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Die Armut des Kleinunternehmers

Die Armut des Kleinunternehmers

Selbstständige leben oft mit einer großen Arbeitsbelastung, geringen Einnahmen, behördlichen Schikanen und einem erheblichen Risiko, zu scheitern.

Nein, ich will nicht klagen. Es geht mir ja gut, das Geschäft läuft und wirft ein ums andere Jahr ein knapp ausreichendes Einkommen ab. Millionär wollte ich nie werden. Geld als Selbstzweck langweilt mich. In Industrieunternehmen habe ich mich eineinhalb Jahrzehnte lang nicht wirklich wohl gefühlt. Zu unfrei ist man dort, kann nichts entscheiden, wird getrieben, bekommt letztlich kein Gehalt, sondern Schmerzensgeld. Kasse wird einige Stockwerke weiter oben in der eigens dafür aufgebauten Hierarchie gemacht. Diese Strukturen wiederum handeln nicht von Kompetenz und Mitbestimmung, sondern von Loyalität und Diktat.

Mein Wunsch war es, trotz akademischer Ausbildung immer, mich von meiner eigenen Arbeit ernähren zu können, wie ein Schreiner oder ein Gemüsehändler oder ein Fliesenleger. Ein eigenes Produkt musste her, das man anfassen und in einer gewissen Stückzahl auf den Markt bringen kann. Ich muss und will nicht geführt werden und habe keine Lust auf Blabla. Wie man sich bettet, so liegt man dann. Mir geht es gut.

Die weiteren Ansprüche. Meine Kunden sollten das, was ich anbiete, ohne allzu großen Überzeugungsaufwand, ohne lästige Werbung, Spam-Mails, unlautere Lobbyarbeit oder gesetzgeberischen Zwang, also aus freien Stücken haben wollen, kaufen, bezahlen und dann zufrieden sein. Die Finanzierung hatte ich mir so ausgemalt: Ich nehme einen Teil meiner eigenen Ersparnisse, gründe eine GmbH, was ja auch zusammen mit Partnern möglich ist, und bewirtschafte das Firmenvermögen dann mit meiner Arbeitsleistung so, dass es sich rentiert.

Für eine GmbH braucht es 25.000 Euro Stammkapital. Ein auskömmliches Jahresgehalt für nur einen einzigen Mitarbeiter ist bereits ein Mehrfaches davon. Das bedeutet rechnerisch, dass eine Kapitalrendite von mehreren hundert Prozent für das angelegte Geld her muss. Nichts leichter als das, nicht wahr? Oh, die Aktienexperten haben bei dieser Aussage vielleicht gezuckt, können aber hoffentlich weiterhin folgen. Richtig verstanden: Renditen in der Nähe der Inflationsrate kann ich mir nicht leisten.

Mal im Ernst, ohne Ironie. Irgendwer muss doch die Kohle erarbeiten oder besser: Man muss doch einen Gegenwert schaffen für das viele Geld, das in der Welt ist? Sonst kann man für das viele Geld ja gar nichts kaufen, und das Geld selbst verliert seinen Wert?

Das gilt auch, wenn man sich Bitcoins kauft oder Aktien von Auto-, Chemie-, oder Rüstungsunternehmen, Kursgewinne durch die gewöhnliche Geschäftstätigkeit solcher Einrichtungen für sich nutzen und dabei gut schlafen kann. Es gibt Tage, an denen selbst mir das schlau erscheint: Geld vermehren, ohne selbst etwas dafür zu tun, auch wenn das irgendwie unfein ist, denn irgendwer muss die Arbeit ja machen. Wir erleben momentan einen beispiellosen Höhenflug von Kapitalanlagen aller Art. Für mich hat das einen faden Beigeschmack. So viel Arbeit, die noch nicht erledigt ist, oder eben steigende Inflation.

Funktionierende mittelständische Betriebe, die, siehe oben, teilweise deutlich höhere Renditen für alle Beteiligten erwirtschaften können und müssen, als der Kapitalmarkt hergibt, stehen oftmals nicht als Geldanlage zur Verfügung. Man gründet sie. Die Gründer haben sich für ihren eigenen, stets sehr optimistischen Business-Plan teilweise bis zum Stehkragen von Banken oder geldmächtigen Investoren abhängig gemacht. In diese Sklaverei wollte ich nicht, denn das ist, meiner unbedeutenden Privatmeinung nach, der wichtigste Grund für das pandemische Scheitern so vieler Unternehmensgründungen. Es ist immer das Gleiche: Der anfängliche Geldsegen führt zu Bequemlichkeit und Verschwendung. Dienstwagen, Smartphone, Laptop, Räume und Einrichtung, fürstliche Gehälter.

Wenn das fremde Geld verbraucht ist, sich aber noch immer kein zahlender Kunde für das Geschäft interessiert, ist man als Unternehmer wieder weg vom Fenster, als Pleitier sogar mit Schimpf und Schande. Nach der Bauchlandung wird man in ein engeres Korsett gezwängt, was den nächsten unternehmerischen Versuch angeht, also aufgepasst. Wir nennen das unternehmerisches Risiko. Ein Risiko ist eine Gefahr, die zur Realität werden kann.

Noch einmal zurück zur Kapitalrendite. Ich meine damit den Gewinn nach Unternehmenssteuern, Abgaben und Kosten, der als Bruttogehalt auf mein privates Konto fließt. Das kann, wenn man auf Wachstum verzichtet, jeder Cent über dem Stammkapital der Firma sein. Sich das Stammkapital als Gehalt auszuzahlen, wäre dumm, weil das die Firma aufzehrt.

Vom privaten Konto wiederum schwindet das Bruttogehalt dann dahin für Einkommensteuer, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, Lebensmittel-, Wasser-, Müll- und Energiekosten, Mobilitätskosten, GEZ-Gebühren, Miete oder Zins für das Dach über dem Kopf, Bekleidung, vielleicht noch die Urlaubskasse, bis am Monatsende nichts mehr davon übrig ist. Das kennen wir alle, und anders habe auch ich es nie erlebt.

Man kann es ja sogar ausrechnen. Nehmen wir 1.000 Euro Umsatz für ein Produkt, das einem Kunden gefällt und das er daraufhin gerne gekauft und bezahlt hat. Sofort zu subtrahieren ist die Umsatzsteuer, 19 Prozent, dann sind es noch 840 Euro. Hersteller und Produzenten müssen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe einkaufen, zumindest für Räumlichkeiten, Beleuchtung und Werkzeug sorgen. Was den Arbeitsprozess behindert, muss aus dem Weg geschafft werden. Dafür geht, Rechenbeispiel, nochmal über die Hälfte vom Nettoerlös weg, bleiben 420 Euro. Belassen wir es für diese Betrachtung der Einfachheit halber dabei und zahlen die 420 Euro, die von den 1.000 noch übrig sind, als Gehalt aus. Von diesem Gehalt gehen dann noch 30 Prozent Sozialkosten, also Rente und Krankenversicherung und knapp 20 Prozent Einkommensteuer ab, bleiben noch 210 Euro.

Soll ich weiter machen? Will sagen:

Man braucht, bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital, ziemlich viel Umsatz, um ein einigermaßen akzeptables Gehalt als Rendite zu erwirtschaften.

Der Umsatz muss etwa das Fünffache, in Zeiten teuren Einkaufs und Transports bei harter Konkurrenz oder massiver staatlicher Behinderung, zum Beispiel Lockdowns oder ähnlich schädlichen Ideen auch mal das Zehnfache des gewünschten Netto vom Brutto, also der Kohle auf dem Tisch des Hauses betragen.

Das geht alles, wenn man die erforderliche Eigenkapitalrendite — das Zehnfache wären 1000 Prozent — hinbekommt, sorgt auch für einen gewissen Stolz, führt aber recht schnell zu der Frage: Mit welcher Arbeitsleistung und mit welchem Kapitaleinsatz verdient so mancher Politiker, Staatsbediensteter oder staatlich subventionierter Mitarbeiter einer NGO denn eigentlich sein Geld? Meinen geschätzten Kollegen und Mitstreitern im Mittelstand fallen bestimmt Beispiele ein, die jeder von uns aus einer langen Liste derer auswählen kann, die uns als Unternehmer in Deutschland nicht unbedingt das Leben einfacher machen.

Niemand hat sich je bei uns dafür bedankt, dass die mittelständische Wertschöpfung über Umsatz- und Einkommensteuer nebst Sozialabgaben die mit Abstand wichtigste Geldquelle des Staates ist. Stattdessen werden wir schikaniert.

Auflagen, Normen, Prüfungen, abzugebende Erklärungen, Sicherheitsbestimmungen, viel zu viele zeitaufwändige Pflichten und Kosten, die die Rendite schmälern, haben das Maß des Akzeptablen bei Weitem überschritten. Der Dschungel ist so dicht, dass man verzweifelt auf Dienstleister zurückgreifen muss, die einen Teil des Umsatzes dafür haben wollen, den riesigen Papierkram zu erledigen. Es geht längst nicht mehr darum, tun und lassen zu können, was man will, sondern darum, überhaupt Zeit für das eigentliche Kerngeschäft und die dafür nötige Kreativität zu haben.

Was ist denn eigentlich Wertschöpfung?

Ich bin zu der eventuell naiven Auffassung gelangt, dass wirtschaftliche Wertschöpfung in der Tat von Wert, genauer Mehrwert kommt, das heißt, ein Selbständiger oder Arbeitnehmer bringt Waren oder Dienstleistungen in die Welt, für die mehr Geld bezahlt wird, als ihre Bereitstellung kostet. Gewinn ist gleich Einnahmen minus Ausgaben. Wertschöpfung kann nicht jeder leisten, sodass ein Umverteilungsprozess vorhanden sein muss, der Kinder, Schwache und Alte ernährt, die nicht aktiv mitarbeiten. Das wiederum regelt der Sozialstaat, dessen Mitarbeiter natürlich bezahlt werden müssen. Das ist auch gut und richtig so.

Bleiben wir noch einen Moment bei „Geld bezahlt wird“. Nicht jeder ist in der Position, Geld von begeisterten Kunden für ein tolles Produkt zu bekommen, und nicht jeder erträgt es, sofort den größten Teil der Einnahmen wieder aus den Händen geben zu müssen. Manche gönnen sich ihre Gehälter per Erlass, wie Anwälte oder Ärzte mit ihren Gebührenordnungen, oder Politiker mit Diäten, über die sie selbst großzügig und in großer Einigkeit entscheiden, oder auch Gemeinden mit ihren Hebesätzen für die Gewerbesteuer. Man bedient sich. Der staatliche Rundfunk und sein riesiger Wasserkopf nimmt es sich. Ganz einfach. Behörden kassieren ab. Verbände wie die Industrie- und Handelskammern oder Berufsgenossenschaften, in denen man Zwangsmitglied zu sein hat, schenken ihren Mitarbeitern fürstliche Gehälter ein.

Sogar der Geldverkehr selbst wird immer teurer. Man betrachte die Pharmaindustrie dabei, die Medikamente zu Mondpreisen verkauft, wie sie regelmäßig Vorstöße in Richtung Zwangsmedikation unternimmt und dabei nicht etwa fürsorglich denkt, sondern globalistisch, das heißt an maximalen Profit weltweit. Nahrungsmittelkonzerne stehen dem in nichts nach. Alles ist ein Geschäft, aber nicht jedes Geschäft ist wertschöpfend und längst nicht jedes Geschäft ist fair.

Zu erkennen sind verschiedene Grade der Freiwilligkeit, mit der das Geld der Kunden in die Kasse kommt, von der Unsicherheit des kleinen Selbständigen mit einem Auftragsbuch, das keine vier Wochen weit reicht, bis zum hochrangigen Beamten wie dem Präsidenten des Verfassungsschutzes, der heillos überbezahlten und vollkommen überflüssigen Chefetage und Intendanz der öffentlich rechtlichen Sender, der deutschen Außenministerin oder anderen Ministern und Ministerpräsidenten, deren Arbeit in erster Linie parasitär, gemeinschädlich, von brüllender Inkompetenz geprägt und teilweise schmerzhaft peinlich ist, die zugleich aber in Gehaltsregionen logieren, von denen die meisten kleinen Unternehmer in Handwerk oder Dienstleistung, also die, die für das Gehampel bezahlen, nur träumen können.

Über all dem thronen dann noch die Kapitalsammler und Kapitalsammelstellen, die sich gegen leistungslose Einkünfte in Milliardenhöhe kaum zur Wehr setzen können, selbst mit maximaler Arbeitsverweigerung, heilloser Verschwendung und ohne die geringste Kreativität.

Gegen deren Geschäftsmodelle hat kaum jemand etwas vorzubringen, denn es gibt keine außer einem lang gezogenen, geblökten „meeeeehr“. Man lässt sie leben, ohne ihnen lästige Steuern abzuverlangen. Etwas weiter oben in diesem Beitrag stehen ein paar Hinweise, welchen Anteil ein Kleinunternehmer von seinem mit Hand und Hirn erarbeiteten Umsatz behalten darf, und die Realität ist fraglos noch schlimmer. Politiker zahlen indes keine Steuern, Beamte keine Sozialabgaben, reich Geborene nur verschwindende Bruchteile ihrer riesigen Vermögen für das Gemeinwesen.

Was kann man tun?

Ich würde mir zuallererst wünschen, bei der Verteilung meines Steuergelds mitbestimmen zu dürfen. Ich will nicht nur Politiker wählen und abwählen, sondern auch Behördenleiter, Richter, Verfassungsschutzpräsidenten und Ethikratsvorsitzende. Ich will mitbestimmen, wie viel Prozent von meinem BIP der von mir finanzierte Staat für Waffen und Munition ausgibt. Ich will über Ausgaben zu Protzbauten, Rundfunk und ähnlichem Quatsch befragt und gehört werden. Ich will eine öffentliche Debatte darüber, wer uns, die Wertschöpfer und Nettozahler, schikanieren darf, wie oft und womit. Auch will ich bei allen, die uns vertreten, mitreden, brauche weder Kabinettsmitglieder noch EU-Kommissionspräsidenten, die durch einen intransparenten Prozess ins Amt gekommen sind, sich anschließend nicht für mich und meinesgleichen einsetzen, oder gar das gerade Gegenteil dessen machen, was sie vor der Wahl versprochen haben. Eine Minimalforderung ist diese: Wenn ich ein Geschäft mal gegründet, ein Gewerbe angemeldet und dafür meine Zeit und mein Geld investiert habe, will ich es auch längerfristig betreiben können, ohne jedes Jahr neue Rahmenbedingungen erfüllen zu müssen.

Diese Liste ist so unvollständig wie lang. Besonders lang ist sie hierzulande. In Deutschland, so scheint es, wachen 95 Prozent der Gesamtbevölkerung darüber, dass die Anderen alles richtig machen. Angesehen und gut bezahlt sind Gutachter, Prüfer, Berater, Beauftragte, Räte, Politiker, Moderatoren, Manager, System- und Selbstermächtigte, die genau wissen und in riesigen Laberrunden erklären, wie es geht, es aber aus unerfindlichen Gründen und trotz dieses hohen Wissens selbst nicht tun. Stattdessen setzen sie ihre Energie lieber dafür ein, maximalen Vorteil für sich selbst aus dem System zu ziehen.

Bevor sie sich zurücknehmen, brummen sie der Allgemeinheit lieber neue Schulden und schärfere Regeln auf. An sie gehen meine Fragen: „Womit verdienen Sie ihr Geld?“, „Was tragen Sie zu Staatsfinanz und Gemeinwohl bei?“, „Wer bezahlt Sie?“

Dass Banken und Konzerne Lobbyismus bis über die Grenze zur justiziablen Korruption hinaus betreiben, Milliardäre sich ganze Landstriche unter den Nagel reißen, Warlords in fernen Ländern mit Waffen beschenkt werden, der hoch profitablen Pharmaindustrie zusätzlicher Zucker in den Hintern geblasen wird, dass die ständig bemühte Digitalisierung irrwitzigerweise ausgerechnet den Geschäftsplan der reichsten Konzerne auf dem Planeten staatlich fördert, oder dass eine ununterbrochene Bankenrettung durch Neuverschuldung läuft, stört meine Mitbürger nur wenig. Wichtiger ist da schon mal eine schief geschnittene Hecke am Gartenzaun oder Kinderlärm. In den finstersten Zeiten, die ich bisher erleben musste, war eine schlecht sitzende Maske, die Verweigerung einer offensichtlich unausgereiften Gentherapie oder eine diskutable, aber eben nicht regierungskonforme Meinung der Weg, konsequent aus der Amok laufenden Gesellschaft hinausgeworfen zu werden. Es wird eben aufgepasst, dass die anderen alles richtig machen. Die Steuerpflicht bleibt.

Ahnst Du jetzt, wie viele Start-ups — deutsch: Unternehmensgründungen — scheitern und warum? Ich bilde mir ein, einen gewissen Instinkt dafür entwickelt zu haben, was geht und was nicht. Unser Gesellschaftsvertrag geht nicht mehr. Wir, die Wertschöpfer, werden unsere Hände und Hirne entweder hier einsetzen oder woanders, uns dafür selbst und ständig ein auskömmliches Einkommen erarbeiten und satte Steuern und Abgaben bezahlen. Keine Sorge um uns, wir sind daran gewöhnt. Das Umfeld und der Gesetzgeber können und werden darüber entscheiden, wo wir unseren Berufungen nachgehen.

Das Problem, ein Dach über dem Kopf und was zu Essen auf dem Tisch zu bekommen, bleibt denen, die sich nicht wehren können. Und natürlich denen, die nichts von alledem verstanden haben.


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