Jean Ziegler: Die Wiedergeburt der UNO ist die einzige Möglichkeit, um das Chaos der Welt zu lösen.
Am 10. Juni 2026 ist Jean Ziegler im Alter von 92 Jahren gestorben. Jean Ziegler war Soziologe, Politiker und Sachbuchautor. Jean Ziegler lehrte an der Universität Genf und war Gastprofessor an der Sorbonne in Paris. Von 1967 bis 1983 und von 1987 bis 1999 war er Nationalrat der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS) für den Kanton Genf.
Von 2000 bis 2008 war Jean Ziegler UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung — zuerst im Auftrag der Menschenrechtskommission, dann des Menschenrechtsrats — sowie Mitglied der UNO-Task-Force für humanitäre Hilfe im Irak. 2008 bis 2012 gehörte Ziegler dem Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen an; im September 2013 wurde er erneut in dieses Gremium gewählt. Er war außerdem im Beirat des Vereins Business Crime Control.

Ein Buch, das 1982 Aufsehen erregte: Jean Ziegler „Eine Schweiz — über jeden Verdacht erhaben“ erschienen im Luchterhand Verlag, es wurde auch in der Büchergilde Gutenberg veröffentlicht. Ziegler war nach diesem Buch für viele in der Schweiz ein Nestbeschmutzer (1).
Ziegler kämpfte gegen Kriegsmaterialexporte
Ziegler unterstützte mit seinen Interventionen im Parlament und publizistisch unsere Arbeitsgemeinschaft für Rüstungskontrolle und ein Waffenausfuhrverbot (ARW). Er nahm immer wieder Stellung gegen die Schweizer Kriegsmaterialexporte. Auch 1976, als der Iran unter dem Schah militärisch in Dhofar intervenierte und die Menschenrechte im Iran mit den Füßen getreten wurden.
Auch die Journalisten Toni Lienhard und Samuel Plattner vom Zürcher Tages-Anzeiger nahmen damals Stellung gegen die Kriegsmaterialexporte der Schweiz nach dem Iran:
- Tages-Anzeiger-Magazin, 31. Januar 1976: Der unbekannte Krieg in Dhofar. Die militärische Intervention des Schahs.
- Tages-Anzeiger, 4. September 1976: Sind Schweizer Waffenexporte nach Iran gerechtfertigt?
- Tages-Anzeiger, 12. Oktober 1976: Persien: Kriegs- und Spannungsgebiet
Toni Lienhard: Das Geschäft ist wichtiger als die Moral. Toni Lienhard und Samuel Plattner weisen im Tages-Anzeiger darauf hin, dass im Falle des Irans das Kriegsmaterialgesetz verletzt wird. Plattner begründet diese Missachtung des Kriegsmaterialgesetzes wie folgt:
„1. Iran hat bewaffnet interveniert.
2. Die Golfregion ist nicht stabil.
3. Iran missachtet die Menschenwürde.“
Die Schweiz verkaufte dem folternden Schah-Regime in diesen Jahren für etwa 500 Millionen Franken Rüstungsgüter. Es hieß damals, bestehende Verträge müssten abgearbeitet werden.
Das Gleiche heißt es jetzt bei den USA, die nicht nur im Iran Krieg führten, sondern auch überall Menschen mit Drohnen töten und mit ihren Waffenlieferungen die Kriege Israels möglich machen. Während des Krieges zwischen dem Iran und dem Irak (1980 bis 1988) verkaufte die Schweiz beiden Kriegsparteien Waffen, teils über den Umweg Singapur. Andere westliche Staaten lieferten auch beiden Parteien, dem Iran und dem Irak, Waffen. Ziegler nahm damals auch dazu Stellung.
Jean Ziegler würde vermutlich auch heute Stellung nehmen und auf den Tisch klopfen angesichts der unsäglichen Politik der Schweiz.
Zum Beispiel wäre Ziegler sicher empört über die Investitionen der Schweizerischen Nationalbank, von Banken, Versicherungen und Pensionskassen in Rüstungskonzerne, die Israel Waffen liefern. Ziegler wäre sicher auch dagegen, dass diese Institutionen Milliarden in Rüstungskonzerne investieren — die Bank UBS sogar sechs Milliarden USD in Unternehmen, die Atombomben produzieren, laut ICAN, der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen.
Am 9. Juni 2026 veröffentlichte die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) dazu die Dokumentation „Premeditated: Nuclear Weapons Spending in 2025“ (Geplante Ausgaben für Atomwaffen 2025) (2).
Wer zusticht, gilt als Verbrecher, wer Waffen für Massenmorde verkauft, nicht. Als ein psychisch kranker Mann in Winterthur kürzlich zustach und einen Mann schwer verletzte, nahmen viele Politiker Stellung. Aber wenn „gesunde“ Politiker der USA, Saudi-Arabiens sowie anderer Staaten Krieg führen, Zehntausende Menschen töten lassen, heißt es nur die Waffenlieferungen der Schweiz an diese Regimes müssten weitergeführt werden.
Das sei wichtig. Die einheimische Rüstungsindustrie sei auf Exporte angewiesen, damit sie auch die Schweizer Armee beliefern könne.Heute sind Journalisten vermutlich so eingeschüchtert, dass sie nicht mehr so klar Stellung gegen das Geschäft mit dem Krieg nehmen, wie vor 50 Jahren die Journalisten Toni Lienhard und Samuel Plattner im Tages-Anzeiger.
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Quellen und Anmerkungen:
(1) Jean Ziegler — Wikipedia
(2) Premeditated: 2025 global nuclear weapons spending - ICAN



