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Ein Mythos zerfällt

Ein Mythos zerfällt

Eine Studie des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums macht ein weiteres Mal deutlich, welche Risiken mit der hormonellen Behandlung von Transkindern einhergehen — in Deutschland verschließt man geflissentlich die Augen.

Es wurde in den letzten Jahren als das Netteste und Harmloseste dargestellt, was man tun kann: Kinder, die sich „im falschen Körper fühlen“, vor dem Schicksal zu bewahren, dass die Pubertät Tatsachen schafft. Sie retten. Vor Selbstmord. Pubertätsblocker, so konnten wir lesen, würden nur einen Pause-Knopf drücken, könnten aber jederzeit wieder abgesetzt werden. Gegenhormone (Testosteron für Mädchen, Östrogen für Jungen) würden Trans-Leben retten. Wer das den Kindern verwehre, der sei ein bigotter Unmensch, der wolle, dass Transmenschen aufhörten zu existieren. Und wer will schon ein Unmensch sein?

Nur: Beweise dafür gab es nie. Das „Dutch Protocol“, das in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Holland entwickelt wurde und aufgrund dessen Jugendliche mit Transitions-Wunsch fortan mit Hormonen behandelt wurden, beruhte auf einer extrem manipulierten Untersuchung, das ist heute klar erwiesen. Eine Studie nach der anderen zeigte: Den Jugendlichen geht es durch die medizinische Intervention nicht besser. Sie sind genauso verzweifelt, genauso unglücklich wie ohne die Gabe von Hormonen. Der britische „Cass-Report“ zeigte dies 2022 in der bislang größten Studie zur Frage der Transmedizin für Kinder. Er wertete alle existierenden Studien zum Thema aus und kam zu dem Schluss: Es ist ein Mythos, dass Kindern mit der Gabe von Hormonen geholfen wird. Das lässt sich schlichtweg nicht zeigen (1).

Der Report zeigte, dass eine Intervention, die Risiken mit sich bringt, aber keinen Nutzen, ethisch nicht verantwortbar sei. Daraufhin wurde in fast allen westlichen Ländern die Gabe der Hormone verboten, außer in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Nun hat auch das amerikanische Gesundheitsministerium mit einer Studie nachgelegt, deren Ergebnisse am 19. November 2025 veröffentlicht wurden (2). Neu dabei ist, dass sie sich über den nicht nachweisbaren Nutzen von Hormonbehandlungen hinaus beschäftigt mit

• den gesundheitlichen Risiken der Transmedizin,
• der irreführenden Sprache rund um das Thema,
• den Verfehlungen und wissenschaftlichen Schwächen der WPATH, der Berufsorganisation der Gendermediziner.

Medizinische Risiken

Die Studie belegt mehrere medizinische Risiken für die Gabe von Pubertätsblockern und Gegenhormonen. Die Studienleiter sprechen sowohl von erheblichen als auch von langfristigen Schädigungen der Kinder und dokumentieren, dass diese Gefahren bislang oft ignoriert und zu wenig oder gar nicht erfasst wurden. In fast allen Fällen führt die Gabe von Pubertätsblockern und spätere Gabe von Gegenhormonen bei den Kindern zu dauerhafter Unfruchtbarkeit, ihre sexuelle Erlebnisfähigkeit wird praktisch auf null gesetzt, es gibt Gefahren für die Entwicklung der Knochendichte, mögliche Auswirkungen auf die Intelligenz. Negative Auswirkungen, logischerweise.

Psychische Erkrankungen nehmen laut dieser Studie zu, ebenso Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Fall von Operationen kommt es in nicht wenigen Fällen zu Komplikationen. Die Anzahl der Kinder, die ihren drastischen Schritt später bedauern, wird kaum erfasst oder in vielen Studien sogar ignoriert.

Der Gesundheitsminister Robert Kennedy — der, man muss es fairerweise sagen, diesen Praktiken auch schon früher kritisch gegenüberstand — lässt sich angesichts der Studie zitieren mit den Worten:

„The American Medical Association and the American Academy of Pediatrics peddled the lie that chemical and surgical sex-rejecting procedures could be good for children. They betrayed their oath to first do no harm, and their so-called ‘gender-affirming care’ has inflicted lasting physical and psychological damage on vulnerable young people. That is not medicine — it’s malpractice.”

„Die American Medical Association und die American Academy of Pediatrics verbreiteten die Lüge, dass chemische und chirurgische Verfahren zur Geschlechtszurückweisung für Kinder gut sein könnten. Sie haben ihren Eid, zunächst keinen Schaden anzurichten, gebrochen, und ihre sogenannte „Geschlechtsaffirmierende Behandlung” hat schutzbedürftigen jungen Menschen bleibende körperliche und psychische Schäden zugefügt. Das ist keine Medizin – das ist Fehlverhalten.“


(4)

Eine so umfassende Darstellung der Risiken und Nebenwirkungen ist neu und schockierend. Bislang ging es bei den Studien meist darum, zu untersuchen, ob sich Kinder und Jugendliche durch die Behandlung wohler fühlen als zuvor.

„Geschlechtsangleichende Maßnahme“ oder „Kastration“

Die amerikanische Studie analysiert die Sprache rund um Gendermedizin. „Geschlechtsangleichende Maßnahme“ klingt zum Beispiel viel netter als „Kastration“ oder „Gebärmutterentfernung“, auch wenn genau dies damit gemeint ist.

Die Studie befasst sich mit der Begriffsverwendung rund um Transmedizin für Kinder und kommt zu dem Schluss, dass die Wortwahl oft irreführend, verharmlosend und wissenschaftlich nicht korrekt sei. Ein Beispiel konnte man gleich dem obigen Zitat von Kennedy entnehmen. Er nennt darin Gendermedizin nicht bei dem üblichen Begriff „gender-affirmierende Maßnahmen“ sondern bezeichnet sie als „sex-rejecting procedures“, also geschlechtszurückweisende Maßnahmen. Das ist ein Umdrehen des Denkprozesses.

Ausgangsproblem bei Kennedys Bezeichnung ist, dass Kinder ihr eigenes Geschlecht ablehnen, und dann braucht man Maßnahmen, um damit umzugehen. Redet man von „gender-affirmierenden Maßnahmen“, so setzt man das Wunschgeschlecht als das wesentliche. Das biologische Geschlecht ist der Fehler. Der Kampf um die Worte in diesem Bereich ist massiv. In Deutschland lehnt es die Leitlinienkommission zum Beispiel explizit ab, den offiziellen Begriff „Geschlechtsidentitätsstörung“ zu verwenden. Sie schreiben stattdessen „Geschlechtsinkongruenz“. Und ja, das ist ein massiver Unterschied, nicht nur eine kleine Feinheit. Eine Identitätsstörung, das ist eine Krankheit, das Kind kommt mit seinem Geschlecht nicht zurecht, es hat eine Störung. Inkongruenz heißt, das Geschlecht passt nicht auf das Empfinden, also ist das Geschlecht falsch. Der Report zeigt häufige irreführende Wortwahl im Englischen auf.

Höchste Standards oder unwissenschaftliche Ideologie

Die international wichtigste Organisation, wenn es um Empfehlungen rund um Transmedizin geht, ist die WPATH (World Professional Association for Transgender Health/Weltberufsverband für Transgender-Gesundheit). Sie ist ein Zusammenschluss von Menschen, die Transmedizin betreiben, und gibt Behandlungsrichtlinien heraus (sogenannte SOC, „Standards of Care“ (5)). Diese Richtlinien gerieten in den letzten Jahren deutlich unter Druck: Zum einen wurde bekannt, dass wichtige Studien, die die Gefährlichkeit der Behandlung von transidentifizierten Menschen aufzeigten, unterdrückt wurden, um das „richtige“ Ergebnis nicht zu gefährden.

Zum anderen gab es interne Messaging-Boards, auf denen die Dinge sehr anders benannt wurden als in offiziellen Veröffentlichungen. Ein Beispiel wäre die Aussage von Marcy Bowers, Vorsitzender der WPATH, mit der internen Aussage, dass wirklich exakt null Menschen nach Pubertätsblockern und Gegenhormonen einen Orgasmus erleben können. Dies hatte die WPATH zuvor öffentlich vehement bestritten. Die Studie des amerikanischen Gesundheitsministeriums beschäftigt sich mit der Organisation und kommt zu dem Ergebnis, dass wissenschaftliche Standards nicht eingehalten wurden, dass Studien unterdrückt wurden und es an Transparenz fehle. Ein besonderes Augenmerk legt sie darauf, dass durchgehende Interessenskonflikte (Operateure empfehlen Operationen) nicht benannt wurden. Hieraus wird abgeleitet, dass die Behandlungsrichtlinien der WPATH in den USA nicht mehr herangezogen werden sollten.

Therapie als Mittel der Wahl

Die Studie bedauert, dass es zu wenige Untersuchungen zur Wirksamkeit von Therapie statt Hormonen bei einer Geschlechtsidentifikationsstörung gibt. Etwas unbeholfen empfiehlt sie diese trotzdem als Mittel der Wahl, da Hormone und Operationen nichts bringen, aber großen Schaden anrichten. Sie schließt mit der Aussage, dass systematische Überprüfungen keine negativen Auswirkungen von Psychotherapie feststellen konnten.

Und in Deutschland?

Die deutsche Leitlinie wurde erst im Juni 2025 aktualisiert (6). Sie erkennt im Gegensatz zur Vorversion an, dass es keine Evidenz für die Wirksamkeit ihrer vorgeschlagenen Maßnahmen gibt. Die Verfasser der Leitlinie verweisen aber auf ihre langjährige Erfahrung bei der Behandlung von transidentifizierten Jugendlichen, erwähnen jedoch nicht, dass sie deren Wirksamkeit eben in keiner Studie nachweisen konnten. Die Empfehlung lautet: Pubertätsblocker ab den ersten Anzeichen der Pubertät, Gegenhormone — welche die Kinder für immer unfruchtbar machen — dann, wenn das Kind eine gegengeschlechtliche „Pubertät“ wünscht, und Operationen im Wesentlichen erst im Erwachsenenalter. Psychotherapie ja, aber nur die affirmierende Variante.

Gleichzeitig fordern sie, Jugendliche in ihrer empfundenen Geschlechtsidentität zu bestätigen. Therapieformen, die dieses Empfinden hinterfragen, wird eine Absage erteilt. Sie reden von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht, statt vom biologischen Geschlecht; als hätte die Ärztin nach der Geburt eine Münze geworfen, ob sie das Baby als Jungen oder Mädchen eintragen soll. Und sie beziehen sich vielfach auf die von der WPATH herausgegebenen Standards of Care.

Es wird diskutiert, ob vor dem Einleiten von Maßnahmen eine umfassende kinder- und jugendpsychiatrische oder psychotherapeutische Diagnostik erhoben werden soll oder sollte. Dass sie erhoben werden muss, bevor man Kinder unfruchtbar macht, ihr Aussehen, ihre Stimme für immer verändert, wird nicht gefordert.

Der Vorsitzende der Leitlinienkommission, Georg Romer, betont immer wieder, wie wichtig „geschlechtsangleichende Maßnahmen“ für transidentifizierte Kinder seien. Er hat sein Leben damit zugebracht, Kindern Pubertätsblocker und Gegenhormone zu verschreiben und sie damit zu sterilisieren. Es ist fraglich, ob er seine Meinung nach einer weiteren großangelegten Studie ändern wird, die zeigt: Diese seine Praxis führt zu massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen, hilft den Kindern aber nicht weiter. Es hat ihn auch nicht beirrt, dass sowohl der Bundesärztetag als auch die Bundesärztekammer ein anderes Vorgehen mit Pubertätsblockern gefordert haben. Auch dass Pubertätsblocker nun in allen anderen westlichen Ländern — mit Ausnahme Österreichs und der Schweiz — verboten sind, scheint ihn nicht zum Umdenken gebracht zu haben. Da wird ihn die größte und peer-reviewte Studie aus den USA vermutlich auch nicht ins Grübeln kommen lassen. Und einmal ehrlich gesagt: Wer erkennt heute noch eine Studie „der Gegenseite“ an? Selbst wenn man trotz größter Versuche nicht nachweisen kann, dass Hormone irgendwas bringen. Und selbst wenn es eben nicht nur eine Gegenstudie ist. Sondern viele.

Für amerikanische transidentifizierte Jugendliche wird die Studie vermutlich erhebliche Auswirkungen haben. In Deutschland gibt es zu wenig öffentliches Interesse an dem Vorgehen mit transidentifizierten Kindern, und die Frösche selbst werden ihren Sumpf nicht von alleine austrocknen wollen. Aber vielleicht werden Eltern etwas kritischer nachfragen, wenn sie der Gabe von Pubertätsblockern an ihre Kinder zustimmen sollen, und werden zunächst eine gründliche Diagnose fordern. Eine Therapie und nicht gleich Hormonhämmer. Vielleicht. Hoffentlich.


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Quellen und Anmerkungen:

(1) https://webarchive.nationalarchives.gov.uk/ukgwa/20250310143933/https://cass.independent-review.uk/home/publications/final-report/
(2) https://opa.hhs.gov/sites/default/files/2025-11/gender-dysphoria-report-exec-summary.pdf
(3) Etwa: „Die AMA und die AAP haben die Lüge verbreitet, dass chemische und chirurgische geschlechtsablehnende Eingriffe gut für Kinder sein können. Sie haben ihren Eid gebrochen, zumindest keinen Schaden anzurichten, und ihre sogenannte ‚geschlechtsaffirmierende Versorgung‘ hat vulnerablen jungen Menschen dauerhafte körperliche und psychische Schäden zugefügt. Das ist keine Medizin — das ist ärztliches Fehlverhalten.“
(4) Das Bild wurde von ChatGPT erstellt, nach direktem Zitat aus der Studie.
(5) Anmerkung der Verfasserin: Auch hier gibt es eine kaum merkbare sprachliche Drehung; es geht nicht um Pflege (Care), es geht um Interventionen wie Hormonbehandlungen und Operationen.
(6) https://register.awmf.org/assets/guidelines/028-014l_S2k_Geschlechtsinkongruenz-Geschlechtsdysphorie-Kinder-Jugendliche_2025-06.pdf

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