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Inmitten des Lärms

Inmitten des Lärms

Poetik-Ecke XXXXIX: Wenn die Gerechtigkeit von innen fault, ist die Zeit gekommen, barfuß das Licht zu suchen.

Gerechtigkeit ist ein schönes Wort, das von innen verfault.
Sie trägt eine Augenbinde, nicht um unbefangen zu sein,
sondern um das Blut zu ignorieren, über das sie hinwegschreitet.

Kinder schlafen auf Betonkissen,
ihre Rippen zählen jeden Atemzug wie eine kaputte Uhr.
Ihr Lachen wurde ihnen geraubt, bevor es entstand,
ersetzt durch ein Schweigen, zu alt für ihr Alter.

Ein Mädchen wiegt ihren eigenen Hunger wie eine Puppe,
während ein Junge mit den Knochen des Krieges Träume in den Staub zeichnet.
Niemand hört zu, wenn die Wände mit vergessenen Namen beschmiert werden.

Paläste erheben sich aus der Asche verbrannter Bücher,
während die Wahrheit neben zerrissenen Schuhen und leeren Mägen darbt.
Die Reichen verzehren die Zeit selbst,
während die Armen auf der Hoffnung herumkauen,
bis sie nach Metall und Staub schmeckt.

Und irgendwo inmitten des Lärms
sitze ich still
und frage Gott, ob auch er wegschaut
oder ob er einfach hinter den Sternen weint.

Das Schlaflied des Leidens ist noch nicht zu Ende, das Kind ist noch wach; das ist ungerecht, und die größte Ungerechtigkeit sind nicht der Hunger, nicht die Kugeln,
nicht das Schweigen oder das Schlaflied.
Es ist meine Unfähigkeit, das Salz meiner Tränen zu schmecken.

Justice is a beautiful word rotting from the inside.
It wears a blindfold, not to be fair,
but to ignore the blood it steps over.

Children sleep on concrete pillows,
with ribs counting each breath like a broken clock.
Their laughter was stolen before it ever formed,
replaced by silence too old for their age.

A girl cradles her own hunger like a doll,
while a boy draws dreams in the dust with bones of war.
No one listens when the walls get smeared with forgotten names.

Palaces rise on the ashes of burned books, while the truth starves beside torn shoes and empty stomachs.
The rich eat time itself,
while the poor chew on hope
until it tastes like metal and dust.

And somewhere in the noise,
I sit still,
asking God if He looks away too,
or if He simply weeps behind the stars.

The lullaby of suffering hasn’t come to an end, the child is still awake. That’s injustice, and the greatest injustice of all is not the hunger, not the bullets,
not the silence or the lullaby.
It’s my inability to taste my salty tears.


Gefangen dazwischen, weder dunkel noch hell,
wiederholen sich die Tage in einem faden Grell.

Nicht traurig genug, um einen Schrei zu erheben,
nicht sachte genug, um im Traum zu entschweben,
und meine Worte bleiben dazwischen kleben.

Nicht ganz gebrochen, nicht unversehrt,
nur das ewige Echo, das meine Seele beschwert.

Müde bin ich von der Müdigkeit,
die mich von einem zum nächsten Grauton treibt.

Trapped in between, not dark not bright,
and the days repeat only in faded light.

Not sad enough to make me scream,
not soft enough to make me dream,
and my words get stuck in between.

I’m not quite broken, I’m not quite whole,
it’s just the echoes pacing on my soul.

I’m tired of this tired way,
drifting towards an another shade of my gray.


Ego?
Das Ego ist der Samthandschuh, den die Liebe trägt, wenn sie nicht will,
dass du die Klinge darunter spürst.

Wir glauben, wir tanzen,
doch wir sind Marionetten, die ihre Fäden küssen.
Wir nennen es Leidenschaft, doch es sind nur zwei einsame Geister, die sich an die Vorstellung klammern, echt zu sein.

Und wenn die Lichter angehen, merkst du, dass der Raum leer war, dass du mit Rauch getanzt hast
und dass die Musik immer aus deiner eigenen Brust kam.

Was also ist Illusion?
Es ist Liebe ohne Wurzeln.
Es ist Donner ohne Regen.
Es ist das Echo eines Namens,
den du jemandem gabst,
von dem du nie eine Antwort bekamst.

Ego?
Ego is the velvet glove love wears, when it doesn't want you to feel
the blade underneath.

We think we’re dancing,
but we’re puppets kissing strings.
We call it passion, but it’s just two lonely ghosts clinging to the idea of being real.

And when the lights come on, you realize the room was empty, you were dancing with smoke,
and the music was always coming from your own chest.

So what is illusion?
It’s love without roots.
It’s thunder without rain.
It’s the echo of a name
you gave to someone who never answered.


Ich war einst ein Haus mit geschlossenen Fenstern,
beschlagenen Spiegeln, vergessenen Liedern im Flur,
das Flackern einer Seele, eingehüllt in Rauch,
verloren im Schweigen zwischen dem, der ich war, und dem, der ich zu sein fürchtete.

Dann kam die Verführung der Sucht zu mir wie ein Dieb im Gewandt der Behaglichkeit,
Schlaflieder flüsternd, während er mir den Morgen raubte,
meine Hände in Fremde verwandelnd
und meine Augen in Regenwolken.

An einem trüben Sommermorgen zerbrach der Spiegel sachte
und anstatt mich zu brechen,
zeigte er mir die Tür, die ich nicht bemerkt hatte.
Der Türknauf wog schwer von der Wahrheit,
doch ich drehte ihn.

Die Heilung sang zunächst nicht für mich.
Sie weinte.
Sie kroch, bevor sie tanzte.
Aber Stück für Stück
nähte ich mich mit Abbitten und Versprechen.

Ich wurde wieder weich.
Für das Leben. Für die Liebe.
Für das Lachen, das keinen Filter brauchte.
Meine Freunde kehrten zurück,
nicht alle, aber die wahren.
Sie sahen die Glut, die noch in meiner Brust leuchtete.
Wir wärmten unsere Hände daran.

Jetzt gehe ich morgens barfuß
und spüre alles.
Nicht mehr taub.
Nicht mehr heimlich.

Nur ein Mann, wiedergeboren.
Nicht rein, bereinigt.
Nicht vollkommen, aber präsent.
Dankbar, dass aus Asche
mein Licht wachsen kann.

I was once a house with all the windows shut,
fogged mirrors, forgotten songs in the hallway,
a flicker of a soul wrapped in smoke,
lost in the silence between who I was and who I feared to be.

Then the escape of addiction came to me like a thief dressed in comfort,
whispering lullabies while stealing my mornings,
turning my hands into strangers,
and my eyes into rainclouds.

On one gloomy summer morning, the mirror cracked kindly
and instead of breaking me,
it showed me the door I haven’t noticed.
The doorknob was heavy with truth,
but I turned it.

Healing didn’t sing for me at first
it wept.
It crawled before it danced.
But piece by piece,
I stitched myself with apologies and promises.

I became soft again.
To life. To love.
To laughter that didn’t need a filter.
My friends returned,
not all, but the true ones
they saw the ember still alive in my chest.
We warmed our hands by it.

Now I walk barefoot on mornings,
feeling everything.
No longer numb.
No longer hiding.

Just a man reborn,
Not clean, but clearer.
Not perfect, but present.
Grateful that from ashes,
my light can grow.


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