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Ein Loblied auf die KI

Ein Loblied auf die KI

Die Nutzung von ChatGPT macht das Leben so wunderbar bequem und einfach, dass eigene Kreativität und Gedankenleistung nahezu überflüssig werden.

Meine Begeisterung kennt keine Grenzen. Seit ich die Hilfe der k
ünstlichen Intelligenz, genauer gesagt, von ChatGPT, in Anspruch nehme, ist mein Leben um so vieles reicher und leichter geworden.

Anfangs sah meine Zusammenarbeit mit der KI noch sehr bescheiden aus. Da habe ich ihr nur kleine Aufgaben erteilt. So zum Beispiel: Bitte male mir ein Bild der Blumenwiese unseres Gartens im Stil von van Gogh. Als Vorlage habe ich ein Foto hochgeladen — und ich kann nur sagen: Das Ergebnis, fantastisch! Ich habe das Bild professionell ausdrucken lassen und es hängt nun über meinem Schreibtisch. Ich erfreue mich jeden Tag daran.

Wer kommt denn dann noch auf die Idee, selbst ein Bild zu malen? Besser als dieser artifizielle Künstlerprofi es malt, kann es doch gar nicht werden.

Auch die Textanforderungen waren zu Beginn recht einfach gehalten. Ich habe mir von ChatGPT bei meiner Recherche helfen lassen. Wieso sollte ich mir nicht den Riesendatenschatz zu nutze machen? Da wäre ich ja schön blöd. Quasi ein Technik-Ignorant. Und so ging es dann Schritt für Schritt weiter — bis zu kompletten Texten.

Früher habe ich Stunden, Tage und manchmal Wochen gebraucht, um einen fundierten Artikel zu schreiben. Und wie sieht es heute aus? Mithilfe der KI kann ich jetzt einen Artikel in 3 Stunden schreiben. Das habe ich beispielsweise letzte Woche gemacht, als ich um einen Artikel zur Situation in der Straße von Hormus gebeten wurde. Ich wiederhole: 3 Stunden! Da ich eigentlich träge und faul bin, musste ich mich früher zwingen, die Zeit und Geduld aufzubringen, um einen solchen Beitrag zu schreiben.

Das Umwerfende an meiner intensiven Zusammenarbeit mit KI: Ich muss mich gar nicht selbst in dem Thema auskennen. Ich kann KI blind vertrauen und inzwischen quasi über alles schreiben. Das heißt, ich bin jetzt Experte für alles. Der blöde Spruch „Schuster bleib bei deinem Leisten“ gilt für mich nicht mehr.

Ich habe inzwischen so viel Übung im Umgang mit der KI, dass ich überlege, ein Buch zu schreiben. Würde meine Deutschlehrerin noch leben, bekäme sie vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zu. Meine Deutschaufsätze hat sie damals immer kommentiert: Dein Wortschatz ist katastrophal. Du solltest mehr Bücher lesen! Sie hat sich zwar nicht so weit vorgewagt, aber eigentlich wollte sie sagen: Du kannst gar nicht schreiben!

Bevor ich ein Buch in Angriff nehme, überlege ich noch, wessen Stil die KI nachahmen soll. Es muss schon ein Bestsellerautor sein! Vielleicht Marc-Uwe Kling, der mit seinen Känguru-Geschichten so viel Erfolg hat. Oder Peter Hahne? Ich könnte mich auch an Whitney Webb wagen. Aber vermutlich ist es besser, wenn ich bescheiden anfange und einen deutschen Autor wähle. Mit einem Bestseller kann ich dann endlich auch mehr Geld verdienen. Da ich freiberuflich tätig bin, habe ich meine Texte bisher nur Online-Medien angeboten und mir schon einen guten Namen gemacht. Demnächst kann ich da sicher auch ein Honorar verlangen, auch wenn die Alternativ-Medien finanziell immer „schlecht aufgestellt“ sind.

Schon relativ schnell habe ich gemerkt, dass ich der KI die Aufgabe ganz konkret formulieren muss. Beispielsweise: Schreibe einen Text, in dem du die Vor- und Nachteile von Windrädern benennst. Und nenne bitte auch die Profiteure des „Energiewandels“. Auch gelernt habe ich, dass „meine“ Texte bei den unabhängigen Online-Medien besser ankommen, wenn ich gesellschaftliche Zustände kritisch beleuchte. Je kritischer ich schreibe, umso besser.

Vorgestern bin ich auf eine gute Idee gekommen: Ich habe die KI gefragt, woran man KI-generierte Texte erkennen kann. Bisher ist mir noch niemand auf die Schliche gekommen und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt!

Ich habe sogar das Glück, dass die Lektorinnen die Schwachstellen meiner Texte „ausbessern“. Zum Beispiel neigt die KI zu Redundanzen. Das habe ich schon bemerkt. Da machen die Lektorinnen freundlicherweise „meine“ Arbeit, zu der ich mich außer Stande sehe.

Meine Frage nach den typischen Merkmalen KI-generierter Texte beantwortete die KI sehr aufschlussreich, aber ich werde nur ein Detail verraten. Mehr nicht, denn sonst schieße ich mir ja selbst ins Knie, sozusagen. Die KI hat unter anderem geschrieben: KI-Texte neigen dazu, Gegensätze stark zu akzentuieren. „Es ist nicht X, sondern Y“ ist eine einfache, saubere Polarisierung, die sich leicht automatisch generieren lässt — aber wenig Raum für Nuancen. In menschlichen Texten liest man eher komplexe, mehrstufige Unterscheidungen statt ständiger „nicht/sondern“-Pflöcke.

In Zukunft werde ich gut auf die von der KI genannten Merkmale achten und die KI-Sprache „vermenschlichen“. Sonst falle ich noch unangenehm auf, vor allem, wenn ich Honorar verlange und meinen ersten Bestseller in Angriff nehme.


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