unvollkommen, konzentrierte sich in erster Linie auf nukleare Beschränkungen statt auf Menschenrechte oder regionale Stellvertreternetzwerke. Er war jedoch denkbar — und näher, als viele annahmen. Die Brücke zu zerstören, während man an ihr baut, bedeutet mehr als das Scheitern eines einzelnen Abkommens: Es besteht die Gefahr, dass beide Seiten zu dem Schluss kommen, dass Verhandlungen an sich sinnlos sind. In einer solchen Welt schwindet das Vertrauen, die Abschreckung verhärtet sich und Aggression statt Einigung wird zur Standardsprache der internationalen Machtpolitik. Was wir derzeit erleben, ist ein weiteres deutliches Zeichen dafür, dass die regelbasierte Ordnung nun der Geschichte angehört.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Iran Attacked by the US and Israel When Peace Was Within Reach“. Er wurde von Gabriele Herb ehrenamtlich übersetzt und vom ehrenamtlichen Manova-Korrektoratteam lektoriert.


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