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Ständig unter Strom

Ständig unter Strom

Die zunehmende Elektrifizierung unserer Lebenswelt geht nicht nur uns Menschen, sondern der gesamten Mitwelt zunehmend an die Substanz.

Mehrere Problemdimensionen eröffnen sich angesichts der gigantischen Pläne. Zunächst ist zu fragen, wie realistisch ihre Umsetzung überhaupt ist. Sodann drängt sich das Problem der biologischen Verträglichkeit von immer mehr Elektrizität in der Welt für uns Menschen auf. Und schließlich stellt sich die Frage, ob die Elektrifizierung von fast allem ökologisch wirklich Sinn macht.

Wie praktikabel und realistisch ist die Stromwende?

Bekanntlich zielt die sogenannte Wärmewende darauf ab, dass Heizungen mit fossilen Brennstoffen möglichst zügig und mit wenigen Ausnahmen gegen Wärmepumpen, Fernwärmesysteme und andere ökologisch vorteilhafte Heizungsarten ausgetauscht werden. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf den verschiedenartigen Wärmepumpen, die unbeschränkt verfügbare Umgebungswärme aus Luft, Erdreich oder Wasser effizient nutzen und dazu nur eine vergleichsweise geringe Menge an elektrischem Strom benötigen sollen. Dieser lässt sich wiederum etwas preiswerter als der übliche Haushaltsstrom ansetzen. All das klingt auf den ersten Blick bestechend.

Doch ist nicht der Wärmepumpenstrom auf die üblichen Haushaltsstrommengen immer noch draufzurechnen? Und wird der dafür unumgängliche Ausbau des Stromnetzes mit der Installation von Solarfarmen Schritt halten können?

Warnen zudem nicht Fachleute vor dem Problem der Stromverteilung? Allein in Deutschland umfasst das Stromnetz rund 1,8 Millionen Kilometer: Wie sollen da in den nächsten Jahren über mehrere Hundertausende Kilometer neue Leitungen verbaut werden, die noch dazu mit der Problematik umstrittener elektromagnetischer Emissionen einhergehen?

Als ehemaliger Professor für Thermodynamik und Energietechnik vermittelt Michael Thielemann einen „quantitativen Einblick in die Anforderungen der strombasierten Wärmewende“: Mit dem geplanten Öl- und Gasheizungsverbot geht es nach seiner Überzeugung nicht nur um immense Kosten für Hauseigentümer und Mieter sowie um den Mangel an Fachkräften und vielleicht auch Materialien. Vielmehr sei es insbesondere die Backup-Leistung, die installiert werden müsse, um bei Dunkelflaute eine zuverlässige Wärmeversorgung mit elektrisch betriebenen Wärmepumpen zu ermöglichen. Weil der Wärmesektor beim Leistungsbedarf großen Schwankungen unterliege, bedürfe es technischer Möglichkeiten für längere Energie-Speicherung, sodass auch an sehr kalten Tagen niemand frieren muss. Die aber ist laut Thielemann mit derzeit verfügbaren Techniken unrealistisch.

Bei einer groben Abschätzung des Leistungsbedarfs für Wärmepumpen im Falle vollständiger Dekarbonisierung der Gebäudeheizungen, und zwar noch ohne Berücksichtigung von Nichtwohnbauten wie Läden, Verwaltungsgebäuden und Schulen, sei mit einem Bedarf von etwa 150 Gigawatt an zuverlässig verfügbarer elektrischer Leistung zu rechnen, die jedoch nur an wenigen Tagen im Jahr benötigt werde. Hierfür bräuchte es rund 300 zusätzliche Gaskraftwerke. Zumal die aber den Großteil des Jahres nutzlos blieben, stehe die Frage im Raum, wer in diese Technik investieren wolle. Hinzu komme, dass vor allem angesichts hoher Strompreise und der Umstellung auf rein regenerative Stromerzeugung hierzulande Wärmepumpen nur recht begrenzt einsetzbar sind. Thielemann leugnet die Gefahren durch die Erderwärmung keineswegs, hält aber die „Gefahren für unsere Zivilisation durch einen Zusammenbruch der Energieversorgung“ für viel größer.

Riesiger Strombedarf entsteht obendrein durch die zunehmende Umstellung des Autoverkehrs auf E-Autos.

Man bedenke: Bis auf Weiteres fahren die neuen E-Autos mit Strom, der zu nicht geringen Anteilen aus Kohle gewonnen wird, da eine ausreichende Stromversorgung durch Windenergie und Solaranlagen bekanntlich noch längst nicht gesichert ist. Dabei haben übrigens Windräder und Solaranlagen ihrerseits einen gewissen Strombedarf. Zu alledem geht beim Ein- und Ausspeichern von Windenergie oft mehr als die Hälfte der ursprünglichen Menge verloren.

Die betreffende Gesetzgebung beansprucht zwar, „technikneutral“ vorzugehen. Indes – das Meiste läuft in der Realität doch auf eine radikale Elektrifizierung und entsprechende Technologien hinaus. In der Konsequenz zeichnet sich eine auffällige Unverhältnismäßigkeit ab, denn Deutschland kann mit einem Anteil von rund 2 Prozent an den weltweiten CO2-Emissionen das Klima nicht nennenswert beeinflussen – und zwar umso weniger, als in Dutzenden Ländern viele neue Kohlekraftwerke gebaut werden. Laut Professor Wolfgang Merbach „ändern die angestrebten Bemühungen Deutschlands am globalen CO2-Emissionsanstieg gar nichts“. Er resümiert: „Man muss akzeptieren, dass die deutsche Energiewende mittelfristig im bisherigen Ansatz undurchführbar geworden ist.“ Stromgewinnung aus Biomasse lasse sich wegen der Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion nur begrenzt und aus Wasserkraft gar nicht steigern. Der durch die Ampelregierung angekündigte forcierte Ausbau von Windkraft und Photovoltaik (PV) könne den Energiebedarf des Industriestandortes Deutschland nicht gewährleisten. Tatsächlich wirkt die geradezu revolutionäre Transformation in eine regelrechte E-Gesellschaft überzogen, ideologisch und im Gesamteffekt geradezu fatal.

Zur biologischen Verträglichkeit der Stromwende für den Menschen

Ein ganzes Volk sozusagen immer mehr unter Strom zu setzen, ist eine gesellschaftspolitische Zumutung, auch wenn viele Menschen kaum ahnen, was da wirklich vor sich geht.

Der Planet Erde ist von Natur aus umgeben von einer elektromagnetischen Hülle, ja von einem ganzen Ozean aus elektromagnetischer Strahlung. In den letzten Jahrzehnten ist diese Hülle immer mehr durch künstliche Strahlung ergänzt und gestört worden.

Die Auswirkungen entsprechender Technologien auf die Gesundheit des Menschen werden zwar von Wirtschaft und Industrie ungern zugegeben, lassen sich aber immer weniger leugnen. Man lese nur Arthur Firstenbergs Buch von 2021 mit dem Titel „Die Welt unter Strom. Eine Geschichte der Elektrizität und ihrer übersehenen Gesundheitsgefährdung“, um genauere Eindrücke von der breiten Streuung der elektrischen Risiken zu gewinnen.

Der 2022 verstorbene Berliner Medizinprofessor und Arzt Karl Hecht hat in einem Aufsatz von 2017 unterstrichen, dass sich die Bioelektrizität des Menschen messen lässt, und von daher auf dem Hintergrund zahlreicher Studien kritisiert: „Die Verschmutzung des lebenswichtigen natürlichen elektromagnetischen Ozeans mit elektrischer Energie (Elektrosmog) ist heute ein gravierender Eingriff ungeahnten Ausmaßes in die Natur und in das Leben der Menschen, der leider generell ignoriert, bagatellisiert und sogar hypochondrisiert wird, wenn Betroffene Hilfe für ihr Leiden suchen.“ Betroffen sind tatsächlich insbesondere die sogenannten Elektro(hyper)sensiblen, deren Empfindlichkeit auf nieder- oder / und hochfrequente Strahlung meist mit mancherlei Vorerkrankungen zu tun haben dürfte. Hierfür sei vor allem hingewiesen auf die Bücher „Ständig unter Strom“, 2010 publiziert von Silvio Hellemann, „Elektrosensibel. Strahlenflüchtlinge in der funkvernetzten Gesellschaft“, 2018 veröffentlicht von den Ärztinnen Christine Aschermann und Cornelia Waldmann-Selsam, sowie „Die unerlaubte Krankheit“, voriges Jahr herausgebracht von Renate Haidlauf, aber auch auf mein vor über zehn Jahren verfasstes, nach wie vor im Handel erhältliches Buch „Mythos Mobilfunk. Kritik der strahlenden Vernunft“. Betroffenen wird durch die zunehmende Elektrifizierung der Lebenswelt das Leben insgesamt sehr schwer gemacht. Die narzisstische Gesellschaft unserer Tage wird wohl auch künftig wenig Verständnis für jene Geplagten haben.

Aber auch Menschen, die elektromagnetische Strahlung nicht bewusst oder schmerzhaft wahrzunehmen vermögen, sind gesundheitlich durch immer mehr Strom um sie herum gefährdet. Für nähere Darlegungen zum Thema sei auf das in 6. Auflage vorliegende, über 1000 Seiten umfassende Buch „Stress durch Strom und Strahlung“ des verstorbenen Baubiologen Wolfgang Maes verwiesen. Karl Hecht hat recht:

„Die Naturheilkundler sollten es als ihre ärztliche Pflicht betrachten, sich gegen die Verschmutzung der natürlichen Umwelt durch Elektrosmog einzusetzen und hyperelektrosensiblen Menschen die gebührende ärztliche Hilfe zuteil werden zu lassen.“

Zwei aktuelle Beispiele müssen hier genügen – aus dem Bereich der PV-Technologie und der E-Mobilität. Höchstwahrscheinlich wird PV auf die Dauer zur gesetzlichen Pflicht auch für private Dächer werden. Das soll dann dazu beitragen, den steigenden Strombedarf einigermaßen zu decken. Bedenklich sind da laut Expertenauskunft namentlich jene Emissionen, die von den sogenannten Wechselrichtern ausgehen: Sie erzeugen ebenso wie die wechselstromführenden Leitungen hohe magnetische, nicht abschirmbare Wechselfelder. Beruhigend wird hierzu oft angeführt, dass ja die Wechselrichter meist im Keller installiert seien und daher die Schlafzimmer nicht tangieren würden. Was aber, wenn manche Menschen ihren Schlafraum im Keller haben? Gerade bei Elektrosensiblen ist das häufig so, weil dort unten am wenigsten Funkstrahlung hinzugelangen pflegt – zumindest solange man sich funkende Strom- und Wasserzähler noch verbitten kann.

Das Problem der Wechselrichter, die Gleichstrom und Gleichspannung der Solargeneratoren in Wechselstrom und Wechselspannung umwandeln, reicht aber unter Umständen deutlich über den Keller hinaus. Denn entweder handelt es sich um billigere Wechselrichter ohne Trafo: Von denen trennen manche nicht sauber zwischen der Wechselspannungs- und der Gleichstromseite, was ein selbst durch Erdung des Rahmens nicht ganz zu beseitigendes elektrisches Wechselfeld auf den Solarmodulen zur Folge haben kann. Oder aber die Wechselrichter sind mit einem Hochfrequenz-Trafo versehen: Dann erzeugen sie zwar geringere magnetische Wechselfelder, dafür jedoch hochfrequente Felder, wie man sie ähnlich vom Mobilfunk kennt. Die lassen sich zwar relativ leicht abschirmen, doch solche Abschirmung sollte nur unter Experten-Anleitung erfolgen und kostet entsprechend Geld. Reflektierendes Material kann nämlich Probleme mitunter sogar verstärken, wenn es ungünstig angebracht wird oder andere Strahlenquellen hinzukommen. Aufhorchen lassen sollte insbesondere auch der von Experten eingeräumte Umstand, dass die von Wechselrichtern erzeugten Rückwirkungen ins Stromnetz durch das „Zerhacken“ des Gleichstroms und dessen Umformen in Wechselstrom hochfrequente Oberwellen, also Störspannungen erzeugen können. Die seien durch den Einsatz von Filtern zu vermeiden, heißt es; doch werden sich solche Maßnahmen einschließlich der Beratungskosten alle Interessierten und Aufgeklärten leisten können?

Für die Mehrheit der Wohnenden könnte es im Übrigen ein Trost sein, dass die Wechselrichter lediglich bei Sonnenschein, also nicht zur Nachtzeit aktiv sind, während der ja das vegetative Nervensystem empfindlicher gegen elektromagnetische Störeinwirkungen ist. Doch lässt sich die Minderheit jener Menschen, deren Schlaf aus welchen Gründen auch immer sich weit in die hellen Tagesstunden hinein verschiebt, einfach ausblenden? Die Gesetzgebung sollte jedenfalls schon aus solchen Gründen PV nicht einfach pauschal verpflichtend machen.

Was E-Autos betrifft, so wurde um den Jahresbeginn ein Test bekannt, der exemplarisch illustrierte: Die Strahlung, der man ausgesetzt ist, wenn man in einem Tesla-Wagen sitzt, ist so hoch, wie wenn man sich rund einen halben Meter neben einer angeschalteten Mikrowelle aufhielte. Das entspricht der Strahlung eines Mobilfunktelefons direkt neben sich oder am Kopf – und zwar die gesamte Fahrzeit über. Schon 2017 hatte ein Beitrag der RTL-Fernsehsendung „Explosiv“ über ein wissenschaftliches Experiment berichtet, mit einem Arzt als Fahrer eines elektronisch bestausgestatteten Pkws und überwacht durch Professor Wolfgang Schöllhorn vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Mainz. Bei dem Versuch kam es zu einer überraschend großflächigen Aktivierung über ungefähr alle Hirnareale hinweg, insbesondere unter WLAN-Strahlung.

Die zunehmende E-Smog-Belastung des untersuchten Gehirns löste Symptome aus, die normalerweise nur unter hohem Stress vorkommen und sich dann auch aufs Herz auswirken können. Stärkere Abgeschlagenheit, Müdigkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit gelten als Folgen solcher Zustände.

Bei einem späteren Experiment zeigte sich, dass das im Auto durch allerlei Strahlung erzeugte magnetische Wechselfeld um ein Mehrfaches über der Grenze lag, ab der Krebsgefahr besteht.

Krebsgefahr wird von manchen internationalen Studien auch bei der fast schon allgegenwärtigen Mobilfunk-Strahlung angenommen. Diese hochfrequenten, künstlich gepulsten elektromagnetischen Felder werden freilich im Interesse von Industrie und Wirtschaft, aber auch zahllosen Verbrauchern offiziell für harmlos erklärt. Doch 2021 verpflichtete das US-Bundesgericht die zuständige amerikanische Regulierungsbehörde Federal Communication Commission (FCC), endlich darzulegen, warum sie wissenschaftliche Nachweise für Schädigungen durch drahtlose Strahlung seit vielen Jahren ignoriert habe. Und in Großbritannien wurde eine Klage in Sachen 5G-Mobilfunk zugelassen: Sie richtete sich gegen die Regierung, weil die Öffentlichkeit nicht angemessen über die Risiken gesundheitsschädlicher Auswirkungen von 5G und über individuelle Schutzmöglichkeiten informiert worden sei — und auch weil keine angemessenen und ausreichenden Gründe für die unterlassene Ermittlung gesundheitsschädlicher Risiken dieser Technologie vorgebracht worden seien.

Ein Abgeordneten-Briefing des Wissenschaftlichen Diensts des Europäischen Parlaments hatte 2020 mit Blick auf 5G festgehalten: „Zusammen mit der Art und Dauer der Exposition scheinen Eigenschaften des 5G-Signals wie das Pulsieren die biologischen und gesundheitlichen Auswirkungen der Exposition zu verstärken, einschließlich der DNA-Schäden, die als Ursache für Krebs angesehen werden.“ Mittlerweile belegen annähernd 1000 von 1600 wissenschaftlichen Studien im Mobilfunkbereich biologische Wirkungen und Schädigungseffekte unterhalb der längst veralteten Grenzwerte. Die Meinungen bleiben gespalten – was aber bedeutet, dass es jedenfalls nicht risikolos ist, die Gigabit-Gesellschaft jetzt flächendeckend und auch im Innenbereich von Wohnungen und Kellern mit künstlich gepulster elektromagnetischer Strahlung zu versehen. Für weitere Informationen zu diesem umstrittenen Gebiet sei auf das soeben erschienene Buch von Professor Wilfried Kühling „Bewertungsdilemma Mobilfunk“ verwiesen.

Zur ökologischen Bedenklichkeit der Stromwende

Die Natur leidet unter der zunehmenden Elektrifizierung der Umwelt. E-Smog ist und bleibt auf seine Art eine Umweltverschmutzung. Dass unter nieder- und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen leiden können, ist über Jahre hin verschiedentlich beobachtet worden. Besonders eindrücklich sind dazu die jetzt in einem Fotoband dokumentierten Studien der Ärztin Cornelia Waldmann-Selsam. Offenbar sind Bäume namentlich in der Nähe von Mobilfunksendern betroffen, und zwar mitunter genau halbseitig, sofern sie zur Hälfte nicht im Funkschatten von Gebäuden stehen. Mobilfunkstrahlung hat als Krankheitsursache und Therapiehindernis unter anderem der Schweizer Tierarzt Christian Métraux ausgemacht. Vom Meerschweinchen über Katzen und Hunde bis hin zu Pferden hat er einschlägige Beispiele gesammelt und erklärt: „Es reagieren nicht immer alle Tiere positiv auf die Entfernung einer DECT- oder WLAN-Anlage, aber die Häufigkeit des Zusammenhangs ist auffallend.“ Auch einige Landwirte berichten von einschlägigen Schädigungen ihrer Tiere.

Betroffen ist im Übrigen der Planet Erde als ganzer. So warnte Karl Hecht mit Blick auf die digitale Transformation mitsamt ihrem gigantischen Energieverbrauch und Funkstrahlen-Exzess: „Die Diktatur der Digitalisierung befindet sich in einer Entwicklung, dass sie der Menschheit auf unserem Planeten das Ende bereitet.“ Er dachte dabei insbesondere auch an den Mobilfunk und dessen Anteile an der Klimakrise: „Es ist eine Erwärmung der Hülle der mit 5G-Funknetzen bestückten Erde zu erwarten.“

Digitalisierung und Wärmewende dürften sich zunehmend als Stromfresser entpuppen.

So warnt der TV-Meteorologe Sven Plöger: „Während wir in anderen Bereichen engagiert Wege diskutieren, um den Stromverbrauch zu senken, wächst der Verbrauch der Digitaltechnologien still um jährlich 9 Prozent.“ Allein das Internet hat einen etwa zehnprozentigen Anteil am weltweiten Stromverbrauch. Umgerechnet laufen für seinen Betrieb derzeit etwa 40 Großkraftwerke. Namentlich die für die digitale Transformation erforderlichen Supercomputer-Anlagen der Cloud verbrauchen gigantische Energiemengen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt, die geplante Vernetzung von Produkten werde zu erheblichen Mehrverbräuchen von Energie und Ressourcen führen. Eva-Maria Himmelbauer erklärt als Mitglied des für Technikfolgenabschätzung zuständigen Ausschusses für Forschung, Innovation und Digitalisierung unmissverständlich: „Digitalisierung geht einher mit hohem Ressourcen- und Energieverbrauch.“

Wäre dabei nicht auch an den Mobilfunk und seine thermischen Prozesse zu denken? Bis 2025 — so warnte der deutsche Stromversorger E.on Ende 2019 — werde durch den 5G-Mobilfunk der ohnehin stark wachsende Energiebedarf von Rechenzentren um 3,8 Milliarden Kilowattstunden steigen. Warum setzt die Ampelregierung trotzdem — und trotz aller Gefahren durch Hacker-Angriffe auf sensible Infrastrukturen — immer noch und immer mehr auf Digitalisierung?

Ökologische Probleme entstehen nicht zuletzt bei der Entsorgung und Wiederverwertung von Photovoltaik-Anlagen. Bislang gibt es nur wenige Unternehmen, die Solarmodule recyceln, sodass auch die übrigen Wertstoffe wie Silizium, Tellur, Indium oder Seltene Erden großenteils nicht wiederverwertet werden können. Bei millionenfach verbauter PV auf den Dächern fällt es nicht schwer, sich die Folgen für die Umwelt auszumalen, sofern auch nur ein Bruchteil nicht fachgerecht entsorgt wird. Dabei sind all die fälligen Eingriffe in die Natur zur Gewinnung Seltener Erden und weiterer in Solarmodulen verbauter Rohstoffe noch gar nicht in der ökologischen Gesamtrechnung berücksichtigt.

Bekanntlich sollen digitale Stromzähler Strom sparen helfen. Doch wider Erwarten reduzieren die sogenannten Smart-Meter den Stromverbrauch mitnichten, wie vor Kurzem das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) dargelegt hat. Im Gegenteil verbrauchen intelligente Zähler im Betrieb für Datensammlung, -verarbeitung und -transfer selber Strom.

Bei sekündlicher Erfassung, die auch den Verbrauch einzelner Geräte erkennbar macht, summiert sich die Wirkung eines Smart-Meters auf etwa 17 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Jahr, was etwa 40 Waschladungen mit einer herkömmlichen Waschmaschine entspräche.

Um Energie für den riesigen Strombedarf der Zukunft zu speichern, werden zu alledem unzählige Batterien benötigt, zu deren Herstellung kritische Metalle wie Kupfer, Kobalt und Mangan erforderlich sind, deren Gewinnung wiederum oft unter menschenunwürdigen und umweltverschmutzenden Bedingungen stattfindet. Namentlich die E-Mobilität sehen manche Forscher entsprechend kritisch. So erklärt etwa James Agresti als Präsident von Just Facts: „In Wirklichkeit können Elektroautos die Umwelt stärker belasten als herkömmliche Autos.“

Kurz und gut: Die immer mehr unter Strom gesetzte Gesellschaft der Zukunft ist zwar ein zweifellos ambitioniertes und doch ein zugleich höchst zweifelhaftes Ziel. Wann wird die Politik beginnen, hier angemessen zu differenzieren, umzudenken und umzulenken? Wann werden die Bürgerinnen und Bürger aufwachen und sich hörbar gegen die Zumutung verwahren, dass all der E-Smog von heute und insbesondere von morgen über sie ausgebreitet wird, als wären sie demgegenüber völlig recht- und hilflos?


Quellen und Anmerkungen:

Literaturhinweise

Neuere Publikationen von Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede zum Themenbereich:

„Im Namen des sogenannten Fortschritts. Zur zunehmenden Einschränkung bürgerlicher Schutz- und Freiheitsrechte“ (pad-Verlag 2023, 72 S.);

„Digitaler Turmbau zu Babel“


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