Die deutschen Exporte sind im August überraschend um 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen. Ökonomen hatten stattdessen mit einem Anstieg um 0,6 Prozent gerechnet. Besonders deutlich brachen die Ausfuhren in die USA mit minus 6,3 Prozent ein; auch die Exporte in andere EU-Staaten gingen zurück. Der Handelsüberschuss schrumpfte von 21,6 auf 19,5 Milliarden Euro. Ökonomen sehen darin ein weiteres Signal dafür, dass die Dynamik im dritten Quartal deutlich nachlassen könnte. Bereits wenige Tage zuvor waren die Auftragseingänge der deutschen Industrie für August um 10,6 Prozent eingebrochen, wenn auch maßgeblich wegen fehlender Großaufträge.
Das steht zumindest in einem bemerkenswerten Spannungsverhältnis zu der erst gestern von der Bundesregierung verkündeten neuen Wachstumsprognose. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erwartet für 2026 nun plötzlich 1,3 Prozent Wachstum – im April waren es gerade einmal 0,5 Prozent. Als wesentliche Gründe nennt die Regierung ausgerechnet die Exporte sowie staatliche Investitionen und höhere Verteidigungsausgaben. Die Tagesschau weist selbst darauf hin, dass ein Teil des starken zweiten Quartals auf einer „Sonderentwicklung“ durch Lageraufstockungen bei energieintensiven Gütern beruhte. Auch die DIHK warnt deshalb vor zu viel Euphorie: Der Aufschwung sei „teuer erkauft“ und beruhe wesentlich auf schuldenfinanzierten Staatsausgaben.
Skepsis gegenüber solchen Prognosen ist auch deshalb angebracht, weil das Muster der vergangenen Jahre bemerkenswert konstant war. Für 2024 erwartete die Bundesregierung zunächst 1,8 Prozent Wachstum, senkte auf 1,3 Prozent, anschließend auf 0,2 Prozent und prognostizierte im Herbst schließlich minus 0,2 Prozent. Für 2025 wurden aus ursprünglich 1,1 Prozent zunächst 0,3 Prozent und im April schließlich null Prozent; tatsächlich wuchs die Wirtschaft später nur um rund 0,2 Prozent. Und auch 2026 begann mit demselben Spiel: Im Herbst 2025 wurden 1,3 Prozent vorhergesagt, im Januar daraus 1,0 Prozent und im April nur noch 0,5 Prozent. Jetzt steht die Prognose wieder bei 1,3 Prozent.