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Rauch zum Himmel

Rauch zum Himmel

Im Windschatten des vorgeschobenen Nationalismus geschieht das Monströse.

Zufällig Aufgegriffenes als Zeichen der Zeit: Robert Menasse, ein österreichischer Schriftsteller, wurde in diesen Tagen von der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) befragt. Er sagt, Nationalismus führe zu Auschwitz. Diese Aussage ist heutzutage keine Erkenntnis, sie ist Symptom einer Haltung. Menasse ist nicht der Erste mit dieser „Nicht-Erkenntnis“, andere, lange vor ihm, sind zu einem gleichen „Schluss“ auch schon gekommen. Originell ist die Aussage also nicht, falsch dagegen schon, und in den Achtzigern und Neunzigern hätte man mit dieser Nicht-Erkenntnis keinen Feuilleton-Beitrag in der NZZ eröffnen können.

Hannah Arendt war es, die in ihrem Buch „Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft“ diese Denkfigur schon vor vielen Jahrzehnten dekonstruiert hat. Als die Judenverfolgung durch die Nazis systematisch implementiert, erst recht, als Auschwitz gebaut wurde, hatte der Nationalismus, Kind des 19. Jahrhunderts, seinen Zenit schon längst überschritten. Darauf macht Arendt unaufgeregt aufmerksam, um mit einem der großen Mythen rund um Antisemitismus und Judenhass aufzuräumen ― ohne dem Nationalismus das Wort zu reden! Dass dies bei einem Robert Menasse, vom europäischen Reich noch immer träumend, nicht angekommen ist und die NZZ von heute ihn diesen abgestandenen Mythos als Erkenntnis erneut auswerfen lässt, ist nun eben erschreckend symptomatisch für den Geisteszustand der westlichen Zivilisation, insbesondere Europas. Aber es geht darüber hinaus.

Belmondo kann das besser

Robert Menasse ist mir nie als ein besonders scharfsinniger Denker aufgefallen. Er blieb, stets Trittbrettfahrer, darauf spezialisiert, das gefahrlos Sagbare und das Europäisch-Schöne in eine Pose zu heben. Insofern kann nicht erstaunen, wie er sich für das Interview in der NZZ ablichten lässt: Die Zigarette in der Hand, den Rauch der Erkenntnis gegen eine Lichtquelle in der Höhe hauchend. Nun, manche bleiben in pubertärer Gestik verhaftet und Jean-Paul Belmondo konnte das besser.

Gleichwohl ― und das ist es, was bedrückt ― ist Robert Menasse ernst zu nehmen. Er liegt meines Erachtens wohl eher „im oberen Drittel“ jener „Geistestätigen“, die in den Leitmedien zugelassen sind. Wenn der alte Mythos der Rückbindung von Auschwitz auf Nationalismus nun also von einem Menasse in der NZZ wieder hervorgezaubert wird, so heißt das: Der Mythos ist wieder salonfähig, das Denken abgestürzt. Wäre es bloß ein Jan Böhmermann ― ich rede pars-pro-toto-mäßig, nicht ad personam ―, der dies sagte, es wäre nicht im gleichen Sinne niederschmetternd. So aber ist der Schluss unvermeidlich: Im heutigen zugelassenen Diskurs ist die Regression das Maß der Dinge.

Die eine Ordnung

Das Programm der Nazis war kein nationales, es war ein imperiales, basierend auf einer Ordnung. Und diese eine Ordnung, aus der alles, was ihr nicht einzuverleiben ist, als zu Tilgendes herausfällt (beziehungsweise als zu Tilgendes am Abfallen aus der Ordnung gehindert wird), hat exakt einen Namen: Faschismus. Es ist der Bund, der als seine Existenzgrundlage die Bündelung als solche hat. Mit anderen Worten: Es ist der Bund, der erst durch das Bündeln, also durch den Vorgang, wird und ist. Dieser Bund ist nicht links und nicht rechts, er ist der fortwährende Ordnungsvollzug selbst und damit das Eindimensionale. Allem, was sich dieser einen Dimension als zweite entgegenstellt beziehungsweise was diese eine Dimension als Anderes zu erkennen vermeint, wird im Vollzug getilgt.

Brutalität als ein und dasselbe

Zwar ergeben sich als Phänomen vermeintlich zwei Dimensionen: der nahtlose Bündelungsvollzug zum einen und die Brutalität bei der Tilgung zum andern. Für diejenigen, die beim Ordnungsvollzug nicht stören, ist der Faschismus als solcher glatt und smart und nicht zu spüren. Sie sind mit dem Vorgang des Ordnungsvollzuges nicht nur konform, sie sind der Vorgang selbst, vollziehen ihn.

In den Jahren 2020 bis 22 war das eindrücklich zu erleben und das war 1933 und niemals anders, wenn im Rahmen einer totalen Idee, also eines Wahns, gebündelt wurde. Allein für die Störenden ergibt sich die zweite Dimension, die Brutalität. Auch das hat Corona gezeigt. Und das Erstaunen der Bündelungswilligen und der durch ihren Bündelungswillen die Bündelung selbst Vollziehenden über die angebliche zweite Dimension war groß: Brutalität? Wo denn? Wie denn? Was denn?

Für Faschisten ist der Faschismus als Bündelung nicht erkennbar und folglich kein Faschismus. Er ist die einzige Dimension oder anders gesagt: die mögliche Haltung. So auch wenn ein Virus kommt. Gerade dann. Nur für die Störenden, also die Bündelungsunwilligen, zeigt er sich als Brutalität.

Allerdings ist diese Brutalität nur scheinbar eine zweite Dimension, denn sie fällt mit dem Bündelungsvorgang zusammen, den die Willigen sanft und gütig und nur manchmal etwas gereizt vollziehen, und hebt die Eindimensionalität (und Alternativlosigkeit!) der einen Ordnung nicht auf.

Eine Frage der Ressource

Wie diese totale Ordnung, die per se keine Grenzen kennt ― dem Nationalismus dagegen sind Grenzen wesentlich ―, im Einzelfall angestrichen ist, ob in den Farben des Anstreichers Hitlers oder anders, ist eine Frage der Mode. Man kann auch einen Regenbogen vorspannen. Entscheidend ist vielmehr, woher die Ordnung für den Ordnungsvollzug, der sie ist, die Energie herbekommt? Denn, und nun nähern wir uns Auschwitz, erst wenn Subjekte aufgehört haben, Subjekte zu sein, lässt sich ein Bündelungsvollzug denken (hypothetisch, es gibt dann keine denkenden Subjekte mehr), der keine Energie mehr braucht, weil nichts mehr ist, das sich außerhalb des Vollzugs, also außerhalb eines Ablaufs beziehungsweise eines Funktionierens ist und begreift.

Solange das aber noch nicht so ist und es noch Differenzen gibt (die immer nur für ein Bewusstsein sein können) und solange noch eine Differenz im Menschen selbst, eben seine Subjekthaftigkeit, und somit ein Widerstand überwunden werden muss beim „Process“ der Tilgung jeder anderen Dimension, solange braucht der Bündelungsvollzug eine Quelle, welche den Vorgang speist. Die Vernichtung muss auf dem Weg zum und als Teil des eindimensionalen Funktionierens dieses Funktionieren energetisch absichern.

Psychologisch besehen kommt hier der Wahn ins Spiel und der kann bei einem eindimensionalen Programm und dementsprechend ohne alle Korrektur nur monströs sein: Auschwitz. Und in die Verästelungen gehend ― Primo Levis „Ist das ein Mensch“ und Imre Kertész‘ „Roman eines Schicksallosen“ genau einlesend ― lässt sich feststellen: Auch Auschwitz war das Funktionieren. Und im Grunde das Funktionieren selbst.

Die Ordnung überschrieb ― so wäre von einem noch formulierbaren Standpunkt heraus zu sagen ― selbst bei Auschwitz das Monströse. Logistik, Dienst, Order. Das übersteigt die Monstrosität eines Massakers wie etwa jenes von Odessa, welches seinerseits an Denkgrenzen führt. Umso weniger ist die Ungeheuerlichkeit von Auschwitz zu Ende zu denken. Es ist die geglättete Monstrosität, also die gegen alles Außen und alles Innen bis zur Unkenntlichkeit gestülpte Monstrosität im Quadrat, reduziert auf die Funktion.

Nationalismus besiegt Feinde, Faschismus rottet Subjekte aus

Nationalismus braucht gelegentlich Feinde und ganz bestimmt erzeugt er solche. Sie ergeben sich notwendigerweise aus dem Nationalismus selbst, der links und rechts der Grenze gilt. Es sind die Feinde von drüben. Das kann schon ungeheuerlich sein und bestimmt destruktiv genug, eine Angelegenheit auf Schlachtfeldern. Dass die von drüben ganz böse ausgemalt werden: selbstverständlich. Aber das ist nicht Auschwitz. Auch das Schlachtfeld selbst ist nicht Auschwitz. Auschwitz geht weiter. Viel weiter.

Auschwitz ist die Auslöschung schlechthin, so lange vollzogen, wie es Menschen noch gibt, so lange Subjekte noch sind. Der Nationalismus dagegen kann, muss aber nicht auf dem Schlachtfeld enden, und wenn er dort endet, werden Feinde besiegt, aber nicht Subjekte getilgt.

Es mag bestimmt naiv sein, aber denkbar zumindest: dass die Primärsetzung einer bestimmten Gruppe („America first“) mit der ebenso gegebenen Primärsetzung der Gruppe „von drüben“ phasenweise auch einigermaßen gütlich zusammengeht. Die Instanz „von drüben“ übrigens ist im Nationalismus immer schon mit gedacht: wenn die eigenen Interessen störend als zu Bekämpfendes, aber nicht seiner eigenen Existenz wegen notwendigerweise als zu Tilgendes. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Faschismus und Auschwitz.

Nationalismus als Differenz weniger anfällig auf Optimierung

Dieses „Arrangement“ mit dem „Drüben“, mal feindlich, mal friedlich, würde sich auch von der Konzeption „der einen Menschheitsfamilie“, wie sie während Coronazeiten in dissidenten Kreisen aufgebracht wurde und wozu es meines Erachtens manch Kritisches anzumerken gäbe, unterscheiden, indem ein Außerhalb stets mitgedacht bleibt, das in einem steten Ausgleich das Differente bleibt. Und zwar aus der Idee des Nationalismus selbst heraus. Und die Differenz ergibt sich nicht nur aus der anderen Nation, sie ergibt sich aus der anderen Region, aus der anderen Lokalität ― niemals aber aus einem Ganzen, das sich als Globales denkt.

Ein Nationalismus, der nicht in Imperialismus umschlägt, verweigert sich markant deutlicher der Idee einer Entwicklung hin zu einem Vollkommenen und Einzigen und damit entzieht er sich auch markanter der Idee einer stetigen Optimierung, wohingegen die globale Idee und die Optimierung letztlich ineinander übergehen. Und hinter Auschwitz steht die Optimierung des Wahns, Differenzen auszurotten. Ein für alle Mal.

Das Imperium und dessen Anschrieb heute

Auschwitz war die Ausgeburt eines globalen Programms. Das hat Arendt, wie gesagt, schon vor Jahrzehnten herausgestellt, und das geht am „Geistesbetrieb“ von heute wieder vorbei. Dieses Vorbeigehen allein rückt eine neue „Endlösung“ näher (in anderer Gestalt, in digitaler nämlich ― dazu auch meine vorangehende Reflexion aus der Dissidenz: Es werde Ware). Und diese Arendt-Erkenntnis muss auch vorbeigehen, weil die „Intelligenz“, zuständig für erlaubte „Erkenntnis“, selbst Teil des Imperialismus ist. Dass dieser nicht mehr mit einem Führer angeschrieben wird, sondern mit zig verschiedenen und das Imperium gegenseitig verwischenden Labeln (westliche Werte, Philanthropen, NATO, EU, WEF, WHO (vergleiche dazu), ist Folge der Lehren, die man aus Hitler gezogen hat.

Anders gesagt: Dass die EU- und andere Imperialisten mit dem Finger auf die zeigen, die angeblich wieder nach einem Führer schreien, dass sie exakt bei und mit diesem Zeigen die Zentren der Macht unsichtbar halten oder philanthropisch überstreichen (zu unser aller Gesundheit), ist in sich stimmig. Und ob sie dies aus kognitiver Limitation oder aus machtpolitischem Zynismus beziehungsweise Opportunismus heraus tun, wäre im Einzelfall zu klären, ist für die Ordnung selbst aber unerheblich.

Global Governance und Folklore

Auschwitz ist ― metaphorisch gesprochen ― die monströse Figur eines Imperiums, eines Systems ohne Nebenzimmer. Niemals haben sich die Juden, die da vernichtet wurden, als Nation diesem System entgegengestellt. Sie haben sich in aller Regel gar nicht entgegengestellt, vielmehr hat sie das Reich als zu Tilgende ausgewählt und abgeholt, weil das Reich qua Imperium beziehungsweise als die Ordnung im Vollzug diese Tilgung qua Vollzugsressource brauchte. Dass das Reich die Juden gewählt hat ― der bestimmte Artikel ist nicht unwesentlich ―, ist historisch nicht zufällig. Aber gerade auch diesbezüglich zeigt Arendt, dass diese Wahl nichts mit Nationalismus zu tun hat. Judenhass und Antisemitismus in Europa waren stets inter-nationale und nicht nationale Phänomene, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß.

Nationalismus hat seine arg destruktiven Seiten. Auschwitz gehört nicht dazu. Und es gehört auch dann nicht dazu, wenn aus strategischen Gründen die nationalistische Folklore über den Nazi- oder jeden anderen Imperialismus gelegt wurde und wird.

Oder eben die Regenbogenfolklore. Nicht die Folklore, der Imperiumsgedanke („Global Governance“) ist es, was das Vorhaben, alles Andere zu tilgen, auslöst. Hitlers Programm war kein nationalistisches, es war ein global-imperialistisches, ein Global-Governance-Programm und gänzlich aus dem Wahn einer solchen Governance betrieben wie sich der gleiche Wahn paradigmatisch und quasi allegorisch auch bei einem Klaus Schwab oder bei einem Bill Gates, bestrebt, die Menschheit digital-global zu bündeln beziehungsweise zu „impfen“, zeigt. Der deutsche Anstrich damals war Teil der Strategie, auf die ein Robert Menasse noch heute hereinfliegt.

Auch der Russe

Die Vernichtung der Juden in diesem Programm erklärt sich nicht aus einer vorgeschobenen Gegenstellung der Juden zu einem Nationalkonzept, sondern aus einer vorgeschobenen Gegenstellung zum Faschismus qua Ordnung und Sein. Sie waren als ressourcentechnisch notwendige Ordnungsstörer gesetzt, Störer, die jeder Faschismus braucht, kann er sich qua eindimensionale Ordnung doch nicht aus sich selbst heraus setzen und gebären.

Und wenn auch damals der Russe als Antriebsressource mit fungierte, ― von Hitler nachdrücklich besungen und heute auch mit sprachlich erschreckender Parallelität in dieser Funktion vor allem in Deutschland wiederbelebt: Ähnlich wie die Juden waren die Russen als das zu Tilgende, auch wenn wesentlich eine britische Erfindung, in ihrer Störstellung in der europäischen Geschichte immer inter-national ― so spiegelt sich diese verschränkte Funktion in einem Schreiben von mehr als 30 Abgeordneten der israelischen Knesset aus dem Jahr 2013, gerichtet an den Präsidenten des Europäischen Parlamentes, wider, in welchem im selben Satz und mit einem „und“ verbunden vor Antisemitismus und Russophobie in der Ukraine gewarnt wird.

Dass die Knesset-Parlamentarier aus der damals schon erkennbaren Verdrängung von Antisemitismus und Russophobie schließen mussten, dass diese „Antriebsressourcen“ für imperiale Zwecke auch in Europa selbst nur allzu leicht wieder Verwendung finden könnten und dies mit ein Grund war, den Brief zu schreiben, darf angenommen werden.

Die Schuldauslagerung als Vollzug dessen, was man den Anderen unterstellt

Nun, mag man denken: Liegt der Menasse halt daneben, ist sowieso nur Pose. Stimmt, auf Menasse bezogen hat das Danebenliegen in der Tat keine Bedeutung. Als Pose einer ganzen „Geistesszene“ allerdings schon erheblich. Das eigentlich Monströse an dieser Sache aber ergibt sich, wenn man weiter denkt: Indem Menasse diese regressive Denkfigur bemüht, Auschwitz sei ein Produkt des Nationalismus, verharmlost er erkenntnistheoretisch gesehen nicht nur Auschwitz ― aus seiner Perspektive heraus ist es keine Verharmlosung, weil er seine „Erkenntnis“ als Regression nicht erkennt ―, er partizipiert durch die mythische Figur vielmehr an der Monstrosität.

Die Auslagerung von Auschwitz an die anderen (die Nationalisten et cetera) ist am Ende nichts anderes als erneut eine Figur des Vollzugs der Tilgung. Dieses Muster ― im gegenwärtigen Stadium des Imperiumsvollzugs ― ist von essenzieller Bedeutung und es kann sozusagen täglich abgelesen werden auf zig Kanälen des Systems.

Die totalitären Muster, die als Bedrohung auf die Anderen ausgelagert werden (die AfD steht hierzulande gerade voll im Dienst), sind im Kampf gegen diese vorgegebene Bedrohung längst keine Bedrohung mehr, keine Muster, die drohen und also bevorstehen. Sie finden vielmehr zwecks Abwehr der angeblichen Bedrohung längst Anwendung: Überwachung, Zensur, Strafen für unerlaubte Meinungen, Kontensperrungen, juristische Einschüchterungen et cetera.

Dass sie sozusagen ihre Rechtfertigung daraus bezieht, dem unterstellten gleichen Tun seitens der Anderen vorzubeugen, macht sie auch als Figur der Perversion interessant.

Bitte weiter so

Die Tilgung des Anderen im Namen einer Global Governance ist längst im Gange und sie ist, genau besehen, nach dem Ende des Dritten Reiches womöglich nur an der Oberfläche unterbrochen worden (dies genauer zu beleuchten ist Sache einer eigenen Reflexion). Insofern ist es in sich stimmig (allerdings schon auch dumm), sich mit Bandera-Verehrern zu vermengen, wie es Mitglieder dieser sozial-grün-liberalen Regierung geradezu ostentativ vorzeigen. Auch wenn dies zunächst auf einer metaphorischen Ebene spielt, so hat es eine Essenz, die über die Metapher hinausgeht. Im Windschatten der Auslagerung von Auschwitz an die Anderen (die „Nationalisten“) wird das neue Reich gebaut (auch deshalb das „Vergleichsverbot“ und auch dazu eine eigene Reflexion zu gegebener Zeit).

Die Auslagerung, die nichts weiter als eine Tilgung der Anderen ist (wer Auschwitz verschuldet, ist erledigt, so die Rechnung), ebnet dem Reichsvollzug das Terrain. Und diese Terrainebnung erfolgt desto erregter (bei Menasse zeigt sich die Emotionalität in Form einer schablonenhaft gesetzten Herablassung in der Formulierung, die bestens zum bedeutungsschwangeren Zigarettenrauch passt), je mehr dieses Reich beim Vollzug ins Wanken gerät.

Just dann, wenn die Bündelung kurz vor der geglaubten Endlösung (der Optimierung mit Chips und QR-Codes) ins Stocken kommt, wird sie am unerbittlichsten sein, aber auch am verwundbarsten.

Da werden noch Etappen folgen. Und Brutalitäten. Und weil emanzipativ besehen keine Argumente für das neue Heil vorhanden sind (gibt es emanzipativ besehen auch nur ein Argument für eine EU, für eine WHO-Weltregierung, für ein WEF-Paradies?), bleibt die Pose. Das ist die Hoffnung. Je blöder diese ausfällt, je pueriler, desto größer die Chance, dass ein paar noch zur Einsicht kommen. Von daher: Weiter so mit Interviews im Stile Menasses, bis das ganze Geistesleben nur noch aus lauter Böhmermanns besteht. Böhmermann für den Geist, Baerbock für Englisch. Und siehe da: Nichts mehr besitzen, keinen Geist, keine Sprache. Und sie werden glücklich sein. Oder ― oh Wunder ― eben doch nicht.


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