Wir wissen es alle und spüren es als Grundgewissheit: Dass nur im Dialog wir Menschen die Chance haben, uns selbst in unserer Begrenztheit wahrzunehmen und uns selbst zu erkennen. Und dass dieser Dialog auch zwischen Kulturen zu üben ist, wenn wir nicht in Barbarei fallen wollen.
Nicht in Barbarei fallen, Mensch bleiben. Als Deutsche als Mensch weiterzuleben. Auch wenn Ungeheuerliches geschieht. Und dabei deutsch-russische, deutsch-sowjetische Geschichte so ehrlich wie möglich zu reflektieren. Vielleicht kann ich in kurzen Geschichten ausdrücken, worum es mir geht.
Das Déjà-vu im Kursker Gebiet
Vielleicht erinnern Sie sich noch an August 2024, als die Ukraine eine auch für die westlichen Partner überraschende Offensive in das Kursker Gebiet startete. Für die russische Seite wiederholte sich dabei etwas, was dort bei Kursk vor 81 Jahren geschah. Im Sommer 1943 fand zwischen Belgorod, Kursk und Orel die verheerendste Panzerschlacht der Geschichte statt. Sie bedeutete einen sowjetischen Sieg und damit einen ersten wichtigen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg nach zwei Jahren Kampf. Es war ein Sieg, der entsetzlich viele Opfer gekostet hat; allein 250.000 Rotarmisten waren gefallen, nicht gerechnet die noch größere Zahl der Verwundeten. Zur Erinnerung: Am 22. Juni 1941 hatte Deutschland die Sowjetunion überfallen und zwei Jahre lang nach der Taktik der Verbrannten Erde einen beispiellosen Vernichtungsfeldzug gegen Zivilbevölkerung und Kultur geführt.
Im Sommer 2024, 81 Jahre später, waren bei der ukrainischen Offensive deutsche Panzer vom Typ „Marder“ und „Leopard“ dabei. Damit waren erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Panzer in feindlicher Absicht auf russischem Boden aktiv.
Neuere historische Forschungen bemühen sich, die Kursker Panzerschlacht in ihrer Bedeutung herunterzuspielen. Daran knüpften im August 2024 Deutsche Leitmedien wie Welt, Süddeutsche Zeitung oder Frankfurter Rundschau an, indem sie versuchten, ihren Lesern den Unterschied zwischen den beiden Kriegen zu erläutern und den propagandistischen Nutzen zu verhöhnen, den Russland aus diesem Déjà-vu zieht.
Es diene nur der Propaganda, dass zerstörte Panzerwracks von „Marder“ und „Leopard“ in das große Freilichtmuseum des Sieges nach Moskau gebracht wurden, wo sie neben den bekannten sowjetischen Militärfahrzeugen und Panzerfunden aus deutschen Wehrmachtszeiten zu sehen sind.
Ich frage: Hat ein Volk mit soviel traumatischen Opfern nicht das Recht auf Empfindungen und Déjà-vu? Ist das, was wir Propaganda nennen, nicht ein durch konkrete Erlebnisse gewachsenes nationales Verständnis von Geschichte, das sich von dem unsrigen unterscheidet?
Wenn Russland sich nicht verteidigt hätte, dann wäre es erobert worden. Das scheint mir eine historische Tatsache, die Folgen für das Selbstverständnis eines Volkes hat.
Haben wir uns über unserer detaillierten Beschäftigung mit dem Holocaust überhaupt ausreichend mit dem militärischen Verlauf des Zweiten Weltkrieges beschäftigt? Jochen Hellbeck hat aus diesem Defizit heraus für die Deutschen das Buch „Ein Krieg wie kein anderer. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion“ geschrieben, das 2025 erschien. Die Geschichtswissenschaft wehrt sich vehement gegen seine schon im Titel formulierte These. Mit demselben Argument wie die Zeitungen von 2024: Der Autor nutze Propaganda, in diesem Falle „ein altes sowjetisches und simplifizierendes Narrativ“, wie etwa Christoph Dieckmann in dem Online-Rezensionsorgan Sehepunkte es beschreibt.
Mit Hinweis auf die Propaganda auf der jeweils anderen Seite kann man sich hervorragend die Wirklichkeit vom Halse halten.
Gewiss, es heißt zu Recht, dass die Wahrheit stirbt im Krieg. Aber doch gibt es für Jedermann Möglichkeiten, sich in solchen Zeiten ein eigenes Bild zu machen.
Schwarze Rauchwolken über St. Petersburg
Kürzlich gingen die Bilder von aufsteigendem Qualm eines brennenden Tanklagers vor der Silhouette von St. Petersburg um die Welt. Es war der Tag der Eröffnung des St. Petersburger Wirtschaftsforums am 3. Juni 2026. Viele Aufnahmen waren so gewählt, dass die dunklen Wolken sich bedrohlich hinter weltbekannten Gebäuden erhoben. Hinter der Isaak-Kathedrale, hinter dem Ehernen Reiter oder hinter der Börse am Newa-Ufer, gelegen auf der Wasiljewski-Insel.
Dramatische Bilder, die mich fatal an die Beschießung Sankt Petersburgs durch die deutsche Wehrmacht erinnerten. Von September 1941 bis Januar 1944, 872 Tage, belagerte sie die damals Leningrad genannte Stadt mit dem Ziel ihrer völligen Auslöschung.
Denkt denn niemand daran, dass das berühmte Denkmal des Ehernen Reiters von einem Italiener geschaffen wurde, die Börse ein frühklassizistisches Werk eines Schweizer Architekten ist und der Engel auf der Hauptkuppel der Isaak-Kathedrale von einem Dresdener Bildhauer stammt — und dass selbst deutsche Maler an der Ausstattung beteiligt waren?
Kürzlich in Sewastopol
Am 10. Juni 2026 geriet durch Drohnenbeschuss das Historische Museum in Sewastopol mit dem großen Panoramagemälde zum Krim-Krieg in Brand, das ein nationales Kulturgut Russlands darstellt. Am 6. Juni 1941 hatte die deutsche Wehrmacht das Museum mit dem ursprünglichen Wandbild ebenfalls beschossen und nahezu vollständig zerstört. Gemalt hatte es der zwischen 1901 und 1904 der Historienmaler Franz Robaud. Erst 1954 war es nach jahrelanger Restaurierung sowjetischer Restauratoren wiederhergestellt worden.
Wenn in Deutschland überhaupt von dem Drohnenangriff und dem Brand des Museums die Rede war, so spielte dieser Kulturgutverlust keine Rolle. Nach deutschen Leitmedien soll es eine eigene russische Abwehrrakete gewesen sein, die den Brand verursachte.
Das scheint mir wie immer: Stets wird in der offiziellen deutschen Berichterstattung die ukrainische Position eingenommen. Warum erfahren wir in Deutschland nicht, dass die russische Seite Beweise dafür hat, dass das Museum von ukrainischer Seite in Sewastopol gezielt beschossen wurde und dass die gezielte Zerstörung von Kulturgut auch in einem Krieg laut Kulturgutkonvention ein Kriegsverbrechen darstellt? Nebenbei: Der Maler Franz Robaud wurde 1857 in Odessa geboren, das damals zum Russischen Kaiserreich gehörte; die Kaufmannsfamilie war aus Marseille emigriert. Er studierte in München, lebte in Paris, St. Petersburg, arbeitete am Kaukasus, in Zentralasien und zuletzt am Chiemsee. Auf der Insel Frauenchiemsee ist er begraben.
Nicht nur in der Politik, auch beim Thema Kulturgut, wird im offiziellen Deutschland geradezu vermieden, die Sicht Russlands zu vermitteln.
Die Eremitage
Als Ende April dieses Jahres der Direktor der Eremitage in St. Petersburg, Michail Piotrowski, in das nunmehr schon 20. Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland aufgenommen wurde, schien niemand zu bedenken, dass unter seiner Leitung eine der bedeutendsten Sammlungen europäischer Kunst steht.
Mit diesen Sanktionen sind dem Eremitage-Direktor die Einreise nach Europa verwehrt und die Mitgliedschaft in Europäischen Vereinigungen ebenso wie jede wirtschaftliche Tätigkeit untersagt. Wer ihn unterstützt macht sich strafbar.
Könnte es sein, dass sich Deutschland mit der vehementen Unterstützung solcher Maßnahmen ins eigene Fleisch schneidet? Ein Parallelfall zu den Wirtschaftssanktionen? Erinnert sei daran, dass Michail Piotrowski dieses Amt als Direktor der Eremitage seit 1992 innehat und in dieser Position mit vielen deutschen Museumsdirektoren händeschüttelnd, herzlich eingeladen und in Wertschätzung zueinander gestanden hat, wie in den zahlreichen Grußworten von Ausstellungskatalogen nachzulesen ist. Erinnert sei nur an Ausstellungen wie „Die großen Zaren“ 1993 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (Main) oder 1995 „Der Traum von Rom“ mit antiken Meisterwerken der Eremitage in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik. Fast jährlich gab es irgendwo in Deutschland ein Ausstellungsprojekt mit der Eremitage. 2012/13 waren es im Rahmen des deutsch-russischen Kulturdialogs gleich ein ganzer Blumenstrauß solcher. Erwähnt sei noch die Ausstellung im Jahre 2013 mit dem sprechenden Titel „Bronzezeit. Europa ohne Grenzen“, eine monumentale Ausstellungskooperation der Eremitage mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, dem 2020/21 die Gegenschau „Eisenzeit“ des Berliner Museums in St. Petersburg folgte.
Ausstellungsprojekte wie diese waren ganz wesentlich von dem von von russischer Seite durch Michail Piotrowski 2005 geprägten „Museumsdialog“ bestimmt, bei dem es um die vielen Detailfragen von Kunstraub, Wiedergutmachung, Trophäen- oder Beutekunst ging. Für die gemeinsame Aufarbeitung der Folgen des Zweiten Weltkrieges ist hier von beiden Seiten viel Detailarbeit geleistet worden. Dem vorausgegangen waren so schöne Erfolge des Dialogs wie die Rückgabe von 111 mittelalterlichen Glasfenstern aus der Marienkirche Frankfurt (Oder), die in der Kirche wieder zu bewundern sind. Die Scheiben waren zum Schutz während des Zweiten Weltkrieges ausgebaut und in Kisten im Neuen Palais in Potsdam gelagert worden, von wo sie 1946 in die Sowjetunion gelangten und jahrzehntelang in der Eremitage lagerten. Wird jetzt in dem alles erwürgenden deutschen Geschrei von der „Kriegstüchtigkeit“ bald wieder eine neue Einlagerung vorbereitet werden? Vom derzeit regierenden Bundeskanzler gab es jedenfalls noch keine einzige dialogische Initiative in Richtung Russland. Wir haben die Folgen des Zweiten Weltkrieges noch nicht aufgearbeitet und rüsten zu einem Dritten?
Zarenhilfe für einen deutschen Maler
Dabei ist es immer einfach, mit den Fingern auf die Regierenden zu zeigen, nach dem Motto: Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Schauen wir uns doch mal den Rest des Fisches an. Sieht es da besser aus?
Im Caspar-David-Friedrich-Jubiläumsjahr 2024 bemühten mein Mann, der Regisseur und Journalist Hartmut Sommerschuh, und ich uns, über die Zarenhilfe für den zunehmend verarmten Maler einen Zeitungsartikel unterzubringen. Caspar David Friedrich war in den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens unmodern, auch die ersehnte Professur erhielt er 1824 nicht. Es war einfach zu wenig auf seinen Gemälden zu sehen, da bot die seinerzeit aktuelle Düsseldorfer und Münchener Schule mehr Motivvielfalt und malerische Raffinesse.
Zarenhilfe für einen deutschen Maler? Alle Zeitungen lehnten ab. Weil sie keinen Platz hatten, weil sie nur Beiträge eigener Autoren drucken und sicher auch, weil das Thema irgendwie nicht passte.
Dabei riss zu diesem Jubiläum aus Anlass des 250. Geburtstages dieses Malers die mediale Berichterstattung nicht ab, verzeichneten Ausstellungen in Hamburg, Berlin und Dresden Besucherrekorde. Aber es war wie verhext. Auch in den Ausstellungen wollte niemand davon berichten, wie der russische Zarenhof den Künstler mit Ankäufen unterstützte. Das Thema wurde einfach unter den Teppich gekehrt, um die Geschichte so darzustellen, als sei schon zu Lebzeiten dieser Maler ein Held gewesen.
Die totgeschwiegene Ausstellung zum Caspar David Friedrich Jubiläum
Als dann gegen Ende des Caspar-David-Friedrich-Jahres 2024 die Jubiläumsausstellung der Eremitage eröffnet wurde, fragte ich deutsche Fachkollegen, darunter Experten zu Caspar David Friedrich, ob sie hinfahren und sich ansehen würden, was dort die Kollegen herausgefunden hatten. Niemand wollte dorthin fahren, wo noch kurz zuvor kooperiert worden war. Keine einzige deutschsprachige Zeitung druckte einen Hinweis auf die Schau. Ende März 2025 fuhr ich nach St. Petersburg. Es war ein in Deutschland lebender Russe, der mir eine Telefonnummer von der Kuratorin der Eremitage mitgab, so dass ich auch mit der Kuratorin der Caspar-David-Friedrich-Ausstellung selbst sprechen konnte.
Die Eremitage fand ich rege besucht vor. Die Menschen drängten sich in dem für Sonderausstellungen genutzten Nikolajewski-Saal der Eremitage; dank der regelmäßigen Abendöffnungsangebote fand ich aber Ruhe zur ausführlichen Betrachtung.
Elf Gemälde und 17 Zeichnungen von Caspar David Friedrich haben sich in russischen Museen erhalten, fast alles war ausgestellt. Dazu noch etwa 200 Werke, die den von Caspar David Friedrich inspirierten russischen Aufbruch in die Romantik erzählen. Zu diesem gehört die Ehe der preußischen Prinzessin Charlotte mit dem russischen Großfürsten Nikolaus, Bruder des Zaren und nach dessen Tod ab 1825 russischer Zar. Das Paar hatte den Maler in Dresden im Dezember 1820 besucht und schon damals erste Gemälde erworben, darunter das bekannte Bild „Auf dem Segler“ oder als eine der späten Erwerbungen das kleine Gemälde „Der Träumer (Klosterruine Oybin)“ (Abbildungsvorschlag).

Foto: Iris Berndt

Caspar David Friedrich (1774-1840), Der Träumer (Klosterruine Oybin), nach 1835, Öl auf Leinwand, 27 x 21 cm (Staatliche Eremitage, Inv.-Nr. 1360).
Es folgten teils leidenschaftliche, teils aus Mitleid mit dem Maler getätigte Ankäufe in St. Petersburg und Moskau durch Mitglieder der Zarenfamilie, aber auch von dem in Russland jedem ebenso wie Goethe bekannten Übersetzer und Dichter Wassili Schukowski. Dieser war der Russischlehrer der erwähnten deutschen Prinzessin Charlotte, die zunächst Großfürstin, dann Zarin wurde, zum orthodoxen Glauben wechselte und den Namen Alexandra Fjodorowna annahm. Schukowski legte selbst eine große Sammlung von Caspar-David-Friedrich-Werken an, von der sich jedoch nichts erhalten hat.
Die St. Petersburger Caspar-David-Friedrich-Ausstellung „Landschaft der Seele“ war eine kulturhistorische Ausstellung, die den Maler in seine Zeit einbettete. Gerade dies unterschied sie von den Ausstellungen in Deutschland und auch der im Jahr 2025 folgenden in New York. Nur die Zeitung Junge Welt war am Ende bereit, die Rezension von Hartmut Sommerschuh und mir zu drucken, die am 15. April 2025 zur Finissage der Ausstellung erschien.
Gewiss, die Angestellten der deutschen Museen können sich bei ihrer Weigerung, gerade jetzt nach Russland zu reisen, auf die Anweisung aus dem Außenministerium noch unter Annalena Baerbock beziehen, die klar regelt, dass aus deutschen Museumsbudgets keine Dienstreisen in die Russische Föderation gezahlt werden. Aber lässt nicht Shakespeare Hamlet sagen: „Wovon der Bruch mehr ehrt als die Befolgung?“ Was wäre geworden, wenn Hamlet nach Dienstanweisung gehandelt hätte? Was wäre geworden, wenn ein Maler wie Caspar David Friedrich nur gemalt hätte, was gerade tagespolitisch gewünscht war? Er würde nicht Menschen bis heute inspirieren, zum Innehalten und Nachdenken über ihre eigene Endlichkeit und die Größe Gottes in der Natur.
Große Kunst ist eben immer aus Können und aus warmem Herzblut entstanden, deshalb ist sie große Kunst.
Haben dies die angestellten deutschen Kuratoren vergessen? Wenn aber die Kultur nur noch verwaltet wird, dann ist sie nicht lebendig und braucht auch nicht vor einem angeblichen „russischen Angriff“ verteidigt zu werden. Stinkt der Fisch hinten ebenso wie am Kopf? Der Schritt hinüber in die Barbarei, wo beginnt er?
Da, wo Tag für Tag die deutschen Bürger sich von ihrer Regierung, der Politik, den Medien ein Stück näher an den Krieg auch auf eigenem Boden herantreiben lassen. Den wenigsten im Lande ist bewusst, dass Deutschland mit seinen Waffenlieferungen an die Ukraine ebenso wie die ganze EU längst Kriegspartei gegen Russland ist. Das alles wird den Bürgern bei den lauten Rufen nach Aufrüstung nicht vermittelt, sie sollen es nicht wahrnehmen, nicht kritisch nachfragen, nicht Herz und Verstand gleichermaßen folgen, nicht über die eigene Schuld reflektieren und versuchen, den anderen zu verstehen als eine Möglichkeit, den größten Reichtum dieser Welt zu erzielen.
Die Sorge wächst
Die Sorge wächst, auch weil die Mechanismen schon greifen:
Weil Firmen in Talfahrt das Rettungsseil der Rüstungsproduktion ergreifen. Überall in Deutschland innerhalb weniger Monate … Auch in den kleineren Städten meiner brandenburgischen Heimat, in Potsdam ebenso wie in Brandenburg an der Havel etwa. So machten es die Betriebe auch nach 1933 und hofften damit in die Zukunft zu kommen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges ging allein die Rüstungsindustrie mit Rendite als Gewinner hervor. Die Rechnung bezahlten die Menschen aller in den Konflikt hineingezogenen Länder, Millionen von ihnen mit dem Leben.
Weil Äußerungen wie die vom Generalleutnant der Luftwaffe, Holger Neumann, in deutschen Leitmedien als salonfähig wiedergegeben werden, der auf die Angriffsfähigkeit gegen St. Petersburg, Kaliningrad ja bis zur Kola-Halbinsel und zum Schwarzen Meer einschwört. Russland reagierte schockiert. Sind wir nicht verpflichtet, dies wahrzunehmen und unser Verhalten sofort zu ändern? Vielleicht hatte Deutschland in den letzten Jahrzehnten nur einen wirklichen Freund und das war Russland? Dem es die Hand versöhnend reichen könnte? Wäre nicht der 22. Juni 2026 ein guter Anfang dafür?
Können wir das noch? Holger Neumann wurde 1968 in Ulm geboren. Wuchsen auch seine Eltern mit der Verdrängung der Schuld am Zweiten Weltkrieg heran? Gehörten auch sie zu den 63 Prozent der Westdeutschen, die 1950 glaubten, wie zuverlässige Meinungsumfragen damals feststellten, dass Deutschland die Sowjetunion nicht angegriffen habe, sondern diese Deutschland?
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