Mehrheit der EU-Bürger gegen schnellen Beitritt der Ukraine, Brüssel treibt Prozess dennoch voran
Die Unterstützung für einen baldigen EU-Beitritt der Ukraine ist deutlich eingebrochen. Nach einer neuen repräsentativen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung sprechen sich nur noch 47 Prozent der EU-Bürger dafür aus, die Ukraine in den kommenden Jahren als Vollmitglied aufzunehmen, 53 Prozent sind dagegen. Besonders skeptisch sind die Deutschen: Hier sank die Zustimmung von 61 Prozent im März 2022 auf nur noch 41 Prozent. In Rumänien sind es 40 Prozent, während Schweden mit 69 Prozent Zustimmung deutlich aus dem Trend herausragt. Noch ausgeprägter ist die Zurückhaltung, wenn es ums eigene Portemonnaie geht: Fast zwei Drittel der EU-Bürger lehnen zusätzliche kurzfristige finanzielle Belastungen für einen erfolgreichen ukrainischen Beitritt ab. Befragt wurden im Juni 2026 insgesamt 16.795 Menschen in allen 27 EU-Staaten.
Bemerkenswert ist der Kontrast zum politischen Kurs in Brüssel. Während die Zustimmung in der Bevölkerung seit 2022 deutlich zurückgeht, treibt die EU den Beitrittsprozess weiter voran: Erst am 13. Oktober wurden nach der Einigung mit Ungarn weitere Verhandlungskapitel zu Binnenmarkt und Wettbewerbsfähigkeit geöffnet. Die Bertelsmann-Stiftung formuliert aus den Umfrageergebnissen selbst die Aufgabe, die Bevölkerung stärker davon zu „überzeugen“, dass die Aufnahme der Ukraine im europäischen Interesse liege. Man kann darin durchaus ein grundsätzliches Demokratiedefizit erkennen: Statt zunächst zu fragen, warum eine Mehrheit der Bürger einen schnellen Beitritt ablehnt, wird die ablehnende Haltung offenbar vor allem als Kommunikationsproblem betrachtet, das von der Politik noch überwunden werden müsse. Den eigenen Kurs infrage zu stellen scheint hier keine Option zu sein.