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Gefangen in der Zeitschleife

Gefangen in der Zeitschleife

Die Menschheit scheint im Hinblick auf ihre historischen Fehler eine gewisse Lernresistenz zu besitzen.

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt/verurteilt, sie zu wiederholen“ (George Santayana, in „The Life of Reason“, 1905).

„Das war doch schon immer so!“ versus „Das hat es doch früher nicht gegeben!“

Einerseits haben manche Zeitgenossen die romantische Vorstellung, früher wäre vieles besser gewesen, denn damals gab es die heutigen Probleme nicht, und anderseits behaupten einige relativ beleglos, dass die Menschheit seit den Ursprüngen der Kultur mit denselben Problemen ringt. Natürlich entziehen sich beide Aussagen einer wissenschaftlichen Überprüfbarkeit, weil wir keine Zeitmaschine zur Hand haben, um in frühere Zeiten zurückzureisen und mit einer Feldforschung den Wahrheitsgehalt der beiden Aussagen zu überprüfen.

Und selbst wenn jemand eine Zeitmaschine hätte, würde diese Untersuchung weitere neue Fragen aufwerfen etwa: Wie könnte man sicherstellen, dass die Auswahl der Befragten von heute genauso wie bei den Befragten in der Vergangenheit repräsentativ ist?

Die Zeugnisse aus der Vergangenheit, wie Schriftstücke, Kunstwerke oder aufgezeichnete geschichtliche Verläufe, belegen zwar, das schon vor über zweitausend Jahren die Gelehrten philosophische Fragen aufwarfen, die zum Teil noch heute Bedeutung haben. Doch nur wenig ist darüber bekannt, wie die damalige Gesellschaft diese Fragen bewertet oder beantwortet hat.

Nehmen wir einmal an, dass sich die ungebildeten Menschen damals für diese Fragen nicht interessiert haben und heute ist es genauso, dann scheint die Aussage zu stimmen: Das war schon immer so. Anderseits handeln die meisten Menschen so, als ob diese philosophischen Fragen geklärt wären, denn sie verhalten sich mehrheitlich so, wie es ihnen die jeweils geltenden Konventionen oder Übereinkünfte vorschreiben. Es gehört zu den Regeln der Kultur, dass Zuwiderhandlungen sanktioniert werden und Konformität belohnt wird. Erneut ein Punkt, der dafür spricht, dass sich das Verhaltensmuster der Anpassung immer wieder bewährt hat, und sich deshalb die Menschen von heute kaum von ihren Vorfahren unterscheiden. Geändert haben sich vielleicht die Sitten und Gebräuche, aber die Notwendigkeit, sich daran anzupassen, blieb bestehen.

Wer definiert eigentlich heute die Sitten und Gebräuche?

Wir nehmen an, weil wir in einer sogenannten „liberalen Demokratie“ leben, dass die Lebensweisen von heute dem Ideal einer „offenen Gesellschaft“ entsprechen, oder zumindest, dass wir auf dem Weg zu einer solchen sind.

„Der Begriff ‚Offene Gesellschaft’ findet bereits im Buch „Les Deux Sources de la morale et de la religion“ (1932) des französischen Philosophen Henri Bergson Verwendung. Größere Bekanntheit im deutschen Sprachraum erlangte er durch das Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ (1945) von Karl Popper. (…)

In Offenen Gesellschaften ist im Gegensatz zu ideologisch festgelegten, geschlossenen Gesellschaften, die einen für alle verbindlichen Heilsplan verfolgen, ein intellektueller Meinungsaustausch gestattet, der auch kulturelle Veränderungen ermöglicht. Daher sind Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sowie eine strikte religiöse Neutralität von grundlegender Bedeutung für „Offene Gesellschaften“.

Und da merkt der kritische Leser gleich, dass wir doch sehr weit von einer „offenen Gesellschaft“ entfernt sind, denn die neue Wissenschaftsgläubigkeit oder auch Szientismus, schließt teilweise die Meinungsfreiheit aus, wie wir während der Plandemie gesehen haben. Obwohl sich später durch die Veröffentlichung der Corona-Protokolle gezeigt hat, dass die Einstufung der Gefährlichkeit von Corona nicht wissenschaftlich, sondern politisch begründet war. Zum angeblich menschengemachten Klimawandel gibt es offiziell auch nur eine „richtige Meinung“.

Wir sehen heute zunehmend, dass bestimmte ideologische Ansichten in den Medien und in den Diskursen verbreitet werden, die in der Folge allgemein verbindlich werden sollen. Dazu zählen beispielsweise spezielle Vorstellungen von Antifaschismus, „gegen Rechts!“, Russophobie, woke Vorstellungen von Geschlecht und Identität, aber auch die Abgrenzung zu einem vermeintlichen Antisemitismus. Für die Zuwiderhandlungen der Andersdenkenden gibt es die Abkanzel-Kultur, den virtuellen Pranger sowie juristische Nachspiele.

Leben wir in einer Zeitschleife, wie in dem Film „Täglich grüßt das Murmeltier“, und immer am selben Tag, mit etwa den gleichen Abläufen der Geschehnisse? Aber, das ist der Unterschied, die Hauptfigur im Film macht eine Veränderung durch, und ist am Ende ein anderer — ein geläuterter Mensch — was letztlich die Zeitschleife auflöst.

Daraus folgt: Geschichte wiederholt sich nicht vollkommen gleich, sondern verändert sich bei jeder Wiederholung. Vor 120 Jahren waren die Menschen vielleicht autoritätshöriger als heute, weshalb sie die Kriegspropaganda, die zum Ersten Weltkrieg führte, unkritischer aufnahmen. Auch die Vielfalt der Medien gab es damals noch nicht.

Es könnte aber auch sein, dass sich die Mehrheit heute nur kritischer wähnt, während sie in Wirklichkeit genauso konform ist wie die Menschen von damals. Auch beides könnte wahr sein, nämlich dass ein Teil der Menschen heute genauso unkritisch ist wie die Menschen zu früheren Zeiten, während ein anderer Teil der Menschen kaum noch bereit ist, sich mit anderen Menschen und einer gemeinsamen Einstellung verbunden zu fühlen.

Das Endstadium des modernen Liberalismus ist nach Meinung von Alexander Geljewitsch Dugin, dass jedes Individuum sein eigenes Geschlecht und seine eigene gegebenenfalls nicht menschliche Wesenheit definiert. Das bedeutet, dass der wesentliche Unterschied zu den Menschen früherer Zeiten die größere Uneinheitlichkeit der gesamten Gruppe ist. Was vermutlich den weiteren Verlauf der Geschichte beeinflussen wird, denn ohne Gemeinsamkeiten, wie etwa eine Nationalität und Sprache, eine Identität stiftende Kultur oder eine gesellschaftliche Ordnung, kann es kaum ein organisiertes Miteinander geben.

Wahrscheinlich hat jede Zeitepoche eine eigene Zeitqualität. Obwohl die Menschen heute durch den technischen Fortschritt, wie etwa das Internet, viele Dokumente vergangener Zeiten zur Verfügung haben, sind trotzdem nur wenige bereit, sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen — der Nutzen von historischen Quellen wird heute von einigen ernsthaft bezweifelt oder sogar bestritten.

Möglicherweise leiden die Menschen heute massenhaft an einer Art Chronophobie. Die Angst vor dem Verlauf der Zeit, vielleicht auch die Angst vor Veränderungen ganz allgemein. Einerseits möchten sie die Vergangenheit sowie auch die Gegenwart nach den aktuell vorherrschenden ideologischen Vorstellungen interpretieren und umformen — kurz, sie möchten eine Zeit bewahren, die es so nie gegeben hat. Andererseits möchten sie eine „Zeitenwende“ heraufbeschwören und herbeiführen, die allgemein gültig sein soll. Doch gleichzeitig lehnen sie jede Vorstellung von einem Kollektiv ab, weil alle Menschen individuell unterschiedlich sind, und das Ideal einer „offenen Gesellschaft“ keinen ideologisch festgelegten Plan duldet.

Wenn dieses paradoxe Dilemma eine Geisteskrankheit ist, gehen wir dann zum Arzt, zum Psychotherapeuten oder zum Geistheiler?


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